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Dieser Erfahrungsbericht wird sich auf das beschränken, was mir hier in Neuseeland und an meiner Uni(Lincoln University) erfahren ist und weniger darauf eingehen, wie ich hierher gekommen bin (per Flugzeug ;-) und mit einem round-the-world ticket von statravel) oder wie das alles organisiert wurde und was man dabei beachten muss, denn ich habe gesehen, dass diese Themengebiete bereits in zahlreichen Foren und Erfahrungsberichten zu Genüge behandelt wurden.
Also, ganz vorneweg, Neuseeland ist eine tolle Erfahrung. Die Menschen sind sehr herzlich und kontaktfreudig, so dass man eigentlich keinerlei Probleme haben sollte, sich einzugewöhnen. Kulturell lässt sich Neuseeland und Christchurch im Besonderen sehr mit England vergleichen, natürlich mit sehr internationalem Einfluss aus den Pazifischen Inseln und aus Asien. Christchurch ist eine sehr nette Stadt. Nicht zu vergleichen mit großartigen europäischen Städten, aber es hat sehr schöne Ecken wie zum Beispiel New Brighton Beach, Sumner Beach und Teile der Innenstadt. Auch hat man es nicht weit bis zur Banks Peninsular, die schöner ist, als man nach dem ersten Eindruck denkt, wenn man die Hauptstrasse entlang nach Akaroa fährt. Denn die Musik spielt im„Hinterland“, d.h. man sollte schon mal auf die kleineren Strassen abbiegen die in den Nordosten der Halbinsel führen. Dort liegt zum Beispiel auch mein Lieblings – Backpacker (so etwas wie eine Jugendherberge, geführt von Privatleuten). Man kann dort (LeBonsbay Backpackers) wunderbar ausspannen, hat eine wunderbare Aussicht und tolle Strände direkt vor der Haustür. An Christchurch ist weiterhin toll auch die Lage. Die Südinsel ist, wie ihr wahrscheinlich schon gelesen habt, die eindeutig schönere der beiden. Wenn man also mal Urlaub machen will, hat man hier alle Möglichkeiten – ein Vorteil ggü z.B. Wellington, wie ich finde. Seit Mitte 2007 hat sich auch Einiges getan in Sachen abends ausgehen. Zu den bereits relativ guten Möglichkeiten „The Strip“ (Barmeile am Avon River) oder Shooters hat sich eine weitere Option gesellt:„His Lordship’s lane“, nicht weit weg vom Bus Exchange. Auch in dieser neuen Barmeile sind wie in Christchurch und Neuseeland im Allgemeinen die Eintritte meist kostenlos. Man bekommt also Live Musik in einem schönen Ambiente ohne Zigarettenrauch (Rauchverbot) für lau – gibt’s so was in Deutschland? Glaube eher nicht. Nun zur Lincoln University: Sie ist mit die kleinste aber dafür auch internationalste Uni in Neuseeland und hat einige einzigartige Eigenheiten aufzuweisen. Erstens die Lage: Man studiert hier mitten in der Natur ungefähr 20 Minuten Autofahrt und 30-40 Minuten Busfahrt von Christchurch entfernt. Lincoln Township ist 1 km entfernt und bietet, was man von einem Dorf erwarten kann – Take away food, ein paar Kaffees, einen Supermarkt, eine Tankstelle, ein paar Kirchen etc. Diese relative Abgelegenheit hat folgende Vor- und Nachteile. Ich fange mal mit den Nachteilen an. Sicherlich muss man, wenn man auf dem Campus wohnt, um abends wegzugehen, eine Autofahrt auf sich nehmen und auch ein Auto kaufen oder leihen, da der Bus zwar bis 11pm in die Stadt fährt, aber nicht vor 7am zurück kommt(außer man hat das Geld für ein Taxi). Wenn man Parties wichtig findet, dann zieht man am besten in die Stadt und fährt dann eben zu den Vorlesungen nach Lincoln. Ein Auto kann man für wenig Geld entweder privat über den Anzeigenmarkt oder Kontakte oder über einer Car Auction (z.B. Turner’s Car Auction) erwerben. Der neuseeländische Automarkt ist überflutet von asiatischen Importen. weswegen man hier wirklich für vielleicht 500 Euro ein passables Fortbewegungsmittel erstehen kann. Klar gibt es bei einer solchen Abgeschiedenheit kein riesiges kulturelles Angebot vor Ort. Das wäre in einem Dorf in