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Erfahrungsbericht Neuseeland: Institut Ranke Heinemann
Ich habe mich entschlossen einen Erfahrungsbericht ueber die Zeit hier im Winter zu schreiben. Grund dafuer ist, dass Neuseeland im Winter nahezu ein Mysterium darstellt. Reiseberichte ueber Neuseeland sind immer voll von blauen Himmel, gruenen Wiesen, lachenden Menschen und tuerkisfarbenem Meer. Dabei ist offensichtlich den wenigsten Menschen bewusst, dass der Sommer nicht endlos ist. Auch nicht in Neuseeland. Ich habe schon mit mehreren Menschen darueber diskutiert, warum das so ist, dass man von Neuseeland im Winter ausserhalb Neuseelands nichts liest, sieht oder hoert. Wir waren alle ratlos. Soll der Traum vom Paradies nicht zerstoert werden? Gibt es gar ein weltweites Abkommen der Regierungen, welches jegliche Aeusserungen ueber das Land in den Monaten Mai bis Oktober verbietet? Faellt diesem Abkommen letztendlich auch mein Erfahrungsbericht zum Opfer? Dabei ist Winter in Neuseeland, speziell in Dunedin interessant, und bietet genug Stoff, um ein kleines Buch mit den Erlebnissen im hiesigen Winter zu fuellen. Winter hier ist gewoehnungsbeduerftig. Anpassungsfaehigkeit zahlt sich aus. Angefangen hat alles im April. Die ersten kuehlen Tage haben sich eingeschlichen, und mein Kiwi- ‘Kommilitone’ Mark hat mich gefragt, ob es stimmt, dass wir in Europa Haeuser haben, in denen es auch im Winter warm ist. Ich dachte zu dem Zeitpunkt noch fuer einen Moment, dass das Kiwi Humor sein muss, ehe ich mitbekommen hab, dass die Frage kein Witz war. Es war Ernst, und Mark fand den Gedanken toll, auch im Winter 23 Grad im Haus zu haben. Ich fand das komisch. Damals kannte ich Winter in Neuseeland noch nicht. Jetzt ist das alles anders. Laengst haben wir Schnee gehabt und auch Hagel und eisige antarktische Stuerme. Das alles ist an sich nicht schlimm, Schnee und Kaelte ist man gewoehnt wenn man aus Deutschland kommt. Was wir Kinder des Wohlstandes nicht mehr gewoehnt sind, ist Einfachglas in den Fenstern oder unisolierte Haeuser. Und gerade diese kleinen Dinge fuehren zu beachtlichen Wohn- und Lebensunterschieden. Dunedin wird nicht so kalt im Winter wie zum Beispiel Leipzig, aber es wird dennoch kalt. Unisolierte Haeuser und Einfachglas fuehren dann zu irgendwie auch witzigen Erlebnissen wie mir ein anderer Kiwi- ‘Kommilitone’ Tom kuerzlich erzaehlte: Wenn die bei sich zu Hause waehred der Wintermonate den Kuehlschrank aufmachen, kommt warme Luft raus. Diese warme Luft aus dem Kuehlschrank stellt in sich gesehen ein Paradox dar, und eben diese warme Luft aus dem Kuehlschrank laesst einen dann erst merken, wie kalt es wohl in dem Haus, in dem man lebt, sein muss. Man ist sich desssen nach einer gewissen Adaptionsphase, in der man verschiedenste Strategien versucht um der Kaelte zu trotzen, nicht mehr bewusst. Bei mir war das so: am Anfang hab ich die Heizung angestellt. Dann haben wir festgestellt, dass das zu teuer wird auf Dauer. Dann bin ich eine Weile mit Waermflasche unterm Pullover rumgelaufen, das war irgendwann unbequem, weil Waermflaschen die Eigenschaft haben erst zu heiss und dann viel zu schnell zu kalt zu werden, eine angenehme temperatur erreichen sie fuer ca. 10 min., was zu kurz ist, um sich wohlzufuehlen. Als naechstes hab ich versucht im Bett zu arbeiten. Eingehuellt in mehrere Schichten von Decken, aber auch das war aus verschiedensten Gruenden nicht gut. Waehrend der ganzen Zeit war ich im Normalfalle eingehuellt in 5 oder 6 Schichten von Pullovern, Strickjacken, Schal und Muetze. Dann hab ich die Buecherei an der Uni entdeckt. Nicht dass ich die Buecherei nicht kannte, ich kannte sie einfach anders. Als Ort an dem man Buecher holt, fuer ein zwei Stunden liest. Jetzt ist die Buecherei der Ort, an dem ich hauptsaechlich den Winter verbringen werde. Die Hauptbibliothek der Uni Otago ist riesig, mit grossen Fenstern, Sesseln, optimalen Arbeitsbedingungen. Sie hat einfach alles, was des Studenten Herz begehrt. Und: sie ist warm. Hier sitze ich nun und geniesse ich die gemuetliche Atmosphaere. Draussen ist grauer Himmel und die Strassen sind nass. Dunedin im Winter ist einmalig. Ich weiss genau, dass ich mich noch in 30 Jahren an die Zeit hier mit all den skurillen Erlebnissen erinnern werde.
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