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Studium in Australien
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Zwischenbericht
Hallo zusammen!
Soweit es mein nach 5 Monaten Australien schon stark verarmtes Deutsch noch erlaubt, will ich hier eine Zusammenfassung meines Aufenthaltes in Brisbane an der ‚University of Queensland’ geben. Ich hoffe, dass ich damit dem einen oder der anderen bei der Vorbereitung auf ein Studienjahr down under ein wenig helfen kann. Da der Bericht ein ‚formloser’ sein soll, will ich auch nicht allzu sehr auf die ‚Form’ achten – Rechtschreibfehler und sonstige grammatikalische Schwaechen (z.B. gross- und Kleinschreibung) werden somit wohl nicht zu vermeiden sein. Jetzt aber genug der langen Vorrede und los geht’s!

Zuerst mal zur schwierigen Entscheidung fuer eine Stadt: Wer sich fuer einen Auslandsaufenthalt in Australien entschieden hat, hat sich wohl zugleich fuer ein Klima entschieden, das Sonne & Sommer das ganze Jahr verspricht. Was zieht einen sonst nach Australien – die Straende? der Ozean mit dem Great Barrier Reef? das endlose Outback im Landesinneren? Die lebhaften Kuestenmetropolen? Der Aussie-Lifestyle? oder etwa die Universitaeten an sich mit ihrem Kursangebot? Keine Ahnung, was fuer euch den Ausschlag gegeben hat, darum vielleicht zuerst mal eine kurze Zusammenschau, was euch hier unten tatsaechlich erwartet und was Brisbane (die Stadt fuer die ich mich entschieden habe) hat, was die anderen Staedte im Angebot des IO (Sydney, Melbourne, Adelaide, Canberra) nicht haben:
Das Outback ist genauso weit weg von Brisbane, wie von allen anderen Staedten, und das man mal kurz einen Wochenendausflug raus aus der Zivilisation und ab in die Weite des Outbacks machen kann ist natuerlich ein Trugschluss in Brisbane sowie in jeder der anderen australischen Metropolen. Suburbian Brisbane und das umgebende ‚Rural Country’ zieht sich weit in alle Richtungen – und ohne Auto hat man sowieso keine Chance, auch nur annaehernd irgendwohin zu kommen, wo’s spannend ist. Ich hab zwar kein Auto, sondern nur mein Mountainbike, was in der Stadt sehr hilfreich ist, aber dafuer das Glueck, eine australische Freundin mit Auto zu haben. Ohne Auto, oder Zugang zu einem Auto, ist es so gut wie unmoeglich, die Gegend kennenzulernen – das ist die negative Seite der endlosen Weite in Australien. Das gleiche gilt fuer Brisbane’s Zugang zum Pazifik. Wer sich fuer Brisbane interessiert, weiss wohl, dass in unmittelbarer Naehe die „Surfer-Paradiese“ der ‚Gold Coast’ und der ‚Sunshine Coast’ liegen, die beide zwar endlos kommerzialisiert und – v.a. die gold coast um ‚Surfers Paradise’ (ja, die Stadt heisst wirklich so!) – mit Wolkenkratzern verschandelt sind, aber abseits der Touristenzentren dennoch fantastische und fast menschenleere Straende bieten. Aber wie gesagt, um diese zu erreichen, muss man zuvor ca. 1 - 1.5h Autofahrt auf sich nehmen oder 2-3h Zug- oder Busfahrt. Meine Annahme, dass ich hierherkomme und jeden Tag am Strand chille und als ein braungebrannter „Surfie“ wieder zurueck nach Freiburg kehre, erwies sich somit also schlichtweg als Illusion. Brisbane liegt zwar nur ca. 20km vom Meer entfernt, das dumme ist