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Britta Höllermann, Victoria University of Wellington, School of Earth Sciences, Geography
Angestrebter Abschluss: BSc with Honours in Physical Geography

I. Allgemeines zum Studium in Neuseeland

Vorbereitung des Studienaufenthaltes von Deutschland aus (Kontakte mit Behörden am künftigen Hochschulort; Anschaffungen, etc.)
Hilfreich bei der Vorbereitung des Studienaufenthaltes war das Akademische Auslandsamt der Universität Bonn bzgl. Informationen zur Stipendienbewerbung, sowie das Ranke Heinemann Institut. Das Ranke Heinemann Institut übernimmt die vollständige Korrespondenz mit der ausländischen Universität, das spart Geld (vor allem Übersetzungskosten) und man hat keine Probleme mit der Zeitverschiebung.
Für das Stipendium ist es wichtig, dass man sich rechtzeitig um die Gutachter/n kümmert.
Das Sprachzeugnis ist sowohl für das Stipendium als auch die Bewerbung bei der Uni von Bedeutung. Der IELTS Test wird bevorzugt. Er ist ein wenig teurer als der TOEFL aber die Betreuung durch die Carl Duisberg Gesellschaft, die den IELTS deutschlandweit anbietet, ist angenehmer. Spezielles Vorbereitungsmaterial ist im Buchhandel erhältlich und durchaus zu empfehlen.

Einschreibung und Anerkennung der Leistungsnachweise
Um sich für einen Studienplatz zu bewerben müssen die bisher geleisteten Kurse seit dem ersten Semester durch das eigene Institut nachgewiesen werden. Dies gilt besonders, wenn man sich für „postgraduate studies“ interessiert. Im postgraduate Bereich kann man studieren, wenn man sechs Semester in Deutschland mit entsprechenden Studieninhalten abgeschlossen hat. Vorteile hierdurch sind zum einen reduzierte Studiengebühren (nur 1/3 der sonstigen Gebühren für Ausländer) und die Möglichkeit einen degree, bevorzugt den „Bachelor with Honours“ aber auch „Graduate Diploma“ (wird vor Ort eher nicht empfohlen, da dieser degree eher für Studienfachwechsler geeignet ist, die weniger Vorkenntnisse haben und allgemein geringer als ein Honours eingestuft wird, da auch Kurse aus dem undergraduate Bereich belegt werden) oder einjährige Masterprogramme in anderen Fachbereichen zu machen. Ein Honours oder Master degree gilt zudem als Qualifikation für ein PhD Studium oder auch für ein befristetes Arbeitsvisum. Wenn man sich für ein degree Programm entscheidet, sollte man rechtzeitig Kontakt zu Dozenten vor Ort aufnehmen um ein Thema für die zu schreibende Thesis zu überlegen. Es ist allerdings ist auch kein Problem, dies erst vor Ort zu macht, allerdings steht man dann etwas mehr unter Druck, weil der Zeitrahmen doch sehr knapp ist.

Die formale Einschreibung erfolgt vor Ort in einer Orientierungsveranstaltung, die ich nur empfehlen kann. Auch wenn diese Veranstaltungen von einigen Studierenden als langweilig bzw. Zeitverschwendung beschrieben werden, so kriegt man die Einschreibung dank der Veranstaltung innerhalb von zwei Tagen über die Bühne und hat die einmalige Möglichkeit, eine Menge internationaler Studenten auch über den eigenen Fachbereich hinaus kennen zu lernen.

Die Liste mit den besuchten Veranstaltungen reicht aus um die bisher erbrachten Leistungen nachzuweisen. Für eine Anerkennung der ausländischen Kurse würde ich raten, diese vorher mit einem Dozenten bzw. mit dem Prüfungsamt abzusprechen. Beispielsweise erkennt das Geographische Institut der Uni Bonn keinen Kurs als Oberseminar an. Dies sollte bei der Planung des Jahres mit bedacht werden.

