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Auslandssemester an der University of Technology Sydney, Australien
Markus Schmidt, Spring Semester 2008
Vorbereitungen
Zum Zeitpunkt der Planung meines Auslandssemesters war ich im 4. Fachsemester des Bachelors in Maschinenbau an der FH Gelsenkirchen. Australien hatte ich schon längere Zeit für ein Auslandssemester ins Auge gefasst gehabt. Deswegen hatte ich mich schon frühzeitig mit dem Institut Ranke-Heinemann (www.ranke-heinemann.de) in Verbindung gesetzt um meinen Aufenthalt zu planen. Vom IRH hatte ich schon im Vorfeld von Freunden, die bereits in Australien gewesen sind, gehört. Die Unterstützung ist umfassend und kostenlos. Deswegen kann ich eigentlich nur jedem, der in Australien oder Neuseeland studieren möchte, empfehlen sich beim IRH informieren zu lassen.
Uniwahl / Bewerbungsprozess
Im Vorfeld hatte ich mich nicht auf die University of Sydney (UTS) festgelegt und mich erst einmal bei mehreren Universitäten beworben. Auch die Auswahl der Universitäten hatte ich vorher mit dem IRH besprochen. Dieses hatte einen recht guten Überblick über die Studienlandschaft. Somit konnte ich bei einem Beratungsgespräch eine engere Auswahl an Universitäten treffen.
Sprachtest
Für meine Bewerbungen war ein englischer Sprachtest erforderlich. Dafür kommen vor allem der IELTS und der TOEFL in Frage, bei manchen Universitäten reicht auch ein Sprachtest des DAAD. Da einige Universitäten, bei denen ich mich beworben hatte, den DAAD-Test nicht akzeptierten, hatte ich mich für den IELTS entschieden. Der Grund dafür war vor allem finanzieller Art: Während der TOEFL 150 Euro kostete, lag der IELTS damals bei ca. 180 US Dollar (ca. 95 Euro). Auf den Test selber hatte ich mich noch mit 2 Online-Tests (auf der IELTS Seite) vorbereitet, um meine Leistungen einzuschätzen. Zum Test selber hatte ich eine längere Anfahrt, da es nicht viele Testzentren gibt.
Finanzierung
Ein wichtiger Punkt ist gerade bei einem Aufenthalt in Australien die Finanzierung, da vor allem der Flug und die Studiengebühren einen Großteil der Kosten verursachen, die bei einem Aufenthalt in Europa deutlich geringer ausfallen würden. Ich hatte beim Cusanuswerk eine Förderung für einen Auslandsaufenthalt beantragt. Den Antrag sollte man auch frühzeitig einreichen, da es nur wenige Termine im Jahr gibt, an denen über solche Anträge entschieden wird. Wenn man diese Termine verpasst, bekommt man das Geld zwar später, muss sich dann aber um eine Vorfinanzierung kümmern. Das Cusanuswerk hatte für mich anteilig Flugkosten und Studiengebühren übernommen. Außerdem erhielt ich eine Auslandszulage zum regulären Stipendium.
Visum
Die Beantragung des Visums ist für deutsche Staatsbürger sehr unkompliziert. Nachdem man von der Universität die Confirmation of Enrolment (COE) erhalten hat, kann man auf der Homepage des „department of immigration“ online das Visum beantragen. Die Bearbeitung ist meistens in wenigen Tagen abgeschlossen.
Kurswahl
Ein wichtiger Aspekt, bei dem ich viel Zeit investiert hatte, ist die Kurswahl. Bei den meisten Universitäten muss man diese bereits bei der Bewerbung mit einreichen. Hilfreich bei der Kurswahl ist vor allem das Handbook der jeweiligen Uni. Ich hatte im Vorfeld die Professoren an der Heimatuni gefragt, ob sie mir die Kurse im Anschluss anerkennen werden. Das kann zu erheblicher Arbeit führen, da ich das Ganze für mehrere Universitäten und dementsprechend viele Kurse gemacht hatte. Neben einem Pflichtfach hatte ich noch, auf anraten meines Prüfungsausschussvorsitzenden, Wahlfächer belegt.
In Australien angekommen, kam es trotzdem noch zu Problemen. Wie ich erst im Nachhinein gemerkt hatte, deckten meine Studiengebühren nur 24 credit points ab. Meine Kurse kamen insgesamt aber auf 26 credit points, da ich einen Sprachkurs in Spanisch belegen wollte und dieser einen höheren „workload“ hatte. Da die UTS deswegen zusätzliche 700 Dollar verlangte entschied ich mich in Absprache mit meiner Professorin dazu, mich aus dem Kurs wieder auszuschreiben und am Kurs ohne Leistungsnachweisen teilzunehmen. Wichtig war außerdem, dass man sich nach erfolgreicher Einschreibung (Bezahlung der Studiengebühren) umgehend im Onlinesystem der UTS registrieren sollte, da man zwar eine Erlaubnis hat, die im „offer letter“ aufgelisteten Kurse zu belegen, man allerdings noch nicht eingeschrieben ist. Ich hatte das erst nach meiner Ankunft in Sydney getan und hatte danach Probleme, mich noch in meine Kurse einzuschreiben.