nur, dass es sich bei diesem Meer um die beinahe strandlose und umso Mangrovenreichere ‚Moreton Bay’ handelt. In der Bay liegen ein paar sehr schoene Inseln, die bekannteste ist Stradbroke Island. Diese kann man mit Zug und Faehre in 1.5 – 2h erreichen und dort erwarten einen dann wunderschoene Straende (zu denen dauerts mit’m Bus dann aber noch ein wenig laenger) sowie dichte Vegetation im Innenland. Soviel zu den Straenden! Fuer die Tauchfreaks unter euch: das Great Barrier Reef beginnt ca. 8h Autofahrt weiter noerdlich auf der Hoehe von Gladstone, die UQ (Uni of Queensland) bietet einen Kurs nur fuer international Students an, der euch nach Heron Island, eine absolute Trauminsel in dieser Gegend bringt. Jeder, der nach Brisbane kommt und Tauchen oder Schnorcheln liebt, MUSS diesen Kurs machen, er ist gigantisch.
Also, kurze Zusammenfassung mal bis hierhin. Surfen und Sonnenbaden liegt (mit Auto!) im Bereich einer Tages- bis Wochenendunternehmung, Tauchen oder Outback ist wegen der Entfernungen eigentlich nur durch einen mehrtaegigen Trip zu erreichen.
Jetzt aber mal zu den richtig angenehmen Seiten des Lebens in Brisbane. Die Broschueren von der Uni wollen einem zwar kontinuierlich weismachen, dass es auch im Sunshine State Queensland einen Winter gibt, um diese Erklaerungen richtig einschaetzen zu koennen, muss man aber hier gewesen sein! Es ist jetzt ja Mitte Juli hier, d.h. mitten im Winter (wie Januar in Freiburg), aber wenn die Aussies von ‚Winter’ reden, wissen sie ueberhaupt nicht, wovon sie reden! Winter in Brissy (so nenen die Leute hier ihr Brisbane) heisst naemlich: (Fast) immer Sonne bei 20 – 25 grad tagsueber und 10-15 (ganz, ganz selten auch mal runter bis zu 5) grad nachts. Die nachttemperaturen sind etwas gewoehnungsbeduerftig, weil die haeuser hier im allgemeinen null isoliert, weil aus holz gebaut, und auch ungeheizt sind. Das heisst, das es im haus fast so kalt wird wie draussen. Warme klamotten und hausschuhe sind also angebrachte mitbringsel im Reisegepaeck. Tagsueber kann man auch im tiefsten winter fast immer mit shorts und t-shirt rumlaufen.
Brisbane reklamiert fuer sich, „the Australian city with the most laid-back life style“ zu sein, und diese Behauptung der Staedtvaeter trifft auch zu. Hier gibt es zwar nicht ein pulsierendes Nachtleben und Grossstadtfeeling wie in Sydney oder Melbourne und Touristen bleiben mangels atemberaubender Sehenswuerdigkeiten auch in der Minderheit, dafuer ist Brissy aber eine ideale Stadt zum leben. Die Innenstadt ist das Geschaefts- und Bankenzentrum und wird von den Bewohnern Brisbanes, die nicht dort arbeiten, eher selten aufgesucht. Drum herum liegen zahlreiche Stadtteile mit ihren eigenen kleinen Zentren, in denen man so gut wie alles fuer den taeglichen Gebrauch bekommen kann. Der idyllische Brisbane River durchzieht die Stadt mit seinen weiten Maeandern und traegt seinen Teil zum angenehmen Stadtbild mit viel gruen zwischen den weiten Wohngebieten bei. Es gibt auch zahlreiche sehr schoene Parks in denen man ein Picknick oder Barbecue (die Aussies nennen es BBQ und sind verrueckt danach) haben kann.
Jetzt noch ein paar praktische Tips zum Leben hier unten und zur Vorbereitung:

