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LLM Studium in Wellington, Neuseeland: 26.06.2007-22.05.2008

Nach 11 Monaten in Neuseeland kann ich sagen, dass die Entscheidung an der Victoria University of Wellington einen Master of Laws Studiengang zu absolvieren eine sehr gute war. Von meinen Erfahrungen möchte ich euch im Folgenden berichten.

1. An-und Abreise von Deutschland nach Neuseeland und umgekehrt

Meine Flüge habe ich über das STA Reisebüro in Berlin gebucht, das einen 5 % Ranke Heinemann Discount gewährt hat. Mit dem Service dort war ich sehr zufrieden, waren doch auch mehrfache Umbuchungen kein Problem. Ich habe mich für die Reiseroute über die USA entschieden, weil dort die Möglichkeit zur Mitnahme von zwei mal 23 kg Gepäck besteht. Für einen Jahresaufenthalt ist das doch deutlich mehr als die einmal 20 kg über die Asienroute. Auf dem Rückweg habe ich an einem "Stopover" Programm teilgenommen, d.h. der doch sehr lange und anstrengende Flug wurde in Los Angeles für 3 Tage unterbrochen. Leider war ich auf der Hinreise noch nicht so klug und bin die Strecke von Hamburg nach Wellington "in einem Rutsch" geflogen. Das kann ich niemandem empfehlen. Nehmt euch genug Zeit für An- und Abreise und unterbrecht den 33 Stunden Flug irgendwo. Air New Zealand bietet jetzt sogar Fidschi Stopovers!

2. Wohnen in Wellington

Die Universität hat einen hervorragenden Accomodation Service und kann euch bei der Wohnungssuche unterstützen. Weil ich Wohnungssuchen grundsätzlich nervig finde, habe ich mich schon von Deutschland aus um eine Unterkunft in einem Studentenwohnheim bemüht. So bin ich im Stafford House eingezogen und habe hier auch die gesamten 11 Monate "ausgehalten". Die Ausstattung der Wohnungen ist wirklich modern und komfortabel und die Lage zum Stadtzentrum und zur Law School einfach unschlagbar. Allerdings sind die "Kindergartenregeln" nicht jedermanns Sache und ich habe mich über eingeschränkte Besuchszeiten (um 22.30 Uhr müssen Tagesgäste gehen) und montalich stattfindende "Room Inspections" so manches Mal aufgeregt. Wer diese Regeln gar nicht akzeptieren kann und das Leben auf einem steilen Berg nicht scheut (es gibt aber auch Busse), sollte sich beim Wai-Te-Ata Wohnheim bewerben. Dieses ist auch sehr gut ausgestattet, bietet internationales Flair und ein wenig mehr Partymöglichkeiten als das Stafford House.

Wenn ihr euch privat etwas suchen möchtet, so könnt ihr euch in einem der zahlreichen Backpacker (am modernsten und schönsten ist wohl das Nomads Capital in der Wakefield Street) einquartieren und von dort aus die Wohnungssuche beginnen. Jurastudenten sollten sich in Richtung Thorndon orientieren. Das ist einer der ältesten Stadtteile Wellingtons, der gute Einkaufsmöglichkeiten und kurze Wege zur Law School bietet. Ein guter Pub ist auch vorhanden! Der Wohnungsmarkt ist für den Studienbeginn im Februar recht angespannt, im Juni ist es deutlich leichter eine angemessene Unterkunft zu finden.

3. Studieren in Wellington

Das Studium in Wellington hat mir sehr gut gefallen, wobei ich natürlich nur die Studienangebote der Law Faculty beurteilen kann. Ich habe den Masterstudiengang nach der Coursework Methode absolviert, was sich für mich im Nachhinein als die richtige Variante herausgestellt hat. Obwohl ich im Juni begonnen habe, war das Kursangebot meinem Verständnis nach durchaus attraktiv. Das Internship Programm der Uni kann ich leider nur bedingt empfehlen, da einige Praktika wirklich langweilig sind. Lasst euch da nichts andrehen. Das Praktikum bei der EPMU Trade Union war allerdings sehr gut. Wenn ihr schon ein tolles Thema für eine längere Arbeit in der Hinterhand habt, ist auch die LLM by Dissertation and Coursework Variante empfehlenswert. Die Themensuche vor Ort kann sich als sehr schwierig erweisen, so dass man ohne eine vernünftige "Vorabidee" lieber die Master by Coursework Variante wählen sollte.

