Townsville und die Umgebung hat sehr viel zu bieten

Maike Holland | FH Aachen


Wo
James Cook University

Zeitraum
2015

Was
International Management (Project Management, Integrated Marketing Communications und Managing People)

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.12.2015

Diese fünf Monate waren eine tolle Erfahrung

Mein Auslandssemster habe ich in der Study Period 2 (in Australien von Juli bis Anfang Dezember) an dem Campus der James Cook University in Townsville absolviert. In meinem Erfahrungsbericht werde ich erläutern, wie ich zu meiner Entscheidung gekommen bin, an die JCU zu gehen, wie ich mich vorbereitet habe, was mich erwartet hat und was ich gelernt habe.

Vorbereitungen und Anreise / Finanzierung

Zunächst einmal zu mir selbst. Ich studiere International Management, mein 6. Semester war mein Auslandssemester und ich habe nicht lange gezögert die Entscheidung zu treffen nach Australien zu gehen. Damit war der Startpunkt zu meinem eigenen kleinen Projekt Study Abroad gegeben. Doch welche Universität passt am besten zu mir, welche Stadt entspricht meinen Vorstellungen, wo werden welche Fächer angeboten und wie teuer ist das eigentlich alles?

Dazu kann ich nur empfehlen zu überlegen, welche Punkte einem wichtig sind. Da ich durch mein duales Studium leider nur schwer an Stipendien komme, habe ich den Punkt Kosten in meine Liste aufgenommen, außerdem die Größe der Uni. Für mich war es wichtig, nicht an einer völlig überlaufenen Universität zu studieren. Daher auch die Entscheidung, nicht nach Sydney oder Melbourne zu gehen. Hinzu kommt, dass in den großen Städten die Mieten und Lebenshaltungskosten höher sind, als in den kleineren Städten. Auch wichtig sind die Kurse, die belegt werden. Diese müssen zum einen zu dem eigenen Studienplan passen, dann noch anerkannt werden und natürlich die persönlichen Präferenzen erfüllen. Da die Auswahl dann leider immer noch zu groß war, habe ich ganz dekadent den Punkt hinzugefügt, welche Uni möglichst nah am Strand ist. Das war für mich vorher undenkbar! 

Bei meiner Entscheidung habe ich zusätzlich das Institut Ranke-Heinemann (IRH) zur Hilfe gezogen. Gemeinsam haben wir uns für zwei Universitäten entschieden, die in mein Profil passen – die James Cook University in Townsville und die Murdoch University in Perth. Nachdem ich mich für meine erste Wahl Townsville entschieden habe, begann der Bewerbungsprozess mit Hilfe des IRH. Dies ging sehr schnell und reibungslos, da die Organisation durch das Institut übernommen wurde. Lediglich mein Formular für die Anerkennung der Kurse musste ich an meiner Heimatuniversität abgeben.

Knapp zehn Tage später bekam ich meine Bestätigung – mir wurde ein Study Abroad Platz an der JCU in Townsville angeboten! Ein weiteres Formular und die Auswahl meiner Fächer stand fest: Project Management, Integrated Marketing Communications und Managing People. Pro Kurs werden drei australische Credits angerechnet. Neun Credits ergeben in deutschen ECTS dann 22,5 Punkte. Die Studiengebühren sind an der JCU etwas geringer als an anderen australischen Universitäten, jedoch ist der hohe Betrag auf einmal zu zahlen, doch dafür hat man bis zu Beginn des Semesters Zeit. Weitere Kosten kommen danach noch auf einen zu, wenn man sogenannte Field-Trips in Kursen hat. Das bezieht sich jedoch eher auf die naturwissenschaftlichen Studiengänge. Außerdem wird von den Tutoren, Professoren oder Dozenten empfohlen, die sogenannten Textbooks zu kaufen. In meinen Kursen war es so, dass die gesamte Vorlesung, sowie der Workshop in Managing People aus Power Point Präsentationen bestanden, die als Grundlage das entsprechende Textbook hat. Für mich hat sich der Kauf nur für ein Buch gelohnt, dennoch habe ich mich sicherheitshalber dazu entschieden, für jedes Fach das Buch zu kaufen, denn Ende des Semesteres lassen sich die meisten Bücher schnell über Facebook oder den Uni-internen Bookshop verkaufen. Doch welche Bücher benötigt werden, sollte man erst nach den ersten Vorlesungen herausfinden und auch entscheiden, da nicht immer ein Buch nötig ist, auch wenn es empfohlen wird.

