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One semester at the UTS in Sydney

Ein mühsamer Weg, der lohnt. Das trifft sicherlich auf die Vorbereitungsphase für ein Auslandssemester in Australien zu.
Abschreckend sind anfangs erstmal all die unzähligen Dokumente, die man braucht, um die Formalitäten für einen Auslandsaufenthalt zu bewältigen.
Ich hatte z.B. eine To-do-Liste mit dem ersten Punkt "Bafög beantragen", der sich selbst wieder in eine unzählige To-Do-Liste aufsplittete, da man allein hierfür fast genausoviele Dokumente braucht wie für den Auslandssemesterantrag selbst.
Parallel zum Bafög-Blätter-Ausfüllen und hinter all dem Studien-und Schulbescheinigungen von den Geschwistern Herrennen musste natürlich auch noch ein Termin für einen Sprachtest gemacht werden, der Voraussetzung für ein Auslandssemester in Australien ist. Termin bekommen! Yes! Jetzt sollte man natürlich auch noch anfangen, sein altes Schulenglisch aufzufrischen. Wenn man den Sprachtest nicht besteht, muss man mindestens 30 Tagen warten bis man ihn wiederholen kann. Ich konnte mir das damals aber nicht erlauben, weil ich ziemlich spät dran war (Also merken: Es ist kein Fehler, ein Jahr vorher mit Vorbereitungen anzufangen!).
Was als nächstes? Oh! Ein Brief vom Bafögamt ist zurückgekommen. "Bitte schicken Sie noch folgende Unterlagen bis spätestens 03.12.2004". Cool, schon wieder eine To-do-Liste mehr. Ich hab mich auch parallel für eine Wohnung im Wohnheim in Sydney beworben und sogar eine Zusage bekommen. Doch 180AU$ pro Woche fand ich dann doch etwas zu viel und so hab ich beschlossen, mir vor Ort was zu besorgen, dazu aber später mehr. Apropos Sydney: Natürlich muss während den ganzen Vorbereitungen auch gründlich recherchiert werden, in welche Stadt man denn will und welche Uni dort gut ist. Freunde fragen oder im Internet Testberichte lesen (z.B. www.ciao.de) kann da schon Einfluss auf die Waagschale haben. Bei mir war es so, dass Sydney mein persönlicher Erstwunsch war. Hab mich aber auch noch für eine Uni in Melbourne und eine in Brisbane beworben und alle Bewerbungen an Ranke-Heinemann geschickt, die diese dann an die entsprechenden Universitäten weitergeleitet haben. Auch bei allen Fragen, die ich hatte bzgl. einem Auslandssemester in Australien, kam immer sehr schnell eine Antwort zurück. Vielen Dank an dieser Stelle nochmal für die Unterstützung. Da die erste Zusage von der University of Technology, Sydney kam, war für mich schon klar, dass ich dass nächste halbe Jahr dort verbringen werde. Die Confirmation of Enrolment (COE) in der Hand zu halten ist schon ein echt cooles Gefühl! ;)
Aber COE ohne Sprachtest bringt einem natürlich nichts. Zum Glück war der IELTS-Test machbar (ich hatte 7,5 von 9 Punkten...und dass ohne grossartig zu lernen. Was natürlich nicht heissen soll, dass der Test ein Zuckerschlecken ist. Ein Übungsbuch sollte man sich schon davor besorgen!).
Gut, ich hatte eine Zusage von der Uni, ich hatte den Sprachtest. Nun konnte ich auch mein Visum online beantragen. Dieses kam dann auch relativ schnell (innerhalb von 2 Wochen).
Jetzt musste ich nur noch die Studiengebühren und den Flug bezahlen. Leichter gesagt als getan... ich hatte ja noch immer keine definitive Zusage vom Bafögamt. Und selbst wenn, dann muss man erstmal die Studiengebühren (bei mir ca. 4600 Euro) und den Flug (ca. 1200 €) vorstrecken. Wenn man dann keine reichen Eltern oder nicht das entsprechende Kleingeld hat, ist das erst einmal ein Problem. Das muss jeder für sich regeln denke ich (Tipp: Ein Bildungskredit hat einen sehr guten Zinssatz!). Die Logik versteh ich bis heut noch nicht: Der Staat will Studenten finanziell mit Bafög unterstützen und dennoch muss man alles erst mal selber vorstrecken. Gab auch Diskussionen im Ranke-Heinemann-Forum darüber. Aber das ist ein anderes Thema.
So, nach langem Warten kam irgendwann das Bafög (wenn auch zu spät meiner Meinung nach), ich besorgte mir einen Flug und hatte mein Visum.
Nun musste ich nur noch meine Klausuren in Deutschland hinter mich bringen. Da diese relativ spät waren, hab ich leider die Einführungswoche an der UTS verpasst, was meiner Meinung nach nicht zwingend notwendig ist, um sich dort zurechtzufinden, aber bestimmt ein guter Anlaufpunkt ist, um schnell Leute kennenzulernen.

