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Studienbericht Sommersemester 2005
Semesteraufenthalt in Australien Inhaltsverzeichnis: 1. Organisation meines Auslandsstudiums und Tipps für andere Studenten 2. Studiengang »Education of Early Childhood« an der James Cook University in Cairns, Australien (Queensland) 3. Inhalte meiner besuchten Seminare: 3.1 ED 2590 Early Childhood Development Studies 3.2 ED 3093 Inquiries into Early Childhood 3.3 ED 3094 Arts Education for Early Childhood 4. Praktikum im Trinity Beach Kindergarten, Cairns 5. Persönliche Weiterentwicklung 1. Organisation meines Auslandsstudiums und Tipps für andere Studenten Ich habe mich bereits in meinem dritten Studiensemester damit beschäftigt in meinem späteren Studienverlauf ein Auslandssemester zu absolvieren. Es gibt drei Gründe warum ich mich dazu entschieden habe das Auslandssemester in Australien zu machen: Erstens wollte ich auf jeden Fall in einem englischsprachigen Land studieren, um meine ebglischen Sprachkenntnisse zu intensivieren. Zweitens wollte ich in einem Land studieren, das in dem Bereich Pädagogik der frühen Kindheit weit entwickelt ist und drittens sollte es ein Land sein, das mir gefällt und indem ich mich wohl fühle - da ich schon in Australien gereist bin, konnte ich mir sehr gut vorstellen dort für eine längere Zeit zu leben. Nachdem mir klar war das ich mein Auslandssemester in Australien durchführen wollte habe ich mich umfassend über die australischen Hochschulen informiert. Ich fragte Dozenten und Professoren der Uni Köln, ob sie Kontakte zu ausländischen Universitäten haben und ob sie wüssten welche Fördermittel es gäbe, die man evtl. in Anspruch nehmen könnte. Leider fiel die Beratung sehr mager aus, keiner aus der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln konnte mir weiterhelfen. Mein zweiter Schritt war dann der Besuch im akademischen Auslandsamt. Auch hier war die Beratung leider nur dürftig. Mir wurde gesagt, dass die Universität zu Köln nur mit der Monash University kooperiere und dass es an der Monash University keine Erziehungswissenschaftliche Fakultät gebe. Somit hatte ich nicht die Möglichkeit das Auslandssemster über ein Austauschprogramm über die Uni Köln laufen zu lassen. Der Berater im akademischen Auslandsamt hat mir keine weiteren Informationen über ein Studium in Australien gegeben. Nachdem ich ihn gefragt habe, wie ich denn herausfinden kann welche Universitäten in Australien meinen Studiengang anbieten hat er mir zumindest den Studienführer Australien vom DAAD ausgeliehen, welcher sehr hilfreich war. Der Studienführer gibt u.a. allgemeine Hinweise über das Studium, Informationen über das Bildungswesen in Australien und Auskunft über Förderungsmöglichkeiten. Darüber hinaus werden alle australischen Universitäten aufgelistet und man kann sehen welche Studiengänge von welcher Universität angeboten werden. Als nächstes habe ich mich dann längere Zeit damit beschäftigt diesen Studienführer mehrmals zu lesen, da mir immer wieder neue nutzvolle Informationen aufgefallen sind. Ich habe angefangen nach passenden Universitäten zu suchen, an denen ich mein Studienfach »Pädagogik der frühen Kindheit« studieren könnte. Diese Suche hat lange gedauert, ich habe mich durch die Listen des DAAD Studienführers und außerdem durch die Liste aller Universitäten vom Ranke-Heinemann-Institut (http:// www.ranke-heinemann.de) durchgearbeitet und nachdem ich wusste welche Universitäten den Studiengang »Education of Early Childhood« anbieten, habe ich mir die Homepages der Universitäten genauer angeguckt und versucht so viele Informationen wie möglich zu beschaffen. Nach langem überlegen habe ich mich dann für die James Cook University entschieden. Ich muss sagen, dass mir professionelle Hilfe bei der Auswahl einer Universität sehr gefehlt hat. Ich konnte zwar sehen welche Universitäten meinen Studiengang angeboten haben, jedoch waren es mehrere und es war sehr schwierig herauszufinden welche Universität meinen speziellen Bedürfnissen entsprach. Man kann über die Homepages nur sehen welche Kurse die jeweiligen Universitäten anbieten und kurze Berichte mit Beschreibungen über die Kurse lesen, die jedoch sehr allgemein sind. Nachdem ich in Australien war habe ich gesehen, dass es fast für jeden Kurs ein „Subject Prospectus“ gibt, den man bei der ersten Sitzung der Veranstaltung vom Dozenten ausgeteilt bekommt. Ich empfehle allen Studenten bevor sie ihre Uni bzw. Kurse auswählen die jeweiligen Dozenten per E-Mail anzuschreiben und nach dem Subject Prospectus für die Kurse, die sie wählen wollen, zu fragen. Ein Subject Prospectus gibt sehr genaue Informationen über den Kurs, über den Kursverlauf, über die readings die man machen muss und über die Bedingungen für einen Scheinerwerb etc. Wenn ich gewusst hätte dass es diese Subject Prospectus gibt, hätte ich durch die genauen Kursbeschreibungen gezielter entscheiden können, welche Uni für mich am besten geeignet wäre. Nachdem ich meine Vordiplomsprüfung im April 2004 abgelegt hatte, habe ich mich um ein Stipendium beim DAAD für ein Study Abroad Semester in Australien beworben. Ich habe meine Bewerbung im Juni 2004 eingereicht. Im Oktober 2004 habe ich ein Schreiben vom DAAD bekommen, mit der positiven Nachricht, dass mir ein Stipendium zugesprochen wurde. Da das Semester in Australien schon im Februar 2005 begann, hatte ich nur noch drei Monate Zeit um alle restlichen Sachen zu erledigen. Meine Bewerbung habe ich über das Ranke- Heinemann-Institut in Essen