Tipps für euer Australien-Erlebnis
Tauchgang

Maximilian Ernst | Student an der TU Braunschweig


Was
Introduction to Robotics; Digital Signals and Image Processing; Modern Control

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.12.2017

Besonders am Anfang der Planungsphase sind Tipps Gold wert

Port Douglas nördlich von Cairns

Einleitung

Früh aufstehen lautet die Devise, wenn man in Australien reisen möchte, denn die Sonne geht schon früh unter. Doch diesmal fiel es nicht sehr schwer, das Zelt zu verlassen. Denn beim Frühstück kamen zwei bunt gefiederte Freunde, die auch etwas mitessen wollten. Ganz ohne Furcht setzen sie sich die Papageien auf die Schulter und genossen die Brotstücke aus der Hand. Wir sind auf einem Campingplatz auf Magnetic Island.

Gestern haben wir beim Schnorcheln einen Hai gesehen und heute geht es weiter südlich in Richtung Whiteheaven Beach. Die Planung für diesen Auslandsaufenthalt hat ca. neun Monate vorher begonnen. Aber die Sehnsucht ein Semester im Ausland zu verbringen hatte ich schon lange.

Als ich mein Studium begonnen habe und immer wieder davon gehört habe, dass Studierende ins Ausland gegangen sind, habe ich mich entschlossen, diese Erfahrung auch zu machen. Ich entschied mich letztendlich für Australien, weil es eine überaus interessante Flora und Fauna zu bieten hat, die man bei Reisen entdecken kann. Zudem ist Australien beinahe schon eine Art Treffpunkt der jungen Leute aus aller Welt geworden. Von überall her kommen sie nach Down Under, sodass man hier sehr viele internationale Bekanntschaften knüpfen kann.

Ich studiere Elektrotechnik in Braunschweig und habe mich deshalb nach technischen Universitäten umgehört. Die QUT bietet Fächer an, die ich mir an meiner Heimuniversität anrechnen lassen kann und die Mietpreise in Brisbane drücken nicht so heftig auf die Geldbörse, wie in den anderen australischen Metropolen. Deshalb habe ich mich für die Queensland University of Technology entschieden. Dieser Bericht soll einen kleinen Eindruck geben, was ich bei meinem Aufenthalt im Ausland alles erlebt habe und auch ein paar Tipps für die Organisation eines Auslandssemesters an der QUT geben. Denn ich denke besonders am Anfang der Planungsphase sind Tipps Gold wert.

Vorbereitung

In der Vorbereitungsphase muss man sich erstmal dem Papierkram stellen. Aber man findet sehr viel Unterstützung bei den Behörden und Organisationen, an die man sich wenden muss. Ein kleines Hindernis ist allerdings der sehr frühe Semesterstart an den australischen Universitäten. Dort beginnt die Vorlesungszeit im Winter schon Ende Juli, wenn an deutschen Universitäten noch lange Klausuren geschrieben werden. Deshalb habe ich in dem Semester nur die Bachelorarbeit geschrieben und hatte deshalb schon etwas früher Zeit.

Immatrikulation

Das Institut Ranke-Heinemann hat mir sehr bei meiner Immatrikulation an der Uni geholfen. Aber auch bei anderen Fragen zum Auslandssemester war ihre Förderung sehr wertvoll. Voraussetzung für ein Study Abroad Semester an der QUT ist ein Englischnachweis und ein einigermaßen guter Notendurchschnitt. Wenn man in der Oberstufe Englisch mit einer guten Note abgeschlossen hat, und man das Abitur nicht vor zu langer Zeit erhalten hat, reicht dies als Englischnachweis aus.

Stipendium

Der DAAD (deutscher akademischer Austausch- Dienst) vergibt zurzeit nur noch Jahresstipendien. Eine Bewerbung dort ist also nur sinnvoll, wenn man zwei Semester im Ausland studieren möchte. Das PROMOS Stipendium wird von den Universitäten vergeben und ist auch für Bewerber geeignet, die nur ein Semester im Ausland bleiben. Die Bewerbung dort lohnt sich auch, wenn man keine Eins vor dem Komma hat. Jeder Studienaufenthalt in Australien wird finanziell unterstützt durch die Studienbeihilfe des Institut Ranke-Heinemann.