Allgemein kann ich hier den Tipp geben: arbeitet hart während der Trimester, so dass die Trimesterbreaks zum Reisen zur Verfügung stehen. Schließlich ist man nicht nur wegen des Studiums im Lande. "Hart" arbeiten ist dabei allerdings auch relativ zu verstehen, war doch der Masterstudiengang meiner Ansicht nach niemals so schwierig wie die Vorbereitung auf das deutsche Staatsexamen. Vielleicht klingt das ein wenig arrogant. Aber ich denke auch, dass das einfach an der besseren Betreuung durch die Lecturer liegt. So erhält man doch sehr hilfreiche Tipps und kann sogar Entwürfe zur Korrektur einreichen. Ein weiterer Tipp, der vielleicht noch wichtiger ist: geht regelmäßig zum Student Learning Support Service und lasst dort eure Paper auf Grammatik- und Rechtsschreibfehler kontrollieren. Dieser Service ist wirklich sehr hilfreich und dazu noch kostenlos! Naja, ihr finanziert das durch eure Studiengebühren. In der heißen Trimesterphase habe ich dort jede Woche einmal einen Termin gehabt, was sich wirklich ausgezahlt hat!

3. Leben in Wellington

Das Leben in Wellington ist sehr angenehm! Ich habe es genossen, mit dem Lambdon Quay die Haupteinkaufsstraße unmittelbar vor der Haustür zu haben. Da wird das Souvenirshoppen leicht gemacht. Wenn man in Downtown Wellington lebt, ist man für den Lebensmittelkauf auf einen der insgesamt 4 New World Supermärkte angewiesen. Diese sind leider recht teuer, aber wenn man auf Angebote achtet (das ist deutlich trickreicher als in Deutschland) kann man die Lebensmittelkosten erheblich drücken. Der nächste günstige Pak'n Save Supermarkt ist in Kilbirnie gelegen, was eine halbstündige Busfahrt bedeutet. Nicht jedermanns Sache, um eben ein Toastbrot zu besorgen. Für die Lunchpause habe ich häufig auf Sushi zurückgegriffen. In unmittelbarer Law School Nähe gibt es aber auch ein reichhaltiges Angebot an anderen als japanischen Take-Away-Mahlzeiten. Diese sind deutlich günstiger als in Deutschland.

Kneipen gibt es in Wellington in Hülle und Fülle, das Clubleben war für viele Großstädter allerdings enttäuschend. Ich als Nicht-Großstädter war aber auch damit zufrieden. Solltet ihr unter anderem zum Feiern nach Neuseeland gekommen sein, achtet auf die strengen Alkohol-Spielregeln. Z.B. muss man im Supermarkt häufig eine ID vorzeigen, wobei der deutsche Personalausweis oder Führerschein nicht akzeptiert werden! Und ein Bierchen auf die Hand ist auch nicht zu empfehlen. Wellingtons Innenstadt ist "Liquor Free Zone".

4. Exploring New Zealand

So, last but not least noch ein paar Tips zur Erkundung Neuseelands. Wie schon gesagt, Trimesterferien sind zum Reisen da! Ich habe den ersten Midtermbreak gemeinsam mit drei Freunden zur Erkundung der Nordinsel genutzt. Zwei Wochen haben mir dafür ausgereicht, wobei man natürlich auch leicht mehr Zeit verbringen kann. Die Wahl der Reiseroute ist vollkommen euch überlassen und sollte vielleicht vom Wetter abhängig gemacht werden. Wenn an der East Coast schlechtes Wetter ist, orientiert euch gen Westen, und umgekehrt. Die Wetterunterschiede zwischen East- und Westcoast sind sowohl auf Nord- als auch auf Südinsel oft erheblich.

Ich habe sehr häufig gehört, dass die Südinsel viel schöner als die Nordinsel sein soll, kann mich dieser Aussage aber nicht anschließen. Zwar sind die Abel Tasman Strände im Süden wirklich mal der Hammer, Cathedral Cove auf der Coromandel Peninsula ist aber genauso schön. So denke ich, dass man nicht unbedingt mehr Zeit auf der Südinsel mit Reisen verbringen muss, sondern durchaus eine fifty-fifty Aufteilung zwischen Nord- und Südinsel angebracht ist.

Eine wichtige Frage ist natürlich die Wahl des Transportmittels. Viele internationale Studenten kaufen sich hier in Neuseeland ein Auto. Autos sind billig und reichlich vorhanden, Versicherungen recht günstig und der bürokratische Aufwand kaum der Rede wert. Jedoch sollte man sich mit Autos auskennen, was bei mir leider nicht der Fall war. Mein Auto, das erste eigene überhaupt, hat mitten im Nichts den Geist aufgegeben und konnte auch nicht wieder belebt werden. Also: Augen auf beim Autokauf! Wem das eigene Auto zu heikel ist (denn gerade in Wellington benötigt man kein Auto, und es können sich erhebliche Parkplatzprobleme ergeben), kann auch mit einem Mietwagen die Gegend erkunden. Mieten ist in Neuseeland sehr günstig und es sind reichlich Mietwagenfirmen vorhanden. Gute Erfahrungen habe ich hier mit ACE und Omega Car Rentals gemacht. Wer gern Bus fährt, kann auch auf diese Weise kostengünstig Neuseeland erleben. Allerdings war mir diese Fortbewegungsmöglichkeit nicht flexibel genug.


Soweit zu meinen Erfahrungen aus Wellington. Ich hatte dort eine richtig tolle Zeit und kann jedem nur raten, den Schritt ans andere Ende der Welt zu wagen!

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