laufen lassen, was ich sehr empfehlen kann. Das Ranke-Heinemann-Institut unterstützt Studenten bei Bewerbungen für australische Hochschulen und man muss nichts für den Service bezahlen. Ich hatte eine sehr kompetente, freundliche Ansprechpartnerin, der ich meine Bewerbungsunterlagen zugeschickt habe. Diese wurden vom Ranke-Heinemann-Institut überprüft, Zeugnisse wurden vom Institut übersetzt (kostenlos) und sie haben für mich den Kontakt zur Uni aufgenommen, indem sie meine Bewerbung dort hin gefaxt haben. Der Kontakt zur Uni lief dann über das Ranke- Heinemann-Institut. Ich habe mich ausschließlich bei der James Cook University in Cairns beworben was leider nicht sehr reibungslos verlief. In meiner langen Vorbereitungsphase hatte ich mehrmals Kontakt zu der Universität aufgenommen und hatte viele Dinge im Voraus geklärt, z.B. hatte ich die JCU einmal angeschrieben und gefragt, ob ein TOEFL Test (englischer Sprachtest) auch nötig wäre, wenn ich nachweisen könnte, dass ich Englisch als Leistungsfach im Abitur hatte und außerdem das DAAD Sprachzeugnis vorlegen könnte. Ich bekam damals die Antwort, dass diese Unterlagen ausreichen würden, um zu belegen, dass meine englischen Sprachkenntnisse für ein Auslandssemester ausreichen würden, also hatte ich keinen TOEFL Test abgelegt. Nachdem ich mich dann aber offiziell um einen Studienplatz beworben hatte, erhielt ich Anfang Dezember ein Schreiben, dass ich noch den TOEFL Test vorlegen müsste. Dieses Schreiben machte mich sehr nervös, weil ich keinen TOEFL Test gemacht hatte und es nun zu spät dafür war (man kann nur zu bestimmten Terminen, die nicht sehr häufig sind, und an bestimmten Orten einen TOEFL Test ablegen). Ich musste mehrere E-Mails schreiben, um zu klären, dass mir vorher gesagt wurde dass ich keinen TOEFL Test brauche, sondern mein Abiturzeugnis und das DAAD Sprachzeugnis ausreichen würden. Da ich noch die E-Mails von damals hatte, konnte ich diese weiterleiten um meine Aussage zu belegen. Nachdem dieses Problem dann endlich gelöst war tauchte ein viel größeres auf. Bevor ich mich offiziell bei der Uni beworben hatte, hatte ich mir schon die Kurse ausgesucht die ich besuchen wollte und da nicht sehr viele Kurse aus dem Bereich Education of Early Childhood angeboten wurden, musste ich mich auf diese Kurse festlegen. Die Uni teilte mir dann jedoch sehr spät mit ( Anfang Dezember), dass ich die Kurse, die ich gewählt hatte nicht besuchen könnte, da sie nur für „full degree students“ waren. Ich wurde mittlerweile immer nervöser, da ich in einem Monat fliegen sollte und noch immer keinen „Uncoditional Offer Letter“ von der James Cook University erhalten hatte, also keinen sicheren Studienplatz hatte. Ich habe viele E-Mails geschrieben und wegen der Zeitverschiebung mitten in der Nacht Telefonate geführt, das Problem war jedoch das im Dezember kaum jemand in der Uni war, da alle Urlaub hatten. Ich musste also bis Januar warten und hatte mittlerweile schon fast die Hoffnung aufgegeben, dass das überhaupt noch klappen würde. Dann wandte ich mich direkt an die Dozentin, welche die Kurse, die ich gewählt hatte, angeboten hatte. Das war eine gute Idee, da die Frau vom International Student Centre (die mir gesagt hatte, dass ich die Kurse nicht wählen könne) noch nicht mal in der Fakultät Education beschäftigt war und mir somit auch nicht erklären konnte warum die Kurse nur für „full degree students“ waren. Ich habe dann mit Reesa Sorin, Coordinator of Education of Early Childhood Kontakt aufgenommen, ihr meine Situation geschildert. Sie hat die Sache dann innerhalb von wenigen Stunden geklärt und ich konnte die Kurse doch besuchen. Am 11. Januar 2005 habe ich dann endlich meine Zusage von der James Cook University bekommen. Ich musste dann noch auf die Confirmation of Enrolment warten, um ein Visum zu beantragen, die am 18. Januar 2005 bei mir eingegangen ist. Da mein Flug schon für den 8. Februar gebucht war stand ich unter sehr großem Stress. Es gab dann auch noch Probleme bei der Beantragung meines Visums. Jeder hatte mir gesagt und ich habe auch gelesen, dass man das Visum unproblematisch übers Internet beantragen kann und es nach ein paar Stunden bekommt. Mir wurde gesagt, dass man keine ärztliche Untersuchung nachweisen muss, wenn man nicht länger als ein Semester in Australien bleibt. Nachdem ich meine Bewerbung abgeschickt hatte bekam ich am 24. Januar jedoch die Nachricht dass ich eine ärztliche Untersuchung „a chest x-ray as part of this application“ einreichen müsste. Ich fürchtete, auch dies zeitlich nicht mehr schaffen zu können, da man dafür erst einen Termin beim Amtsarzt machen muss, dessen Untersuchungsergebnisse dann zur australischen Botschaft geschickt werden müssen und auch dies wiederum Bearbeitungszeit in Anspruch nehmen würde. Ich schrieb jedenfalls eine E-Mail an die australische Botschaft, indem ich denen erklärte das ich mich schon sehr lange auf dieses Auslandssemester vorbereitet hätte und dass ich die Information bekommen hätte, dass man keine ärztliche Untersuchung einreichen müsste wenn man nicht länger als ein Semester bleibt. Ich habe versucht der Botschaft zu erklären, dass ich das zeitlich nicht schaffen würde, diese Untersuchung durchzuführen zu lassen, da ich für den 8. Februar schon meinen Flug gebucht hatte. Am 25. Januar erhielt ich dann ohne weitere Kommentare eine Benachrichtigung von der australischen Botschaft, dass mein Antrag für ein Studentenvisum bewilligt wurde und war sehr glücklich darüber. Man kann sehen, dass