Visum: Fuer die Austellung eines Studentenvisums verlangen die australischen Behoerden in Deutschland 345.-!! Fuer diejenigen, die laenger als 6 monate bleiben wollen kommen dazu noch ca. 180.- fuer eine medizinische und radiologische Untersuchung, welche nur bei bestimmten Vertragsaerzten durchgefuehrt werden koennen (details siehe www.australian-embassy.de/visa/visa.htm). Die Bearbeitungszeit dauert wohl tatsaechlich die angegebenen 6-8 wochen. Wer aber zufaellig nach berlin kommt, der kann es dort direkt in der australischen botschaft in 20 minuten erledigen. Das visum kann man aber erst beantragen, wenn man von der australischen uni die ‚Confirmation of Enrolment’ (CoE) bekommen hat (ca. mitte november).
Krankenversicherung: darum muss man sich als austauschstudent in australien keine sorgen machen, weil die regierung hier eine pflichtversicherung fuer auslaendische studierende gesetzlich vorschreibt. Die uni erledigt das alles fuer einen und man muss lediglich bei annahme des studienplatzes einen betrag von ca.250-300 Aus-$ (350DM), der das ganze Jahr abdeckt, an die Uni ueberweisen.

Flug: es gibt unzaehlige flugverbindungen nach australien und wer im februar mit dem studium beginnt, sollte anfang dezember eigentlich noch freie wahl unter den fluggesellschaften haben. Wer moeglichst billig davonkommen will, sollte sich aber noch im alten jahr darum kuemmern. Fuer ein return ticket nach brisbane muessen studenten mit ca. 1500 –1600.- rechnen, one-way tickets gibt’s ab 1000.- (qantas) aufwaerts.

Geld: bei der visum-bewerbung will das department of immigration von einem wissen, ob man genug geld hat, um das jahr in australien zu ueberleben. Meistens genuegt wohl ein einfaches ‚ja’, ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass sie manchmal auch was schriftliches haben wollen. Also besser im vorfeld genuegend verdienen oder auslandsbafoeg beantragen. Wer eine Kreditkarte mitbringen will, eigentlich alle grossen institute (visa, eurocard...) werden hier fast ueberall akzeptiert. Bei der suche nach einem guten weg fuer ein Bankkonto, hab ich leider danebengegriffen. Ueberweisungen nach australien kosten so um die 20-30 DM gebuehr, bei der citibank als ein internationales unternehmen fallen diese gebuehren nicht an, da man einfach von seinem konto daheim auch im ausland abheben kann...dacht’ ich mir. Hier angekommen stellte sich heraus, dass die citibank in brisbane nicht mehr existiert, also wer nach brisbane kommt: finger weg von der citibank! Vielleicht ist es am besten, sein konto daheim zu behalten, hier ein neues konto zu eroeffnen (geht ohne probleme, die commonwealth bank hat fuer studenten die besten deals), und von zeit zu zeit grosse betraege hier am automat fuer relativ kleine gebuehren (~7DM) bar abzuheben und auf sein australisches konto einzuzahlen. Zu den Lebenshaltungskosten: der Aussie-Dollar steht im allgemeinen so bei 1.25DM, als ich angekommen bin war er zwar in einem rekordtief von ~1.10DM, das hat sich aber wieder eingependelt – leider! Somit sind die alltaeglichen kosten wieder ungefaehr gleich bzw. ein wenig teurer als in Deutschland, v.a. weil es keine Billigsupermaerkte wie „ALDI“ oder „Pennymarkt“ gibt. Bus & Bahn ist deutlich billiger, Benzin auch. Durch vermehrte Reiseaktivitaet gebe ich aber mindestens das 1 ½-fache von meinen Freiburger Lebenshaltungskosten aus

Wohnung: kann ich leider nicht aus erfahrung berichten, da ich das glueck hatte, schon vor meiner ankunft eine dauerhafte wohnung organisiert bekommen zu haben. Ansonsten gestaltet sich die wohnungssuche von deutschland aus wohl ziemlich schwierig. Die meisten leute hier haben es so gemacht, dass sie in den ersten 2 wochen die von der uni angebotene ‚temporary accomodation’ angenommen haben – on-campus und man lernt viele andere austauschstudenten kennen – und sich von dort aus eine wohnung off-campus in einem der umgebenden stadtteile gesucht haben. Je naeher das semester rueckt, desto schwieriger wird es aber, was geeignetes in der naeheren umgebung zu finden. Die Mieten liegen fuer WG’s (share houses) so zw. 70 und 100 $ pro woche – also aehnlich wie in freiburg. Beliebte stadtteile sind st.lucia (direkt neben dem campus), toowong, indooroopilly & taringa (alle auf der gleichen flussseite wie der campus) und west end. Dort wohne ich und ich kann es auch nur weiterempfehlen. vom suedlich gelegenen campus ist dieser sehr schoene und etwas alternativ und zugleich szenig angehauchte stadtteil durch den fluss getrennt. Eine faehre bringt einen im 30 minuten-takt aber direkt zum campus (bruecken verbinden nur richtung norden zur innenstadt) . Mit dem fahrrad (die anschaffung eines fahrrads ist natuerlich sehr empfehlenswert) kann man in einem grossen bogen ueber die innenstadt in 20-30 minuten auch ankommen.
Die alternative zu einer selbstaendigen wohnungssuche ist, in einem der ‚residential colleges’ on-campus unterzukommen. Ist aber auf jeden fall teurer und ich kenne nur sehr sehr wenige leute (v.a. amis, die nur fuer ein semester hier waren), die sich dafuer entschieden haben. Hier hat man die wahl zwischen sehr teuren colleges mit vollverpflegung und etwas billigeren selbstversorgten appartments. Das angenehme lebensgefuehl, das brisbane bietet, kann man meiner meinung nach aber nur erfahren, wenn man sich ausserhalb des campus eine unterkunft sucht. Erstaunlich viele der international students haben es auch geschafft, eine wohnung mit australischen mitbewohnern zu bekommen, was dem aufenthalt natuerlich einen besonderen reiz verschafft.

