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Nach 4 Semestern des Jurastudiums habe ich mich entschieden, ein Auslandsjahr in Australien zu verbringen. Bei der Vorbereitung hat mir das Institut Ranke-Heinemann ungemein geholfen, deswegen würde ich jedem diesen Weg empfehlen. Zuerst führt man auf der Homepage von IRH ein Qualifikationscheck durch, nach dem man erfährt, wie die Chancen stehen, generell in australische Universitäten aufgenommen zu werden. Danach reicht man alle notwendigen Unterlagen nicht direkt nach Australien, sondern zum IRH ein: Dokumente müssen also nicht übersetzt werden. Für die Dienstleistungen des Instituts zahlt man nichts extra – seine Arbeit wird mit den Studiengebühren abgedeckt.

Es empfiehlt sich dabei, sich bei 2-3 Unis zu bewerben, falls eine Absage doch kommt. Auf der IRH-Homepage habe ich mich ebenso über die jeweiligen Universitäten informiert, Erfahrungsberichte gelesen und drei Universitäten ausgewählt, bei denen ich mich dann beworben habe: University of Western Australia, University of Adelaide und Macquarie University. Der ausschlaggebende Punkt bei der Auswahl bei mir war, dass DAAD-Test für diese Universitäten ausreichend gewesen war.

Im April – nach ungefähr einem Monat nach der Absendung aller Dokumente – habe ich dann schon Zusagen bekommen und mich für University of Western Australia in Perth entschieden. Danach musste ich mich um die Visaformalitäten kümmern. Bei Deutschen Staatsangehörigen dauert es max. ein paar Tage, um das Visum zu bekommen, bei mir als einer ukrainischen Staatsangehörigen hat es anderthalb Monate gedauert. Das sollte man berücksichtigen!

Am 13. Juli bin ich über Dubai nach Perth (Australien) geflogen. Nach insgesamt 20 Stunden bin ich in der Hauptstadt des Westaustraliens angekommen. Die erste Nacht sowie die erste Woche habe ich in dem YHA-Hostel verbracht. Die YHA-Hostel-Kette empfiehlt sich immer, besonders am Anfang, wenn man andere Hotels nicht kennt. Obwohl es ein paar Dollar pro Nacht teurer ist, sind Sauberkeit und Sicherheit garantiert.

Während der ersten Woche habe ich zusammen mit anderen Study abroad Studenten nach einer Unterkunft für das Semester gesucht. Und nach einer Woche schon habe ich sowohl eine Wohnung als auch viele Bekannte gefunden, die später zu guten Freunden geworden sind. Daher würde ich auch weiter empfehlen, das Study Abroad Büro der jeweiligen Uni zu bitten, Leute zusammenzubringen, die noch keine Unterkunft gefunden haben: Eine gemeinsame Suche spart Euch viel Stress und Ihr lernt schnell Leute kennen!

Perth ist eine sehr schöne Stadt an der Küste des Indischen Ozeans, vor allem der Stadtteil Cottesloe, in dem ich meine Unterkunft gefunden habe. Allerdings ist sie sehr teuer: Im Vergleich zahlt man in Perth 200-220 Dollar/Woche für ein WG-Zimmer, in Canberra später habe ich für 135 Dollar/Woche gewohnt. In Perth ist man auch weit weg von allen anderen größeren Städten wie Sydney, Adelaide, Melbourne oder Brisbane. Dafür kann man die nach meiner Meinung einzigartige Landschaft und Natur Westaustraliens genießen.

In einer Woche nach meiner Ankunft hat die Einführungswoche für internationale Studenten an der University of Western Australia begonnen: die Uni, Freizeitmöglichkeit, Vereine, unsere Betreuer wurden uns vorgestellt. Wir - 165 internationalen Studierenden - konnten sich dabei kennenlernen. Die Woche darauf ging es mit den Uni-Veranstaltungen richtig los. In Australien ist es üblich, dass vier Lehrveranstaltungen pro Semester belegt werden, wie bei mir z.B. Trusts, Company Law, Human Rights and Equal Opportunities Law, Competition Law. Mitten im Semester (vor der einwöchigen vorlesungsfreien Zeit) werden Hausarbeiten und Tests in jedem Fach geschrieben. Nach dem Semester legt man meistens jeweils eine schriftliche Prüfung ab. Oft sind die Prüfungen open-book exams, d. h. alle Bücher bzw. Materialien dürfen benutzt werden. Wie attraktiv und leicht die Prüfungsform auch klingen mag, hat man keine Zeit, um etwas nachzuschauen. Lernen muss man also trotzdem!