die Vorbereitungen für mein Semester in Australien sehr viel Zeit und wirklich sehr viel Kraft gekostet haben. Es gab sehr viele Hürden, und ich finde es sehr schade, dass ich zum Schluss trotz der gründlichen Vorbereitung sehr in Stress geraten bin. Das Problem liegt meiner Meinung nach darin, dass alle Schritte aufeinander aufbauen und voneinander abhängen. Ich konnte mich zum Beispiel nicht an der JCU bewerben, bevor ich eine Zusage vom DAAD hatte, da man die Studiengebühren (ca. 4600 €) direkt überweisen muss, nachdem man den „Uncoditional Offer Letter“ annimmt. Wenn mir kein Stipendium vom DAAD zugesprochen worden wäre, hätte ich das Auslandssemester finanziell nicht leisten können. Dementsprechend musste ich auf eine Zu- oder Absage warten, bevor ich mich überhaupt um einen Studienplatz bei der JCU bewerben konnte. Nach der Bewerbung musste ich auf den „Uncoditional offer letter“ warten, den ich akzeptieren musste bevor ich die „Confirmation of Enrolment“ bekommen habe, die wiederum Voraussetzung ist, um ein Visum beantragen zu können. Da ich den „Unconditional Offer Letter“ nicht so schnell akzeptieren konnte, weil ich erst mal klären musste, ob ich die für mich interessanten Kurse besuchen konnte, ist es zeitlich alles sehr knapp geworden. Dadurch musste ich sehr lange auf die „Confirmation of Enrolment“ warten, und folglich blieb für die Beantragung des Visums nicht mehr viel Zeit – ungünstig, falls es Komplikationen bei der Beantragung gibt, wie es in meinem Fall war. Mein Vorschlag ist es die Bewerbungsfristen beim DAAD so zu verändern, dass die Auswahlkomission ihre Entscheidungen den Stipendiaten für das 1.Semester (Februar bis Juni) bis spätestens Juli mitteilen kann, damit die Studenten noch genügend Zeit haben (etwa 6 Monate) um alle endgültigen Vorbereitungen zu erledigen. Ich habe eigentlich seit Oktober, als ich die Zusage vom DAAD erhalten habe unter Stress gestanden, da ich einfach sehr viele bürokratische Sachen erledigen musste, die alle lange Bearbeitungszeiten in Anspruch genommen haben und ich einfach oft Angst hatte, dass es nicht klappt, alle Dokumente bis Ende Januar zu beschaffen. Ich habe mehrere Erfahrungsberichte von Studenten gelesen, die ein Stipendium vom DAAD erhalten haben, und in mindestens zwei von denen wurde das Problem des Zeitmangels ebenfalls erwähnt und ich habe gehört, dass einige ihr Auslandssemester im letzten Moment sogar verschieben mussten, weil sie wie ich in Zeitnot waren, aber ihre Dokumente dann nicht rechtzeitig erhalten haben. Dies ist ein Problem, da man vielleicht schon im nächsten Semester Prüfungen angesetzt hat, oder andere wichtige Sachen geplant hat, die sich nicht einfach verschieben lassen. Ich wäre dem DAAD sehr dankbar, wenn mein Vorschlag bei der nächst möglichen Gelegenheit vorgestellt werden könnte, da der DAAD meiner Meinung nach damit sein Angebot für Studenten stark verbessern könnte. 2. Studiengang »Education of Early Childhood« an der James Cook University in Cairns, Australien (Queensland) Im Folgenden werde ich die Studiengänge »Education of Early Childhood« an der James Cook University in Cairns mit dem Studiengang »Pädagogik der frühen Kindheit« in Köln vergleichen und vor allem die Unterschiede aufzeigen. Ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass der Studiengang »Education of Early Childhood« in Australien eine Lehramtsausbildung ist – nicht wie in Deutschland eine Diplomausbildung. Man studiert dort ab dem ersten Semester »Eduaction of Early Childhood«, es findet nicht erst im Hauptstudium eine Spezialisierung statt, wie es an der Universität zu Köln der Fall ist. Die Studienlänge beträgt vier Jahre und man schließt das Studium mit dem Bachelor of Education ab. Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass das Studium in Cairns stark strukturiert ist. Es gibt klare Vorgaben, welche Seminare man in welchem Semester absolviert haben muss – Pflichtfächer, die für das Studium obligatorisch sind. Man kann anhand des Studienüberblicks sehen, dass die Studieninhalte sehr breit gefächert sind (siehe Anhang 1). Da es eine Lehramtsausbildung ist, spielen nicht nur pädagogische Seminare, sondern auch Fächer, wie Mathematik (Numeracy), Naturwissenschaften (Science), Sprache (Language und Literacy) und Kunst (Arts) eine wichtige Rolle in der Ausbildung. Diese Fächer werden jedoch im direkten Zusammenhang mit pädagogischen Didaktikmodellen und Unterrichtsstrategien vermittelt; es geht also nicht um das Anhäufen von Fachwissen. Eine Strategie besteht zum Beispiel darin, die Kinder bei ihren Lernprozessen zu beobachten und darauf hin zu überlegen welche Lern-Erfahrungen man im Anschluss dem Kind bieten könnte, um ihm die Möglichkeit zu geben seine Lernprozesse in dem beobachteten Bereich zu vertiefen und zu erweitern. Hierzu gehört die Sensibilität der Erzieherin aktuelle Interessengebiete der Kinder wahrzunehmen, zu erkennen und aufzugreifen und in den Kindergartenalltag zu integrieren. Dies kann sowohl durch das Umgestalten der Lernumgebung und das passende Material-Angebot geschehen, als auch durch einen Dialog bzw. eine Verständigung zwischen Kind und Erzieher/in über das aktuelle Thema. Dieser reflektierte Umgang mit kindlichen Lernprozessen wird durch die Hochschulausbildung ermöglicht, welche die Erzieherinnen in Australien absolvieren müssen. Dies spiegelt sich auch in ihrer Berufsbezeichnung wider, sie werden nämlich nicht Erzieher/in genannt, sondern »Lehrer/in für frühkindliche Bildung«. In dem Staat