Zahlungsverkehr und Versicherung
Auslandsüberweisungen sind sehr teuer und die Bezahlung der Studiengebühren mit Kreditkarte ist zu empfehlen. Für Geldverfügbarkeit vor Ort empfehle ich ein Konto bei der Deutschen Bank, da man an den Automaten der West Pac Bank kostenlos von diesem abheben kann. Der Wechselkurs ist in unseren Wintermonaten, ergo der Sommerhochsaison in Neuseeland, besonders schlecht. In diesen Zeiten sollte man den Geldtransfer aufs Minimum beschränken. Gegen Ende März ist der Wechselkurs mit fast 1:2 deutlich besser und bis in den neuseeländischen Winter/Frühling stabil, danach steigt er wieder.

Die Uni bietet eine Krankenversicherung an, die auch eine Haftpflicht- und Diebstahlversicherung beinhaltet. Man hat auch die Möglichkeit eine andere Versicherung zu wählen, allerdings sollte man vorher abklären, dass sie auch anerkannt ist, da Versicherungspflicht besteht. Trotz der ausländischen Krankenversicherung muss die deutsche Kranken- und Pflegeversicherung weitergezahlt werden, da in Deutschland ebenfalls Versicherungspflicht besteht. Das ist ein bisschen ärgerlich, man kommt aber nicht drum rum, es sei denn man exmatrikuliert sich, was keine wirkliche Alternative darstellt.

Wohnen (Zimmersuche und Miethöhe)
Wenn man sich für den Studienplatz rechtzeitig bewirbt, ca. 6-7 Monate vorher, dann hat man seine Zusage so rechtzeitig, dass man sich für ein Studentenwohnheim bewerben kann. Ich kann das Wai-te-ata sehr empfehlen. Es ist besonders für internationale und postgraduierte Studierende gedacht. Die anderen Wohnheime sind mehr für Studienanfänger gedacht und beinhalten auch noch volle Verpflegung. Die Kosten für das Wai-te-ata sind etwas höher als sonstige Mieten, dafür beinhaltet es Strom und Telefon, was nicht immer selbstverständlich ist. Außerdem verfügt jeder Raum über eine eigene Heizung, was ebenfalls eher selten ist.

Der freie Wohnungsmarkt ist zu Beginn des Jahres relativ knapp und ein Zimmer zu finden kann relativ stressig sein. Die Chance, dass man mit Kiwis zusammenlebt ist natürlich höher. Preise zwischen 100 und 180 NZD pro Woche sind realistisch. Das Wohnheim kostet 150 NZD pro Woche. Hilfe bei der Wohnungssuche gibt es ebenfalls durch den Accomodation Service der Uni, welcher sich während der Orientierungsveranstaltungen auch vorstellt und Wohnungsangebote aushängt.

Aufenthaltsgenehmigung
Es besteht Visumspflicht in Neuseeland, wenn man dort studieren möchte. Am besten man stellt einen Antrag rechtzeitig im vornherein bei der Neuseeländischen Botschaft in Deutschland. Der Papierkram ist derselbe und man hat alle Gedanken bezüglich des Visums aus dem Kopf, wenn man erstmal vor Ort ist. Victoria International, das zuständige Büro der Uni in Neuseeland für ausländische Studenten, bietet an, sich um Visa zu kümmern, allerdings habe ich von Kommilitonen nur Negatives über Victoria International gehört, was die Beantragung betrifft.

Soziales (Kontakte zu Studienkollegen, Freizeitgestaltung vor Ort, nützliche Adressen am Hochschulort)
Die Orientierungsveranstaltungen bieten eine sehr gute Möglichkeit, andere internationale Studenten kennen zu lernen, auch wenn die Inhalte vielleicht etwas langweilig sind, werden doch interessante Sachen wie eine Stadtrundfahrt, der Besuch des Marai’s, sowie diverse Parties angeboten.