Uni-termine, Kurse und Orientation: Termine fuer das akademische jahr 2002 unter www.uq.edu.au/studyabroad/program-calendar.html. Als austauschstudenten seit ihr fuer den degree: „study abroad“ eingeschrieben. D.h., dass ihr sozusagen keinen degree habt, und euch fuer alle kurse zu denen ihr lust habt und fuer welche ihr aufgrund eurer bisherigen studienerfahrung zugelassen werdet, einschreiben koennt. Man muss hier mindestens 3 und darf hoechstens 5 kurse pro smester belegen, ansonsten gilt man nicht als vollzeit-student und wird laut den visa-bestimmungen des landes verwiesen – und das wollen wir doch alle vermeiden, oder nicht? Die internet-site www.uq.edu.au/studyabroad bietet aber fuer all das und viel mehr ausgiebige informationen und ihr solltet sie euch auf jeden fall mal anschauen. Die orientation findet in der 1. semesterwoche statt, vorlesungen beginnen in der darauffolgenden. Obwohl eigentlich nicht viel los ist waehrend der orientation ausser hilflosen 17jaehrigen ersties, die auf dem campus herumirren und abends in den colleges saufen, ist es doch hilfreich, bei den massen-informationsveranstaltungen anwesend zu sein. Dort bekommt man einen haufen an papierkram, den man groesstenteils gleich wieder wegwerfen kann, der aber teilweise auch wichtige informationen enthaelt und ausserdem lernt man auch die anderen internationals ein wenig kennen.

Ich hoffe ein wenig geholfen und nicht allzu viel verwirrung gestiftet zu haben. Ich kann euch allen nur empfehlen, ein Jahr im Sunshine State Queensland zu verbringen. Wenn ich was wichtiges vergessen habe oder ihr irgendwelche Fragen habt, zoegert nicht und mailt mir einfach unter jensfroese@gmx.de. Take it easy,
Jens Froese


Endbericht
Nachdem ich in meinem Zwischenbericht vom Juli 2001 ja schon auf die angenehmen (und weniger angenehmen) Seiten des Lebens in Brisbane und seiner Umgebung eingegangen bin und ein paar praktische Tips zum Leben hier und zur Vorbereitung gegeben habe (Visum, Krankenversicherung, Geld, Flug, Wohnung, Uni-termine und Kurse), will ich mich jetzt mehr auf das Uniangebot im allgemeinen und mein Studium im speziellen konzentrieren.

Fuer meine Bewerbung um einen Platz im Austauschprogramm mit der University of Queensland musste ich ja die Kurse, die ich gerne belegen moechte (4 pro Semester), angeben. Fuer eine Liste der fuer undergraduates (das sind alle internationalen Studenten ohne fertigen Hochschulabschluss) verfuegbaren Kurse siehe www.uq.edu.au/studyabroad und folge den links. Mein mit der Bewerbung ans Freiburger international office eingereichtes Studienvorhaben baute dann natuerlich auch auf den angegebenen Kursen auf. Direkt von der Uni of QLD kam dann etwas spaeter ein Bescheid, welche Kurse ich tatsaechlich belegen bzw. nicht belegen kann, aus verschiedenen Gruenden. Diesen Bescheid sollte ich dann auch zur Orientierung und Kurseinschreibung mitbringen, damit die Leute dort wissen, fuer welche Kurse ich angenommen wurde. Im Endeffekt hat sich dieses ganze Getue aber als ziemlich ueberfluessig erwiesen, da ich letztendlich gerade mal zwei von den anfaenglich 8 angegebenen Kursen wirklich belegt habe - zum Teil weil manche Kurse doch nicht angeboten wurden, zum Teil weil ich vor Ort einfach noch ueber andere, mir interessanter erscheinende Kursangebote gestolpert bin. Man ist mit der Kurswahl also doch sehr flexibel, und selbst bei Kursen, fuer die man eigentlich nicht angenommen wurde, bekommt man meistens das OK vom zustaendigen Fakultaets-Dekan – wenn man wirklich will und auch genuegend Vorwissen mitbringt um den Kurs zu bewaeltigen. Trotz der Aenderungen habe ich selbstverstaendlich Kurse gewaehlt, die mit meinem Studienvorhaben uebereinstimmten. Mein Hauptinteresse galt zwei Bereichen:
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Als Englischstudent war ein Hauptanliegen natuerlich die Verbesserung meiner englischen Sprachkenntnisse. Um dieses Ziel zu erreichen erschien mir aber der einjaehrige Aufenthalt im englischspracheigen Australien genug, und ich wollte nicht noch zusaetzlich sprach- oder litaraturwissenschaftliche Kurse besuchen. Anstatt dessen suchte ich von Anfang an den Kontakt mit Australiern oder anderen englischsprachigen Studenten. Vorteilhaft war, dass ich das ganze Jahr ueber in einer WG mit australischen Mitbewohnern wohnen konnte, und somit in meiner Freizeit fast nur englisch gesprochen habe. Insgesamt bin ich mir sicher, dass mein Englisch von diesem Auslandsaufenthalt enorm profitiert hat und mir in Zukunft vor allem das sprachliche Ausdruecken meiner Gedanken und schriftliche Verfassen von Texten sehr viel leichter fallen wird.