Queensland wird der Bereich der frühen Kindheit nicht wie bei uns dem Alter null bis sechs Jahren, sondern dem Alter null bis acht Jahren zu geschrieben. Der Fokus des Studiums »Education of Early Childhood« liegt aber auf der Altersspanne vier bis acht. Mit vier Jahren gehen die australischen Kinder in die Vorschule (Prep Year) und mit fünf Jahren gehen sie dann in die erste Klasse (Year 1). Man muss wissen, dass Kindergarten, Vorschule und Schule in Australien eine starke Einheit bilden, auch hinsichtlich der Ausbildung des Personals. Denn das Arbeitsfeld der Absolventen mit dem Abschluss »Bachelor of Eduaction of Early Childhood« erstreckt sich über Kindergarten, Vorschule und Grundschule. [Ich hatte das Glück einen Tag lang in einer australischen ersten Klasse (Primary School Year 1) hospitieren zu dürfen und ich muss sagen, dass mir schon dieser kleine Einblick den fließenden Übergang vom Kindergarten, in die Schule deutlich gemacht hat. Der Schulalltag wird sehr kindgerecht organisiert. Die Grundschullehrerin orientiert ihre Lerninhalte sehr stark an den Kindern und greift die Themen der Kinder auf und macht diese zu Unterrichtsthemen. Interessant fand ich außerdem, dass in der ersten Klasse eine Phase des Freispiels im Tagesablauf eingeplant wird. Auch sonst konnte man sehen, dass die Struktur des Unterrichts viel stärker an den Bedürfnissen der Kinder orientiert ist als hier in Deutschland. Es hat während des ganzen Tages kein Frontalunterricht statt gefunden, stattdessen wurde Wert auf Gruppenarbeit und kooperatives Lernen gelegt.] Ein weiterer Unterschied des Studiums liegt darin, dass man in einem Semester nur drei bis fünf Kurse besucht. Diese Kurse sind aber in mehrere Teile gegliedert: Ein Kurs besteht aus einer Vorlesung, einem Seminar und einem praktischen Teil. Der praktische Teil kann ein wöchentlicher Workshop oder aber auch ein begleitendes Praktikum sein, wo man einmal in der Woche über das ganze Semester hin geht. Durch die Aufteilung der Kurse in drei verschiedene Bereiche kann man einen stärkeren Praxis-Theoriebezug herstellen und man hat die Möglichkeit sich viel tiefgehender mit einem Thema zu beschäftigen. Die Themen/Theorien, die von den Dozenten in den Vorlesungen vorgetragen werden, werden in den Seminaren vertieft, diskutiert und bearbeitet und in den praktischen Workshops oder im Praktikum (zum Beispiel in einem Kindergarten oder in einer Schule) erprobt, also von der Theorie in die Praxis umgesetzt. Dazu müssen die Studenten sehr viel vor- und nachbereiten. Es gibt nicht die Wahl, ob man in einem Kurs einen Schein machen möchte oder nicht. Wenn man einen Kurs belegt muss man die entsprechenden Bedingungen erfüllen. Die Arbeitsintensivität der Kurse ist viel höher. Man muss durchschnittlich fünf Arbeiten abgeben und eine Klausur am Ende des Semesters schreiben, um einen Kurs zu bestehen. Ich habe insgesamt in einem Semester 13 Arbeiten geschrieben (vergleichbar mit kleinen Hausarbeiten), ein Praktikum absolviert und drei Klausuren geschrieben, um drei Kurse zu bestehen. Ein Kurs in Australien entspricht ungefähr drei Kursen/ Vorlesungen bzw. sechs Semesterwochenstunden in Deutschland. An der James Cook University wird auf einen engen Bezug von Theorie und Praxis viel Wert gelegt. Die Universität arbeitet aus diesem Grund mit vielen Kindergärten, Vorschulen und Schulen zusammen. Wenn ein Praktikum zu einem Kurs gehört kann man davon ausgehen, dass jede/r Student/in einen von der Universität organisierten Praktikumsplatz zugeteilt bekommt. Dies hat den Vorteil, dass die Kindergärten, Vorschulen und Schulen auch ganz genau darüber informiert werden, welchen Sinn das jeweilige Praktikum hat. In dem Kurs ED 2590 musste ich zum Beispiel ein Praktikum machen, in dem der Schwerpunkt auf Beobachtungsverfahren lag. Dadurch, dass das pädagogische Personal über meine Aufgaben aufgeklärt war konnte ich mich mit ruhigem Gewissen mit meinen Beobachtungsinstrumenten an meine Aufgabe begeben. Dagegen erinnere ich mich an ein Praktikum in einem Kindergarten der Stadt Köln, wo ich auf meinen Versuch hin mir Sachen zu notieren, darum gebeten worden bin meinen Stift und meinen Block weg zu legen und wurde dann darüber aufgeklärt, dass Schreibutensilien im Kindergartenalltag nichts zu suchen hätten, ich könnte meine Gedanken nachdem die Kinder abgeholt werden schriftlich festhalten. Dieses Erlebnis hat mir nicht nur gezeigt, dass einige Erzieher sehr unreflektiert mit pädagogischen Prozessen umgehen, sondern auch, dass sie nicht in der Lage sind Praktika professionell zu begleiten. Es fällt stark auf, dass die verschiedenen Institutionen im Bereich der Bildung in Australien von Anfang an zusammen arbeiten. Die Kindergärten arbeiten mit den Schulen zusammen, die Bereiche Kindergarten und Schule werden somit nicht voneinander getrennt, es wird ein sanfter Übergang geschaffen. Die Universitäten arbeiten mit den Institutionen zusammen, an denen die zukünftigen Absolventen möglicherweise arbeiten werden. Dies verstärkt den Theorie-Praxis-Bezug und erleichtert den Studenten den Einstieg in den Beruf. Ich denke dass diese gut durchdachten Übergänge zur Professionalität des australischen Bildungssystems führen. Die Australier sind uns mit der Professionalisierung der Ausbildung für den Bereich der frühen Kindheit weit voraus. 