In alter Tradition – Graduation Ceremonies Down Under

Nach einem erfolgreichen Studienabschluss findet das Studium sein offizielles Ende im Rahmen der Abschlussfeier, die sogenannte Graduation Ceremony. Viele unserer Studierender verbringen nicht nur ein Auslandssemester an der australischen Universität, sondern entscheiden sich für ein komplettes Studium Down Under. Wie läuft so eine Zeremonie eigentlich ab? Unser Stipendiat Markus hat uns von seiner Abschlussfeier an der University of Queensland berichtet.

Graduation Ceremony in Australien

Semesterschluss in Australien

Nach den offiziellen Fotos geht es für die Hochschulabsolventen in den Festsaal. Sie müssen schon früh da sein, da Sie sich in einer bestimmten Reihenfolge aufstellen müssen. Zuerst werden die frisch gebackenen Doktoranden den Festsaal betreten. Man erkennt sie an den runden feierlichen Samthüten und schwarzroten Umhängen. Die Masterstudenten ziehen mit ihren schwarz-blauen Umhängen als zweites ein. Die Bachelorstudenten sind als letzte dran, ihre Kleidung ist schwarz-weiß.

Tatsächlich hat sich die feierliche Kleidung übrigens aus einer mittelalterlichen Tradition heraus entwickelt, die ihre Anfänge im Europa des 12. Jahrhunderts fand. Damals gehörten Studenten und Professoren meist dem Klerus an, und akademische Gewänder waren deshalb kirchlichen Traditionen angepasst. Die offizielle Kleidung wurde an den Universitäten auch dann beibehalten, als die Kirche diese Tradition schon längst nicht mehr lebte.

Während sich die Studenten der Reihe nach aufstellen, warten Familien und Freunde vor dem Festsaal. Man sieht viele Gesichter von feierlich gekleideten Menschen aus aller Welt, Eltern internationaler Studenten, die extra zur Abschlussfeier angereist sind. Für Familien, die den weiten Weg nach Australien nicht auf sich nehmen konnten, gab es sogar eine Live-Übertragung im Internet.

Nachdem es sich alle Familien und Freunde im Saal bequem gemacht haben, ziehen die Studenten feierlich ein. Dabei wird jeder einzelne von einer Kamera aufgenommen und im Saal live übertragen. Die Studenten winken in die Kamera, lachen und werfen Kusshände. Man merkt, dass es ein ganz besonderer Tag für sie ist. Für deutsche Studenten sicher ungewohnt, ist der sehr traditionelle und formelle Charakter der Zeremonie. Als die offiziellen Vertreter der UQ in festlichen Roben in den Saal einziehen, werden alle Gäste gebeten, sich von ihren Sitzen zu erheben. Normalerweise ist der Umgang mit den Professoren an australischen Unis sehr locker, man duzt sich und redet seine Dozenten mit dem Vornamen an. Aber die Graduation Ceremony ist eben kein gewöhnlicher Tag.

Nach einigen kurzen Ansprachen und Glückwünschen kommt der Moment, auf den alle schon mit Spannung gewartet haben: die feierliche Zeugnisübergabe. Die Absolventen stellen sich der Reihe nach auf und werden nach vorne gebeten, jeder hält in seiner Hand einen Zettel mit seinem/ihrem Namen bereit, der dann laut vorgelesen wird. Unter Applaus und lauten Rufen aus dem Publikum wird den Studenten dann die Zeugnisrolle überreicht. Was viele Gäste nicht wissen, ist, dass diese Rolle leer ist und die Studenten ihr Zeugnis draußen vor der Halle überreicht bekommen. Bei so vielen Absolventen könnte es wohl sonst schnell passieren, dass jemand die falsche Urkunde in die Hand gedrückt bekommt.

Nach weiteren Reden und Glückwünschen ist bald das Ende der Gradutation Ceremony gekommen. Aus den Lautsprecherboxen ertönt das lateinische Lied „Gaudeamos igitur“ und die offiziellen Vertreter der Universität ziehen aus dem Saal, gefolgt von einer Schar fröhlicher Studenten. Draußen gibt es ein Riesengedränge, denn nun ist der informelle Teil der Feier gekommen, und alle machen sich auf den Weg zum Sektempfang im Getränkezelt. „Es war eine sehr feierliche Zeremonie“, erzählt Markus, „ich bin froh, dass ich daran teilgenommen habe.“ Seinen Master hat er in Australien gemacht, weil der fünfte Kontinent sehr nah am asiatische Raum liegt und da, so Markus, „liegt die Zukunftswelt der Wirtschaft.“