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Es ist schwer zu fassen. Vor wenigen Jahrzehnten noch war der Wirkungskreis des gewöhnlichen Menschen auf einige hundert Kilometer beschränkt, doch nunmehr ist es Gegenwart, dass jede Distanz auf diesem Planeten für jeden überwindbar ist – zumindest in freiheitlich geführten Nationen, zu denen auch Australien gehört.
Begrüßt wurde ich im kühlen Adelaide von einem rauchenden Koreaner, der mich und mein spärliches Gepäck zur vorübergehenden Unterkunft transportierte. Zwei Dinge bemerkte ich schnell: Die Eigenschaft zu rauchen ist nicht üblich, die Eigenschaft Asiat zu sein dagegen sehr. Als empfindlicher Nichtraucher konnte ich die preiswerte und vielfältige Gastronomie ungestört genießen, wie auch die meisten Kneipen (allgemeinhin als „Pubs“ bekannt). In Hinsicht Nahrung ist Adelaide allgemein hervorzuheben. Im Central Market kann man gar echtes Brot zu einem unfairen Preis erwerben und wie jeder reiselustige Deutsche weiss, ist das in den meisten Ländern eine begehrte Rarität und spricht für Vielfältigkeit. Die kulinarische Bandbreite geht mit kultureller Bandbreite einher. Viele Clubs bieten live-acts aus diversen Stilrichtungen an und wer es klassisch mag, kommt für 6 € Studentenpreis in den Genuss des Adelaide Symphony Orchestra – diese Qualität bekommt man für so wenig Geld in Berlin nicht geboten. Das Leben hier ist vielseitig, preisgünstig und meist recht gemütlich. Für eine echten Stadtmenschen auf Dauer wohl zu gemütlich, denn man kommt nicht umhin: Adelaide ist eine kleine, australische Stadt. Man findet folglich ein sehr überschaubares Stadtzentrum umgeben von endlosen Vorortkompromissen. Noch ein kleines, touristisches Ballungsgebiet am Sonnenuntergangsstrand in Glenelg und schon hat man fast alles gesehen. Der aufmerksame Leser hat jetzt bemerkt, dass Adelaide wie die meisten Städte am Ozean liegt und den kann man von den nahegelegenen Adelaide Hills aus der Höhe bewundern. Von dort sieht man aber die Wale und Delphine nicht, die hier vor der Küste ein entspanntes Leben führen. Das haben sie sich vermutlich von den Australiern abgeschaut. Prinzipiell gibt es hier keinen Tag. Vor 12 ist es zu früh, um zu arbeiten und nach zwölf trifft man die Vorbereitungen für die Freizeit „tonight“ und „tonight“ beginnt spätestens um zwei. So verwundert es auch nicht, dass die meisten Geschäfte bereits um fünf die Ladentüren schließen, ausgenommen große Supermärkte. Spätestens dort übrigens, mutet die übliche Grußformel merkwürdig an; käme man in Deutschland wohl kaum auf die Idee, die Kassiererin mit „Hallo, wie geht es dir?“ zu begrüßen. Auch sonst ist man betont unformal, was natürlich in sich auch wieder formal wirkt. Nichtsdestotrotz begegnet man sich mit großer Hilfsbereitschaft und Offenheit, wenngleich tiefergehende Beziehungen mindestens ebenso träge wie in meiner Heimat sind, vielleicht noch träger. In Adelaide haben sich drei Universitäten angesiedelt: Flinders University, University of South Australia und University of Adelaide. An letzterer habe ich Kurse in Physik und Philosophie belegt. Der am Torrens River – mehr ein Bach, denn ein Fluss – gelegene Campus ist entspannt zu durchwandern und nach einigen Tagen findet man sich in der verwinkelten Gebäudekomposition zurecht. In längeren Pausen kann man sich am Flussufer sonnen oder den botanischen Garten erkunden und dabei die farbenfrohe und abwechslungsreiche Vogelwelt bestaunen. Sehr nett. Weniger günstig ist die australische Zeiteinteilung. Eine Vorlesung dauert üblicherweise 50 Minuten mit anschließend zehn Minuten Pause zur nächsten. Die lästige Angewohnheit des Überziehens und die physikalische Unumgänglichkeit von räumlicher Distanz zum nächsten Vorlesungssaal lassen von dieser Zeit nichts übrig. Dazu kommt das Fehlen einer in Deutschland verbreiteten inoffiziellen Mittagspause für den Besuch der Mensa, die es hier nicht gibt und damit ist das