Flug
Beim Buchen des Fluges habe ich mich ebenfalls vom IRH unterstützen lassen. Das IRH arbeitet mit der Agentur STA Travel zusammen. Das hat mehrere Vorteile: Zum einen erhält man einen 5% Rabatt auf alle Buchungen. Zum anderen hat STA Travel viele Filialen in Australien, was eine Umbuchung des Fluges extrem erleichtert.
Ein wichtiges Thema ist das Freigepäck. Standard sind 20kg plus 10kg Handgepäck. Bei meiner Fluglinie, Etihad Airways, bekam ich sogar 30kg Freigepäck.
Australien
Leben in Sydney
Sydney ist eine der lebendigsten Städte Australiens. Mit knapp 4,3 Millionen Einwohnern außerdem die größte Stadt Australiens, bietet Sydney ein spannendes und abwechslungsreiches Programm. Die Einwohner der Stadt kommen aus fast allen Ecken der Welt. Diese Internationalität machte das Leben auch so spannend und abwechslungsreich. Ganz gleich, ob es sich um das chinesische Neujahrsfest, ein südamerikanisches Festival oder eine Oper unter freiem Himmel handelte: Es bestand immer die Möglichkeit, an interessanten Veranstaltungen teilzunehmen. Meinen kulturellen Horizont hat das während meines Studiums in Sydney enorm erweitert.
Transport
Sydney ist eine Stadt, welche im Vergleich zu deutschen Städten über keine gute Verkehrsinfrastruktur verfügt. Die Straßen und Züge sind, vor allem zur rush hour, verstopft. Hinzu kommt, dass man als study-abroad Student keine Ermäßigung für den public transport erhält. Auch Fahrrad fahren kommt, vor allem auf den Hauptverkehrsstraßen, kaum in Frage. Der Verkehr ist dicht und neben den ganzen Fahrzeugen lauern noch ganz andere Gefahren, wie z.B. Fahrrad-feindliche Gulligitter, in denen man stecken bleiben kann. Die Stadt hatte zwar vor kurzem begonnen, Fahrradwege einzurichten (die es bis dahin noch nicht gab), das hat die Situation allerdings nur auf einigen Straßen verbessert. Ich hatte mein Fahrrad gelegentlich benutzt, da auf dem Weg von meinem Suburb Glebe zur Uni Fahrradwege eingerichtet waren.
Unterkunft
Die Lage am Wohnungsmarkt war angespannt. Sydney ist die Stadt, welche den Großteil der Zuwanderung nach Australien aufnimmt. Dementsprechend waren die Mieten auf relativ hoch. Gleichzeitig hat man als Mieter in Australien eine relativ schwache Position. Darum habe ich mir bei der Wohnungssuche Zeit gelassen. Hilfreich waren hier vor allem die schwarzen Bretter an der UTS, sowie der housing service, der exklusiv Studenten zur Verfügung steht. Dieser kann zum einen online als auch in Person an der UTS genutzt werden. Ich hatte außerdem den Vorteil, dass ich bereits drei Wochen vor Semesterbeginn nach Sydney fliegen konnte. Viele meiner Kommilitonen sind erst kurz vor Semesterbeginn angereist und mussten sich in den ersten Semesterwochen eine Bleibe suchen, was für viele ziemlich stressig war. Ich habe mich dafür entschieden, relativ zentral zu leben. Die Mieten waren zwar in im Zentrum höher als weiter außerhalb, allerdings kann man sich dadurch das Ticket für den public transport sparen.
Die Uni
Die UTS ist, neben der University of Sydney, die Uni mit Lage im CBD. Bis zum Central (Hauptbahnhof) ist es 5 Minuten Fußweg, bis zur Innenstadt 10 Minuten. Die UTS wurde erst im Jahr 1988 gegründet und ist damit eine der jüngsten Universitäten Australiens. Dennoch hat sie sich bereits einen sehr guten Ruf, vor allem im Ingenieurswesen, erarbeitet.
Die Betreuung der internationalen Studierenden war sehr gut. Neben der Orientierungswoche, welche verpflichtend ist, gab es zahlreiche andere Programme, um sich ins Universitätsleben einzufügen. Besonders sinnvoll empfand ich dabei das Tandem-Programm. Zu Beginn des Semesters sucht man sich einen australischen “Buddy”, den man dann während des Semesters wöchentlich bei einem kostenlosen Kaffee wiedertrifft, um sich näher kennen zu lernen. Ich hatte mich mit meinem Buddy auch privat getroffen. Außerdem bin ich noch weiteren Clubs beigetreten, wie z.B. der christlichen Studentenvereinigung CREDO, bei der man sich wöchentlich in Kleingruppen trifft und die außerdem weitere Aktionen, wie z.B. eine Debatte “Atheism vs. Christianity” mit Teilnahme der lokalen Atheistengruppe, organisiert hatte.