3. Inhalte meiner besuchten Seminare 3.1 ED 2590 Early Childhood Development Studies Der Kurs ED 2590 Early Childhood Development Studies bestand aus einer Vorlesung, einem Tutorial und einem Praktikum in einem Kindergarten. Dieser Kurs hatte zwei Schwerpunkte. Zum einen ging es um kindliche Bildungsprozesse und in diesem Zusammenhang um die verschiedenen Bildungsbereiche und zum anderen ging es um Beobachtungsverfahren. Jeder australische Bundesstaat hat Early Years Curriculum Guidelines entworfen, (diese entsprechen den deutschen Bildungsvereinbarungen) die den pädagogischen Arbeitskräften in den Kindergärten beim Beobachten und Dokumentieren helfen sollen. Ich werde im Folgenden nur auf die Early Years Curriculum Guidelines (EYCG) des Bundesstaates Queensland eingehen, da ich in Australien im Bundesstaat Queensland gelebt habe und wir in der Universität dementsprechend mit den Early Years Curriculum Guidelines (EYCG) des Bundesstaates Queensland gearbeitet haben. In den EYCG werden fünf Early years learning areas (Bildungsbereiche) festgelegt. Interessanterweise stimmen die Early Years learning areas fast identisch mit den Bildungsbereichen überein, die Prof. Gerd E. Schäfer, Universität zu Köln, festgelegt hat. Ein Unterschied ist, dass das soziale Lernen bei Prof. Gerd E. Schäfers Theorie keinen eigenen Bildungsbereich bildet. „Das soziale Lernen bildet keinen eigenen Bildungsbereich, denn es kann nicht getrennt von den konkreten Sozial- und Sachbezügen inszeniert werden“ (Schäfer, 2005, S. 268). Die Early learning areas im EYCG werden praktischer und dadurch mehr im Detail erläutert als die Bildungsbereiche von Schäfer, dafür sind die Bildungsbereiche bei Schäfer theoretisch besser fundiert. Early years learning areas nach den Early Years Curriculum Guidelines des Bundesstaates QueenslandBildungsbereiche nach Prof. Gerd E.Schäfer, Universität zu Köln, Bildungsvereinbarung NRWCommunicatingSprache(n)Creating and Designing Spielen und Gestalten, MedienSense of Self and OthersBewegung Investigating and Understanding EnvironmentsNatur und kulturelle UmweltenSocial Living and Learning Der Kurs war inhaltlich nach den fünf Early Years learning areas aufgeteilt. Die Vorlesungen beinhalteten theoretische Ansätze der einzelnen Bildungsbereiche und in den Tutorials wurde überlegt wie man den jeweiligen Bildungsbereich in der Praxis fördern könnte. Außerdem musste man einmal in der Woche in einen Kindergarten gehen, wo man sich mit dem Bildungsbereich, das gerade im Tutorial Thema war, auseinander gesetzt hat. Als zum Beispiel der Bildungsbereich Sprache behandelt wurde, war das Thema der Vorlesung Sprachentwicklung. Im Tutorial wurde überlegt was alles zu dem Bildungsbereich Sprache gehört und wie man Kinder in ihrer Sprachentwicklung fördern kann. Welche Materialien und welche Erfahrungen müssen angeboten werden und wie kann die/der Erzieher/in die Sprachentwicklung des Kindes fördern? Zur Vorbereitung mussten wir uns an unserem Praktikumstag im Kindergarten auf den Bildungsbereich Sprache konzentrieren. Dazu sollten wir beobachten wie die Erzieher die sprachliche Entwicklung der Kinder fördern, und ob die räumlichen Bedingungen und Materialien des Kindergartens zur Förderung der Sprachentwicklung der Kinder geeignet waren. Außerdem sollten wir beobachten welche Lernprozesse wir in dem Bildungsbereich Sprache wahrnehmen konnten. In der darauf folgenden Woche haben wir uns im Tutorial darüber ausgetauscht wie die verschiedenen Einrichtungen den Bildungsbereich Sprache unterstützen und welche Möglichkeiten die Kinder in den jeweiligen Kindergärten haben, in dem Bereich Erfahrungen zu sammeln. Die Idee ein Praktikum mit dem Kurs zu verbinden war sehr sinnvoll, da man so viel reflektierter mit dem Praktikum umgehen konnte. Dadurch dass dieses Praktikum vor- und nachbereitet wurde hatte man die Möglichkeit sich auf einzelne Bildungsbereiche zu fokussieren und konnte so viele Sachen intensiver wahrnehmen. Außerdem wurde der Bezug zwischen den theoretischen Ansätzen und der Umsetzung in die Praxis sehr viel klarer. Ein anderer Schwerpunkt dieses Seminars lag auf Beobachtungsverfahren. Da ich in meinem letzten Semester ein Praktikum im Landesprojekt »Professionalisierung frühkindlicher Bildung« in NRW absolviert habe, bei dem der Schwerpunkt der Projektarbeit in der Entwicklung von Beobachtungsverfahren lag, hat mir das Seminar sehr viele interessante Möglichkeiten geboten meine bisher erworbenen Erfahrungen einzusetzen und zu erweitern. Wir haben uns mit verschiedenen Beobachtungsmethoden auseinander gesetzt und diese in der Praxis erprobt. Für den Kurs ED 2590 mussten insgesamt fünf Arbeiten angefertigt werden. Jede Arbeit ist inhaltlich auf einen der fünf Early Years learning areas bezogen. Der erste Teil der Arbeit besteht aus einer Art Aufsatz über die Umsetzung eines Bildungsbereichs. Hierzu musste der Kindergarten, indem man tätig war auf den jeweiligen Bildungsbereich hin untersucht werden. Inwiefern hat der Kindergarten die einzelnen Bildungsbereiche gefördert? Haben die Raumgestaltung und die Materialen den jeweiligen Bildungsbereich unterstützt? Wie hat die Erzieherin Lernprozesse der Kinder in den verschiedenen Bereichen gefördert? Was hätte die Erzieherin besser machen können und wie müsste man die Raumgestaltung ändern, um den Kindern in den einzelnen Bildungsbereichen bessere Lern- Möglichkeiten bieten zu können? Zudem musste man für jede Arbeit ein unterschiedliches Beobachtungsverfahren anwenden (siehe unten). Hierzu musste ein Kind zu einem bestimmten Bildungsbereich beobachtet werden und diese Beobachtung musste dann nach dem jeweiligen Beobachtungsverfahren dokumentiert und