Visum und Bank

Das zweite Semester an der QUT beginnt im Juli und endet im November. An meiner Heimuniversität beginnt dann das nächste Semester erst Anfang April. Daher hatte ich nach dem Semester an der QUT sehr viel Zeit, die ich gerne nutzen wollte, um einen Work und Holiday Aufenthalt anzuhängen. Deshalb habe ich mich für ein Work and Holiday -Visum entschieden. Die QUT akzeptiert ein solches für die Immatrikulation. Aber Achtung das macht nicht jede Universität! Die Beantragung des Visums ist ganz einfach über das Internet möglich. Das Visum erhält man dann nach einigen Tagen (bei mir war es sogar nur einer). Es empfiehlt sich, schon ein Bankkonto zu eröffnen, wenn man noch Zuhause ist. Auf dieses Konto kann man dann schon Geld überweisen und es sofort nutzen, nachdem man in Australien in einer Filiale seinen Reisepass vorgezeigt hat. Eine Internationale Überweisung, bei der man in eine andere Währung umtauscht ist nicht ganz so einfach. Ich empfehle dafür TransferWise.

Kurswahl

Die QUT ist international bekannt im dem Bereich der Robotik. Daher bieten sie auch sehr viele Module an, die man diesem Bereich zuordnen kann. Es ist nicht ganz einfach sich für ein Modul zu entscheiden, da die bereitgestellten Informationen über die Module recht spärlich sind. Letztendlich habe ich mich für „Introduction to Robotics“, „Modern Control“ und „Digital Signals and Image Processing“ entschieden. Diese Fächer konnte ich mir an meiner Heimuniversität anrechnen lassen. Für 12 Cp (QUT) bekommt man 7,5 ECTS.

Ankunft in Australien

Die QUT bietet einen Abholservice vom Flughafen an, sodass man sich ein teures Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel sparen kann. Man wird dann direkt zur vorher angegeben Unterkunft gebracht. Anmelden kann man sich im Internet und der Service ist kostenlos.

Wohnung

Während meiner Vorbereitungszeit hat man mir geraten, erst auf Wohnungssuche zu gehen, wenn man in Australien angekommen ist. Das hat den Vorteil, dass man sich das Zimmer anschauen kann und nicht eine böse Überraschung erlebt, wenn man ankommt. Obwohl mir etwas mulmig dabei war, loszufliegen, ohne ein Zimmer zu haben, habe ich mich erstmal nur ein Hostelbett gebucht.

Als ich angekommen war, habe ich mich dann sofort auf die Suche nach einem Zimmer gemacht. Auf den Internetseiten flatmates.com.au und gumtree.com.au spielt sich der Wohnungsmarkt ab. Gerade zu Beginn des Semesters ist die Auswahl nicht so groß aber es ist auch nicht unmöglich ein Zimmer zu finden. Der Durchschnittspreis für ein Studentenzimmer in einer WG liegt bei $ 200 pro Woche. Ich habe ein Zimmer in West End gefunden, mit dem ich sehr zufrieden war. Die Uni ist mit dem Fahrrad ca. 17 min entfernt und es gibt zahlreiche Läden und Bars in der Gegend.

Transport und Handy

In Brisbane gibt es Stationen, an dem man sich Fahrräder ausleihen kann. Dies ist eine sehr flexible und billige Transportmöglichkeit. Aber auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind sehr gut und als Student zahlt man nur die Hälfte.

Bei der Auswahl des Mobilfunkanbieters sollte man in Betracht ziehen, dass die Netzabdeckung außerhalb der Stadt schnell sehr dünn wird. Wenn man dann noch die besten Chancen auf ein Netz haben möchte, dann sollte man sich für Telstra entscheiden. Besonders, wenn man einen Notfall hat, ist das lebensrettend. Man kann sich sehr einfach eine Sim-Karte in einem Shop kaufen und dann für $ 30 eine Telefonflatrate mit 3 Gigabyte Datenvolumen kaufen.

Das Leben in Brisbane

Die Stadt ist mit ihrem Fluss und den Wolkenkratzern schon sehr beeindruckend. Besonders die Gegend South Bank ist sehr schön. Dort gibt es kostenlose Bademöglichkeiten und schöne Parkanlagen.

Universitätsleben

Als Ingenieursstudent hat man seine Vorlesungen am Gardens Point Campus. Er liegt in einer Flussbiegung und grenzt an den botanischen Garten und an die Innenstadt. Die Lage kann wohl nicht besser sein.

