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Meine ersten Schritte zum Auslandssemester
Ich dachte zum ersten Mal daran ein Semester im Ausland zu verbringen, als sich ein paar meiner Kommilitonen nach dem bestandenen Vordiplom Mitte 2003 ins Ausland auf machten. Es dauerte aber ein weiteres Jahr bis ich aufhörte nur darüber nachzudenken und anfing mich aktiv zu engagieren. Einen kleinen Schupser in die richtige Richtung gab mir auch meine Freundin, die uns Karten für die Expo Lingua 2004 in Berlin besorgte. Während der Expo Lingua hatte ich die Möglichkeit mich mit den Vertretern der neuseeländischen Universitäten zu unterhalten und mich über das Studium in Neuseeland zu informieren. Am Ende des Tages stand für mich fest, dass ich auf alle Fälle nach Neuseeland möchte. Leider brauchte ich dann noch einmal 20 Monate, die ein paar Rückschläge enthielten, bis es soweit war. Am Ende war das gar nicht mal so schlecht, da ich mich dadurch in die Postgraduate Kurse einschreiben konnte. Für die Postgraduate Kurse bezahlt man nur die normalen Studiengebühren und nicht die internationalen. Das ist ein sehr überzeugendes Argument. Anstatt von rund 7500 neuseeländischen Dollar habe ich etwa 2500 Dollar für ein Semester bezahlt. Die 2500 Dollar decken dabei die Einschreibegebühren, Studiengebühren und die Gebühren für die vorgeschriebene Krankenversicherung. Der Papierkram Das RankeHeinemann Institut ist eine sehr große Hilfe bei den Bewerbungen. Eigentlich braucht man nur die notwendigen Unterlagen ausfüllen und beim Institut einreichen. Den „Rest“ erledigen die Mitarbeiter vom Institut. Ich habe durch meine Bewerbung mitbekommen wie viel Arbeit dahinter steckt und bin wirklich dankbar, dass mir all das abgenommen wurde. Eine Voraussetzung für das Studium in Neuseeland ist ein bestandener Sprachtest. Ich habe mich für den IELTS Test entschieden, da mir dieser mehr zusagte als der TOEFL Test. Des weiteren konnte ich den IELTS Test in Leipzig machen und musste nicht extra in eine andere Stadt fahren. Wie vor jedem Test machte ich mir zu viele Gedanken über den Test und war ziemlich nervös. Doch der Test verlief sehr angenehm. Die Prüfer waren sehr nett und dadurch war die Aufregung schnell verflogen. Der bestandene Test war der letzte Teil, der mir zur Bewerbung gefehlt hatte. Jetzt fehlte nur noch das Flugticket und das Visum. Ich konnte das Visa nicht mehr in Deutschland beantragen, da dafür die Zeit zu knapp war. Dadurch geriet ich ein wenig in Panik, aber die Mitarbeiter der AUT haben mir per email mitgeteilt, dass ich mir keine Gedanken machen muss und das Visum auch in Neuseeland beantragen kann. Hierbei ist aber zu beachten, dass das „Financial Undertaking for a Student“ Formular benötigt wird, da man einen Nachweis über genügend Barvermögen oder eine Bürgschaft von einer anderen Person braucht. Jetzt fehlte nur noch das Flugticket und das war auch schnell gebucht. Die Reise nach Neuseeland Am 6. Juli war es endlich so weit. In der Nacht konnte ich natürlich nicht besonders gut schlafen und war deshalb schon sehr zeitig auf den Beinen. Die Zeit nutzte ich, um nochmal alle Sachen zu überprüfen. Knapp 9 Monate im Ausland und dafür nur 20 Kilogramm Gepäck. Das stellte mich vor eine Herausforderung. Am Ende hatte ich einen guten Kompromiss gefunden. Falls doch etwas fehlt, dann wird das eben in Neuseeland gekauft. Wirklich wichtig waren aber alle Unterlagen, Ausweise, Kreditkarten usw. Davon darf wirklich nichts