ausgewertet werden. Ziel der Beobachtungen war vor allem das Sichtbarmachen von Lernprozessen und darauf folgend das Formulieren von Empfehlungen für zukünftige Lernangebote für das beobachtete Kind. Im Folgenden werde ich einige Beobachtungsverfahren kurz vorstellen: Running Record Ein Running Record ist eine sehr detaillierte Beobachtung, die man während des Geschehens sofort dokumentiert. Der Beobachter soll alle Tätigkeiten und Kommunikationen des beobachteten Kindes dokumentieren und mit einer Zeitangabe ergänzen. Anecdotal Record Ein Anecdotal Record ist eine Dokumentation einer Beobachtung, die erst nach der Beobachtung geschrieben wird. Dadurch, dass das Beobachtete erst später schriftlich festgehalten wird sind Anecdotal Records meistens nicht so detailliert wie Running Records. Es besteht auch die Gefahr, dass man wichtige Bestandteile der Beobachtung vergisst. Work Samples Ein Work Sample ist ein Werk eines Kindes; dieses kann unter anderem eine Zeichnung, eine Konstruktion oder eine Kollage sein. Es geht bei dem Beobachtungsverfahren jedoch nicht vordergründig um das Endprodukt, sondern vor allem um die Dokumentation des Entstehungsprozesses. Interview Ein Interview mit einem Kind kann sowohl formell als auch unformell in Form eines Gesprächs geführt werden. Ziel des Interviews ist eine Verständigung zwischen dem Kind und der Erzieherin über eine bestimmte Sache. Die Erzieherin kann zum Beispiel durch ein Interview wichtige Themen eines Kindes in Erfahrung bringen. Checklist/Rating Scale Checklists und Rating Scales dienen einer strukturierten Beobachtung zu einem bestimmten Bildungsbereich. Dabei geht es vor allem darum was ein Kind schon kann und was es noch nicht kann. Checklisten und Rating Scales werden meistens bei Beobachtungen im motorischen Bereich eingesetzt. Die Early Years Curriculum Guidelines wurden für die Interpretationen der Beobachtungen in den verschiedenen Bildungsbereichen zur Hilfe genommen. 3.2 ED 3093 Inquiries into Early Childhood Learning and Teaching Der Kurs ED 3093 bestand aus einer Vorlesung, einem Tutorial und Microteaching Lessons. In dem Kurs ging es um Theorien und Methoden des Lehrens und Lernens. Dazu wurden in den Vorlesungen verschiedene Unterrichtsmethoden und Lernstrategien vorgestellt. In den Tutorials wurden Vor- und Nachteile der verschiedenen Unterrichtsmethoden herausgearbeitet und es wurde überlegt in welchen Situationen man am besten welche Methode einsetzt. Außerdem haben noch andere relevante Themen wie zum Beispiel die Bedeutung des Fragen-Stellens (Questioning) und des Antwortens in Bezug auf Lernprozesse einen Raum in diesem Kurs eingenommen. Welche Arten von Fragen und Antworten gibt es und inwiefern leitet man Schüler durch Fragen in eine bestimmte Richtung? Ziel des Kurses war die Entwicklung der Studenten zu reflektierten Lehrern, die über ihr Handeln und die Folgen ihres Handelns nachdenken und die bereit sind immer wieder dazu zu lernen und Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven zu hinterleuchten. Warum ein Schüler die Teilnahme am Unterricht verweigert, hat nicht selten etwas damit zu tun, dass er nicht mit der Lehrmethode des Lehrers zurechtkommt oder damit, dass die Unterrichtsthemen an den Themen des Kindes völlig vorbei gehen ohne sie in irgendeiner Weise zu berühren. Dies sind Faktoren die ein Lehrer in sein pädagogisches Handeln und Denken mit einbeziehen muss. In den Microteaching Lessons ging es darum verschiedene Methoden des Lehrens anzuwenden, auszuprobieren und darauf hin zu analysieren wie man mit ihnen arbeiten kann: Was gefällt einem an der jeweiligen Methode gut und mit welchen Aspekten der Methode hat man Schwierigkeiten? Microteaching Lessons sind künstliche Unterrichtsstunden, die man selbstständig planen und mit einer Studentengruppe durchführen muss, um das Lehren mit verschiedenen Methoden auszuprobieren und seine Rolle als Lehrer dabei zu reflektieren. Diese Microteaching Lessons werden auf Video aufgezeichnet, und im Nachhinein analysiert und ausgewertet. Das Ergebnis wird in einem Microteaching Report zusammengefasst. Jeder Microteaching Report besteht aus mehreren Teilen. Einer der drei Microteaching Reports bestand zum Beispiel aus vier Beobachtungen über die Lerner, einem lesson plan, zwei assessments of learning, einer Zusammenfassung des Feedbacks der Gruppe und einer Analyse des Microteaching lessons. Während der Vorbereitungsphase entwickelte man einen Evaluationsbogen, den die Studenten ausfüllten, um ein Feedback über die Durchführung der Unterrichtsstunde zu geben. Der Evaluationsbogen sollte dabei helfen Kritikpunkte heraus zu finden, um diese in die Analyse des Microteaching Lessons mit einzubauen. In der Analyse des Microteaching Lessons musste die Stunde auf drei verschiedenen Ebenen reflektiert, analysiert und ausgewertet werden. Die drei Ebenen bestanden, aus der technical reflection, der practical reflection und der critical reflection. Hierfür wurde van Manens Pyramide und seine Methode des critically reflective practice angewendet. Ziel des Ganzen war als Pädagoge zu lernen mit seiner eigenen Arbeit kritisch umzugehen, über seine Arbeit reflektieren zu können und die Reflexionen in das zukünftige Planen und Handeln mit einfließen zu lassen. 