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Mein Name ist Stefanie und ich habe von Juli bis November 2010 ein Semester an der University of Tasmania in Hobart studiert. Meine Fächer waren Journalismus, Media & Music und Youth Media. In diesem Bericht werde ich euch die Universität ein wenig vorstellen und natürlich auch erzählen, wie es sich so in Hobart lebt.

Die Universität:
Die UTAS ist die viertälteste Universität in Australien und wurde 1890 gegründet. Sie ist mehr oder weniger geteilt. Es gibt sie im nördlichen Launceston und in der südlich gelegenen Hauptstadt Hobart. Zudem gibt es seit 1995 den Cradle Coast Campus in Burnie. Auch wenn einem Tasmanien etwas abseits gelegen erscheint, ist die Universität auf dem neuesten Stand und man lernt hier sehr, sehr viel. In meinem Bereich des Journalismus wurden wir von Dozenten unterrichtet, die jahrelange praktische Erfahrung mit sich bringen und schon aus vielen Winkeln der Erde Bericht erstattet haben. Kurzum wird einem nach kurzer Zeit klar, dass diese Leute genau wissen, wovon sie reden. Um noch etwas Grundsätzliches hinzuzufügen gibt es an der UTAS 9 Fakultäten, u. A. Arts, Australian Maritime College, Business, Education, Health Science, Law, Marine and Antarctic Studies, Menzies Research Institute, Science, Engineering & Technology. Zu jeder dieser Fakultäten wird eine Vielzahl von Kursen angeboten, die man zu Beginn des Semesters wählt. Pro Semester kann man maximal 4 Kurse nehmen, wobei dort wiederum gilt, welchen prozentualen Wert ein Kurs hat. Pro Jahr, also innerhalb der zwei Semester muss man die 100% erreichen, das bedeutet, dass man pro Semester 50% abzuleisten hat. Die meisten Kurse zählen 12,5%, also ein Viertel, daher müsste man vier Kurse nehmen. Es gibt aber auch Kurse, die mehr Zeit und Aufwand erfordern und die mit 25 % quittiert werden. Informiert euch davor schon über eure Kursmöglichkeiten! Für Austauschstudenten gilt jedoch die Sonderregelung, nur 3 Kurse belegen zu müssen, falls die Heimatuniversität zustimmt. Bei Ausnahmefällen wird dies auch normalen Studenten erlaubt.
Vier Kurse hören sich jetzt nach relativ wenig Arbeitsaufwand an. Das habe ich mir zu Beginn auch gedacht. Doch ich habe früh erkannt, dass es für mich besser wäre, nur drei Kurse zu nehmen, denn diese sind sehr zeitintensiv und es wird einiges gefordert. Ich musste für drei Fächer insgesamt 6 Essays schreiben und 3 Prüfungen. Die Essays haben es wirklich in sich, da an der UTAS relativ streng korrigiert wird und man es so akademisch wie möglich machen muss. Man muss jede Aussage mit Literatur begründen können und versuchen, in gehobenem Englisch zu schreiben. Rücksicht wird auf internationale Studenten kaum genommen, daher sollte man sich damit anfreunden, sich wirklich dahinterzuklemmen. Und man kann es wirklich schaffen, gute bis sehr gute Noten zu schreiben. Rechnet lieber von Anfang an schon mal mit ein, dass ihr erst etwas Zeit braucht, um euch zurechtzufinden und überhaupt zu verstehen, wie hier alles läuft. Denn es geht sofort los.
Es gibt pro Fach meistens eine Theoriestunde pro Woche und dann separat ein Tutorial, für das man sich zu Beginn einschreiben muss. Es werden etwa 3 Tutorialtermine in der Woche angeboten und man schreibt sich eben in das Tutorial ein, dass einem zeitlich am Besten zusagt. Dort werden Fragen beantwortet, Übungen gemacht und man bekommt wertvolle Tips bezüglich der Essays und der Prüfungen. Man sollte also wirklich regelmäßig in die Vorlesungen und auf jeden Fall auch in die Tutorials gehen.
Hat man einmal ein Essay hinter sich gebracht, braucht es etwa 2 Wochen, bis man es in einem Tutorial zurückbekommt. Man darf es sogar behalten. An der UTAS gibt es folgende Benotung: High Distinction ist das Beste, Distinction ist gut, Credit ist bestanden, Pass ist grade so bestanden und alles drunter ist halt eben daneben gegangen. Am Ende werden die Ergebnisse der Essays einzeln mit dem Ergebnis der Prüfung verrechnet und man erhält seine Gesamtnote.