Die Module sind in meist drei Veranstaltungen geteilt. Die Vorlesung, ein Tutorial und einen Labor oder praktischen Teil. Das Tutorial soll auf die Prüfung vorbereiten, die meistens die Hälfte der Gesamtnote ausmacht. Die andere Hälfte besteht aus praktischer Arbeit und Berichten. Das ist wohl der größte Unterschied zu deutschen Universitäten. Bei den praktischen Aufgaben, die ich erhielt, musste ich in einer Gruppe z.B. einen Roboter bauen, der auf zwei Rädern balanciert (Stichwort inverses Pendel). Des Weiteren ein Computerprogramm, dass Garfield in einem Bild von Garfieldcomics findet. Diese Aufgaben haben wirklich sehr viel Spaß gemacht und waren eine gute Vervollständigung zu den trockenen Vorlesungen. Die Veranstaltung: „Introduction to Robotics" war recht interessant und hat ein breites Feld im Bezug auf Robotik abgedeckt. „Modern Control“ deckt erweiterte Methoden der Regelungstechnik ab und hat mir am meisten Spaß gemacht. Allerdings ist dieses Modul gegenüber dem Ersten etwas schwieriger. Das letzte Modul hat leider etwas mehr versprochen, als letztendlich umgesetzt wurde aber dennoch eine hörenswerte Vorlesung.

Clubs

An der QUT gibt es zahlreiche Studentenorganisationen (sogenannte Clubs), denen man beitreten kann. Viele Sportarten aber auch Studiums bezogene Clubs sind vorhanden. Ich habe mich für Tennis entschieden und habe daher jede Woche mit einer kleinen Anfängergruppe Tennisstunden erhalten. Dies ist eine hervorragende Möglichkeit, um Freunde zu finden. Wichtig ist, dass man sich schnell entscheidet, denn die beliebten Clubs, wie z.B. Surfen sind sehr schnell voll.

Freizeitaktivitäten

Wie schon erwähnt, gab es zahlreiche Bars in der Umgebung meines Hauses und auch auf dem Campus ist eine Studentenbar. Es gibt also zahlreiche Möglichkeiten sich ins Nachtleben zu stürzten und so manch eine Bar hat sogar Live Musik an jedem Abend. Brisbane hat aber auch vieles andere zu bieten, wie zahlreiche Food Markets, an denen man Essen aus der ganzen Welt kennenlernen kann. Wenn man nach Strand und Sonne sucht, so ist das bekannte Surfers Paradise nicht weit und man kann dort immer wieder mal ein Wochenende verbringen.

Reisen

Mitten im Semester gab es eine Woche frei, die ich mit drei anderen Kommilitonen ausgiebig genutzt habe. Wir sind in den Norden nach Cairns geflogen und haben uns dort einen Camper gemietet, mit dem wir dann wieder nach Brisbane zurückgefahren sind. Unterwegs gab es sehr viel zu sehen und zu erleben. Wir sind im Regenwald wandern gewesen, haben unter Wasserfällen gebadet, eine zweitägige Kajaktour mit Übernachtung am Strand genossen und natürlich oft am Meer entspannt. Das beeindruckendste war aber mit Sicherheit das Schnorcheln und Tauchen am Great Barrier Reef. Zuerst haben wir einen Tag an einem Strand auf Magnetic Island verbracht. Dort konnte man direkt von der Küste aus schnorcheln und zahlreiche Tierarten entdecken. An einem anderen Tag haben wir einen Bootstrip weit aufs Riff raus unternommen. Das Tauchen auf diesem Ausflug war auch ohne Schein möglich. Insgesamt haben wir mehrere Rochen, Schildkröten, natürlich Fische in allen Farben und Variationen und einen kleinen Hai gesehen.

Diese Reise an der Küste von Queensland kann ich nur mit Nachdruck empfehlen. Jetzt, wo das Semester zu Ende ist, habe ich viel Zeit, um auch den Rest dieses riesigen Landes kennen zu lernen.

Fazit

Insgesamt hat mir das Semester sehr viel Spaß gemacht daher kann ich es nur empfehlen. Es ist erstmal schwierig sich aufzuraffen, und die gewohnten Gefilde zu verlassen aber letztendlich hat gerade Australien die Vorzüge, dass das Land sehr westlich ist aber man trotzdem eine ganz andere Natur vorfindet. Eine andere Universität, mit anderen Lernmethoden kennenzulernen ist auch eine Erfahrung, die ich im Nachhinein nicht missen möchte. Ich hoffe mir ist es gelungen jemanden zu begeistern, dieses Abenteuer ebenfalls anzutreten und einige hilfreiche Tipps bereitzustellen. Ich wünsche viel Spaß bei eurem Erlebnis in Australien!

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