Nicht zu vergessen ist außerdem das Visum, das online beantragt werden muss. Für das Visum muss die Confirmation of Enrollment (die endgültige Bestätigung, dass der angebotene Studienplatz angetreten wird) vorliegen. Mit ein paar Klicks (auch hier hilft das IRH) wird dies schnell beantragt und muss dann auch direkt bezahlt werden (ca. 533 Australische Dollar für das Studentenvisum, welches für 6 Monate gilt). Als Bestätigung bekommt man dann eine Mail und leider keinen besonders großen Stempel bei der Einreise im Reisepass.

Dann steht auch schon die nächste Frage offen – die Unterkunft. Dabei ist zu entscheiden, ob man on-campus oder off-campus leben möchte. Ich habe mich aus Kostengründen schnell dazu entschieden off-campus zu leben, da on-campus teurer ist. Beliebte Stadtteile in Townsville für Studenten sind Douglas, das sehr nah an der Uni ist, Annandale und mein Lieblingsstadtteil – Aitkenvale. Von dort aus sind es etwa drei Kilometer mit dem Fahrrad zur Uni. Die größte Mall der Stadt liegt auch dort, sodass jegliche Einkäufe schnell erledigt werden können. Daher braucht man für die gerade genannten Bezirke kein Auto, ein Fahrrad, welches man im Uni-Bike-Shop für nur 50$ kaufen (und später für 20$ dort auch wieder verkaufen kann), reicht vollkommen aus. Hilfreich für die Suche der sogenannten Share-Houses sind zum einen Seiten auf Facebook, aber auch Easyroommates.com.au oder JCU Accomodation. Die meisten Studenten, die ich kennen gelernt habe, haben sich erst vor Ort für ein Haus entschieden, da man dann die Gesamtsituation besser einschätzen kann. Ich habe mich ebenfalls vor Ort erkundigt und mich dann für ein Haus entschieden, bin dann aber nach fünf Wochen doch noch einmal umgezogen. Dort habe ich weniger als zuvor gezahlt und hatte sogar einen kleinen Pool im Garten! Die perfekte Unterkunft!

Falls man sich für die On-Campus-Variante entscheidet, steht die JCU unterstützend zur Verfügung. Der Flughafen ist nicht weit entfernt und wenn man sich ein Taxi teilt, ist das kostentechnisch auch zu lösen.

Bis dahin schien alles sehr einfach, dann begann die wilde Packerei. Weniger ist mehr, das hat sicher jeder schon einmal gehört und ist einfach komplett richtig. Townsville ist auch im Winter nicht besonders kalt (ca. 24 Grad, ein Witz dass das Wort Winter dort überhaupt existiert). Meiner Meinung nach gibt es keine perfekte Packliste, alles was man vergessen kann, wird einfach vor Ort gekauft.

Studium (Ablauf)

Endlich in meinen eigenen vier Wänden angekommen, begann schon ein paar Tage später die Orientation-Week. Auch hier empfehle ich, möglichst viel mitzunehmen! Die JCU bietet sehr oft kostenlose BBQs an, sowie kostenlose Pizza oder Vergünstigungen für das nahe gelegene Billabong Sanctuary (sehr zu empfehlen!) oder das Reef HQ in der Stadt. Da Townsville sehr von Studenten belagert ist (und das meine ich positiv) ist es immer ganz nett überall bekannte Gesichter wiederzusehen, sodass man sich auch am anderen Ende der Welt nicht einsam vorkommt.

Nachdem die Orientation Week vorbei war, haben auch direkt die ersten Vorlesungen angefangen, ganz im australischen Stil. Meine erste Vorlesung für Integrated Marketing Communications wurde im Freien gehalten, da es im Raum wegen Bauarbeiten zu laut war. Und das im Winter!