Nach 23h Flug, ersten Tromboseerscheinungen (Scherz) und vier warmen Mahlzeiten bin ich dann in Sydney gelandet und konnte die ersten Tage bei einem deutschen Pärchen übernachten, das ich schon vorher aus Deutschalnd kannte.
Das erste, was ich am ersten Tag machte, war mir eine Vodafone-SIM-Card zu besorgen. Danach ging es auf Wohnungssuche. Da ich wie gesagt etwas spät dran war wegen meinen Klausuren, hatte ich das Gefühl, das die besten Wohnungen schon vergriffen waren und nur noch sehr teure Wohnungen in Uni-Nähe übrig waren. Bekam teilweise richtig üble "Löcher" (halbe Baustellen) für 150AU$ pro Woche angeboten.
Hab am Ende dann eine Wohnung für 120AU$ in Bondi Beach genommen und hab es im nachhinein auch nicht bereut. Wann sonst kann man sagen, dass man ein halbes Jahr am Strand gewohnt hat??! ;) Natürlich braucht man etwas länger, um in die Uni zu kommen, aber das hab ich gern in Kauf genommen, da ich nur 10min zu Fuss brauchte, um surfen zu gehen.
Ich denke jedes Viertel hat so seinen ganz eigenen Reiz (naja, fast jedes). Sehr empfehlen kann ich persönlich Bondi, Glebe oder auch Darlinghurst. Sehr gemütliche Kneipen und Märkte gibt es dort.

Am ersten Unitag bekam ich dann mit 2 anderen Studenten, die ebenfalls etwas später ankamen, eine spezielle Führung durch die UTS, was sehr beeindruckend war: Eine sehr moderne Universität mit unzähligen Cafes und auch Swimmingpools. ;)

Man hat während den ersten Wochen noch die Möglichkeit, seine gewählten Fächer zu ändern, wenn man will. Ich hab mich dann drei Wochen lang in 5 Vorlesungen gesetzt, bis ich mich endlich entschieden habe. ;) Habe dann 2 Vorlesungen getauscht. War auch gar kein Problem.
Auch an das Englisch während der Vorlesung gewöhnt man sich recht schnell, obwohl es anfangs noch ein etwas komisches Gefühl ist, und man des öfteren Wörter nachschlagen will.

Zu Sydney kann ich nur sagen: Eine super geniale und sehr schöne Stadt mit vielen Facetten. Sydney ist wirklich ein Melting Pot. Man trifft hier mehr internationale Menschen als Australier. Und sehr, sehr viele Asiaten. ;) Essenstechnisch findet man daher auch so ziemlich alles, was das Herz, oder viel mehr der Magen begehrt. Hier scheint Toleranz gross geschrieben zu werden. Auch was Homosexualität angeht. Leben und leben lassen ist hier da Motto. Die Menschen hier sehr interessiert an anderen Kulturen und man wird teilweise regelrecht ausgequetscht, wie es denn in Deutschland ist, wie die Frauen dort sind, wie das Essen, ... ;) Nebenbei kennt irgendwie jeder Australier irgendjemanden in Deutschland oder hat Vorfahren von dort.

Was die Landschaft angeht: in Bondi Beach, wo ich wohnte, hat man das Gefühl in einem kleinen Urlaubsort zu wohnen, wo jeder 2. mit einem Surfboard an dir vorbeischlendert und man von vielen Cafes aus einen Blick auf den Pazifik hat. Dann wiederrum fährt man 40 Minuten mit Zug und Bus und hat eine riesige Großstadt mit beeindruckenden Bauwerken wie der Harbour Bridge oder dem Opera House vor der Haustür. Sucht man Abenteuer im Urwald, dann braucht es keine 2h mit dem Zug unhd man kann eine ein-oder zweitägige Wanderung durch die Blue Mountains oder durch den Royal Nationalpark machen.

Habe das ganze Semester hier wirklich sehr genossen und viele nette Leute kennengelernt. Könnte mir gut vorstellen, noch ein weiteres Semester hier zu studieren, aber ich muss Ende August schon wieder zurück. Ab morgen verlass ich Sydney und reise für die restlichen Wochen die Ostküste hoch...und das im Linksverkehr! ;)
...Ein mühsamer Weg, der lohnt.

Sascha Hertel

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