fehlen. Vom Leipzig ging es mit dem ICE nach Frankfurt und dann mit einer Boeing 747 nach Bangkok. In Bangkok hatte ich einen achtstündigen Zwischenstopp bevor es weiter nach Auckland ging. Bevor man durch die Flughafenkontrollen geht, sollten man sich noch einmal vergewissern, dass man keine verderblichen Lebensmittel mehr hat, bzw. alles auf dem Einreiseformular markiert ist. Die Vorschriften diesbezüglich sind sehr streng und falls man sie nicht befolgt kann man mit einer Geldstrafe rechnen. Angekommen in Auckland Auckland überraschte mich. Ich wusste, dass es auf Vulkanen aufgebaut worden war, aber das viele hoch und runter hat mich doch überrascht. Schnell waren meine Gedanken verschwunden mir hier ein Fahrrad zu kaufen. Auch erwartete ich viel mehr Leute in den Straßen, doch selbst in der Innenstadt ist nicht sehr viel los. Nur am Nachmittag sieht man die ganzen Leute aus den Hochhäuser strömen in Richtung zu Hause. Der allabendliche zähflüssige Verkehr bis hin zum Stau ist da vorprogrammiert. Überhaupt ist die Innenstadt von Auckland kleiner als erwartet. Innerhalb von 30 Minuten kann man die gesamte Queen Street entlang laufen und passiert damit die ganze Innenstadt. Die ersten 3 Wochen habe ich im Hostel verbracht. Ich bin damit den umständlichen Weg gegangen, da ich nicht im Studentenwohnheim wohnen wollte. Dafür machte ich mich auf WG Suche. Hierbei muss man abschätzen ob man weiter weg von der Uni wohnen möchte. Das ist zwar billiger, aber man muss sich dann ein Monatsticket für den Bus kaufen. Ich wollte aber lieber in der Innenstadt wohnen. Die WG Suche nahm einige Zeit in Anspruch, doch Ende Juli zog ich mit einem Kommilitonen in ein 2 Bett Apartment. Ich bezahle 135 Dollar pro Woche inklusive Wasser. Das ist ist für Auckland nicht so teuer und billiger als im Studentenwohnheim ist es auch. Dazu kommen noch ungefähr 30 Dollar pro Person im Monat für Strom und Internet. Die Universität Was mir besonders gut gefallen war die Freundlichkeit der vielen AUT Mitarbeiter. Sie hatten immer für einen Zeit und haben dir versucht so gut wie möglich zu helfen. Wenn es einmal nicht geklappt hat, dann haben sie nach anderen Leute gesucht, die dir helfen können. Des Weiteren gibt es auch sehr viele Angebote zur Unterstützung des Studiums. In speziellen Kursen erhält man Information wie man am besten ein Essay oder größere Assignments schreibst oder Kurse, die dir beim Gedächtnistraining helfen. Ebenfalls kann man auch Hilfe beim Essay schreiben in Anspruch nehmen. Dabei wird gezielt nach deinen Schwachstellen, wie zum Beispiel Grammatik, Wortwahl, gesucht und Hilfestellung gegeben was man besser machen kann. Natürlich wurde einem nicht nur beim Studium geholfen, sondern es wurden auch viele Sachen organisiert, um die anderen internationalen Studenten kennen zu lernen. Besonders hervorzuheben ist hier das Noho Marae Wochenende. Dabei wurde uns die Maori Kultur vorgestellt und wir konnten auch an dieser teilhaben. Das wohl beste daran war das Lernen des Haka. Danach schmerzen zwar die Oberschenkel und sind ziemlich rot, aber Spaß hat es allemal gemacht. Weitere Ereignisse waren der Auckland Bridge Bungee Jump Tag oder andere Ausflüge wie zum Beispiel zum Zoo. Auf dem Campus selbst gibt es ebenfalls ein paar Möglichkeiten Spaß zu haben. Da wäre zu einem die Campus eigene Bar, in der die ersten Studenten schon gegen Mittag das erste jug Bier schlürfen. Wenn man etwas sportlicher sein möchte kann man jeden Tag in das Fitnesscenter