Die Vorlesungen ähneln denen in Deutschland - es gibt Power Point Präsentationen, die vorgetragen werden. Ergänzt werden diese durch die eben schon angesprochenen Textbooks. Die Prüfungen sind jedoch anders aufgebaut. Es gibt regelmäßige Überprüfungen, in meinen Fächern hatte ich sogenannte Mid-Term Tests, sogar online. Dabei durfte ich zu Hause mit meinem Textbook und mit Hilfe des Internets die Fragen unter Zeitdruck beantworten. Klingt einfach, aber die Fragen sind dann doch heikel gestellt. Zudem hatte ich in jedem meiner Fächer eine Gruppen-Hausarbeit, doch auch das hat bei meinen Gruppen reibungslos geklappt. In Deutschland hatte ich nie Workshops, was vermutlich an meinem Studiengang liegt. In Australien hat sich das dann geändert. Ich hatte einen Workshop in Managing People, wo regelmäßig Fragen zu der Vorlesung gestellt wurden und Diskussionsgruppen entstanden. In Project Management hatte ich einen Computer-Workshop. Die Aufgabe mit meiner Gruppe, bestehend aus vier Leuten war, ein Projekt zu erstellen und mit Hilfe eines Systems darzustellen. Dazu wurde sich regelmäßig in den Computerräumen getroffen. Ein weiteres Prüfungstool war die übliche Präsentation und natürlich finale Exams, die zwar auch offene Fragen haben, aber auch Multiple-Choice.

Kurz vor den abschließenden Prüfungen gibt es den sogenannten Lecture Recess für eine Woche, in der man genug Zeit hat sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Oder wie es der internationale Student macht – ein bisschen die Region zu erkunden.

Die JCU selbst hat mir sehr gut gefallen. Der Campus ist sehr natürlich, überall sieht man Bush-Turkeys herumlaufen und Wallabies werden auch schnell zum alltäglichen Bild. Mit knapp 1.300 internationalen Studenten ist die JCU mutlikulturell aufgestellt. Der Campus ist sehr gut ausgestattet und auch die Materialien, die während der Vorlesungen genutzt werden sind modern. In der Library auf dem Campus kann sich so gut wie jedes Textbook ausgeliehen werden und falls es einem in der Bibliothek zu kalt wird, gibt es überall auf dem Campus verteilt schöne Sitzgelegenheiten. Für den kleinen Hunger zwischendurch sorgt das Campusleben auch. Kleine Shops mit Sushi, Wraps, Pommes oder Burgern halten die Studenten erfolgreich vom Lernen ab.

Oft wurde ich gefragt, warum denn Townsville, da sei doch nichts. Aber das ist komplett falsch. Townsville ist möglicherweise nicht die größte Touristenstadt, aber als Studentin war ich auch nicht auf der Suche nach den besten Touri-Shops. Townsville und die Umgebung hat sehr viel zu bieten. In der Stadt selbst gibt Attraktionen wie das Reef HQ, den Rockpool, den Strand, den Fluss, drei öffentliche Pools direkt am Fluss (Riverway), mitten in der Stadt den Castle Hill und ein wenig abseits den Mount Stuart, die beide einen wunderschönen Ausblick über Townsville geben. Falls man Zugriff auf ein Auto bekommt, kann man in relativ kurzer Zeit unterschiedliche Attraktionen besuchen, wie den Alligator Creek, Crystal Creek oder die Jourama Falls. Mit ein bisschen mehr Zeit ist man außerdem schnell in Airlie Beach, welches südlich von Townsville liegt und der Startpunkt für Touren zu den Whitsundays ist. Außerdem kann man in wenigen Stunden nach Cairns fahren und auf dem Weg den Daintree und Mission Beach bewundern. Nicht zu vergessen ist Magnetic Island – direkt vor Townsville fährt die Fähre zu einer Insel mit einer unglaublichen Artenvielfalt an Tieren! Direkt auf der Insel laufen einem Wallabies entgegen, die scheinbar nur auf Aufmerksamkeit warten! Wenn man die Insel ein wenig erkundet, kann man frei lebende Koalas sehen. Außerdem gibt es auch hier wunderschöne Strände und Buchten.

Falls man am Nachtleben interessiert ist, bietet sich die Flinders Street an. Hier ist definitiv ein Sammelpunkt der Studenten – es sei denn es gibt Prüfungen, dann ist die gesamte Stadt schnell leer. Außerdem gibt es monatlich eine Full-Moon Party auf Magnetic Island, die auch sehr beliebt ist.

Insgesamt ist zu sagen, dass diese fünf Monate eine tolle Erfahrung für mich waren. Ich denke ein Erfahrungsbericht oder jede Geschichte, die man erzählt, bringt immer nur einen kleinen Teil dar, was man wirklich erlebt hat. Ich habe mich in Townsville immer sehr wohl gefühlt, was unter anderem an der Uni liegt, aber auch an den Menschen, die ich dort kennen lernen durfte.

 

 

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