An der UTAS direkt findet man eigentlich alles, was man so für einen normalen Unitag braucht. Zwei Cafetarias, wobei eine auch warmes Essen serviert. Einen Bücherladen, Geldautomaten, einen kleinen Supermarkt, eine große Bibliothek und etwas weiter unten in Sandy Bay befindet sich sogar ein Fitnessstudio der UTAS, das UniGym. Man kann sich dort für drei Monate eine Mitgliedschaft kaufen und dort hat man die Erlaubnis, alle Geräte zu benutzen sowie Zumba, Bodybalance oder andere Stunden zu besuchen. Also wie man sieht, ist die UTAS wirklich gut ausgestattet.
Hat man Fragen, dann wird einem wirklich schnell geholfen, die Leute sind sehr nett und man hat das Gefühl, dass sie sich mit dir freuen, diese Erfahrung erleben zu dürfen. Man darf einfach keine Angst haben, auf die Leute zuzugehen und einfach zu reden.

Unterkunft:
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, während des Semesters in Hobart unterzukommen. Zuerst bietet der UTAS Accommodation Service natürlich Zimmer in ihren Studentenwohnheimen an. Da gibt es das John Fisher College und das Christ College, die sich gleich nebeneinander befinden. Man bezieht dort ein Einzelzimmer mit Bett, Schrank, Schreibtisch und Spiegel. In jedem Flur befindet sich eine kleine Küchenzeile mit Toaster, Mikrowelle, Kühlschrank und Spüle. Man kann sich dort schnell ein Sandwich zubereiten oder einen Tee machen und sich wieder in sein Zimmer verkrümeln. Eine große Küche mit allem Zubehör gibt es dann im Erdgeschoss und jeder ist eingeladen, dort zu kochen. In jedem Stockwerk gibt es mehrere Toiletten und Duschen, die sich Frauen und Männer getrennt voneinander teilen. Im Gebäude im Erdgeschoss befindet sich auch das Pepperz-Restaurant, wo man für wenig Geld und bei Vorlegen der Zimmerkarte sogar noch mit Rabatt Frühstück, Mittag –oder Abendessen kaufen kann. Ausserdem gibt’s dort alle möglichen Kaffees, Süßigkeiten, Jogurt, Milch und ganz wichtig in der Prüfungszeit: Energydrinks. ;)
Auf der anderen Straßenseite befinden sich dann noch die University Apartments. Das sind Wohneinheiten für etwa 6 Personen, die alle ein eigenes Zimmer haben, aber Aufenthaltsraum, Küche und Bad teilen. Das ist etwas teuerer und hat auch nicht wirklich so den College Flair. Ich selbst war im John Fisher College und es war wirklich gut dort. Was wichtig in Tasmanien ist und gar nicht so oft vorkommt: Die Zimmer sind alle mit guten Heizungen ausgestattet. Man muss nämlich wissen, dass die Häuser in Australien nicht wirklich gut wärmeisoliert sind. Weder die Fenster noch die Wände.

Dann gibt es noch die Mt. Nelson Villas. Diese befinden sich etwas ausserhalb auf einem recht hohen Berg nahe der Stadt. Das sind einzelne Bungalows, in denen auch etwa 6 Leute wohnen und sich Bad, Küche und Wohnzimmer teilen. Ich habe die erste Woche dort verbracht und musste mich nach kurzer Zeit mit folgenden Problemen herumschlagen: Dort wohnen nämlich meistens die Leute, die eher weniger mit anderen zu tun haben wollen und ruhig bis maulfaul sind. Ausserdem ist der Weg zur Uni bzw. in die Stadt sehr schwierig. Das Heruntersteigen der Treppe am Morgen ist schon schweißtreibend, aber hoch kommt man meistens nicht mehr, weil es wirklich steil ist. Also muss man den Bus nehmen. Erstens kostet das mit der Zeit und zweitens geht dieser sehr selten am Tag und Abends gar nicht. So kann man gar nicht weggehen und wer will schon ständig zehn Dollar Taxi bezahlen? Wer gerne abends weggeht oder einfach unkompliziert schnell einen Kaffee in Sandy Bay trinken will oder was im Supermarkt braucht, der sollte auf keinen Fall in die Mt. Nelson Villen ziehen! Sie sind zwar das günstigste Angebot des Accommodation Services, aber das auch nicht ohne Grund. Ich bin nach einer Woche ins John Fisher College übergesiedelt und die 20 Dollar, die ich monatlich mehr bezahlt habe, habe ich durch das Einsparen der Busfahrten locker wieder reingeholt.
