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Studieren an der University of Western Sydney
von
Steffen Andreas Scholz
Master of Business (Operations Management)
2007/2008
Parramatta Campus


1. Zu meiner Person

Hallo!
Mein Name ist Steffen Scholz. Ich studiere 2007/2008 Operations Management (Master of Business) an der University of Western Sydney (UWS). Der folgende Bericht soll einen kleinen Einblick in mein Studium an der UWS und in mein Leben in Sydney geben.


2. Introduction - University of Western Sydney

Die University of Western Sydney ist eine Multi-Campus Universität mit Campusstandorten in Parramatta, Penrith, Westmead, Campeltown, Blacktown, Bankstown, Werrington. 35,000 UWS Studenten verteilen sich auf diese unterschiedlich großen Campi. Parramatta ist der größte Campus. Diese Vielzahl der Campi ist ein besonderes Alleinstellungsmerkmal der UWS. Die UWS ist eine recht junge Uni - erst in den 80er Jahren aus verschiedenen Colleges hervorgegangen. Trotz des geringen Alters hat die Uni sich bereits einen guten Namen machen können.

Ich habe mich für Die University of Western Sydney entschieden, weil sie ein einzigartiges und innovatives Kursangebot in meinem Studienbereich (Operations Management) anbietet. Zudem liegt der Hauptcampus in Parramatta gut erreichbar in der Nähe vom Sydney CBD (Central Business District).
Die Bewerbung ging über das Institut Ranke-Heinemann relativ einfach von statten. Folgende Unterlagen habe ich nach Essen geschickt, wo sie auf Vollständigkeit überprüft wurden und danach an die Australischen Universitäten verschickt wurden:
- Antragsformular
- Notenspiegel
- Arbeitszeugnisse
- Sprachtest
Als problemlos stellte sich auch mein fehlendes Diplomzeugnis heraus. Dieses konnte ich zu einem späteren Zeitpunkt nachreichen. Schwieriger war allerdings die Anerkennung meiner Sprachkenntnisse. Ich hatte zunächst nur eine Conditional Offer bekommen. Kann man kein vorheriges Studium im englisch-sprachigen Ausland oder Sprachtests vorweisen, wird man i.d.R. von der Uni aufgefordert, einen Sprachkurs in Australien abzulegen. Dieser geht dann dem eigentlichen Studium voraus und ist sehr kostenspielig! Nach beharrlichem Bearbeiten der zuständigen Sachbearbeiterin an der Uni, wurden meine Auslandssemester an einer Britischen Uni dann doch anerkannt. Somit stand einer Unconditional Offer nun nichts mehr im Weg. Ich hatte also die erste Lektion schon gelernt - Hartnäckigkeit zahlt sich auch in Australien aus! Jedoch sollte dies immer freundlich geschehen, und das typisch Deutsche Einfordern von Recht unterbleiben!

Nachdem ich nun endlich nach 4 Monaten meinen Offer Letter hatte, konnte ich nun endlich meine Studiengebuehren überweisen. Generell gibt es die Möglichkeiten per Kreditkarte zu bezahlen oder eine Auslandsüberweisung vorzunehmen. Da Auslandsüberweisungen sehr teuer sind und die Gebühren von Bank zu Bank sehr stark abweichen, sollte man sich über die Gebühren und anzusetzenden Wechselkurse schon gut informieren. Nach der Überweisung der Studiengebuehren erhält man die Confirmation of Enrolment. Mit der dort abgedruckten Nummer kann man nun ein Visum beantragen - Kostenpunkt etwa 450 AUD. Dieses geht relativ einfach. Wenn man sich jedoch im "falschen" Land für längere Zeit aufgehalten hat, wird eine ärztliche Untersuchung bei einem speziell designierten Facharzt notwendig. Dieses kann auch einmal gerne 160 Euro kosten. Asiatische Länder sind in der Regel "falsche" Länder. Endlich hatte ich nun auch mein Visum in der Tasche und konnte einen Flug buchen. Dieses geht auch noch kurzfristig ist dann jedoch etwas teurer.
Nach Australien fliegt u.a. die folgenden Airlines:
- Qantas
- Singapur Airlines
- Emirates
- Malaysia Air
- Thai Air
- Cathy Pacific
- British Airways
- Lufthansa