gehen oder einen der Sportclubs beitreten. Da ich gern klettere habe ich öfters die Kletterwand im Fitnesscenter der Auckland University aufgesucht. Das Studium Vom 10. Juli bis zum 16. Juli fand die Orientation Week statt. Während dieser Woche wurde uns die Universität gezeigt, es gab einen Einblick in den Studiengang und die letzten organisatorischen Sachen konnten geklärt werden. Natürlich gab es dafür auch noch danach Zeit. Doch es war schon besser wenn man es so schnell wie möglich getan hat. Am 17. Juli begann das Semester. Ich hatte meine erste Veranstaltung erst eine Woche später und hatte deswegen Zeit mir andere Kurse noch anzuschauen. Das ist ziemlich wichtig, da man innerhalb der ersten zwei Wochen seine Kurse noch wechseln kann. Danach besteht keine Möglichkeit mehr. Dieses System war neu vor mich. In Deutschland besucht man mehr oder weniger die Vorlesungen und macht am Ende eine Prüfung. Hier wird man während des gesamten Semester geprüft. Für mich bedeutete dies fast jede zweite Woche ein Essay oder ein Assignment abzugeben. Das gilt für ein 15 Punkte Paper. Insgesamt muss man aber 60 Punkte belegen. Das ist ein nicht zu unterschätzender Arbeitsaufwand, den man gut durchplanen muss. Diese Planung hat mal geklappt und manchmal auch nicht. Zum Glück gab es aber Mitte September das zweiwöchige Mid Semester Break, dass die meisten ausländischen Studenten zum Erkunden von Neuseeland, Australien oder eine der vielen Pazifikinseln (z. B. Samoa, Tonga, Fidschi) genutzt haben. Normalerweise soll man sich während des Mid Semester Breaks weiter mit dem Studium beschäftigen, aber daran hält sich kein Student. Danach sind es nur noch 6 Wochen Uni, die für mich am 2. November zu Ende gehen. Das Semester endet hier mit einer zweiwöchigen Prüfungszeit. Danach ist das Semester beendet und man muss keine Prüfungen während der Semesterferien schreiben. Da ich aber im Postgraduate Programm bin brauche ich keine Prüfungen am Ende des Semester schreiben. Ein sehr schöner Bonus. Die verschiedenen Gesichter von Auckland Trotz der vielen Assignments blieb genügend Zeit sich Auckland und die Umgebung anzuschauen. Auckland ist eine sehr interessante Stadt, die für mich aber mindestens zwei Seiten hat. Es gibt zahlreiche Museen, viele Parks und auch sehr schöne Stadtteile, wie Devenport, zu entdecken. Das beste Transportmittel, um nach Devonport zu gelangen, ist die Fähre. Wenn man einmal genug von Auckland hat, kann man einfach eine andere Fähre nehmen und damit nach Rangitoto Island oder Waiheke Island fahren. Innerhalb von einer halben Stunde hat man die Stadt hinter sich gelassen und ist in der Natur. Das ist die schöne Seite von Auckland. Auf der anderen Seite sieht man hier aber auch ein paar traurige Sachen, wie die vielen Obdachlosen. Auf meinem Weg zum Apartment sehe ich immer wieder die gleiche Frau wie sie in einer Bushaltestelle übernachtet. Ein anderes Beispiel ist ein älterer Mann, der fast jeden Tag die Parkautomaten abläuft und nach Münzen sucht. Positiv ist aber, dass viele Leute den Obdachlosen Geld geben. Einige nehmen sich sogar die Zeit und reden mit ihnen, was ich in Deutschland noch nicht erlebt habe. Auch der Verkehr und die damit verbundenen Abgase sind ziemlich schlimm besonders während der Feierabendszeit. In einer Zeitung stand, dass letztes Jahr ca. 300 Leute allein an einer Abgasvergiftung starben und man sich als Asthmatiker während der Rush Hour nicht in der Nähe der Hauptstraße aufhalten