Als Hauptfach – Geographiestudent war ich darueberhinaus sehr am australischen Kontinent, der mich schon seit meiner fruehen Jugend faszinierte, interessiert. Ich wollte mehr ueber die physisch-geographischen und soziooekonomischen (kulturgeographischen) Umstaende des Landes erfahren. Darueberhinaus galt mein Interesse seit jeher touristischen Fragen, umso mehr seit ich Australien fuer 2 Monate bereist habe und das ungeheure touristische Potential des Landes erlebte.
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Zum anderen entwickelte ich im Laufe meines Geographie-Studiums eine immer engere Beziehung zu oekologischen Fragen und fand Interesse an der Verknuepfung von geographiachen und oekologischen Betrachtungen. Insbesondere hier wollte ich meine Freiheiten als international student ausnutzen und in den umweltwissenschaftlichen Faechern Kurse belegen, was in Freiburg fuer mich leider kaum moeglich ist.

Ausgehend von diesem Vorhaben, habe ich mich im Semester 1/2001 dann schliesslich fuer folgende 4 Kurse (man muss mindestens 3, aber darf hoechstens 5 Kurse pro Semester belegen) entschieden:

MARS2005 – Australia’s Marine Environment

ENVM1501 – Introduction into Environmental Management

GEOS2301 – Introduction to Remote Sensing of the Environment

GEOS2201 – Tourism Systems
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Im Folgenden will ich die einzelnen Kurse kurz beschreiben und darlegen, welchen Nutzen ich aus ihnen gezogen habe:

MARS2005: Dieser Kurs wurde erst dieses Jahr eingefuehrt und ist ausschliesslich fuer international students konzipiert. Zusammen mit dem Semester 2 – Kurs ‚Australia’s Terrestrial Environments’ soll er den auslaendischen Studenten die Moeglichkeit geben, mehr ueber die australische Umwelt zu erfahren, und diese auch auf Exkursionen zu erleben. Der Kurs stellte sich dann als absoluter Volltreffer heraus. Der Dozent Ian Tibbetts hat es super verstanden, den Kurs so angenehm wie moeglich zu machen. Da international students ja alles moegliche studieren, hat von Biologie, und insbesondere Meeresbiologie, nicht jeder eine Ahnung. Ausserdem sind international students nicht nur am studieren, sondern auch am reisen und spasshaben interessiert. Ian (man redet hier die Dozenten mit Vornamen an) hat genau den richtigen Mittelweg zwischen Spass und studieren gefunden. Die Vorlesungen waren also nicht allzu hart, man musste aber doch trotzdem einiges lernen, um in den Klausuren gut abzuschneiden, und die Exkursionen waren der absolute Hammer. Erst ging’s fuer 1 Woche nach ‚Stradbroke Island’ direkt vor Brisbanes Kueste. Dort haben wir einiges praktische ueber Fische und all die anderen Tierchen und Pflanzen, die im Ozean und an der Kueste so leben, erfahren. Ueber zwei Tage hinweg mussten wir an verschiedenen Gruppenprojekten arbeiten und die Ergebnisse dann praesentieren – also auch ein wenig Arbeit. Aber insgesamt auch jede Menge Freizeit, um zu relaxen und das gute Wetter zu geniessen. Die zweite Exkursion ging dann fuer 5 Tage auf ‚Heron Island’, eine klitzkleine Insel im Great Barrier Reef. Dort war dann nicht mehr so viel mit Theorie und lernen, sondern anstatt dessen war spasshaben und praktische Erfahrungen mit fischen angesagt – beim schnorcheln. Waehrend der 5 Tage haben wir dann eigentlich auch nichts anderes als schnorcheln – und ab und zu mal eine halbstuendige Vorlesung – gemacht, und dabei unvergessliche Erlebnisse gehabt. Im Korallenriff um Heron Island haben wir so ziemlich alle Meeresbewohner, die man sich wuenschen kann, gesehen: Schildkroeten, Riffhaie, Rochen, grosse Fische, kleine Fische, bunte Fische, alle erdenklichen Arten von Korallen.... Mein Tip: Wer fuer ein Jahr an die UQ kommt, darf ‚Australia’s Marine Environment’ auf keinen Fall verpassen.
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ENVM1501: Auch dieser Kurs hat mir enorm Spass gemacht. Der Dozent Bradd Witt kam mir anfangs noch etwas komisch und wirr vor, nach einiger Zeit habe ich mich jedoch an seinen Stil gewoehnt und die Vorlesungen sehr genossen. Der Kurs ist ja eigentlich fuer Erstsemester (deswegen ENVM1...), Bradd hat aber trotzdem nur ein Minimum an Vorgaben gegeben, sondern von anfang an selbstaendiges Denken und Arbeiten gefordert. Das heisst: kein Vorlesungsskript (darum war die Vorlesung auch teilweise sehr, sehr konfus und unorganisiert), Literatur soll man sich selbst zusammensuchen und keine klaren Begriffsdefinitionen (er meinte, man soll sich in der Literatur informieren und selbst eine Meinung bilden). Wie gesagt, anfangs fand ich das eher abschreckend, letztendlich wurde mir aber klar, das man sich insbesondere in den Umweltwissenschaften einfach selbst seine Meinung bilden muss. Dort gibt es kein “Ja” oder “Nein”, weil vieles vom individuellen Standpunkt abhaengt. Ausserdem hat der Kurs mich eines Trugschlusses gelehrt. Ich dachte eigentlich, das ‚environmental management’ (= Umweltmanagement) damit zu tun hat, die Umwelt zu managen und vor schaedlichen menschlichen Einfluessen zu schuetzen. In dieser Einfuehrung wurde mir aber immer mehr klar, dass nicht die Umwelt an sich gemanaget wird, sondern die menschliche Nutzung der Umwelt. In den Umweltwissenschaften wird der Mensch als