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Auslandsstudium an der Queensland University of Technology in Brisbane, Australien

Einleitung

Dieser Bericht behandelt mein Auslandsstudium an der Queensland University of Technology (QUT) in Brisbane, Australien während der Zeit vom Juli bis November 2004. Der Bericht beginnt mit meinen Vorbereitungen (Visum, Studienplanung) vor der Einreise nach Australien. Im Anschluss werden die Universität und mein Studium behandelt. Insbesondere wird hier Bezug auf die Ausstattung und Infrastruktur der QUT sowie auf den Stil der Vorlesungen genommen. Abschließend wird das Leben in Brisbane und Australien allgemein angesprochen.

Vorbereitung

Die Kooperation mit dem Institut Ranke-Heinemann lief einwandfrei. Neben dem Studentenvisum und dem Papierkram mit der QUT zur Einschreibung musste ich mich vor allem um die Fächerkombination kümmern.

Bei fachlichen Fragen zu Vorlesungsinhalten habe ich mich direkt an die Dozenten der Universität per E-Mail gewendet. In der Regel wurden meine Anfragen innerhalb von 24 Stunden beantwortet, so dass ich mit diesen Auskünften und den Informationen der übersichtlich gestalteten Webseite (www.qut.edu.au) meine Fächer ruhigen Gewissens im Vorfeld festlegen konnte.

Nachdem meine Immatrikulation schriftlich bestätigt wurde, konnte ich das Visum unkompliziert über die australische Botschaft in Berlin beantragen. Die Formulare zur Beantragung des Visums stehen online auf www.australian-embassy.de zum Download bereit. Das Studentenvisum kostet 410 australische Dollar (ca. 246 Euro) und mein Reisepass mit ausgestelltem Visum wurde mir in weniger als zwei Wochen zurück gesandt. Alternativ lässt sich auch ein so genanntes „e-visa“ ausstellen. Dies funktioniert in der Regel noch zügiger. Informationen dazu sind auch über die Webseite der Botschaft erhältlich.

Studium an der QUT, Brisbane

Studienbeginn

Ich bin etwa zwei Wochen vor Vorlesungsbeginn – nach einem zweitägigen Stopover in Dubai (Emirates bieten Stopover in Dubai oder Singapur ohne Aufpreis zum regulären Flugpreis an) – in Brisbane angekommen. An der QUT wurden zu dem Zeitpunkt bereits die ersten Orientierungsveranstaltungen angeboten, bei denen man sich über Stadt und Universität informieren und die ersten Kontakte zu Kommilitonen und Uni-Personal knüpfen konnte. Als besonderer Service der QUT sind die Hilfestellungen bei der Wohnungssuche hervorzuheben. Wie die meisten der internationalen Studenten hatte ich im Vorfeld keine Wohnung organisiert und war deshalb sehr glücklich über den Service der Universität. Der International Student Support (ISS) der QUT sammelt Wohnungsanzeigen, berät bei der Wohnungswahl
und organisiert Termine mit den Vermietern oder Maklern. So kam es, dass ich bereits zwei Tage nach meiner Ankunft die ersten Wohnungen besichtigt und mich auch gleich für eine entschieden habe. Im Allgemeinen kann ich nur dazu raten die Unterkunft vor Ort zu suchen. Es lohnt sich auf jeden Fall die Wohnung vorher zu sehen und die Umgebung auszukundschaften. Faktoren wie die Nähe zu Supermärkten, Einkaufszentren und Bushaltestellen sollte man nicht unterschätzen. Zudem ist die Wohnungssituation in Brisbane nicht wirklich angespannt. Mit etwas Geduld findet jeder seine Wohnung. Nur frühzeitiges Anreisen empfiehlt sich, da man nicht noch während des Studiums mit der Wohnungssuche belastet sein will.

Insgesamt war ich vom Service für die internationalen Studenten sehr positiv überrascht. Es gab viele nützliche Informationsveranstaltungen und mehrere soziale Events wie zum Beispiel eine Flussfahrt mit Barbecue und ein Wochenendausflug nach Stradbroke Island direkt vor Vorlesungsbeginn. Besonders diese Veranstaltungen halfen beim Kennen lernen vom späteren Freundeskreis und ließen mich irgendwie willkommen fühlen. Die mit unserer Betreuung beauftragten Angestellten waren auch so gut wie immer ansprechbar und stets freundlich, so dass Probleme frühzeitig ausgeräumt werden konnten.

Ausstattung und Infrastruktur

Bei diesem Kapitel können sich die deutschen Universitäten ein paar Scheiben abschneiden. Von den Vorlesungssaalen über die Labore und Computerpools bis zur Bibliothek war die QUT sehr gut ausgestattet. Jeder Vorlesungssaal beinhaltete PC, Beamer und Overhead-Projektor, die Computer in den PC-Pools waren mit aller notwendigen Software ausgestattet und in den fachspezifischen PC-Pools gab es die speziellen Programme, die begleitend zur Vorlesung benötigt wurden. Studiumsorganisation (Anmeldungen, etc.), ein umfangreiches Angebot an Online-Datenbanken und der kostenloser Zugriff auf sonst kostenpflichtige Webseiten zur Recherchezwecken waren ein weiteres Plus. Weiterhin angenehm war die Hilfsbereitschaft der Dozenten und des gesamten Universitätspersonals. Im Vergleich zu meiner Heimuniversität (TU Kaiserslautern) fühlte ich mich so richtig im Service-Himmel.

