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26 Stunden Flug – 12 Stunden Zeitverschiebung – Jetlag – ich bin in Neuseeland angekommen


Ans andere Ende der Welt – niemals haette ich gedacht, dass sich diese unglaubliche Erfahrung fuer mich erfuellen wird. Den Wunsch fuer ein Semester an der University of Auckland in Neuseeland zu studieren, erforderte eine lange Vorlaufzeit und eine intensive Organisation. Da meine Heimathochschule keinen Partnervetrag mit neuseelaendischen Universitaeten pflegt, unterstuetzte mich das Ranke-Heinemann Institut bei den Bewerbungsverfahren. Nach einem sogenannten „Official Letter“ im Februar, der mir einen Studienplatz an der University of Auckland bestaetigte, folgten weitere wichtige Schritte: Visum beantragen, Kurse aussuchen, Absprache der Kurse mit der Heimathochschule zwecks Anerkunng, Unterkunft in Auckland und letztendlich Flug buchen. Als ich aus dem Reisebuero trat und meine Flugtickets in der Hand hielt, konnte ich es immer noch nicht glauben, dass es fuer mich heisst am 13. Juli 2006 in Frankfurt ins Flugzeug zu steigen und ans andere Ende der Welt zu fliegen. Doch das Datum kam schneller als erwartet. Nach meinen abgelegten Pruefungen an der HDM in Stuttgart und einer schnelll organisierten Abschiedsparty sass ich dann nach vier Tagen schon im Zug auf dem Weg zum Flughafen. Der Abschied von meinen Freunden und meiner Familie fiel mir wahrlich nicht leicht, doch ich hatte mich entschieden, meinen Traum zu erfuellen.

Noch nie flog ich laenger als drei Stunden und nun sollte mein Flug um die Welt 26 Stunden dauern? Wirklich schlafen konnte ich nicht, da ich mir zuviel Gedanken machte wie wohl alles sein wird. Somit beschaeftigte ich mich mit Essen, Filme schauen und im Flugzeug auf und abgehen. Die Zwischenlandungen in Dubai und Melbourne taten wahrlich gut, obwohl ich durch die Zeitverschiebung nie richtig wusste wann mein Anschlussflug ging und ich die meiste Zeit damit beschaeftigt war die aktuelle Uhrzeit raus zu finden und meinen Check-in Schalter zu suchen. Nach zwei Tagen Flugzeit landete ich Nachmittags Ortszeit in meiner neuen Heimat. Der Jetlag war stark zu spueren, doch bis ich mein 20 kg Gepaeck durch die achtsamen Sicherheitskontrollen geschleust hatte, vergingen nochmal gut zwei Stunden. Endlich, ich habe den Ausgang erreicht und ich wurde von einem Mitarbeiter der University of Auckland abgeholt. Ich hatte Glueck und bekam eine Unterkunft in einem Studentenwohnheim. Dort angekommen wollte ich einfach nur noch schlafen und mich so schnell wie moeglich an die neue Zeit gewoehnen.
Meine sieben Mitbewohner waren alle sehr freundlich und haben mich schon am ersten Wochenende auf einen Ausflug mitgenommen, so dass ich einen ersten Eindruck von Auckland und Neuseeland bekommen sollte. Was mir als erstes auffiel, war dass alles so extrem gruen ist und das im Winter. Ja der Winter – am anderen Ende der Welt ist einiges anders. Von Juni bis August ist Winter. Zwar sinken die Temperaturen nicht wie bei uns unter null, doch im Gegensatz zum deutschen Sommer war es fuer mich eine grosse Umstellung mit Jacke und Schal gewappnet durch Auckland zu laufen. Ausserdem steht das Sternenbild auf dem Kopf, die Sonne wandert von West nach Ost und um fuenf Uhr abends ist es dunkel. Alles Dinge an die man sich erst gewoehnen musste.

An meinem ersten Unitag hatte ich mich immer noch nicht von meinem Jetlag erholt und ich fuehlte mich so als ob ich neben mir stehen wuerde. Doch am ersten Tag gab es viel zu tun: Vorlesungsraum suchen, Skripte kaufen, Bankkonto eroeffnen, Freunde suchen... Da die University of Auckland 30 000 Studenten unterrichtet und ein grosses Netzwerk fuer internationale Studenten anbietet, war es sehr leicht Kontakte zu knuepfen. Nach schon einer Woche konnte ich ganz gut dem Uniablauf folgen und nach zwei Wochen hatte ich auch meinen Jetlag ueberwunden. Das Unisystem in Neuseeland unterscheidet sich sehr von unserem deutschen Hochschulsystem, was aber nicht unbedingt heissen soll, dass es einfacher ist. Das Semester teilt sich in zweimal sechs Wochen Vorlesungsunterricht und einer „Mid-Semester-Break“ von zwei Wochen. Von der Universitaet wird sehr viel waehrend dem laufenden Semester verlangt. Nahezu jede Woche hatte ich ein „Essay“ (Semesterarbeit) mit einer bestimmten Woerteranzahl abzugeben, Kurztests zu schreiben und Tutorialberichte ab zu geben. Es klingt nach sehr viel Arbeit, und es war auch extrem aufwendig, vor allem zu Beginn war es fuer mich sehr schwer alles in Englisch zu verfassen. Doch dadurch dass die Universitaet Studiengebuehren verlangt, setzt die Uni die Gebuehren da ein wo sie noetig sind. Man wird sehr unterstuetzt durch spezielle Einrichtungen wie man ein Essay schreibt, wie man sich in der englischen Sprache verbessern kann und man hat Zugriff auf unendlich viele elektronische Datenbanken die einem die Referenzsuche fuer wissenschaftliche Arbeiten erleichtert. Die Professoren sind offen fuer Fragen und helfen einem persoenlich, entweder in der Sprechstunde oder schneller Rueckantwort per email. Man ist staendig am Arbeiten fuer die Uni, sodass das Reisen in Neuseeland fuer mich nur in den Semesterferien moeglich war. Es wird einem sehr schnell klar, dass ein Auslandsstudium kein Urlaubssemester ist!

