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Australien – ein Traumziel nicht nur für Biologen
von
Juliane Pasold

Hinweis: Bitte beachtet, dass dies die “Nur-Text-Version” des Berichtes ist. Die pdf Version mit zusätzlichen Grafiken und Bildern findet Ihr unter folgendem Link.

“How ya goin´?”

..ist die Standardfrage hier und immer zu hören sobald zwei Aussies aufeinander treffen.

Ich bin Juliane, 24 Jahre alt und Biologiestudentin an der Universität Rostock. Ich werde demnächst mein Studium beenden und dachte mir, dass ich vorher noch etwas ganz besonderes erleben möchte. Einen Aufenthalt im Ausland würde nicht nur gut im späteren Lebenslauf aussehen, sondern auch mir eine Reihe interessanter Eindrücke und spannender Erfahrungen bescheren. Australien ist mir dabei sofort in den Sinn gekommen, da ich diesen Kontinent schon immer faszinierend fand. Die Fauna und Flora ist einfach einzigartig, so dass man dort als Biologe auf jeden Fall voll und ganz auf seine Kosten kommt.

Nachdem ich mir ein Bild von den Unis in Australien gemacht habe und mich mit Hilfe des Ranke-Heinemann Instituts über Bewerbungsablauf und Kosten schlau gemacht habe, konnte mich nichts mehr bremsen..

Ich wählte die „University of Queensland“ in Brisbane aufgrund der reichhaltigen und sehr interessanten Kursangebote und weil eine Freundin, die dort auch studierte, mir nur positives berichtete.
Um möglichst viel von Australien bereits während meines 5 Monate andauerndem Studiums an der UQ zu sehen, habe ich mir vor allem Kurse ausgewählt die Exkursionen beinhalteten.

Ich bin am 11.Juli 06 in Brisbane, der Hauptstadt des Sonnenstaates Queensland gelandet und habe mich von dem UQ-Service vom Flughafen abholen und zu meiner vorrübergehenden Unterkunft, dem Emmanuel College direkt in Uni-Nähe, chauffieren lassen. Das war sehr angenehm, denn zum Einen konnte ich sofort Kontakt zu anderen internationalen Studenten knüpfen und zum Anderen musste ich mich nicht schwer bepackt alleine durch eine völlig fremde Stadt schlagen. Ich hatte außerdem nun die Möglichkeit in aller Ruhe auf die Suche nach einem längerfristigen Zuhause zu gehen.

Exkursion ins Outback (Kurs: „Outback Ecology Field Trip“)
Mein erstes großes Abenteuer startete nur 3 Tage nach meiner Ankunft am 14 .Juli. Ich nahm an einer 6-tägige Exkursion ins Outback zum Idalia National Park (1600 km westlich von Brisbane) teil, noch bevor die Vorlesungsperiode startete. Mir war anfangs ziemlich mulmig, weil ich absolut nicht wusste, was mich erwarten würde und ich auch keine Menschenseele kannte. Wir trafen uns um Mitternacht am Campus und begaben uns dann auf eine 14-stündige Busfahrt!!! Das war mir vorher gar nicht so klar, aber man darf die Distanzen hier wirklich nicht unterschätzen (besonders bei späteren Reiseplänen). Letztendlich kann ich sagen, dass es ein super gut organisierter Kurs war; Das beste was mir zu Beginn meiner Reise ins Ungewisse passieren konnte. Denn ich konnte gleich viele nette australische Studenten kennen lernen und einen einzigartigen Teil des australischen Festlandes erkunden.
Was euch wahrscheinlich am meisten interessieren dürfte ist, ob ich denn auch Kängurus gesehen hab... JA :) und zwar viele verschiedene Arten und wir haben sogar eins seziert (da lacht das Biologenherz). Es wurde frisch für Forschungszwecke geschossen, um uns Biologen die innere Anatomie eines Kängurus näher zu bringen. Es war sehr beeindruckend. Insgesamt waren knapp 40 Leute auf dieser Exkursion. Wir wurden also in kleinere Gruppen unterteilt, um dann insgesamt 4 Stationen (Projekte) zu durchlaufen – eine davon war „The Hill of Knowledge“, wo es darum ging das Verhalten der Kängurus zu studieren... :) Als unsere Gruppe still auf den Felsen hockte hoppelten nach kurzer Zeit so einige Kängurus vorbei. Das war ziemlich aufregend und ich konnte tolle Photos machen.
Meine Aufgabe war es dann einen Report zu einem der 4 Projekte sowie einen Aufsatz zum Management des Idalia Nationalparks zu verfassen. Das war schon eine ganz schöne Herausforderung, nicht nur wegen dem Englischen, sondern auch weil die Reporte anspruchsvolle Kriterien erfüllen mussten.