soll. Gegen das hohe Verkehrsaufkommen muss wirklich etwas getan werden. Mid Semester Break Das Mid Semester Break habe ich genutzt, um mit Freunden die Nordinsel zu erkunden. Das macht man am besten indem man sich ein Auto mietet. Im Gegensatz zu Deutschland ist ein Mietwagen hier viel günstiger. Wichtig hierbei ist die Vollkaskoversicherung mit abzuschließen. Das kostet nur 10 Dollar mehr pro Tag, spart einem aber viel Geld falls man einen Unfall hat. Nachdem man hier ein paar Autos gesehen hat, kann man sich sehr gut vorstellen wie leicht ein Schaden am Auto entstehen kann. Viele Leute haben mir gesagt, das Neuseeland erst nach Auckland anfängt und sie haben Recht. Man fährt in eine komplett andere Welt. Alles wird ruhiger und vor allem gibt es von allem weniger. Die Anzahl an Autos nimmt, Städte werden kleiner und fühlen sich eher wie Dörfer an oder man sieht einfach nur einzelne Farmgebäude. Manchmal kann man sich da schon sehr verlassen vorkommen. Ich habe während dieser zwei Wochen viele schöne Landschaften gesehen, die einem erst so richtig bewusst machen, dass man sich wirklich am anderen Ende der Welt befindet. Wir fuhren durch Wälder in denen Palmen stehen oder mussten am Hot Water Beach aufpassen, dass wir uns nicht die Füße verbrannten. Manchmal war einfach auch nur schön sich an den Strand zu setzen und die Seele baumeln lassen. Eines der schönsten Erlebnisse für mich war in Taupo. Ich lag abends in einer heißen Quelle, die in den Waikato River mündet. Um mich herum war Dampf und wenn es zu warm wurde, bin ich einfach näher zum Waikato River gegangen. Das war herrlich entspannend. Nebenbei habe ich den wunderschönen Ausblick genossen. Wahrscheinlich werde ich noch viel schönere Sachen auf der Südinsel entdecken, doch trotzdem werden all diese Erlebnisse in meiner Erinnerung bleiben. Ein kleines Fazit Am 2. November wird für mich das Erlebnis Universität zu Ende gehen. Ich habe ein anderes Lernsystem kennen gelernt, das den Studenten mehr dazu bewegt im Semester etwas zu machen. Manchmal hat man sich darüber beschwert doch am Ende muss ich sagen, dass es mir gefallen hat. Ebenfalls hat mir gefallen, dass man Zugang zu unzähligen wissenschaftlichen Datenbanken hat und in diesen stundenlang Zeit verbringen. Das Verhältnis Student Dozent ist ebenfalls anders als zu Haus. Innerhalb kürzester Zeit wissen deine Dozenten deinen Namen und natürlich wird hier jeder mit Vornamen angesprochen. Daheim wäre das für mich unvorstellbar gewesen. Des Weiteren haben sie fast immer für einen Zeit und versuchen dir bei deinen Problem und Fragen zu helfen. Mitte November werde ich in Hamilton zum ersten Mal live bei einer Rallye dabei sein. Damit geht einer meiner ganz großen Wünsche in Erfüllung. Wer hätte das gedacht und dann auch noch in Neuseeland. Das ist eine wunderbare Kombination. Danach geht es weiter mit Reisen, denn es gibt hier noch so viel zu entdecken. Die wohlbeste Empfehlung für einen Aufenthalt in Neuseeland war für mich: „Seh alles viel relaxter und erwarte nicht das was du in Deutschland gewohnt bist.“ Wenn man das berücksichtigt kann eigentlich gar nichts schief gehen. Dann stören einen solche Kleinigkeiten wie zu spät kommende Busse einfach nicht. All die schönen Sachen, die man hier in Neuseeland erlebt, lassen einen Deutschland ziemlich schnell vergessen. Nur eins vermisst hier jeder Deutsche oder wird es vermissen: richtig leckeres Brot von daheim.
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