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Erfahrungsbericht Australien 2011

Gleich vorneweg kann ich jedem nur empfehlen, ein Auslandssemester zu absolvieren, auch wenn dies recht kostspielig und mit einigem Aufwand verbunden ist. Insgesamt war ich sieben Monate in Australien und werde diese bisher schönste Zeit meines Lebens nie vergessen. Da es schon jede Menge Erfahrungsberichte gibt, die fast immer nach dem gleichen Schema aufgebaut sind, will ich versuchen, meinen etwas anders zu gestalten.

Es ist klar, wenn man ins Ausland geht, müssen so einige Dinge zuvor erledigt werden. Hilfreich ist es, sich dazu eine Liste mit allen wichtigen Erledigungen anzufertigen und diese systematisch abzuarbeiten. Als Planungshorizont reicht ein knappes Jahr vorher, wobei das wirkliche Organisieren sowieso erst mit der „confirmation of enrolment“, also der Einschreibebestätigung der Uni losgeht.

Es ist notwendig, sich eine Kreditkarte zu besorgen, da man ansonsten vor Ort ein Bankkonto eröffnen muss. Ich habe mich für die Kreditkarte bei der DKB entschieden, da diese kostenlos ist und auch sonst einige Vorteile mit sich bringt. Doch bevor es dann wirklich nach Down Under geht, muss man ja dort auch irgendwie hinkommen. Als Fluggesellschaft kann ich die Emirates empfehlen, weil das Preis-Leistungsverhältnis sehr gut ist und ich zudem noch jede Menge Flugmeilen sammeln konnte. Was für uns Mädels auch noch recht entscheidend sein dürfte ist, dass man 30kg Gepäck mitnehmen darf. Da passt schon so einiges in den Koffer. Bevor man sich auf den weiten Weg macht, sollte man einen Blick auf die Flugbörse des Ranke Heinemann Forums werfen. Ich hatte mich damals mit einem anderen Deutschen am Frankfurter Flughafen verabredet, da ich zu dieser Zeit noch ein wenig unter Flugangst litt. Zu zweit ist es viel schöner, das Abenteuer Australien zu starten und ich kam gar nicht dazu, viel zu zweifeln. Ich habe mich fast die gesamte Zeit mit meinem Flugpartner unterhalten und ab Dubai kam noch ein anderer Deutscher dazu. Die Stimmung war gut und wir warteten gespannt darauf, was uns erwarten würde.

An meinem letzen Abend in Deutschland bin ich dann natürlich schon etwas ins Grübeln gekommen. Immerhin wusste ich nicht, wo und mit wem ich die nächsten Monate wohnen würde. Ich hatte mir ein Hostel gleich in der Nähe des Nathan Campus genommen. Das würde ich nicht noch mal so machen, denn dies war recht abgelegen von der Stadt. Mein Tipp: Nehmt euch ein Hostel in der Stadt, vielleicht nicht gleich ein Sechsbettzimmer, da man vom dem 24 Stunden Flug doch recht erledigt ist.

Wie schon oben erwähnt, habe ich am Nathancampus studiert. Dieser ist ca. 15min außerhalb der Stadt Brisbane gelegen, dafür aber von jeder Menge Grün umgeben. Was mir persönlich damals an meinem ersten Tag sehr weitergeholfen hätte, wäre ein Busfahrplan bzw. eine Übersicht. Die Busse 125 und 120 fahren direkt zum Nathancampus, wobei man auch mit einem Schnellbus aus der Stadt bis zum Griffith University Busway fahren und von dort den kostenlosen Intercampusbus nehmen kann.Kauft euch bloß nicht die Gocard concession, denn diese bekommt man als internationaler Student kostenlos in der Einführungswoche inklusive $10 Startguthaben.

