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ERFAHRUNGSBERICHT MEINES AUSLANDSSEMESTERS AN DER AUT, NEUSEELAND

Meine vier Monate in Auckland habe ich sehr genossen, doch soll dieser Erfahrungsbericht zukünftigen Studierenden vor allem einen kritischen Einblick in das Auslandsstudium gewähren.

Das Leben in Auckland kann mit dem in vielen europäischen Großstädten verglichen werden. Allerdings hat mir die kulturelle Seite etwas gefehlt, für Theater- und Kunstbegeisterte hat die Stadt meiner Ansicht nach relativ wenig zu bieten. Das Nachtleben kann sich jedoch sehen lassen, vor allem die Bars und Club im Szeneviertel K’Road (Karangahape Road) oder auch in Ponsonby sind sehr zu empfehlen. In Auckland lässt es sich auch gut Shoppen (Newmarket, Queenstreet oder Ponsonby) oder am Wochenende gemütlich über den French Market in Parnell schlendern und anschließend in einem der vielen Cafes einkehren. Sportbegeisterte können sich günstig im Uni Fitnesscenter auspowern oder in der Domain joggen gehen. Tagestouren können auch gut von hier aus gemacht werden. Meine persönlichen Highlights waren: Great Barrier Island, Waiheke Island und Goat Island Marine Reserve.

Der wohl größte Unterschied zum Unileben in Deutschland ist, dass sich der Stress nicht wie bei uns am Ende des Semesters auftürmt, sondern dass man kontinuierlich über das Semester Aufgaben einreichen muss. Ich finde diese Lösung viel besser und konnte mich sehr schnell daran gewöhnen. In Neuseeland klopft man übrigens auch nicht wie bei uns nach einer Vorlesung. Im Ganzen läuft alles sehr viel lockerer ab als bei uns. Ich wurde in Deutschland schon oft wie ein Schwerverbrecher behandelt, wenn ich zwei Tage zu spät ein Buch in die Bibliothek brachte. Als ich hier nach zweitägiger Verspätung mein Portemonnaie herausholen wollte, winkte der freundliche Mitarbeiter nur ab und meinte, es sind doch nur zwei Tage, ich bräuchte nichts zu zahlen. Auch was die Abgabetermine von Hausarbeiten angeht, nimmt man es hierzulande nicht so genau. Trotzdem sollte man versuchen, alles rechtzeitig zu erledigen und bei etwaiger Verspätung eine Email an den Dozenten schreiben. Die Größe von Seminaren und Vorlesungen ist natürlich immer abhängig vom Studiengang, tendenziell sind die Veranstaltungen jedoch kleiner als bei uns.

Der Kiwi Lifestyle ist wie schon erwähnt, sehr gelassen und man gewöhnt sich schnell an die relaxte Lebensweise und weiß, „es wird schon werden“. Die Kiwis sind insgesamt sehr hilfsbereit, offen und immer bereit zu feiern (gerne lange und ausgelassen). Allerdings kann Auckland nicht als Beispiel des Kiwi Lifestyles angesehen werden. Nach meiner Ankunft hatte ich die erste Zeit das Gefühl in Hongkong oder Shanghai gelandet zu sein, das Stadtbild ist eindeutig von Asiaten geprägt. Demzufolge gibt es für Sushi- oder Thaifood-Fanatiker auch viele leckere und günstige Möglichkeiten zum Essen. Doch nicht nur die vielen Asiaten, sondern auch Aucklands Größe und die damit verbundene Geschäftigkeit sind eher untypisch für Neuseeland sonst eher Ruhe und Naturbelassenheit.

Kulturelle Unterschiede gibt es eigentlich kaum welche. Ich würde Neuseeland als sehr europäisch bezeichnen. Anfänglich müssen wir Deutschen uns vielleicht an das ständige „How are you?“ gewöhnen, was keine Frage nach der tatsächlichen Befindlichkeit, sondern vielmehr eine Begrüßungsfloskel ist. Wie oben schon erwähnt, sind die Neuseeländer ein sehr feierfreudiges Volk und manche Zusammenkünfte enden in regelrechten Besäufnissen. Das gilt leider nicht nur für die Studenten, sondern auch ältere Generationen trinken gerne mal einen über den Durst.