3. Wohnen & Leben
Sobald klar ist, dass man in Australien studieren wird, stellt sich die Frage, wo wohnen? Wie viele andere habe ich natürlich auch (typisch Deutsch) versucht, dieses vor der Abreise zu klären. Wie schon viele meiner Vorredner geschrieben haben SUCHT VOR ORT!. Die Wohnungssituation ist zwar angespannt, aber eine Wohngelegenheit hier in Australien kann man nicht von Fotos beurteilen! Häufig halten diese einfach nicht, was sie versprechen. Man sollte schon ca. ein bis zwei Wochen für die Wohnungssuche einplanen. In dieser Zeit kommt man am besten in einer der Jugendherbergen unter. Noch besser, wenn man schon Freunde/Bekannte vor Ort hat, bei denen man wohnen kann oder zu mindestens seine Wertsachen unterstellen kann. Mieten werden auf Wochenbasis kalkuliert und liegen in Sydney bei 150 bis 200 pro Woche + Nebenkosten (nur Strom und Gas zu bezahlen - relativ günstig). I.d.R. gibt es noch einen Monat Kaution zu hinterlegen. Diese wird häufig vom Vormieter des Zimmers einkassiert. Genauso macht man es dann bei seinem Nachmieter - Quittung geben lassen trotzdem nicht vergessen!

Aber wo sollte man denn nun wohnen?

Antwort! Das kommt auf den Campus an und was man für ein Typ man ist. Wenn man wie ich zum Parramatta Campus der Western Sydney muss, hat man mehrere Möglichkeiten! Zum einen kann man in Parramatta (oder direkter Umgebung) wohnen. Von dort kommt man recht gut per Bus zur Uni. In Parramatta ist auch am Wochenende gut was los - sprich Church Street. Es ist aber auch nicht vergleichbar mit Sydney CBD. Züge fahren tagsüber und abends regelmäßig und brauchen etwa 30-45 Minuten. Nachtbusse pendeln am Wochenende die ganze Nacht durch (meines Wissens). Mieten entsprechen etwa denen in Sydney CBD.

Wer hippe kleine Bars will, sollte nach Newtown ziehen. Hier wohnen sehr viele Studenten und es gibt unendliche viele kleine Bars. Jedoch halten die wenigsten Züge in Newtown (liegt zwischen Parramatta und Sydney). Umsteigen incl. Zeitverlust ist also unvermeidlich. Ich für meinen Teil wohne am liebsten in DER Stadt - Sydney! Ich wohne derzeit in Redfern - einem Stadtteil berüchtigt für seine Aborigini Unruhen und seine Kriminalität. Dieses kann ich jedoch nicht bestätigen, wahrscheinlich weil ich auch auf der Grenze zu Surry Hills wohne. Glebe, Redfern, Surry Hills, Rozelle halte ich für die interessantesten Vororte für Studenten. Bei der Suche sollte ihr darauf achten, dass ihr eine gute Anbindung zu öffentlich Verkehrsmitteln habt - Tag und Nacht! Überprüfen könnt ihr dieses auf der Seite des öffentlichen Nahverkehrs: www.131500.com.au

Zum Parramatta Campus kommt man generell mit drei verschiedenen Varianten:
  • den L20 Bus am Ciruclar Key oder Town Hall nehmen - langsam und teuer
  • einen beliebigen Zug nach Parramatta, von dort mit dem Bus zum Campus; schnell, aber etwas teurer da Busticket extra kostet - man kann aber auch gleich noch einkaufen im Parramatta Einkaufszentrum
  • ein Mal in der Stunde nach Clyde mit dem Zug fahren, dort umsteigen in einen anderen - am schnellsten, aber auch am flexibelsten



Wo kann ich einkaufen?

Generell gibt es 2 grosse Supermarkt ketten - Coles und Woolworth (Woolies). Beide haben ähnliche Preise und auch ein begrenztes Sortiment an günstigeren Hausmarken. Diese Supermärkte gibt es praktisch überall. Jedoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass jeder Meter Schleppen ein langer Meter werden kann. Aldi ist ebenfalls in Australien vertreten, jedoch häufig etwas weiter weg. Die Preise bei Aldi sind von Coles und Woolies kaum zu schlagen, jedoch meckern die Australier ganz gerne über die Aldi-Qualität.

Telefonieren?

Geht innerhalb von Australien am einfachsten mit einer Australischen Pre-paid Karte. Der Anbieter ist fast egal, Preise unterscheiden sich nicht großartig. Optus und Telstra sollen jedoch besseren Empfang im "Outback" haben, während Vodafone etwas günstiger sein soll.


