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Alles begann im März 2000. Ich saß mit einem Kommilitonen zusammen bei einer Tasse Kaffee und wir unterhielten uns darüber, wie wichtig es doch für die spätere Kariere ist, ein oder zwei Semester im Ausland studiert zu haben. Wir waren beide fest entschlossen zu gehen, doch die große Frage war: Wohin? Es ist sehr schwer zu entscheiden, wenn man alle Möglichkeiten offen hat, und es erfordert sorgfältige Überlegungen und Recherchen. Ich unterhielt mich mit einigen Leuten, die schon im Ausland gewesen waren, oder auch planten ins Ausland zu gehen, über Ihre Ideen, Erfahrungen und Erlebnissen, und entschied mich recht schnell in ein Land zu gehen, in dem die offizielle Sprache Englisch ist, damit ich nicht nur die Vorlesungen besuchen, sondern auch versuchen kann in das Alltagsleben der Einheimischen eingebunden zu werden. Als ich schließlich das Kursangebot von Adelaide im Internet gefunden habe, fasste ich den Entschluss, dass ich es versuchen sollte dorthin zu kommen. Glücklicherweise war ich früh genug dran und konnte alle zur Bewerbung benötigten Unterlagen zusammenbekommen. Sogar die Empfehlungen von meinen zwei Professoren waren rechtzeitig fertig, wenn auch nur ein Tag vor dem Abgabeschluss. Die schwierigste Entscheidung aber war, welche Kurse ich denn nun tatsächlich machen wollte, es waren viele interessante Möglichkeiten. Ich musste mir zuerst darüber klar werden, dass die getroffene Entscheidung nicht endgültig war und suchte mir die Kurse aus, die mir am besten gefallen haben und von denen ich dachte, dass sie mir zu meinem Diplom angerechnet werden könnten. Als ich dann eine Weile nach der Abgabe der Bewerbung einen Brief erhielt, dass ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, war ich überglücklich und begann mich auf alle möglichen Fragen vorzubereiten. Die große Nervosität kam erst kurz vor dem Gespräch. Ich wusste, dass viele Leute eingeladen wurden und ich war auch im klaren darüber, dass es nicht all zu viele Plätze zu vergeben gab, doch glücklicherweise lief das Gespräch besser ab als erwartet. Trotzdem dachte ich, dass es zu unwahrscheinlich sei, dass ich genommen wurde. Eine Woche später lag ein Brief vom Auslandsamt auf meinem Tisch, ich war der Überzeugung, dass ich eine Absage darin finden würde und öffnete den Brief eher gelassen. Als ich aber die Nachricht las, dass ich genommen wurde, war ich aus dem Häuschen, ich konnte es einfach nicht fassen. Es dauerte noch einige Tage, wenn nicht gar Wochen, bis ich begriff, was das für Konsequenzen mit sich brachte. Und die ganze Mühe sollte schließlich belohnt werden.

Nun gingen die Vorbereitungen aber erst richtig los. Außer den von der Uni Adelaide benötigten Unterlagen mussten auch noch viele andere Dinge erledigt werden. Die ärztliche Untersuchung, die für das Studentenvisum benötigt wird, ließ ich über mich ergehen und sendete dann die ganzen Unterlagen zur australischen Botschaft. Uns wurde gesagt, dass diese Prozedur 6 bis 8 Wochen dauern würde, deswegen war meine Überraschung ziemlich groß, als ich 2 Wochen später das Visum in der Hand hielt. Und da das Visum bis März 2002 gültig war, ließ das sogar noch Spielraum für anschließende Reisen offen.
Nachdem endlich alles erledigt war, näherte sich schon der Beginn des ersten Semester in Adelaide und da ich rechtzeitig zur Einführungswoche dort sein wollte, beschloss ich einige Tage vor dem Ende des Wintersemesters Deutschland zu verlassen. Nach einem langen Flug landete ich um 6 Uhr morgens an einem Sonntag in Adelaide und wurde dort von Australischen Studenten abgeholt, die mich dann zu meiner vorübergehenden Unterkunft ins Royal Adelaide Hospital brachten, nachdem sie mir noch kurz die Stadt und die Universität gezeigt und mir meine Unterlagen überreicht haben. Ich war sehr positiv überrascht über den freundlichen Empfang und die Hilfsbereitschaft, die mir dort entgegengebracht wurde. Die Unterkunft war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber für die eine Woche die ich dort bleiben durfte war das überhaupt kein Problem. In dieser Woche wurden uns weitere Informationen über das Land, die Stadt und natürlich auch über die Universität gegeben und uns erklärt, wie alles abzulaufen hat und was gemacht werden muss, damit man auch in die Kurse eingeschrieben wird, die man machen möchte. Eigentlich lief das ganze ja recht unbürokratisch ab, trotzdem mussten einige Formulare ausgefüllt und Unterschriften von verschiedenen Professoren gesammelt werden. Ich hatte überhaupt keine Schwierigkeiten und konnte schließlich alle Vorlesungen besuchen, die ich mir ausgesucht hatte, die einzige Unannehmlichkeit war, dass zwei der Kurse gar nicht statt gefunden haben und ich mir etwas anderes suchen musste, was aber auch gar kein Problem war.