Die vierte Möglichkeit, die aber von der Tasmanian University Union, kurz TUU, organisiert wird, ist das Beziehen eines Zimmers in einem Haus meistens nahe der Universität. Der Vorteil ist, dass man meistens zwischen Stadt und Uni wohnt und somit an alles recht einfach angebunden ist. Es ist auch meistens sehr günstig zu wohnen. Der Nachteil ist, dass man erst weiß, wo man landet, wenn man dort ist. Man weiß zuvor nicht mal, ob man eine Heizung, geschweige denn Internetanschluss hat. Auch kennt man die Mitbewohner noch nicht. Eine Freundin von mir wohnte in einem Haus mit 7 anderen Leuten, die sehr gerne Party gemacht haben. Sie hatte Glück, weil sie gut reingepasst hat. Eine andere Freundin landete in einem Haus, in dem keiner wirklich mit ihr geredet hat. Und beide mussten sich eine elektrische Heizung kaufen. Man weiß also nicht, was einen erwartet. Wem das aber eigentlich egal ist, der sollte diese Methode nehmen. Wählt man die Colleges, dann weiß man im Vornherein, was man für sein Geld bekommt. Das Gute an TUU-Häusern ausserdem ist, dass man da sehr wahrscheinlich mit einheimischen Leuten in Kontakt kommt und somit die Chance hat, das Leben dort besser kennenzulernen. Und so kommen wir zum nächsten Thema
Land und Leute:
Was mir zuerst bei den einheimischen, jungen Leuten aufgefallen ist, dass sie überdurchnittlich viel und auch exzessiv feiern. Und meistens kommt die Beerbong mehrfach zum Einsatz, wobei man damit nicht Bier trinkt, sondern puren Wodka und zwar flaschenweise. Und das ist gerade in Australien sehr überraschend, da die Preise für Alkohol überirdisch sind. Für eine Flasche Wodka zahlt man da gut und gern 35 Dollar, eine Flasche Jack Daniels kostet um die 80 Dollar. Bei einem Sixpack Bier ist man mit 20 Dollar dabei. Mir ist bei den Preisen die Lust am Feiern öfter mal vergangen, da die Lebenshaltungskosten in Australien eh schon um einiges höher sind als in Deutschland. Man zahlt dort einfach für einen Becher Jogurt umgerechnet 1,50. Auch wenn der Australische Dollar weniger Wert ist als der Euro, sollte man sich damit anfreunden, dass dort dann einfach alles dementsprechend teurer ist. Den jungen Leuten hier zumindest scheint es egal zu sein, sind sie diese Preise auch gewohnt. Geht man abends weg, fallen vor allem die Mädchen auf. Ich war während der Winterzeit dort, doch dennoch trotzen die Mädchen Wind und Wetter um sich in kurze, enge Kleider und hohe Stilettos zu schmeissen. Verdenken kann man es ihnen irgendwie nicht, da es was Damenmode betrifft, in Australien viel schönere Sachen zu kaufen gibt, als in jedem H&M Shop. Macht doch einfach mal eine Shopping Tour und betretet Geschäfte wie Jay Jay, Valley Girl oder Cotton On und ihr wisst, was ich meine. Und Klamotten sind hier überraschenderweise sogar sehr günstig. Nehmt also nicht zuviel mit nach Tassie, sondern kauft dort alles! ;) Grundsätzlich spielt hier Styling und Mode eine sehr große Rolle und wenn man als Mädchen mal beim Weggehen Jeans und normale Sneakers trägt, fällt man irgendwie schon auf. Das ist wirklich nicht übertrieben. Die Männer werden das sicherlich sehr schön finden, da es in Australien sehr viele hübsche Mädchen gibt, die ebenfalls wie die Männer ein paar Gläser heben. ;)
Auch wenn dort sehr gerne mal zu tief ins Glas geschaut wird, muss man zugeben, dass die australischen Männer noch eher von der alten Schule sind. Man wird abgeholt, das Essen wird selbstverständlich bezahlt und es wird immer sichergestellt, dass es einem gut geht. Man kümmert sich dort sehr um einen und blöd angeredet wird man eigentlich nie. Die Leute in Hobart jedenfalls waren alle immer sehr aufgeschlossen, höflich, interessiert und es war einfach, Gespräche mit ihnen zu führen. Dort gabs das nicht, dass man in einer Ecke steht und die Leute beobachtet, weil sofort jemand da war, um dich zu unterhalten. Das war sehr schön und deswegen hatte ich wohl auch kaum Heimweh. In Australien ist man einfach nicht allein, weil dort irgendwie jeder mit jedem reden will. Man wird herzlich aufgenommen und sofort miteinbezogen. Ausser von den asiatischen Studenten, die bleiben lieber unter sich.