Vorlesungen

Unterschiedlich zu Deutschland, hört man als Vollzeitstudent in der Regel nicht mehr als vier Vorlesungen. Ein Kontingent von drei Vorlesungen entspricht aber immer noch einem Vollzeitstudium. Als Maschinenbauer hatte ich mich im Vorfeld für drei technische Vorlesungen aus dem Angebot der Engineering School und eine nichttechnische Vorlesung entschieden. Aufgrund von Vorlesungsüberschneidungen konnte ich im Endeffekt aber nur drei Vorlesungen hören:

• Finite Element Analysis
• Materials Technology
• Australian Society and Culture for International Students

Der Vorlesungsstil unterschied sich sowohl inhaltlich als auch methodisch von meinem Studium in Deutschland. Die Gesamtnote eines Faches wird nicht nur aus
der abschließenden Klausur abgeleitet, sondern setzt sich aus mehreren Hausarbeiten, Präsentationen, Gruppenarbeiten und der Klausur zusammen. Dadurch war mein Arbeitspensum während des Semesters deutlich höher als gewohnt. Relativ bald stellte ich allerdings fest, dass während der Zeitaufwand zwar größer war, der Anspruch an die zu erstellenden Arbeiten eher geringer war. So gelang es mir relativ einfach alle Fächer mit ordentlichem Ergebnis abzuschließen.
Rückblickend empfinde ich das australische System vor allem was den Lernstil betrifft besser, da durch ständige Hausarbeiten der Vorlesungsinhalt kontinuierlich aufgearbeitet wird und dadurch eher verinnerlicht wird. Auch Möglichkeiten wie Gruppenarbeiten und Präsentation durchzuführen, worauf in meinem Studium sonst nicht viel Wert gelegt wird, fand ich sehr interessant. Leider mangelte es den Vorlesungen oft um inhaltliche Tiefe. Es wurde im Allgemeinen starken Wert auf praxisorientierten Inhalt gelegt. Wie sehr jemand das Studium gefällt hängt wahrscheinlich von den persönlichen Interessen ab.

Leben in Australien

Lebenshaltungskosten

Wie teuer was in Australien ist hängt hauptsächlich davon ab, wo man sich gerade befindet. Während die Mietpreise in Brisbane (1,6 Millionen Einwohner) vergleichbar mit einer deutschen Großstadt sind, zahlt man in Sydney einiges mehr. Lebensmittel und Kleidung sind im Allgemeinen etwas billiger, im Outback zahlt man aber auch gern etwas mehr. Verkehrsmittel (Taxis, Busse, Züge) sind viel billiger als in Deutschland. Restaurants sind auch günstiger, wenngleich alkoholische Getränke etwas teurer sind. Zusammenfassend kann ich behaupten, dass ich wenn man die Ausflüge und meine Rundreise nicht mitrechnet, mit etwa genauso viel Geld wie zu Hause auskam.

Kultur

Zurückblickend würde ich sagen, dass das Leben in einer anderen Kultur die interessanteste und beste Erfahrung war, die ich durch meinen Auslandsaufenthalt gemacht habe. Ich lebte in einem Haus mit neun Studenten, darunter auch zwei Australiern zusammen und kann jedem empfehlen in eine WG mit möglichst vielen Australiern zu ziehen. Die Australier sind freundlich und zuvorkommend, vor allem aber entspannt und stressfrei. Das freundliche Miteinander war so angenehm, dass ich mich nach meiner Rückkehr erst wieder an das vergleichsweise unterkühlte Deutschland gewöhnen musste.

Australien ist als Einwanderungsland sehr multikulturell und stark beeinflusst durch die asiatische Kultur, da rund ein Drittel der Einwanderer aus Südostasien kommt. Die Australier sind in der Regel weltoffen und grundsätzlich über das Geschehen in der Welt informiert, was bei einem Land der Größe und Abgeschiedenheit nicht selbstverständlich ist.

Das Land sehen

Australien ist ein großes Land. Die Landmasse ist vergleichbar mit der Europas. Das Land bietet vom tropischen Regenwald bis zur Wüste so ziemlich alle vegetativen und klimatischen Zonen. Der größte Teil der Bevölkerung lebt entlang der Küste. Trotzdem sind auch gerade einige Sehenswürdigkeiten im Innern des Landes zu finden. Australien macht es Reisenden sehr einfach, das Land zu erkunden. Fast in jedem Ort gibt es Jugendherbergen und Touristenbüros. Das Angebot reicht von komplett organisierten Trips bis zum selbstgeführtem Ausflug. Das Studium in Australien bietet ausreichend Freiheit für Ausflüge während der Vorlesungszeit. Auf jeden Fall sollte genügend Zeit im Anschluss der Prüfungen zur Rundreise eingeplant werden.

Zusammenfassung

Mein Aufenthalt in Australien gehört zu den besten Erfahrungen meines Lebens. Durch das Studium an der QUT habe ich eine andere Perspektive auf mein Ingenieursstudium gewonnen. Der wichtigste Bestandteil meines Auslandssemesters ist aber definitiv meine persönliche Entwicklung. Auch wenn Australien ein westliches Land ist, machen viele Fein- und Eigenheiten der Australier die Kultur aus, die mich auf jeden Fall positiv verändert hat. Ich kann ein Studium in nur Australien empfehlen und jedem Brisbane ans Herz legen. Für weitere Fragen und sonstige Informationen stehe ich über E-Mail (ben.hoffmann@gmx.de) gerne zur Verfügung.

Benjamin Hoffmann

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