3.3 ED 3094 Arts Education for Early Childhood Der Kurs ED 3094 bestand aus einer Online-Vorlesung und wöchentlichen Workshops. Er war eine Einführung in das Lehren und Anwenden von Kunst im frühen Kindesalter. Wir hatten die Möglichkeit viele Methoden in den praktischen Workshops selbst zu erfahren und Aktivitäten durch zu führen, um sie später selbst umzusetzen. Dabei wurde die Strategie »Learning by doing« angewendet. Das Fach Kunst (The Arts) wird in Australien in fünf Bereiche differenziert: • Dance • Drama • Media • Visual Arts • Music Es gab zu jedem Bereich mehrere Workshops und Online- Vorlesungen. Jeder Bereich wurde von einer anderen Dozentin oder einem anderem Dozenten geleitet, der für seinen speziellen Bereich ausgebildet war. Ein wichtiger Weg über den Kinder lernen ist über die Kunst. Die verschiedenen Bereiche der Kunst bieten Kindern vielfältige Erfahrungen, Ausdrucksweisen und Möglichkeiten sich ein eigenes Bild von der Welt zu konstruieren. Kunst ist für Kinder eine wichtige Form der Kommunikation. Wichtig ist, dass es bei der Kunst nicht den einen richtigen Weg gibt, es gibt immer viele verschiedene Wege und Möglichkeiten; dies fördert das kreative Denken. Durch künstlerische Tätigkeiten wird nicht nur die Kreativität, sondern auch das Problemlösevermögen des Kindes gefördert. Außerdem kann ein Kind durch Kunst seine Emotionen ausleben und verarbeiten, auch das Selbstbewusstsein wird durch künstlerische Tätigkeiten gestärkt. Die Bereiche der Kunst führen zu einer ganzheitlichen Förderung des Kindes, (da meistens alle Sinne eingesetzt werden) die für seine Entwicklung außerordentlich wichtig ist. Der Kurs sollte dazu anregen sich über die Wichtigkeit der verschiedenen Bereiche der Kunst in der frühen Kindheit bewusst zu werden und Methoden zu lernen, wie man die fünf Bereiche der Kunst lehren kann. 4. Praktikum im Trinity Beach Kindergarten, Cairns Mein Praktikum habe ich im Kindergarten Trinity Beach absolviert. In diesem Kindergarten betreuen zwei »Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« 26 Kinder zwischen drei und vier Jahren in einer Gruppe. Es gibt einen sehr großen Raum, der in mehrere Bereiche aufgeteilt ist, und zwar in einen Rollenspielbereich, einen Spiel- und Puzzlebereich, einen Lesebereich, eine Ecke mit Sinnes-Materialien, einen Kollage- Bereich, einen naturwissenschaftlichen Bereich und eine sehr große Bauecke. Außerdem gibt es eine Veranda und ein großes Außengelände. Auf der Veranda gibt es vier Staffeleien, die zu jeder Zeit genutzt werden können. Außerdem gibt es dort ein Regal mit verschiedensten Musikinstrumenten, welche die Kinder auch jederzeit benutzen dürfen. Da die »Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« in den australischen Kindergärten eine akademische Ausbildung haben, ist das Niveau des pädagogischen Umgangs und der Verständigung zwischen den Kindern und den »Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« viel höher als in Deutschland. Die Kinder werden sehr respektvoll behandelt; ihre Wünsche, Bedürfnisse und Ideen werden Ernst genommen. Man kann spüren, dass die Kinder von den »Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« als selbstständige Lerner betrachtet werden und zwar: • durch die Art und Weise wie die Erzieherinnen mit den Kindern kommunizieren und • durch die Raumgestaltung im Kindergarten. Ich konnte viele spannende Unterhaltungen zwischen den »Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« und den Kindern verfolgen und habe oft erlebt, dass die »Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« sich mit den Themen der Kinder auseinander setzten und das aktuelle Thema zum Gruppenthema machten. Hierzu möchte ich kurz ein Beispiel nennen. Eines Tages hat ein Kind im Garten in einer tiefen Pfütze eine Kaulquappe entdeckt. Dieses Ereignis wurde natürlich zum Highlight des Tages. Die Kinder sammelten sich um die Pfütze herum und versuchten die Kaulquappe zu sehen. Die »Lehrerin für frühkindliche Bildung« kam hinzu und integrierte sich in das Gespräch der Kinder. Einige Kinder wussten schon, dass sich aus der Kaulquappe ein Frosch entwickeln würde. Irgendwann kamen die Kinder auf die Idee die Kaulquappe mit rein in den Gruppenraum zu nehmen. Die »Lehrerin für frühkindliche Bildung« hat ihnen darauf hin gesagt, dass Kaulquappen im Regenwasser leben müssen und dass sie deshalb die Kaulquappe nicht einfach so aus der Pfütze rausholen können. Als ich in der darauf folgenden Woche wieder in den Kindergarten ging, habe ich gesehen, dass das Thema Kaulquappen weitergeführt wurde. Sie hatten ein Aquarium beschafft das mit Regenwasser gefüllt wurde, worin zwei Kaulquappen schwammen. Die Kinder konnten diese wunderbar beobachten. Außerdem lag direkt neben dem Aquarium ein Buch über die Entwicklung von Fröschen und an der Wand hing ein Poster, welches die einzelnen Schritte der Entwicklung vom Laich zum Frosch zeigte. In der Gruppenphase wurde ein Lied gesungen, in dem die Kinder die verschiedenen Phasen in der Entwicklung eines Frosches durch Bewegung nachahmen mussten, hierbei wurden die verschiedenen Phasen von den Kindern benannt. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass die »Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« in dem Kindergarten Interessengebiete und Neugierde der Kinder aufgreifen und sie dabei unterstützen diese vertiefen. Ein weiterer Unterschied liegt in der Raumgestaltung. Die Raumgestaltung dieses Kindergartens ist nicht besonders, doch es ist besonders dass die Kinder jederzeit Zugang zu allen Materialien haben und nie fragen müssen, ob sie etwas benutzen dürfen. In der Phase des Freispiels, die den größten Teil des Tages einnimmt, dürfen die Kinder sich in allen Bereichen aufhalten und alle Materialien benutzen. Ich habe die Kinder im Trinity Beach Kindergarten als sehr kooperativ in Erinnerung. Insgesamt konnte man spüren, dass alle sehr respektvoll miteinander umgegangen sind, sowohl die Erzieherinnen untereinander, als auch die Erzieher mit den Kindern, wie auch die Kinder untereinander. Eine weitere Sache die mir aufgefallen ist, war dass die »Lehrerinnen für frühkindliche Bildung« immer eine Stunde vor den Kindern in den Kindergarten gekommen sind, um das Setting für den Tag zu gestalten. Es gab zum Beispiel jeden Tag anderes Werkzeug an den Staffeleien; ob Rollen, Fingerfarben, oder Pinsel, die Werkzeuge und Farben wurden jeden Tag variiert. Auch die Materialien im Raum und auf dem Außengelände wurden variiert. An einem Tag waren ganz viele Materialien draußen, die zum Thema Balancieren und Gleichgewicht gehörten, an einem anderen Tag wurde ein großes Wasserbecken mit verschiedensten Gefäßen aufgestellt. Wieder an einem anderen Tag wurden ganz viele Rohre und andere Baumaterialen und ein Wasserschlauch in den Sandkasten gelegt usw. Das Setting wird jeden Tag etwas geändert und bietet somit immer neue Erfahrungen. Die Erzieherinnen zeigen damit, dass sie sich mit dem Tun der Kinder beschäftigen, denn durch das gezielte Anbieten von Materialien zu einem Thema können sie gezielt Lernprozesse zu bestimmten Themen der Kinder unterstützen. Das Personal in den Kindergärten in Australien ist sehr gut ausgebildet. Die Arbeit der australischen Erzieherinnen ist viel professioneller als in Deutschland. Die pädagogisch-fachliche Ausbildung der Erzieher ermöglicht den Kindern viele Erfahrungen in den verschiedenen Bildungsbereichen. Die Kinder im Trinity Beach Kindergarten haben eine Menge gelernt, ob es nun im Bereich der Mathematik war, (z.B. durch das Einsetzen von Messbechern beim gemeinsamen Backen oder durch die geometrischen Formen an der Wand in der Bauecke) oder im Bereich der Naturwissenschaften, (wie entwickelt sich ein Frosch? Warum sehen die Nester von verschiedenen Vögeln verschieden aus?) oder im Bereich der Kunst (durch das Gestalten mit Knete oder das Malen an der Staffelei). Konzentriertes Arbeiten der Kinder war in diesem Kindergarten keine Seltenheit, sondern etwas Normales. Ich konnte viele interessante Lernprozesse während des Freispiels beobachten. Insgesamt kann ich behaupten, dass mich das Auslandssemester an der James Cook University fachlich ein großes Stück weiter gebracht hat. Ich habe in dieser Zeit sehr viel Wertvolles gesehen und gelernt. Besonders im Bezug auf die Professionalisierung des Bereiches frühe Kindheit im internationalen Vergleich, war mein Studium in Australien von großem Wert. Die Erfahrungen und Lernprozesse in den Seminaren und dem Praktikum in Australien haben mein Studium enorm bereichert. 5. Persönliche Weiterentwicklung Ich möchte auch kurz darauf eingehen, dass das Auslandssemester nicht nur meiner fachlichen Weiterentwicklung, sondern auch meiner persönlichen Weiterentwicklung gedient hat. Es war toll die Möglichkeit zu haben fünf Monate in einem anderen Land zu leben. Es war eine Zeit, in der ich sehr viele Erfahrungen machen konnte und sehr viel erlebt habe. Ich habe mich selbst besser kennen gelernt ... Ich bin aus meiner alltäglichen Welt in eine andere Welt eingetaucht, in der sehr Vieles anders war. Als ich angekommen bin kannte ich keinen. Es war ein seltsames, aufregendes und spannendes Gefühl in einem Land zu sein, in dem ich keine sozialen Kontakte hatte, in einem Land zu sein, indem ich eine andere Sprache sprechen musste, in einem Land zu sein, wo die Kultur und die Lebensart der Menschen ganz anders ist als in Deutschland. Ich habe viele verschiedene Phasen durchlaufen während meiner Zeit im Ausland und ich habe viel emotionale Höhen, und manchmal auch Tiefen durchlebt. Es ist ein einmaliges Erlebnis gewesen von allen und allem was ich kannte weg zu sein und mich auf ein ganz anderes Leben einzustellen. Es braucht zunächst etwas Zeit bis man sich auf das Neue einlassen kann, aber der Prozess des Einlassens oder vielleicht des Zulassens ist sehr wichtig. Wie wir wissen sind Menschen in ungewohnten Situationen oft unsicher und wollen das alles so ist wie sie es kennen. Doch als ich es geschafft habe mich auf das neue Leben einzulassen, bin ich in eine andere Welt eingetaucht, in der ich sehr viel kennen gelernt, respektiert und geschätzt habe. Ich habe viele liebenswürdige und interessante Menschen kennen gelernt, mit denen ich tolle Gespräche führen konnte. Ich konnte meine Horizonte und Sichtweisen in vielen Bereichen, sowohl in persönlichen als auch in fachlichen, durch einen tiefen Austausch erweitern. Auch das Entdecken des Landes Australiens mit seinen wunderschönen Seiten hat mir sehr viel Freude bereitet. Ich nehme aus der Zeit in Australien sehr viel mit. Ich danke herzlich dem DAAD und der Studienstiftung des deutschen Volkes, die mir dieses Auslandssemester durch finanzielle Unterstützungen ermöglicht haben. Marjan Alemzadeh Literatur: Schäfer, G. E.: Bildung beginnt mit der Geburt. Förderung von Bildungsprozessen in den ersten sechs Lebensjahren. Weinheim, Basel, Berlin 2003 Queensland Studies Authority (draft). (2005). Early Childhood Curriculum Guidelines. Brisbane. Queensland. Internet: www.jcu.edu.au www.ranke-heinemann.de/
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Gute Gründe für eine Studienplatzbewerbung über unser Sekretariat! | ||||||||||||||||||||||||||
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