Exkursionen zur Ostküste Australiens (Kurse: „Marine Environment of Australia“ und „Marine Mammals“)

Den Kurs „Marine Environment of Australia“ kann ich nur weiterempfehlen, denn es war mein Lieblingskurs hier. Er war nicht nur höchstinteressant sondern auch total amüsant (ein großes Lob an den Referenten Dr. Ian Tibbet). An dem Kurs nahmen mehr als 90% Nicht-Biologen teil. Davon war ich anfangs sehr überrascht. Demzufolge fiel mir der Kurs jedoch sehr leicht :), da ich nicht viel lernen musste. Er beinhaltete zwei tolle Exkursionen, nach North Stradbroke Island und nach Heron Island. Besonders beeindruckt hat mich Heron Island, ein echter Traum!!! Kristallklares türkisblaues Wasser, weißer Korallensand und eine artenreiche Meeresfauna. Heron Island gilt als eines der schönsten Ferienorte und begehrtesten Tauchziele, weil es eine sehr interessante Unterwasserwelt bietet. Unsere Hauptaufgabe bestand darin die Insel und besonders das Korallenriff zu erforschen – sehr anstrengende Arbeit, sag ich euch ;): Rausfahren mit dem Research-Speedboat, das viele schnorcheln gehen, tauchen, Riffwanderungen bei Ebbe, Strandspaziergänge und und und. Wir mussten immer schon um 7 Uhr in der früh am reich gedeckten Frühstückstisch sitzen, um den Tag möglichst voll ausnutzen zu können. Die Verpflegung war echt super. Es gab alles was das Herz begehrt. Die Insel konnte man innerhalb von 20 bis 30 Minuten komplett umlaufen.

Der Zoologiekurs „Marine Mammals“ beinhaltete auch zwei Trips, einmal nach Seaworld und zum anderen nach North Stradbroke Island (Moreton Bay). In Seaworld konnte ich mir Delphine aus nächster Nähe anschauen. Das war toll, aber ich bin absolut kein Fan von irgendwelchen Delphin- oder Robbenshows. Deswegen müsste ich dort nicht unbedingt noch mal hin. Auf North Stradbroke Island konnte ich vom „Point Lookout“ Wale, Delphine und Schildkröten in freier Wildbahn bestaunen und das war echt beeindruckend. Wir sind auch mit kleinen Forschungsbooten rausgefahren und haben Dugongs (Indopazifische Seekühe) sowie große Meeresschildkröten gefangen. Die professionellen Forscher haben sämtliche Messungen und Probenahmen (Haut, Blut, Fäzes..) durchgeführt und wir konnten alles genau beobachten. Ich habe eine große Schildkröte genauestens bestaunen und anfassen können. :)
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass sich das Auslandssemester hier in Australien wirklich sehr gelohnt hat. Ich konnte sehr viel während meines Studiums hier lernen. Es ist doch sehr verschieden von dem Studium in Deutschland. Denn hier lernt man von Beginn an wissenschaftliche Reporte und Aufsätze zu schreiben, was man als forschender Biologe später auf jeden Fall beherrschen sollte.