Ansonsten bieten die Uniclubs, die sich in der zweiten Woche der Orientierungsveranstaltungen vorstellen, eine gute Möglichkeit neue Leute kennen zu lernen. Bei der Vielfalt der Clubs sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Sehr beliebt ist der Tramping (das neuseeländische Wort für Wandern) Club, da man neben Leuten noch gleichzeitig die nette Umgebung kennen lernt.
Für die weitere Freizeitgestaltung bzw. Erkundung der Umgebung eignen sich die Informationen der Touristeninformation am besten.

Wichtige Adressen bzgl. Gesundheitsfragen, der Universität, etc. bekommt man während der Orientierungsveranstaltung ausgehändigt.

Eine andere hilfreiche Institution ist das Support Learning Centre, das vor allem in den ersten Uniwochen sehr hilfreiche Veranstaltungen anbietet mit Themen wie: Wie schreibe ich ein Research Proposal / Literature Review? Zusätzlich bietet die Bibliothek gute Einführungsveranstaltungen an, die wirklich sehr lohnend sind.

II. Geographie an der Victoria University, School of Earth Sciences, Environment and Geography, Wellington

Kursangebot
Das Kursangebot ist im postgraduate Bereich relativ eingeschränkt, allerdings sind die Seminare sehr breit gefächert und ansprechend, was für die fehlende Auswahl im Bereich Physische Geographie und Human Geographie entschädigt. Außerdem besteht die Möglichkeit Kurse aus verwandten Bereichen wie Environmental and Development Studies zu wählen. Dies ist auch möglich, wenn man einen fachspezifischen Abschluss wie BSc(Hons) in Physical Geography macht. Regelmäßig angebotene Kurse sind z.B. Hydrology, Geomorphology (dieser Kurs beinhaltet eine sehr lohnende und lehrreiche Exkursion zur Südinsel), Hazards. Die Seminare umfassen neben einem Vorlesungsteil, Präsentationen der Studierenden und immer eine Diskussion. Das Niveau ist sehr hochwertig und ansprechend.

Wenn man einen Degree machen möchte, muss neben drei Kursen auch noch ein Research Project geschrieben werden. Hierbei erhält man sehr gute Unterstützung durch den jeweiligen Supervisor, hinsichtlich der Anleitung, aber auch der verfügbaren Ressourcen. Generell bietet das Institut auch sehr lohnende Seminare zum Erstellen von Abschlussarbeiten an, deren Teilnahme freiwillig ist. Die Klassen sind sehr klein, maximal 15 Personen pro Kurs, wobei ich im Schnitt nur mit 5 weiteren Kommilitonen unterrichtet wurde.

Arbeitsvolumen / Prüfungen / Feedback
Wenn man den Honours degree machen möchte, sollte man sich auf ein sehr arbeitsintensives Jahr einstellen. Die Kurse fordern relativ viel. Die Seminarzeit ist zwar sehr gering, aber für Assignments, Präsentationen und Essays muss viel extra Zeit eingeplant werden, die man neben seinem Research Project noch aufbringen muss. Es ist aber alles in allem ganz gut schaffbar, wenn man motiviert ist.
Üblicherweise schließt jeder Kurs mit einer Prüfung ab, in der der Stoff des ganzen Jahres abgefragt wird. Man bekommt jedoch sehr gute Hilfestellungen und das Lernvolumen ist gut zu bewältigen.

Jedes Assignment wird detailliert bewertet, so dass man genau weiß, wo man Schwächen hat bzw. seine Stärken liegen. Das Feedback ist -aus deutscher Perspektive- sehr überwältigend, da sich die Dozenten viel Zeit nehmen und ihr Urteil sehr genau begründen. Dies ist vermutlich auch notwendig, da viele Assignments auch noch von Dozenten anderer Universitäten kontrolliert werden, wenn Unstimmigkeiten bestehen.