Studienalltag
Der Studienalltag in Australien unterscheidet sich grundlegend vom deutschen System. Während ich an meiner Heimatuniversität im Semester, neben einigen Praktika, keine verpflichtenden Aufgaben habe und dafür am Ende des Semesters Klausuren schreibe, müssen im australischen System fortlaufend sogenannte “assignments” bearbeitet und abgegeben werden. Diese „assignments“ (Aufgaben) können, je nach Fach und Professor, vollkommen unterschiedlich ausfallen. Von Essays über Zwischentests und Praktikumsberichte gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben. Diese fließen dann auch prozentual in die Endnote mit ein. Das Gewicht der Klausuren wird dadurch deutlich verringert und führt dazu, dass die Arbeitsbelastung während des Semesters deutlich grösser ist als in Deutschland. Dieses System gefällt mir prinzipiell besser, da es zur aktiven Teilnahme der Kurse ermutigt und man sich konstanter mit den Inhalten auseinandersetzt.
Meine Kurse
Mein erster Kurs war „Thermodynamics“. Diese entsprach weitestgehend dem Grundlagenfach Thermodynamik meiner Hochschule. Der wesentliche Unterschied bestand darin, dass ich in Deutschland einen rein theoretischen Kurs absolviert hätte, in dem nur Vorlesungen und am Ende des Semesters eine Klausur geschrieben hätte. An der UTS wurde der Kurs noch durch zwei interessante Praktika ergänzt. Das eine wurde an einer Gasturbine durchgeführt, das andere an einem Kompressor. Das besondere hierbei war, das die UTS die einzige Universität in Australien ist, die eine Gasturbine als Studienobjekt zur Verfügung hat.
Mein zweiter Kurs hatte den Titel „Ecological Engineering“. Das Ziel des Kurses bestand vor allem darin, Studierenden des Ingenieurswesens Einblicke in Biologie und Ökologie zu verschaffen, um sie für den Einfluss ihrer Konstruktionen auf die Umwelt zu sensibilisieren. Teil des Kurses waren zahlreiche Praktika und eine Exkursion in die Mangrovenwälder im Sydney Olympic Park, in dem wir das vorliegende Ökosystem und den Einfluss der umliegenden urbanen Gebiete auf das Schutzgebiet untersuchen sollten. Ecological Engineering hat meinen Horizont vor allem in Bezug auf meinen Einfluss auf die Umwelt bei der Arbeit enorm erweitert und erst ein Problembewusstsein geschaffen.
Mein dritter belegter Kurs war „Interrogating Technology“. Dieser Kurs war kein Ingenieurskurs im eigentlichen Sinne. Vielmehr ging es um einen philosophisch-sozialwissenschaftlichen Zugang zu den Natur- und Ingenieurswissenschaften. Die Aufgaben umfassten dabei die Analyse der Mediendarstellung einer Technologie und deren Entwicklung, Erarbeitung und Reflexion von Texten zum Thema und als Abschlussarbeit ein Essay über die Position der australischen Farmer zur zukünftigen Wassernutzung Australiens. Dieser Kurs hat ganz absichtlich einen humanwissenschaftlichen Ansatz und richtet sich an Ingenieursstudenten in höheren Semestern. Neben der Tatsache, dass man sich einen anderen Arbeitsstil für diesen Kurs aneignen musste, veranlasste er einen dazu, sich kritisch mit der technologischen Entwicklung und deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt auseinanderzusetzen.
Zu guter Letzt hatte ich noch einen Sprachkurs in Spanisch belegt, da ich diese Sprache gerne zum Weltjugendtag in Madrid in Ansätzen beherrschen möchte.
Zusammenfassung
Abschließend kann ich sagen, dass mich mein Auslandsaufenthalt sowohl fachlich als auch persönlich weiter gebracht hat. Die Einblicke in das australische Hochschulsystem waren sehr aufschlussreich, vor allem, da im Moment in Deutschland die Studiengänge auf das Bachelor/Master-System umgestellt werden. Die Studienwelt in Australien kann in manchen Bereichen aufzeigen, wie ein solches System sinnvoll gestaltet werden kann. Eine persönliche Bereicherung war für mich im Besonderen auch das sehr internationale Umfeld in Sydney. Ich fand es sehr spannend, so Menschen aus so vielen unterschiedlichen Ländern zu treffen.
Dieses Auslandssemester werde ich so schnell nicht vergessen und kann so einen Aufenthalt nur jedem empfehlen.

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