Bestandteil der Umwelt angesehen, und deswegen muss die Umwelt in nachhaltiger, nicht-schaedigender Weise genutzt werden; denn ohne das Ganze (die Umwelt/Erde) gibt es auch keine Bestandteile (Tiere, Pflanzen, Menschen). Der Kurs hat weiterhin Einblicke in die Geschichte der globalen Umweltbewegung und wichtige Publikationen, australische Umweltthemen und Konzepte fuer das Verstaendnis von Mensch-Umwelt-Beziehungen gegeben. Environmental Management bedient sich dafuer der verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen von Oekologie, ueber Geographie und Soziologie bis hin zu den Wiirtschaftswissenschaften. Genau diese Verknuepfungen haben mich dann auch dazu gebracht im Semester 2 mehr ueber EnvMan lernen zu wollen.
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GEOS2301: Mit diesem Kurs hab ich mein Gewissen ein wenig beruhigen wollen, dass ich auch etwas “nuetzliches” fuer mein Studium in Freiburg mache. Fernerkundung (das anfertigen, manipulieren und interpretieren von Luft- und Satellitenbildern) ist zusammen mit GIS die boomende geographische Disziplin schlechthin und wird auch in Freiburg in manchen Jahren als Kurs angeboten. Da hier an der UQ das Angebot hinsichtlich dieser Disziplin weitaus groesser ist als in Freiburg, erschien es mir nuetzlich, von der guten Infrastruktur an der UQ zu profitieren, und diesen Kurs hier zu belegen. Der Kurs war dann auch sehr gut konzipiert. Wir haben zuerst ueber – fuer mich aus der Geographie bereits bekannte – atmosphaerische Sachverhalte gelernt: Sonnenstrahlung und ihre Wechselwirkungen mit der Atmosphaere und den Objekten auf der Erdoberflaeche. Danach ging der Kurs auf fotografische und technische Apekte von Kameras und Satelliten ein und hat eine Einfuehrung in die Interpretation von Luftbildern mit verschiedenen Technicken gegeben. Der Anspruch in diesem Kurs war deutlich hoeher als in den beiden anderen Kursen, vom Lernerfolg hat er mir meiner Meinung nach aber auch am meisten gebracht.
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GEOS2201: Mit diesem Kurs hatte ich mir leider etwas zuviel zugemutet. Nicht weil der Kurs an sich zu anspruchsvoll war, sondern mehr, weil ich mit 4 Kursen genau einen zuviel belegt hatte. Als auslaendischer Student hatte ich vor allem zu Anfang des ersten Semesters noch etwas Probleme, die staendigen Assignments (= Hausarbeiten; fuer jeden Kurs muss man durchschnittlich 3-4 Leistungsnachweise in Form von kleinen oder grossen Assignments, Mid-semester und Final Exams ueber das gesamte Semester hinweg verteilt erbringen - das artet teilweise ganz schoen in Stress aus!) in einem angemessenen Zeitrahmen zu verfassen. Fuer eine Hausarbeit, die australische Studenten in 3 Tagen schreiben, brauchte ich die doppelte Zeit (Literatur lesen dauert in einer Fremdsprache einfach laenger, Saetze formulieren, von einem native speaker korrigieren lassen, nochmal durchgehen....). Also bin ich ungefaehr in der Mitte des Semesters zu dem Schluss gekommen, dass 3 Kurse einfach genug sind – vor allem, wenn ich nebenbei auch noch ein bisschen Spass haben und das Land bereisen will (was ein mindestens genauso wichtiger Teil des Auslandsaufenthaltes ist wie das studieren an sich) – und habe diesen Kurs wieder fallengelassen.
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Im Semster 2/2001 habe ich dann schon dazugelernt und belegte ich von Anfang an nur 3 Kurse (zusaetzlich zu den unten genannten habe ich anfangs noch zwei weitere Kurse – Introduction to Management und Contemporary Australian Cultural Studies – zum ausprobieren belegt, weil ich mich nicht sofort entscheiden konnte; waehrend der ersten 4 Semesterwochen kann man naemlich noch ohne Pobleme den einen oder anderen Kurs wegfallen lassen):

