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Nach umfangreicher Suche einer geeigneten australischen Universität habe ich beschlossen, meine Wahl auf das Royal Melbourne Institute of Technology und die University of Sydney zu beschränken. Ich fand heraus, dass die 1851 gegründete University of Sydney die Älteste des Landes, und schon dadurch sehr renommiert ist. Somit habe ich mich an der USYD beworben und bin auch auf Anhieb aufgenommen worden, was mich im Nachhinein sehr erfreute, als ich herausfand, dass man sich wegen des englischen Schulsystems nie nur an einer einzigen Universität bewirbt. Es besteht nämlich die Möglichkeit, abgesehen von den recht hohen Leistungsauflagen bei der Bewerbung selbst, aufgrund einer erreichten Maximalkapazität an Studienplätzen nicht mehr unterzukommen. Wie dem auch sei, meine Wahl erwies sich als sehr förderlich:
Unter sämtlichen bekannten anderen Studienrichtungen gibt es an der USYD auch eine eigene Fakultät für Architektur, die wie in Graz ebenso ein eigenes Gebäude beansprucht. Die innerfakultäre Organisation ist sehr unterschiedlich von der Unseren; es gibt zwar ebenfalls einen Studiendekan, der sich als Oberverantwortlicher für das gesamte Studium erweist, der aber kein Architekt ist und sich rein um Organisatorisches und Universitätspolitisches kümmert. Ein fachlicher Zusammenschluss mehrerer Unterrichtender in Institute, wie es sie an der TUG gibt, ist an der USYD nicht vorhanden. Vielmehr zeichnen sich die diversen Professoren selbst für die Durchführung und Koordination der jeweiligen Fächer verantwortlich und sind dadurch direkte Ansprechpartner für sämtliche Fragen. Nachdem es für jede Lehrveranstaltung nur einen Prüfungs/Abgabe-termin pro Semester gibt, fällt viel der organisatorischen Arbeit aus, was darin resultiert, dass nur ein recht geringer Aufwand an zusätzlichem Personal betrieben werden muss. Das Architekturstudium selbst ist vom Ablauf her in 2 Einzelstudien gegliedert, das erste ‘Bachelor of Design’ und das zweite ‘Bachelor of Architecture’, welche mit den Studienabschnitten 1+2 in Graz nur bedingt vergleichbar sind. Beide schliessen mit einem eigenen Diplom ab, BDes. nach regulär 6 Semestern, und BArch nach regulär weiteren 4 Semestern. Zwischen den beiden Lehrgängen ist ein mindestens 20-wöchiges Pflichtpraktikum in einem Architekturbüro oder anderweitig bauverwandtem Metier zu absolvieren. Eigene Kurskoordinatoren sind für die jeweiligen Programme (BDes.+BArch.) zuständig und sind die Hauptansprechpersonen für allgemein Studienbezogenes (vergleichbar mit unserem TUG-Dekanat) aber auch für Fachliches. Diese sind äusserst wichtig und hilfreich beim Planen des Studienverlaufs. Zusätzlich unterrichten die Kurskoordinatoren auch jeweils ein Entwerfen pro Semester. Die Entwerfen im Bachelor of Architecture Kurs werden in kleinen Gruppen mit bis zu maximal 15 Teilnehmern gehalten. Daraus resultiert, dass bei einer Studentenzahl von um die 75 pro Jahrgang 5 Entwerfengruppen zur Auswahl stehen, die von unterschiedlichen Professoren geleitet werden und dadurch auch jeweils leicht individuell gefärbt sind. Das gesamte Studienprogramm ist um das jeweilige Entwerfen des Semesters arrangiert, welches inhaltlich jeweils auf Hochbau/Gebäudetechnik, Städtebau, bzw. aktuellen Wettbewerben udgl. ausgelegt ist, so dass je ein Semester im Zeichen einer bestimmten Fachrichtung steht. Oft werden auch andere Vorlesungen bzw. Seminare inhaltlich an die Entwerfen Projekte gekoppelt. So gibt es pro Jahr ein inhaltsspezifisches ‚Integrated Architectural Design Studio’ und ein inhaltsoffenes ‚Open Architectural Design Studio’. Bei Erstem ist von allen Gruppen dasselbe Projekt