4. Kursangebot/Studieren

Das Kursangebot an der UWS ist als gut zu bezeichnen. Zumindestens gilt das für den Bereich Business. Alle Hauptspezialisierungsarten sind vertreten und es gibt auch einige Spezialrichtung, die man so nicht an anderen Unis findet. Mein Bereich, Operations Management, ist hier zu nennen. Jedoch muss fairerweise gesagt werden, dass nicht alle Vorlesungen die theoretisch auf dem Papier stehen auch so angeboten werden! Einige so genannte Electives finden nur jedes 2. Halbjahr statt oder sind bereits informell aus dem Programm genommen worden.

Die Kurswahl geht ganz einfach von statten. Man meldet sich entweder vor Semesterstart mit Hilfe der Online-Plattform MySR an oder registriert sich sicherheitshalber vorher für alle interessanten Vorlesungen (Units) und besucht dann einfach die ersten Vorlesungen. Bis zum Census Day (ca. zwei bis drei Wochen nach Semesterstart) kann man Units kostenlos streichen. Die Reihenfolge in der man Core Units oder Electives belegt ist i.d.R. irrelevant. Entscheidend ist hier welche Units in welchem Semester angeboten werden. Wer sich etwas Arbeit abnehmen will kann versuchen ein Advanced Standing in einer Unit zu bekommen - sprich sich um eine Anerkennung vorheriger Studienleistungen zu bemühen und die entsprechende Unit in Australien nicht belegen und bezahlen zu müssen. Hierzu werden Unit Outlines in Englisch verlangt, die belegen, dass man große Teile des Lehrstoffs schon hatte. Erfahrungsgemäß ist ein Advanced Standing für eine Core Unit schwerer zu bekommen als für ein Elective.

Vorlesungen gestalten sich ähnlich wie in Deutschland. Fur Postgraduates finden diese meistens abends von sechs bis neun Uhr statt oder als sechswöchige Blockvorlesungen an Samstagen. Skripte müssen hier selbst ausgedruckt werden und häufig sind Zusammenfassungen von Journalartikeln oder Fallstudien für die Vorlesungen vorzubereiten. Die Vorlesungen laufen meistens sehr interaktiv und informell ab. Kleine Klassen sind die Regel - zumindest im Postgraduate Bereich.

Klausuren! In den meisten Fächern müssen auch Klausuren geschrieben werden. Das ist in Australien nicht anders als in Deutschland. Diese machen irgendwo von 50 bis 70 % der Endnote aus. Klausuren in Australien können Open Book oder auch Closed Book sein. Open Book verheißt aber leider nicht automatisch eine leichtere Klausur, sondern nur, dass man noch besser darauf vorbereitet sein muss. Der Schwierigkeitsgrad der Klausuren variiert je nach Professor. Die Notengebung leider auch! Ich habe beobachten müssen, dass die Vornoten durch Präsentationen und Hausarbeiten häufig besser sind als die späteren Klausurnoten. Hier wird wohl darauf geachtet, dass die Endnoten nicht zu gut sind.
Das Erstellen von Präsentationen und Hausarbeiten unterscheidet sich nicht wesentlich von deutschen Ansätzen. Jedoch sollte man darauf achten, dass Layout und Schreibstil dem geforderten Stil in Australien entsprechen. Ich würde das Niveau an der UWS nicht als übermäßig anspruchsvoll bezeichnen. Jedoch haben viele meiner Kommilitonen Schwierigkeiten mit akademischen Formulierungen und dem gewünschten Aufbau/Inhalt von Reports und Präsentationen gehabt. Einführungskurse zu besuchen und regelmäßig Professoren und Mitstudenten zu fragen sollte hier helfen.


5. Social Life?

Mit was für Leuten werde ich in Australien abhängen? Nun, das hängt natürlich von den persönlichen Präferenzen, dem Zufall und natürlich auch dem eignen Engagement ab. Wie an allen Unis in Australien findet man auch an der UWS zahllose chinesische und indische Studenten. Diese socializen i.d.R. nicht in dem Maße wie die "Ur-Australier" oder internationale Studenten aus den USA oder Europa. Dennoch habe ich mich im Laufe des Aufenthaltes mit einigen australischen und indischen Mitstudenten anfreunden können. Einfach mal nach den Vorlesungen auszugehen oder gemeinsam Hausarbeiten vorzubereiten hilft bei der Kontaktaufnahme ungemein. Auch in einer Multi-Kuli-WG zu wohnen kann nicht schaden. Hier sollte man sich aber über unterschiedliche Ansichten über das Zusammenleben im Klaren sein.