Das sind alles wichtige Informationen, die mir am Anfang so manches erleichtert hätten. Als schwierigste Hürde gestaltete sich für mich die Wohnungssuche. Es herrscht keine Wohnungsknappheit und das Angebot ist auch recht üppig, allerdings hat alles seinen Preis. Ich habe damals für mein Zimmer $130 pro Woche gezahlt und darin enthalten war Internet ohne GB Begrenzung sowie der Service einer Putzfrau. Meine Unterkunft hieß Hibiscus (http://www.hibiscusplace.com.au) und war nur zwei Bushaltestellen vom Nathancampus entfernt. Auch wenn auf vielen Internetseiten steht, dass man in der jeweiligen Unterkunft eine Mindestmietzeit von sechs Monaten hat, so lasst euch davon nicht entmutigen. Viele Vermieter lassen mit sich verhandeln und dementsprechend sind vier Monate auch völlig in Ordnung. Beispielsweise habe ich für mein Zimmer nie einen Mietvertrag unterschrieben und auf meinen wöchentlichen Quittungen für meine erfolgte Mietzahlung stand lediglich mein Vorname. Es basiert viel auf Vertrauensbasis und das Schöne ist, dass dieses System funktioniert und es keiner ausnutzt. Ich habe mich dort recht wohl gefühlt und eine Menge Spaß mit meinen Mitbewohnern gehabt, auch wenn es anfangs unvorstellbar für mich erschien mit fünf anderen Leuten zu wohnen und sich Bad und Küche zu teilen. Doch der Mensch ist ein Gewohnheitstier und im Laufe des Semesters genoss ich es regelrecht, immer Jemanden zum Reden oder einfach nur zum Gesellschaftsleisten beim Kochen zu haben.

Die ersten Tage in Australien waren sehr aufregend, schließlich ist alles neu und irgendwie anders als Zuhause. Gerade der Linksverkehr machte mir in den ersten Wochen zu schaffen, da ich stets das Gefühl hatte, auf der falschen Straßenseite zu fahren. So manches Mal saß ich dann auch an der falschen Bushaltestelle, ehe ich viel zu spät realisierte, dass der Bus in die entgegengesetzte Richtung fuhr.

Sehr hilfreich fand ich die Einführungswoche an der Uni, dort lernte ich binnen Minuten andere internationale Studenten kennen. Der Nathancampus ist riesig, aber zum Glück gibt es einen Übersichtsplan. Das Studiensystem in Australien ist teilweise recht verschult. Alle meine Erfahrungen zu den Kursen beziehen sich hier auf den Bereich Business. Ich habe die Kurse International Business, Business Ethics and Coporate Governance sowie Management Concepts belegt. Schon in der dritten Woche schrieb ich meinen ersten Test in Management Concepts und in Woche vier mussten wir schon eine Präsentation in International Business halten. Ich war die ganze Zeit über gefordert und es ist ratsam, sich seine Zeit gut einzuteilen. Der Aufwand für jeden Kurs ist recht zeitintensiv, da es empfohlen wird, zu jeder Vorlesung auch stets im Vorfeld die jeweiligen Kapitel zu lesen. Diese umfassen in der Regel 30-40 Seiten. Die Bücher für Business kosten hier ca. $130 und das ist kein Witz. Da ich es nicht einsah so viel Geld für Bücher auszugeben und der Bücherbestand der Griffith University doch recht eingeschränkt ist und ich bei der sehr hohen Nachfrage neue Bücher nur für vier Stunden ausleihen konnte, versuchte ich mir diese, an der University of Queensland über Freunde auszuleihen. Das funktionierte bis zum Schluss. Ein Buch für Management Concepts musste ich mir schließlich dann doch kaufen, dieses habe ich als einer meiner teuersten „Andenken“ mit nach Hause genommen. Nach ca. sechs Wochen finden dann die Zwischenprüfungen, die sogenannten „mid terms“ statt. Doch damit ist es nicht getan. In den letzten Wochen musste ich noch sogenannte Assignments schreiben. Assignments sind den Seminararbeiten in Deutschland ähnlich. Insgesamt gesehen ist das australische Studiensystem weder schlechter noch besser als das deutsche, es ist einfach anders. Ich finde diese Beschreibung trifft es am besten.

Auch wenn ich am Anfang schon so einen kleinen Kulturschock erlitten habe, so wollte ich am Ende, das Land nicht mehr verlassen. Die Australier sind sehr entspannt und hinter vielen Sätzen schwingt am Ende ein „no worries“ mit. Diese gelassene Lebensart ist ansteckend und tut der Seele gut. Es ist eben doch sehr deutsch, sich gleich über die kleinsten Unannehmlichkeiten zu beschweren bzw. aufzuregen. Doch wozu? Die Australier schonen ihre Nerven und mir hat einmal ein deutscher Auswanderer gesagt: „Mit einem Australier zu streiten ist unmöglich“. Zudem sind die Aussies sehr hilfsbereit und stets an anderen Kulturen interessiert.

Nach meinem Auslandssemester habe ich noch zwei Monate das Land bereist.
Die gesamte Zeit in Australien war sehr aufregend und interessant- einfach unvergesslich schön.

Ich habe gelernt, offen neuen Kulturen und Denkweisen gegenüber zu stehen und bin auch selbst viel mehr mit mir im Einklang. Es einfach schön, im Bus zu sitzen und vor sich herzulächeln, einfach weil man glücklich ist.


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