Dilemma komplett: Wann soll man Kontakte finden? Es funktionierte für mich, aber es ist deutlich schwieriger und insbesondere der Kontakt zu australischen Studenten ist bis auf sehr überschaubare Ausnahmen ausgeblieben. Dies hat aber noch andere Gründe: Das Bildungssystem Australiens zwingt die meisten Studenten neben dem Studium zur Arbeit und so bleibt wenig bis keine Freizeit übrig. Die meisten, die ich auf Parties, Ausflügen und sogar auf dem Campus kennen lernte, sind andere internationale Studenten – ausgenommen Asiaten. Ich beeile mich hinzuzufügen, dass dies eine ideologisch neutrale Feststellung mit Ausnahmen ist, die leider wahr ist. Der Großteil an Asiaten ist sehr nett im persönlichen Gespräch, bleibt aber trotz dessen eher unter sich. Für die meisten asiatischen Studenten handelt es sich auch nicht um Auslandserfahrung, sondern um ein komplettes Auslandsstudium. Dafür ist der Bildungsstandard nach meinem Ermessen durchaus geeignet. Das Studium der Physik unterscheidet sich nicht spürbar im Inhalt, wenngleich spürbar in den Anforderungen. Diese waren in beiden Kursen moderat und die Anregung zu studentischer Zusammenarbeit gering. Das Autoritätsverhältnis ist trotz der schon erwähnten formalen Unformalität sehr ähnlich zu meiner Heimathochschule und die Ausstattung insbesondere mit Fachbüchern in keinem Fall besser. Neben den Honourskursen der Physik besuchte ich zwei Undergraduate Kurse der Philosophie, die deutlich mehr Aufwand verursacht haben. Die wöchentliche Lektüre von bis zu einhundert Seiten pro Kurs hielten mich gerade zu Begin permanent beschäftigt und etwas Enttäuschung blieb nicht aus, dass die Themen in den nur fünfzigminütigen Übungen nur ansatzweise diskutiert werden konnten. Die Vorlesungen hatten hohe Qualität und waren um Aktualität bemüht. Auch in diesen Kursen waren die Anforderungen zuvorkommend und die Bewertung nachsichtig. Es ist, als würde die Gelegenheit eröffnet, intensiv zu studieren, wenn man will, und gleichzeitig der Weg für den berufsqualifizierenden Bachelorabschluss geebnet, wenn man die Bildung nur als Mittel zum Zweck ansieht. Angemerkt sei, dass dies für die Qualität der geforderten Arbeiten gilt, der Umfang ist alltagsfüllend. Adelaide ist auch als das Tor zum Outback bekannt, vielleicht das charakteristischste an diesem Kontinent. 1500 Kilometer nördlich begann ich in Alice Springs einen Trip nach Adelaide und erkundetet dabei mit anderen Internationalen in einem Kleintransporter die MacDonnell Ranges, Uluru (Ayers Rock), Kata Tjuta, Kings Canyon, Coober Pedy und die Flinders Ranges. Coober Pedy ist zwar sehr berühmt (Opal), aber im Lichte der Fahrstrecke nur zu empfehlen, insofern es auf dem Weg liegt. Ansonsten sind diese Orte ein absolutes Muss. Insbesondere Kata Tjuta und Kings Canyon sind atemberaubend und unvergesslich. Wer Kangeroos sehen will, fährt des Nachts auf dem Highway durch das Outback und wer frisches Roofleisch essen will, fährt ein bisschen schneller oder folgt den riesigen Roadtrains. Ausprobiert habe ich das allerdings nicht... Zusammenfassend kann ich sagen, dass die kulturellen Unterschiede spürbar, aber nicht erheblich sind und das Reizvollste bisher die sehr andersartige Geologie, Flora und Fauna gewesen ist. Der Bildungsstandard ist akzeptabel, die wirtschaftliche Lage der Studenten im Allgemeinen deutlich ungünstiger, speziell in Adelaide aber, ist das Leben preiswert. Mit Nachdruck empfehle ich jedem, der einen Auslandsaufenthalt plant, sich nicht auf ein Semester zu beschränken. Die vier Monate sind in einem Wimpernschlag vergangen und man sollte sich mindestens noch zwei bis drei Monate zum Reisen freihalten. Anmerkung: Bilder und mehr Text gibt es unter www.isturm.de/tagewerk/t_oz.htm
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Gute Gründe für eine Studienplatzbewerbung über unser Sekretariat! | ||||||||||||||||||||||||||
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