UNSW: Google Duplex ist mit Vorsicht zu genießen

Die Vorstellung der neuen künstlichen Intelligenz „Duplex" von Google war unterhaltsam, führt jedoch zwangsläufig zu der wichtigen Frage, ob ein Recht darauf besteht, zu wissen, ob man mit einer Maschine kommuniziert oder einem Menschen. Professor Abbass von der UNSW stellt Duplex kurz vor und wirft einen Blick auf die Zukunft der künstlichen Intelligenz.

Google Duplex

Künstliche Intelligenz - Google Duplex kann künftig den Friseurtermin vereinbaren

Google hat uns mit der Vorstellung des neuen künstlichen Intelligenz-Systems „Google Duplex" überrascht. Anders als Siri, Alexa oder weitere künstliche Intelligenzen, kommuniziert Google Duplex wie ein Mensch und überzeugt damit. Darüber hinaus soll die künstliche Intelligenz Telefonanrufe für den Besitzer tätigen können und somit einen Tisch im Restaurant reservieren oder einen Termin beim Friseur ausmachen können.  

„Ich finde Google Duplex ist eine tolle Technologie," so Professor Hussein Abbass, der UNSW Canberra Experte für künstliche Intelligenz. „Ich möchte künftig keine Zeit mehr für solche Anrufe verschwenden." Eine Unterhaltung mit Duplex ist fließend und von „hms" und „mhmms" geprägt, um die menschliche Konversation bestmöglich nachzustellen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Person am anderen Ende des Hörers nicht mitbekommt, dass es sich bei ihrem Gesprächspartner um eine Maschine handelt. Für viele liegt hierin ein ethisches Problem: Sollte Duplex sich als Roboter vorstellen? Laut Professor Abbass ja.  

„Es liegt auf der Hand, dass Duplex sich vorstellen muss. Im Videobeitrag sagt Duplex, dass es im Namen der Auftraggeber anruft. Die Person am anderen Ende der Leitung hat Duplex nie dazu aufgefordert sich auszuweisen. Wenn Duplex einen menschlichen Namen benutzt, um menschliches Vertrauen zu gewinnen, dann liegt hier offensichtlich ein Betrug vor, und die künstliche Intelligenz nutzt unethische Mittel. Wenn die künstliche Intelligenz Duplex sich als solche zu erkennen gibt, dann ist es die Entscheidung des Gesprächspartners, ob er unter diesen Voraussetzungen das Gespräch fortsetzen möchte oder nicht."

  Professor Abbass sagt, dass die künstliche Intelligenz Duplex Menschenstimmen und ihre Klangfarben sammelt, um die eigene Stimme zu trainieren. Duplex klingt deshalb wie die Synthese aus einer oder mehreren Menschenstimmen. „Die Menschen müssen sich darüber bewusst sein, wie ihre Daten genutzt werden. Ausserdem müssen sie explizit ihre Zustimmung zur Datensammlung und dem damit verbundenen Nutzungsvorhaben geben."  

Wenn Duplex also unsere Friseurtermine ausmachen kann, können wir uns auch darauf verlassen, dass die künstliche Intelligenz unsere Notrufe tätigen kann? Laut Professor Abbass gibt es Dinge, die dafür und dagegen sprechen. „Ein Fahrassistent im Auto könnte den Notruf wählen, wenn es zu einem Unfall kommt und somit eine lebensrettende Funktion haben. Wenn es jedoch zweckentfremdet und missbraucht wird, könnte das Ganze sogar illegal werden."  

Laut Professor Abbass hat die Technologie noch einen weiten Weg vor sich, bevor sie dazu in der Lage ist, längere menschliche Diskussionen zu überstehen. „Nichtsdestotrotz ist diese Form der Technologie ein exzellentes Beispiel dafür, warum neue Technologien ethisch vertretbar handeln müssen. Falls ein Mensch den Assistenten darum bittet, einen unangebrachten Anruf zu tätigen, sollte die künstliche Intelligenz Duplex den Anruf verweigern."