Ich hatte große Befürchtungen, dass ich in der kurzen Zeit keine permanente Bleibe finden würde, aber glücklicherweise bekam wir viel Unterstützung vom International Student Center und innerhalb nur einiger Tage fand ich ein Haus, in das ich mit einem Freund einzog und bis zum Ende des zweiten Semester blieb. Das Leben in Australien ist eher relaxter als in Deutschland, die Menschen sind generell freundlich und es ist sehr leicht Kontakte zu knüpfen. Besonders weil sie sehr am Ausland interessiert sind und sie alles nur erdenkliche erzählt bekommen möchten. Andererseits sind sie auch sehr hilfsbereit und erzählen auch sehr gern über ihr Land. Nahrungsmittel und Kleidung sind in Australien eher billiger als in Deutschland, außer es handelt sich um importierte Waren, deswegen war es für mich problemlos über die Runden zu kommen.

Die Vorlesungen in Australien waren ganz anders als die in Deutschland, was zum Teil auch daran gelegen haben mag, dass ich in Deutschland noch mein Vordiplom gemacht und in Australien dann das Hauptstudium begonnen habe. Die Vorlesungsart gefiel mir sehr, es waren nur wenig Leute in den einzelnen Kursen (es waren normalerweise nur 4-8 Studenten) und die Professoren konnten dann auf Fragen und Probleme intensiver eingehen. Die Hausaufgaben hatten auch einen anderen Stellenwert, wie die in Deutschland, in Australien zählen diese als ein Teil der Endnote und mussten deswegen vollständig bearbeitet werden, was eigentlich für das Verständnis der einzelnen Stoffgebiete gut ist, aber diese mussten alleine gelöst werden, was natürlich nicht sehr förderlich für die Teamwork-Fähigkeit war. Die meisten Prüfungen waren denen in Deutschland ganz ähnlich, jedoch hatte ich dort keine mündlichen Prüfungen und es gab Take-Home-Exams, bei denen man dann eine bestimmte Zeit bekommen hatte um die Aufgabenm zu bearbeiten, diese konnten aber mit jeglichen Hilfsmitteln und überall gelöst werden. Natürlich durfte man sich mit den anderen über die Aufgaben nicht unterhalten. Im großen und ganzen haben mir die Vorlesungen sehr gut gefallen und mir auch sehr viel in meinem Studium weitergebracht. Beide Wahlpflichtfächer wurden anerkannt und ich konnte auch noch einige Vorlesungen besuchen, die mich sehr interessiert haben, ich in Deutschland aber möglicherweise keine Zeit dafür gefunden hätte.

Im großen und ganzen kann ich den Aufenthalt in Australien jedem nur ans Herz legen, der aufgeschlossen gegenüber anderen Kulturen ist, gerne reist und gerne neue Leute kennenlernt. Dieser Aufenthalt brachte mich nicht nur fachlich und sprachlich weiter, sonder ich lernte auch sehr viel über das Leben und die Kultur Australiens, und ich war glücklicherweise auch in der Lage vielen Leuten über meine Heimat und meine Universität zu berichten. Dieses Jahr ist mit Erfahrungen und Erlebnissen verbunden, die ich mein ganzes Leben mit mir tragen werde und die mich auch ein Stück weit geprägt haben. Ich bin fest entschlossen Australien und meine Freunde in Adelaide wieder zu besuchen und hoffe dass ich möglichst bald Zeit dazu finden werde.

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