Studenten / Dozenten Beziehung
Im postgraduate Bereich ist das Verhältnis zwischen Studenten und Dozenten sehr persönlich, was sich schon generell aus dem Englischen ‚you’ ergibt. Außerdem wird man als zukünftiger researcher behandelt und das in Deutschland übliche Hierarchie Denken ist hier nicht ausgeprägt.

Die Dozenten betreuen sehr individuell. Man wurde von den Dozenten ständig aufgefordert eigene Ideen zu entwickeln und durch offene Türen und offene Ohren zu jederzeit wurde man darin auch tatkräftig unterstützt. Zusätzlich kommen auf jeden Dozenten nur eine geringe Anzahl an Studenten, was diese individuelle Beratung ermöglicht. Generell nehmen sich die Dozenten intensiver Zeit für die Lehre.

Lernerfolge
Neben der Verbesserung der Englischkenntnisse, hat das Studium der Physischen Geographie meinen Wissensbereich stark erweitert, Perspektiven für weitere Forschungsvorhaben bzgl. der Diplomarbeit geöffnet und generell meine Leidenschaft für das Fach bestätigt.

Angebote der Universität bzgl. Ressourcen
Literatur Beschaffung ist unglaublich einfach. Die Hauptbibliothek bietet eine große Auswahl an Literatur (Bücher und Zeitschriften) welche durch die Bereichsbibliothek, zu der man als postgrad Student Sonderbenutzungsrechte hat, komplettiert wird. Zusätzlich ist eine Riesenauswahl an Zeitschriften online erhältlich. Um eine gute Übersicht über seine Literatur zu behalten, bietet die Bibliothek ein gutes Literaturdatenbank Programm (Endnote) an, welches man sich auch auf seinem eigenen PC installieren kann. Einführungskurse in dieses Programm, sowie generell in das Bibliotheksystem werden regelmäßig angeboten.

Wenn man für sein Project im Labor arbeiten muss, kann man dort selbständig arbeiten. Die Ausstattung war für mein Projekt sehr angemessen. Außerdem wurde das, was fehlte, schnellst möglichst besorgt.

Kann man keinen eigenen PC mitbringen, gibt es auf dem Campus viele Möglichkeiten am PC zu arbeiten. Zusätzlich bietet das Institut einen eigenen Postgrad Computerraum an, in dem meistens immer ein PC verfügbar ist.
Über seinen Studentenausweis hat man zu diesen Einrichtungen (Labor, Computerraum, Bereichsbibliothek) 24-h Zutritt. Zusätzlich kann man über 160NZ$ an Kopier- und Internet-/Druck- Kosten verfügen, wenn man für einen degree eingeschrieben ist.

III. Fazit / Kritik
Das Studienjahr war bezüglicher der zur Verfügung stehenden Ressourcen, der Lerninhalte, und Dozenten ein lohnendes Jahr. Besonders beeindruckt hat mich, wie viel Respekt einem von den Dozenten entgegengebracht wurde. Daher war die Lernatmosphäre sehr angenehm und befruchtend.

Negatives ist generell nicht zu berichten. Wie gesagt könnte das etwas eingeschränkte Kursangebot ein Minuspunkt sein, allerdings haben mich die Kurse so sehr angesprochen, dass das für mich nicht zutraf. Das Arbeitsvolumen war teilweise sehr hoch, allerdings haben immer wieder aufmunternde Worte der Dozenten und ihre Flexibilität bzgl. Abgabefristen, die Situationen entstresst.

Für ein erfolgreiches Jahr im Geographischen Institut an der Victoria University sollte man sehr viel Motivation und Interesse am Fach mitbringen. Mit dieser Voraussetzung meistert man auch die stressigsten Momente, bekommt das Arbeitsvolumen bewältigt und man verdient sich gegenüber der Dozenten einiges an Anerkennung.
Auch Neuseeland ist bürokratisch und man muss schon mal viele Dokumente ausfüllen, sich für vieles anmelden und eintragen. Allerdings wird man dabei unterstützt und erhält zumeist kompetente und freundliche Auskunft.

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