Doch dann endlich kamen die ersehnten zwei Wochen Semesterpause und ich nutzte diese mit ein paar Freunden die Nordinsel zu erkunden. Neuseeland hat eine sehr vielfaeltige Landschaft. Wir konnten uns sehr guenstig ein Auto mieten, denn das oeffentliche Verkehrssystem ist in Neuseeland nicht mit unserem deutschen Standard zu Vergleichen. Das „Links“ fahren war am Anfang etwas ungewohnt, doch mittlerweile mache ich mir Sorgen, mich wieder auf den Rechtsverkehr in Deutschland um zu stellen. Neuseeland ist ein Land, das das Reisen sehr einfach macht. Ueberall gibt es Informationszentren und guenstige Uebernachtungen in sogenannten „Back-Packern“. Man lernt sehr schnell andere Reisende kennen und unternimmt dann meist einen Tag gemeinsam. Die unbeschreibliche Vulkanlandschaft laesst den einen oder anderen Drehort im Film „Der Herr der Ringe“ wiedererkennen und haelt einen so gefangen, dass man glaubt ein Ork kommt gleich hinter dem naechsten Stein entgegen gehuepft. Am einem Tag Berge und Vulkane und am naechsten Tag an ausgedehnten Straenden spazieren gehen, das ist typisch fuer Neuseeland. Leider vergingen die Semesterferien viel zu schnell und wir fuhren vorbei an viel Gruen und noch mehr Schafen, zurueck nach Auckland.

Wie beschreibt man einen Neuseelaender? Auch liebevoll „Kiwi’s“ genannt. Nun, mein erster Eindruck war, dass hier vieles langsamer geht als bei uns zu Hause. Die Neuseelaender sind im Allgemeinen sehr easygoing und lazy. Damit meine ich eine gelassene Lebenseinstellung mit nicht allzuviel Aufregung. Sie sind mit sich und Ihrer Insel zufrieden und dadurch dass sie am anderen Ende der Welt wohnen, ist „alles andere“ ganz weit weg. Bei alltaeglichen Gelegenheiten, wie zum Beispiel im Supermarkt, stoesst man schnell auf neuseelaendische Gewohnheiten. Die Schlangen an der Kasse sind sehr lang, dadurch dass der/die Kassierer/in ein Produkt nach dem anderen sehr bedacht ueber den Infrarotsensor zieht. Als ich endlich vorne angekommen war, hatte der/die Angestellte mit mir erst einmal „Small Talk“ gehalten und fragte mich interessiert wie denn mein Tag war. Ich bin vor Schreck fast in den Einkaufskorb gefallen, weil ich das von unserer Anonymitaet zu Hause nicht gewohnt war. „Ist das eine neue Marketingstrategie?“ waren meine ersten Gedanken. Doch ich musste erst einmal meine deutsche, hektische und kritische Einstellung ablegen um zu sehen dass das der gelassene und offene Lebensstil der Neuseelaender ist.

Nun sind meine Vorlesungswochen schon vorbei und ich bereite mich intensiv auf meine Pruefungen vor. Danach werde ich erst einmal den neuseelaendischen Fruehling geniessen und weiter auf die Suedinsel reisen, bevor es dann mit einem kurzen Aufenthalt in Sydney zurueck nach Frankfurt geht. Ich habe dieses Auslandssemester trotz intensivem Arbeitsaufwand sehr genossen. Das Zusammenleben mit Studenten aus verschieden Laendern, gibt einem einen tiefen Einblick in unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen. Es war wahrlich nicht immer leicht sich den neuen Herausforderungen zu stellen und ich zaehle auch weniger gute Ereignisse zu meinen Erfahrungen. Ich bereue es nicht hier zu sein und mein Traum vom Leben am anderen Ende der Welt hat sich erfuellt. Dafuer danke ich sehr meiner Familie fuer all die organisatorische Hilfe, meinen Freunden aus Aalen und Stuttgart fuer die vielen e.mails und Michael fuer die liebevolle Unterstuetzung ueber zwei Ozeane.

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