So genug zur Uni und zum Studium... Nun zum Leben und Wohnen..
Ich wohne hier während des Studium in einer tollen Unterkunft, einem „Queensländer“, das ich mir mit zwei australischen Mitbewohnern und einem Hund teile. Ich habe hier eine schöne Terrasse zur Verfügung, wo man wunderbar studieren kann. Mittlerweile konnte ich mich auch gut in den australischen Alltag einleben. Ich fahre jeden morgen 15 min mit Fahrrad zur Fähre (Dutton Park), lass mich dann für 1,40 $ rübersetzen und dann bin ich auch schon an der Uni. Ich habe mich ja total in das super schöne warme Klima hier verliebt.. sehr, sehr angenehm... Die Winter in Australien werden als warm und trocken charakterisiert, was ich absolut bestätigen kann. Die Sommer hingegen sollen heiß und feucht werden.. könnte etwas unangenehm werden, weil man wahrscheinlich bei jeder kleinsten Bewegung schwitzt. Mal schauen.

Dies und das

Der Australische Akzent ist zeitweise wirklich etwas schwer zu verstehen, aber dann fragt man einfach noch einmal nach. Ich habe auch eine ganze Weile gebraucht, um mit dem Englischen vertraut zu werden.
Die Australier sind wirklich ein sehr genügsames und freundliches Volk. Man kann sie eigentlich nur lieb haben. Die Busfahrer allerdings können schön manchmal ganz schön launisch sein, aber das hängt sicher mit dem stressreichen Job zusammen.
Das Essen hier in Australien ist auch nicht viel anders als in Deutschland, bis auf das Brot. Ich liebe deutsches Vollkorn- und Mischbrot. Doch die Australier haben nichts dergleichen, sondern nur weiches Toastbrot. Es gibt aber wohl auch deutsche Bäckereien hier. Ich habe wenigstens Pumpernickel entdeckt und mich viel davon ernährt.
Man hat die Chance eine Reihe netter und unterschiedlichster Menschen zu treffen, auch viele Deutsche, was seine Vor- und Nachteile hat. Ein großer Nachteil ist, dass man wieder sehr stark ins Deutsch sprechen zurück verfällt. Ein großer Vorteil jedoch ist, dass man Gleichgesinnte hat und die Freundschaften auch über Australien hinaus einfacher aufrechterhalten werden können.
In Brisbane kann man sehr viel Party in der City erleben (The Valley). Es gibt viele verschieden Clubs und Bars. Allerdings sind die immer sehr gut besucht und manchmal hat man genug von der ganzen Partymeute. Ich bevorzuge eher Houseparties mit Pool, lecker Essen, Musik und vielen Leuten, mit denen man quatschen und Blödsinn machen kann. Außerdem gebe ich mein Geld hier lieber für Wochenendsausflüge mit Freunden aus. Ich war zum Beispiel in Byron Bay, wo man viel surfen, feiern und Beachvolleyball spielen kann. Eine Attraktion dort ist u.a. der östlichste Punkt des australischen Festlandes, von dem man einen atemberaubenden Blick auf den endlosen Pazifik genießen kann.
Ein wunderschönes Ereignis, dass sehr zu empfehlen ist, ist auch das „River Fire“, ein etwa einstündiges und sehr facettenreiches Feuerwerk über dem Brisbane River.
Ich habe auch am „Race day“ teilgenommen, einem Event an dem sich alle Jugend in die schönsten Kleider und Anzüge wirft, um dann zum Pferderennen zu gehen. Es war rammelvoll und natürlich ging es nur darum bestaunt zu werden (nach dem Motto: Wer hat das schönste Outfit). Die Pferde wurden kaum beachtet. Das entsprach nicht meinem Geschmack.

Nach dem Studium habe ich nun noch knapp 3 Monate Zeit, um Australien mit meiner Familie, die mich hier besuchen kommen wird, zu bereisen. Ich plane einen Campervan zu mieten und mit meinem Freund, der mich schon eher besuchen kommt und zwei Monate bleibt, eine große Tour entlang der Ostküste bis nach Darwin im Norden zu machen. Dank Inlandsflüge werde ich hoffentlich auch den Süden und Westen Australiens bereisen können. Man weiß ja nie, wann man mal wieder die Gelegenheit hat, nach Australien zu kommen.

Also, an alle die aufregende und hilfreiche Erfahrungen fürs Leben sammeln möchten, zögert nicht und kommt nach Australien!

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