Bereits in der vorlesungsfreien Woche mitten im Semester habe ich eine Reise an der Westküste unternommen. Mit ein paar Freunden aus Deutschland, Österreich, Frankreich, den USA bin ich aus Perth nach Broome – eine Stadt im Nord-Westen Australiens - geflogen und mit 3 Minibusen (camper vans) zurück Richtung Perth gefahren. In 10 Tagen haben wir ganz viel erlebt: Karijini National Park, Ningaloo Reef (Schnorcheln mit großen Schildkröten, Manta-Rochen und Haifischen), Monkey Mia (Delfinen füttern), Pinnacles, „Heruntersurfen“ auf Sanddünen, viele Campingplätze und die ewige North West Coastal Highway, auf der man kaum andere Autos trifft und nur tote Känguru jeden Morgen, nach dem sie in der Dämmerung und nachts angefahren werden. Nach dieser Reise habe ich mir fest vorgenommen, mehr road trips zu unternehmen, weil gerade auf diesem Wege, ich finde, lernt man Australien und Australier am besten kennen…

Am Ende des Semesters (Ende November) musste ich mich neben vier Prüfungen von vielen Freunden Abschied zu nehmen….und auch von Perth und Westaustralien, obwohl ich das zu dem Zeitpunkt nicht wusste. Aber die nächste große Reise stand schon an: und zwar Cairns-Sydney road trip mit Highlights auf Whitsunday und Fraser Islands, Great Barrier Reef und natürlich Sydney zur Weinachts- und Silvesterzeit.

Während der Reise habe mich entschieden, nicht nach Perth zurückzugehen, sondern das zweite Semester an der University of Canberra zu verbringen. Ausschlaggebend war für mich, dass ich dort ein älteres Farmerpaar kennengelernt habe, die sich um mich sehr gekümmert haben und die ich sehr lieb gewonnen habe. Dadurch, dass Canberra gleich weit von Melbourne und Sydney, ist es unproblematisch Wochenend-Ausflüge zu unternehmen. Außerdem war Canberra als Hauptstadt Australiens für mich sehr attraktiv. Das Leben ist dort aber trotzdem preiswert und die Uni klein und übersichtlich. Dazu kam noch, dass der Schwerpunkt der Juristenfakultät der Uni Canberra auf dem Unternehmensrecht lag, was mir zugesagt hat.

Und ich habe meine Entscheidung nie bereut. Relativ schnell habe ich eine WG mit einer Kanadierin und einer Australierin unweit der Uni gefunden. Die Study abroad officer Lili Ceric und Laura Thomson haben mir den Uniwechsel unglaublich leicht gemacht. Dadurch, dass UC (University of Canberra) relativ klein ist, und „nur“ 40-50 internationale Studenten jedes Semester das Study abroad oder das Austauschprogramm dort machen, wird man individuell betreut. Lili Ceric und Laura Thomson haben sich unglaublich viel Mühe gegeben, damit wir uns alle in Canberra wohl fühlen. Sie haben für uns Willkommens- und Abschiedsabende, eine Sightseeing-tour auf einer Fähre, eine Fahrt zum Batemans Bay, einen mehrtätigen Surf Camp und viel-viel mehr organisiert. Sie waren jede Zeit für uns da, wenn wir Probleme mit der Belegung der Fächer oder mit dem Stundenplan hatten.

Die Uni ist im Stadtteil Bruce gelegen, woher man 20-25 min bis zum Zentrum mit dem Bus fährt. Im Bruce gibt es ansonsten alles: ein großes Einkaufszentrum, Cafes, Bars, Kino und Ausgehmöglichkeiten, ein großer Park mit einem See ist gut zum Joggen und Spazieren. Der Campus ist sehr grün und viele Studenten verbringen ihre Mittagspausen auf den Wiesen. Auf dem Campus finden allerdings nicht nur Vorlesungen und Seminare statt, sondern auch Filmabende in der Mensa und Partys in der Uni-Bar. Wie auch in UWA gab es hier viele Vereine und Organisationen, denen man beitreten kann, und somit leichter Kontakte knüpfen kann.

Im Semester an der UC habe ich Criminal Law, Contracts, Public Companies Law und – was für mich von großem Interesse war – Student Law Internship. Das Praktikum, worauf man sich am Anfang des Semesters bewerben kann, wird als ein ganz normales Uni-Modul angerechnet. Da ich allerdings mit meiner Bewerbung ziemlich spät dran war, musste ich mir eine Praktikumsstelle selbst suchen. Letztendlich habe ich ein ein-wöchiges Praktikum in ACT Magistrates Court absolviert. Das Praktikum hat mir einen besseren Einblick in das Gerichtssystem Australiens und in die praktische Seit von common law gegeben. Während des Semesters bekommt man auch einen fachlichen Betreuer, d.h. einen Professor oder wissenschaftlichen Mitarbeiter der jeweiligen Fakultät, die/der stets ein offenes Ohr für Fragen hat, wenn man mit dem Studium oder einem Fach nicht klar kam, wenn man sich überfordert gefühlt hat oder einfach Feedback bekommen wollte.

Alles in allem würde ich jedem empfehlen, ein Auslandsjahr in Australien zu machen – Es ist ein wundervolles Land mit sehr freundlichen, offenen und hilfsbereiten Menschen. Das Auslandsjahr hat mir unglaublich viel gebracht. Ich habe mein Englisch, insbesondere meine Fachkenntnisse verbessert, fachlich viel dazu gelernt, interessante Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt, viele Freundschaften geschlossen, mich persönlich weiter entwickelt - erwachsener, selbstständiger und weltoffener geworden.

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