Weggehen ist in Sydney kein Problem! Pubs und Clubs ballen sich insbesondere in Newtown, Darling Harbour, Town Hall/Central und am Circular Key/The Rocks. Vor 10 Uhr ist der Eintritt relative problemlos und häufig kostenlos. Danach jedoch sind ein anständiges Hemd und Lederschuhe Pflicht. Auch sollte man immer seinen Führerschein oder Ausweis zwecks Altersüberprüfung dabei haben.


6. What 2 Do in den Semesterferien

Wer Im Sommersemester (Juli-Start) abfängt, hat aller Wahrscheinlichkeit nach Ferien von Anfang Dezember bis Ende Februar. Diese Zeit will genutzt werden!

Zum einen kann man sich auf eine Rundreise begeben oder ein wenig Geld dazuverdienen. Jobs gibt es en masse in Sydney. Jedoch sind diese nicht immer traumhaft, sondern eher auf dem Niveau Bürohilfe anzusiedeln. 18 AUD aufwärts kann man als Stundenlohn erwarten. Verdient man nicht zu viel, ist es möglich die gezahlten Steuern am Ende des Financial Year zurückzufordern. Um arbeiten zu dürfen, benötigt man einen work permit, die man gegen 60 AUD Gebühr beim Departement of Immigration an der Central Station erhalten kann. Dann darf man vollzeit während der Semesterferien schaffen und teilzeit (20 Std pro Woche) während Vorlesungszeiten.

Wer nicht in der freien Wirtschaft arbeiten möchte, kann sich auch nach einem Projekt an der Uni umsehen. Ein solches Co-op Programm gibt auch unerfahreneren Studenten die Möglichkeit etwas zu lernen. An der UWS werden solche Jobs durch die careerhub Plattform verteilt. Die Vergütung für ein solches Projekt ist nicht vergleichbar mit einem regulaeren Job, jedoch lernt man i.d.R. mehr und hat viel mit anderen Studenten zu tun.


7. Zum Abschluss noch mal Reisen?

Wie bereits oben erwähnt sollte jeder sich Australien auch einmal als Tourist zu Gemüt führen. Populäre Reiseziele sind:

- Melbourne: Stadt und Umgebung, Great Ocean Tour, Philips Island und das Wilson Promitory
- Perth
- Darwin: Stadt und National Park
- Ayers Rock und Alice Springs als Outback Stadt
- Die Ostkueste: ab Cairns nach Süden, über Brisbane bis Sydney
- Sydney: Stadt, Blue Mountains, Hunter Valley, Straende, etc.
- Neuseeland: Nord oder Suedinsel
- Tasmanien: Wandertouren

Die Kosten für die einzelnen Trips unterscheiden sich natürlich je nach Distanz, Ansprüchen und Aktivitäten. Wer in Jugendherbergen unter kommt und selbst kocht, kann jedoch einigermaßen günstig über die Runden kommen. Man reist entweder per Bus oder Flugzeug. Zug fahren ist aufgrund der schlechten Verbindungen eher selten. Man kann sich natürlich auch ein Auto mieten, jedoch verbringt man so große Teile seines Urlaubs im Transit. Anbieter sind z.B.:
- Budget Car Rental
- Hertz
- Europcar
- Thrifty
- Etliche kleinere lokale Anbieter

Wer fliegen möchte, für denen kommen die folgenden Airlines in Frage:
- Qantas
- Virgin Blue
- Jetstar

Wer den Bus bevorzugt (i.d.R. für die Ostküstentour) der wählt typischerweise Greyhound Busse oder Premier Bus Services. Die Greyhoundbusse fahren häufiger, sind aber auch etwas teurer als Premier.

Damit bin am Ende meines kleinen Reports angekommen. Leider konnte ich nicht alles mit hinein nehmen. Vieles werdet ihr jedoch vor Ort selbst in Erfahrung bringen. Bleibt nur noch zu sagen "No worries"! Das hilft hier in Australien "heaps" weiter und ist sicherlich etwas, was der typisch Deutsche mit nach Hause nehmen kann.

Hast Du noch Fragen? Dann nicht zögern, sondern einfach über das Ranke-Heinemann Portal (4A Club) schreiben! Ich werde so gut es geht weiterhelfen!

Beste Gruesse

Steffen

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