zu bearbeiten, bei Zweitem stellen die jeweiligen Unterrichtenden individuelle Projekte vor, die meist in den Bereich ihrer praxisfachlichen Interessen fallen. So hatte ich Gelegenheit ein Semester unter Nick Murcutt (Glenn Murcutt’s Sohn) ein besonderes Projekt zu entwickeln, mit dessen Planung sein Büro beauftragt worden war. Es handelte sich um den Umbau/Zubau einer für Australien traditionellen Schafwollfarm, welche die Schauspielerin Kate Blanchett zu einem Institut für darstellende Kunst in Kombination mit einem kleinen öffentlichen Theaterbetrieb und einem Familienferienwohnsitz umnutzen will. Meine 3 weiteren Projekte befassen sich mit der Gestaltung eines Campus für eine geplante Universität für Aboriginal Spiritual Knowledge, einem Wettbewerb für die Städtebauliche Planung eines am CBD angrenzenden 58ha grossen Areals am Gelände der Carlton United Breweries und einem Entwurf für ein kleines Theater im Zentrum eines südlichen Suburbs von Sydney. Das Studienprogramm in Australien wird, wie in allen englischsprachigen Ländern zumeist in Mindeststudiendauer absolviert. Es besteht für Architektur an der USYD aus 70Creditpoints (=Semesterwochenstunde) an grossteils aufbauenden Pflichtfächern, die in geordneter Abfolge abgelegt werden müssen, und aus 26Creditpoints an Wahlfächern, die nach belieben und Interesse ergänzt werden können. Das Fächerangebot im Allgemeinen ist reichhaltig sowohl an gutem Entwerfen und interessantem virtuellem Geschehen als auch an Gebäudetechnischem, praxisbezogenem Büromanagement und Finanztechnischem. Die Studiengebuehren an der USYD belaufen sich für internationale Studenten, die nicht direkt an einem Austauschprogramm teilnehmen, durchschnittlich auf 7200A$ pro Semester. Das entspricht ungefähr einem Wert von 4600€. Weiters wurde das Zahlungssystem neuestens so umgestellt, dass dem Studenten jeder konsumierte Creditpoint direkt verrechnet wird. Das heisst, je mehr Fächer der Studierende wählt desto mehr muss er auch zahlen, was in Anbetracht der ohnedies hohen Studiengebühren eine schmerzliche Zusatzbelastung ist. Einheimische Studierende zahlen rund ein Drittel der oben genannten Kosten und können wie auch in Grossbritannien einen Kredit vom Staat ohne zuzügliche Zinsen dafür bekommen. An Zeichensaalkultur und ähnlichem haben australische Architekturfakultäten, wie ich herausfinden musste, allgemein wenig zu bieten. Interessens und Lerngemeinschaften mit Kollegen am Rande des Studiums sind auf Grund des englischen Schulsystems leider nur erschwert möglich. Das mag darauf basieren, dass geeignete Räumlichkeiten dafür nur ansatzweise zur Verfügung stehen, liegt meiner Meinung nach aber hauptsächlich am Beurteilungssystem, welches die Studierenden im Kollektiv gegeneinander bewertet. So wird die Arbeit eines Jeden direkt im Vergleich - oder gegen - die Arbeiten der Kollegen benotet. Dieses Faktum ist nicht nur hinderlich für Kommunikation und Informationsaustausch, es sichert auch architektonische Qualität nur über den Druck sich gegen und nicht mit Anderen zu messen. Das Notensystem ist aufgebaut auf 100 maximal zu erreichenden Punkten pro Fach, die es über verschiedene Prüfungsmodalitäten zu erlangen gilt: >50CPTS = Fail 50-64CPTS = Pass 65-74CPTS = Credit 75-84CPTS = Distinction 85-100CPTS = High Distinction Im Allgemeinen sind die australischen Prüfer recht geizig mit den gepriesenen CPTS. Ausserakademisch ist Australien ob seiner Vielfalt und unterschiedlichen kulturellen Einflüsse ein ausgeprägt reizvolles Land. Insbesondere Sydney ist als moderne Metropole ein Zentrum nicht nur für aussergewöhnliche Architektur. Auffallend ist der Unterschied im Stadtbild in vielerlei Hinsicht