GEOS3301 – Advanced Remote Sensing of the Environment

ENVM2100 – Sustainable Development 1

ENVM2101 – Principles of Cleaner Production
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Es folgt wieder eine kurze Beschreibung der genannten Kurse:

GEOS3301: Im Anschluss an die Introduction im vorangegangenen Semester , habe ich mich entschieden, das gute Angebot im Bereich Remote Sensing so richtig auszunuetzen und hier vielleicht den Grundstein fuer den Einstieg ins Berufsleben zu legen – Fernerkundung ist naemlich definitiv eines der Gebiete, in dem in Zukunft die meisten Jobs fuer Geographen erhaeltlich sein werden. Dieser Kurs fuer Fortgeschrittene drehte sich zudem auch vollstaendig um das manipulieren und interpretieren von Satellitenbildern mit Hilfe des Computerprogramms ERDASImagine. Dies erschien mir besonders deswegen hilfreich, da ich zu deisem Zeitpunkt noch keine allzu grosse Erfahrung mit Computern oder irgendwelchen Computerprogrammen vorweisen konnte (ausser WORD vielleicht). Der Kurs war dann auch ziemlich hart und involvierte unzaehlige Ueberstunden im Computerlab der Geowissenschaftlichen Fakultaet. Dort verbrachte ich in den Wochen vor Assignment-Abgabe fast mehr Zeit als zu Hause (was bei manchmal sehr heissen Temperaturen draussen und der angenehmen Air-condition im Lab manchmal gar nicht so schlecht war). Der Dozent Stuart Phinn ist aber wirklich ausgesprochen gut, man kann ihn jederzeit ansprechen, wenn man Probleme hat, und ausserdem war die woechentliche praktische Uebung sehr hilfreich. Die Vorlesung an sich war fuer diesen Kurs eher zweitrangig, da man den Umgang mit einem Computerprogramm ja schlecht in der Theorie lernen kann. Die Leitungsnachweise (2 grosse Hausarbeiten) waren zudem sehr gut gewaehlt, haben mir abgesehen vom Stress grossen Spass gemacht, und ich denke ich habe dadurch weit mehr gelernt als es mit Klausur-Lernerei der Fall gewesen waere.
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ENVM2100: Ein weiteres Highlight, dieser Kurs. Der Professer Tor Hundloe ist der fuehrende Environmental Manager an der UQ. Allein wegen ihm war der Kurs schon sehr spassig und lehrreich, der Anspruch war nicht zu hoch aber auch nicht zu niedrig und man konnte mit Allgemeinwissen anstatt von Auswendiglernen schon recht weit kommen. Sustainable Development heisst uebersetzt nachhaltige Entwicklung und dreht sich um die wirtschaftlich, soziale und politische Entwicklung der Menschheit ohne schaedliche “Nebenwirkungen” auf die Umwelt (was ganz im Gegensatz zum derzeitigen versimpelten Verstaendnis von Entwicklung: = wirtschaftliches Wachstum, steht). Die Begruenderin des Konzeptes BRUNDTLAND hat einige Prinzipien fuer Sustainable Development gefordert, u.a.: Entwicklung darf die Moeglichkeiten zukuenftiger Generationen nicht einschraenken; Entwicklung muss versuchen, Armut zu bekaempfen und gleiche Chancen und Lebensbedigungen fuer alle auf der Erde lebenden Menschen herbeizufuehren; Entwicklung muss die Disziplinen Oekonomie und Oekologie in allen Entscheidungen integrieren. Da Tor gelernter Wirtschaftswissenschaftler ist, liegt bei ihm der Schwerpunkt auch auf dem letzten der genannten Prinzipien. Somit haben wir nicht nur einiges ueber das Konzept von nachhaltiger Entwicklung und dessen Umsetzung gelernt, sondern auch einen jeweils 2-woechigen Crashkurs in den Grundlagen der Oekonomie und der Oekologie erhalten. Dieser Kurs hat damit auch unerwartete positive Auswirkungen auf mein Wirtschaftsverstaendnis gehabt, und ich bin mir sicher davon in meinem Nebenfach BWL in Freiburg profitieren zu koennen.
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ENVM2101: Cleaner Production dreht sich um die Moeglichkeiten, die ein jeglicher Betrieb/ Unternehmen hat, seinen Produktionsprozess umweltfreundlicher zu gestalten, und abei auch noch Geld zu sparen. Hoert sich ziemlich gut an, oder nicht? Diese fuer mich ausgesprochen interessante Thematik (im speziellen auch fuer mein BWL-Studium neue Tueren oeffnend), musste ich also einfach belegen. Dennoch zweifelte ich in den ersten Wochen an diesem Kurs - und habe ihn fast wieder fallengelassen – weil der Dozent Bob Pagan mir etwas konfus erschien. Dieses schlechte Bild von ihm hat sich dann im Laufe des Kurses auch bestaetigt: die Vorlesungen waren sinnlos und unstrukturiert und im Angesicht des geringen Lernerfolgs waren seine Anforderungen in den insgesamt 3 Assignments und im speziellen in der Abschlussklausur viel zu hoch. Die Assignments zu schreiben (eins ueber Muell und Umweltverschmutzung in der Gesellschaft, eins ueber Recycling und eine Recycling-Firma die wir besichtigt hatten, eins ueber Cleaner Production in der Metallverarbeitungsindustrie) war noch bei weitem das beste am Kurs und durch das lesen von unzaehligen Artikeln/ Buechern habe ich das Meiste ausserhalb des eigentlichen Kurses erlernt. Die 3-stuendige (!!) Vorlesung hat mir so gut wie gar nichts gebracht, darum bin ich nach ein paar Wochen auch nicht mehr allzu oft hingegangen – und habe dann laut Mitstudierenden auch nie etwas wichtiges verpasst! Fazit: Sehr interessante und spannende Thematik, aber Spass versaut durch einen unfaehigen Dozenten.
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Das war also mein Jahr an der University of Queensland in Brisbane, Australien. Zusammenfassend kann ich behaupten, dass mir das Studium hier ausgesprochen viel Spass gemacht hat, und ich von allen belegten Kursen einiges mit nach Hause genommen habe. Abgesehen vom Spass hatte ich aber auch das stressigste Jahr meines Lebens – teilweise weil Hausarbeiten-schreiben und fuer-Klausuren-lernen in Englisch wohl doch etwas schwerer faellt als im vertrauten Deutsch, teilweise weil die Kurse hier enorm viel Zeit in Anspruch nehmen (3 Kurse hier sind meines Erachtens ungefaehr so zeitintensiv wie 6 oder mehr Kurse in Freiburg). Abgesehen vom Studium war Brisbane auch sonst sehr genial – und im Sommer VERDAMMT heiss – und ich kann jedem nur empfehlen sich beim international office in Freiburg auch fuer ein Jahr Auslandsstudium in Australien zu bewerben.

Januar 2002

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