Die Ausstattung der Uni ist vergleichbar mit deutschen Hochschulen, wobei die zwei Bibliotheken sehr modern sind und jede Menge Computer haben. Das Internet in der Bibliothek ist übrigens sehr günstig. Auch stehen zahlreiche Gruppenarbeitsräume zur Verfügung, diese muss man allerdings im Voraus buchen. Die Lage der Uni ist sehr zentral wenn man am Hauptcampus studiert. Dieser befindet sich unmittelbar an der Queenstreet, Aucklands größter Shoppingmeile. Der andere Campus (Akoranga) liegt etwa weiter außerhalb, ist aber mit dem AUT Shuttlebus zu erreichen. Tickets gibt’s in Bennet’s Bookshop auf dem Campus zu kaufen. Eine Fahrt kostet $2 und dauert ca. 15 Minuten.

Das akademische Angebot ist natürlich abhängig vom Studiengang. Ich als Lehramtstudentin mit den Fächern Deutsch und Englisch hatte eine eher geringe Auswahl, da hier vor allem Waldorf und Montessori Pädagogik angeboten wird. Aus diesem Grunde habe ich größtenteils Englischkurse studiert und muss sagen, dass in den von mir belegten Kursen das Niveau sehr niedrig war. Viele der Studierenden konnten nur gebrochen Englisch sprechen, so dass Diskussionen kaum zu Stande kamen und man viel zu viel Zeit mit den einfachsten Dingen verbrachte.

Am Campusleben könnten sich deutsche Unis ein Beispiel nehmen! Vespas, die Bar direkt auf dem Campus veranstaltet regelmäßig Konzerte (The Black Seeds, Katchafire, Concorde of Dawn…), die für AUT Studenten kostenlos sind. Außerdem gibt es hier regelmäßig Veranstaltungen wie Comedy-Abende oder Quiznights die sich immer lohnen. Eine Mensa gibt es zwar nicht, dafür gibt es günstige Take-Away Läden direkt auf dem Campus und in der Umgebung.

Must sees/dos vor Ort werden bei der Einführungsveranstaltung verkündet und können dort auch gleich gebucht werden. Beliebt sind Bungeejumping und ein Maori-Wochenende.

Die Wohnungssuche in Auckland ist einfacher als in vielen deutschen Großstädten. Wer sich nicht stressen möchte und zentral wohnen will, kann sich im Studentenwohnheim (Wellesley Student Apartments) einmieten. Die Zimmer sind hier jedoch relativ teuer (ab $170 pro Woche), die Ausstattung ist jedoch gut. Man wohnt in 5er Apartments und teilt sich mit seinen Mitbewohnern eine große Wohnküche. Wer doch nach einer WG oder Wohnung sucht sollte in Vierteln wie Ponsonby, K’Road oder Parnell gucken. Hier ist es echt schön.

Persönliche Erfahrungen habe ich viele gemacht und ich würde jedem ein Auslandssemester empfehlen. Ich habe nur festgestellt, dass sich der Großteil der Deutschen zu einer Clique zusammen gefunden hat und habe mich gleich am Anfang davon abgesetzt, da ich es sinnlos finde in ein fremdes Land zu fahren und dann doch mit meinen Landsleuten die meiste Zeit zu verbringen. Vom International Office werden zwar fortwährend Veranstaltungen wie Partys oder Lunches angeboten, ich bin jedoch nie dort hingegangen, da man da eh auf viele Deutsche trifft. Die erste Zeit war ich zwar etwas einsam, aber bald habe ich über meine Kiwi Mitbewohner eine Menge netter Leute kennen gelernt. Wer nach Neuseeland fährt um sein Englisch aufzubessern möchte, dem kann ich nur den gleichen Rat erteilen.

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