insbesondere für Europäer. Da Mitte des 20. Jahrhunderts mit Hilfe des immigrierten Österreichischen Architekten Harry Seidler Versuche gesetzt wurden, die Stadt weg von ihrer ursprünglichen zentral orientierten Planung hin zu einer am Raster ausgelegten modernen Auto-Stadt zu entwickeln, verwundert es den Besucher ob des offensichtlichen Mangels eines prominenten Stadtkerns. Vielmehr zerfällt Sydney in kleinere Orte des Geschehens und orientiert sich vorwiegend hin zu den vielen Buchten um welche es erbaut ist. Die Pracht dieser szenischen Lage ist es dann vermutlich auch, was die Bewohner von Sydney darüber hinwegtröstet, dass viele der Qualitäten ihrer prä-modernisierten Stadt im Zuge der Umplanung verloren gegangen sind, und auch die Verkehrsplanung durch die stetige Zunahme an Menschen und vor allem an Autos ein recht belastender Faktor geworden ist. Das oeffentliche Verkehrsnetz setzt sich zusammen aus einem weitreichenden U-Bahn/Zug Netz, Busnetz und zusätzlichen Fährenservices, die die Bereiche um den Hafen gut abdecken. Ausserdem gibt es die Monorail und eine übriggeblieben Strassenbahnlinie, die allerdings mehr als Touristenattraktionen dienen als ernsthaft das restliche Verkehrsnetz zu unterstützen. Der Wohnungsmarkt in Sydney ist um ein schnelllebiger und auch teurer als in Graz. Meine erste Unterkunft habe ich mir von Österreich aus über das Internet organisiert, ein neu gebautes Studentenheim mit 650 Plätzen für internationale Studenten namens Sydney University Village. Das „Dorf“ gleicht in seiner Organisationsstruktur mit einer Rezeption, Cateringbereichen, Lounges und geplantem Freizeitunterhaltungsprogramm allerdings mehr einem Clubhotelbetrieb als einem konventionellen Studentenheim. Der Preis dafür ist dementsprechend hoch. Umgerechnet rund 650 Euro (1180 A$) fuer ein 18qm möbliertes Einzelzimmer mit Bad sind monatlich zu entrichten. Das mag für europäische Verhältnisse zwar hoch erscheinen, die Rechnung geht aber für US-Amerikanische und Süd-Ost Asiatische Studenten durchwegs auf, weil sich die Ersteren viel Geld an Studiengebühren einsparen und Zweitere, aus städtischen Ballungsräumen wie Hongkong, Singapur, K.L. und Shanghai kommend, gewohnt sind an Miete sind an Miete noch mehr abzulegen. Mich konnte das aber nicht trösten und so zog ich nach Beendigung meines ersten Semesters aus, um mit Studienkollegen in ein eigenes Haus zu ziehen, wo sich die Miete auf 600A$ (~350 Euro) pro Monat pro Person belief, womit man durchschnittlich rechnen muss. Prinzipiell gilt, je weiter man ausserhalb der Stadt in Richtung Suburbs wohnt umso billiger werden die Mietpreise. Umso weiter aber auch die Entfernung zur Uni und somit ist es in Sydney nicht aussergewöhnlich für den Weg zur Uni eine Stunde pro Richtung einzukalkulieren. Einkaufen und Essengehen sind allgemein günstiger als in Österreich. Besonders die kulinarische Welt Sydneys ist besonders auszukosten, zu Preisen die für manchen fantastischen Süd-Ost Asiatischen Leckerbissen an “Grazer 3Kugel-Preisen” zu messen sind! Auch das Nachtleben profitiert von den unterschiedlichen Einflüssen, welche die australische Kulturlandschaft prägen. Die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sind vielseitig und bei durchschnittlich sehr gutem Wetter das ganze Jahr über auch gut zu verfolgen. Temperaturen in Sydney schwanken um 35 Grad Celsius im Sommer und um 10 Grad im Winter, ein Faktum, das meiner Liebe zur Architektur bisweilen einige Konkurrenz geboten hat.
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Gute Gründe für eine Studienplatzbewerbung über unser Sekretariat! | ||||||||||||||||||||||||||
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