Gut, nun zu Tasmanien selbst. Auch wenn es dort nicht viele hin verschlägt, muss man sagen, dass es eine wunderschöne Insel ist. Hobart ist eine etwas kleine Stadt, aber sehr historisch und gemütlich. Aber Achtung: Hobart ist hügelig und bergig. Wer oft zu Fuß geht, der wird bald merken, wie sich die Waden in reine Muskelmasse verwandeln. Die Fußgängerzone ist voller interessanter Geschäfte und man findet wirklich tolle Klamotten, was mich sehr überrascht hat. Die Busverbindungen sind auch sehr gut. Wenn man am Wochenende abends weggehen will, dann empfiehlt sich die Victorias Tavern, wo viel Livemusik gespielt wird, ausserdem das Telegraph Hotel direkt am Hafen oder die Barcelona Bar in Salamanca. Und wer am Samstag morgens fit genug ist, der sollte unbedingt den Salamanca Markt besuchen. Dort stellen lokale Betriebe ihre Waren aus und verkaufen sie zu guten Preisen. Es gibt dort wirklich viele schöne Sachen und auch für den Gaumen ist dort so einiges geboten. Der Botanische Garten ist auch sehr zu empfehlen. Wer denn doch etwas von Tasmanien ausserhalb Hobarts sehen will, der kann sich entweder einen Freund mit Auto schnappen und die Insel selbst erkunden oder sich für etwa 65-70 Dollar Tagestouren buchen. Ich habe über diese Touragenturen einen Trip zur Wineglass Bay gemacht und mir auch Port Arthur angesehen und es waren wirklich sehr tolle Ausflüge. Wer sich viel vornimmt und die schönsten Strände und Plätze sehen will, dem empfehle ich die Bay of Fires im Nordosten der Insel, Wineglass Bay, etwas südlicher und auch Bruny Island. Von dort kann man wundervolle Bootstouren machen, die hohen Klippen bewundern oder Delphine und Wale beobachten. Leider ist Bruny Island nur mit dem Auto erreichbar und man muss die Fähre nehmen. Also vorbereiten und nicht aufs Geratewohl fahren! Auf Maria Island kann man leider nicht übernachten, da es Naturschutzgebiet ist, also eignet sich diese Insel im Osten nur für Tagesausflüge. Nicht unweit von Hobart etwas westlich befindet sich der Mt. Field Nationalpark, der wunderschöne Regenwälder beherbergt.
Das Wetter war meist etwas windig und man musste meistens ne Jacke tragen. Es war aber nie wirklich richtig kalt. Geregnet hat es wider erwarten weniger. Man muss aber sagen, dass ich im Winter dort war. Ich habe aber etwas vom Frühling mitbekommen und er ist wunderschön! Alles duftet, die Sonne scheint und durch das viele Grün direkt in der Stadt hat alles einen sehr idyllischen Charakter. Surfen kann man selbstverständlich auch, nur sollte man sich einen Neoprenanzug anziehen, da das Wasser doch etwas kälter ist als weiter oben im Norden.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Zeit in Hobart wirklich wunderschön war und wer einfach mal etwas anderes machen will, als sich wie viele andere in Queensland niederzulassen, der sollte definitiv nach Tasmanien kommen. Von dort kann man nämlich wirklich toll eine Rundreise beginnen, wenn man nach Melbourne für umgerechnet 30 Euro fliegt und einfach mit nem Campervan die Ostküste hochtuckert (oder die Westküste oder beides?)
Also, kommt nach Tassie, ihr werdet es nicht bereuen!
Wer fragen hat, kann sich natürlich gern bei mir melden!
Liebe Grüße, Steffi

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