Europa nicht anders. Dieses wird jedoch durch die zahlreichen Uni Clubs (Fußball Club, International Club etc.) und sonstigen Angeboten (International Night, Interhall-Competitions, Movie Nights etc.), wie ich finde, sehr gut ausgeglichen. Desweiteren kann man sich hier sehr gut auf das konzentrieren, weswegen einige von Euch hierher kommen – studieren. Man ist in der Natur, hat frische Luft und viel Grün um sich. Auch muss ich sagen, dass der Campus sehr schön ist. Ich habe mir alle Unis bis auf Otago angeschaut, bevor ich mich dafür entschieden habe, hier zu studieren – der Lincoln University Campus ist sicherlich unter den Top 3 in Neuseeland. Die Bücherei wurde neu renoviert, alles wirkt sehr gepflegt und das Universitätspersonal ist durchgehend sehr zuvorkommend. Ein weiterer Vorteil ist die Größe der Uni. Die Betreuung der Studenten ist meiner Erfahrung nach sehr gut. Meine Postgradualen Kurse waren 20-30 Studenten stark – da kam es zu vielen Interaktionen mit den Professoren und zu einem guten Lernerfolg. Man kann hier auf dem Campus wohnen. Es gibt zahlreiche Optionen und verschiedene „Halls“. Man kann wählen zwischen catered (man isst in der Kantine und hat keine eigene Küche) oder self-catered(kein Essen inbegriffen aber dafür eigene Küche vorhanden). Als relativ eigenständige Persönlichkeit kann ich empfehlen, sich für self-catered zu entscheiden, da man sonst an Freiheit einbüsst ,da ja alle Kantinenzeiten für die jeweiligen Malzeiten eingehalten werden müssen. Man hat schliesslich für das Essen bezahlt hat und deswegen immer ein schlechtes Gewissen, wenn man eine Malzeit sausen lässt. Ihr kommt sicherlich auch nach Neuseeland, um frei zu sein, also macht es wenig Sinn, das dann wieder zu beschränken. Die schönsten Flats sind denke ich „Farm Road“, „Crescent“ und „Centennial Southland“. Für alle Commerce (BWL) Studenten sei Folgendes gesagt. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Commerce-Angebot gemacht. Das Commerce Gebäude ist sehr neu, und die Professoren haben einen guten Eindruck auf mich gemacht. Wenn man postgradual studiert, ist man meistens mit Assignments oder Präsentationen beschäftigt, die einen Grossteil der Noten ausmachen. Das bedeutet, man kann den Nachteil, dass man kein native speaker ist, damit ausgleichen, dass man Zuhause an den Assignments einfach ein wenig mehr Zeit investiert. So eine Möglichkeit hat man bei Tests in Prüfungsräumen vor Ort mit Zeitlimit nicht – diese sind aber zum Glück sehr selten auf postgradualem Niveau. So ist es also einem Ausländer durchaus möglich, herausragende Noten zu erzielen. Zum Abschluss noch was mir persönlich der Aufenthalt in Neuseeland unter anderem gebracht hat –außer den akademischen Leistungen. Die Menschen in Neuseeland sind wirklich sehr offen, höflich und - es mag einem vorkommen als seien sie konfliktscheu. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass dies nichts mit Oberflächlichkeit zu tun hat, sondern einfach nur der Versuch ist, gut miteinander auszukommen. Da spielen sicherlich auch die kulturellen Einflüsse des Pazifiks und Asiens mit rein. Man wird hier gelassener. Zum Beispiel regt man sich als deutscher Autofahrer am Anfang vielleicht auf, dass man nur 100 km/h max fahren darf und dass es deswegen teilweise eine halbe Ewigkeit dauert, um von A nach B zu kommen. Nach ein paar Monaten hält man einfach nur noch das Lenkrad fest, kurbelt das Fenster runter und genießt. An der Westküste grüssen sich die Autofahrer teilweise, weil es dort so einsam ist, dass einem nur 1-2 Autos am Tag entgegen kommen. Ihr seht schon, Einiges läuft hier wesentlich entspannter ab – jedoch nicht im akademischen Sinne(leicht ist das Studium sicherlich nicht). Ich wünsche Euch viel Spass und viel Glück in Neuseeland!
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