Das Abenteuer Australien

Jessica Krenn | FH Wien


Wo
Queensland University of Technology

Zeitraum
29.02.2016 - 31.12.2017

Was
International Business

Studienprogramm
Master

Förderung
IRH Förderprogramm

31.07.2017

Auf nach Down-Under!

Als ich vor knapp drei Jahren meinen Freund während eines Auslandssemesters in Kanada kennengelernt habe hätte ich niemals damit gerechnet, dass wir eines Tages versuchen werden in einem anderen Land ein neues Leben aufzubauen. Da uns beiden aber Kanada sehr gefallen hat und wir prinzipiell immer schon an Fernweh gelitten haben, trafen wir eine Entscheidung die andere Paare nicht einmal nach 10 Jahren Beziehung wagen: Wir entschlossen uns, nach Abschluss unseres Bachelors gemeinsam auszuwandern. Schnell fiel die Wahl auf ein Masterstudium in Australien, da es mit Masterprogrammen in Kanada eher schlecht aussieht. Bei einer internationalen Messe an der Universität Wien, auf welcher viele Unis aus den unterschiedlichsten Ländern vertreten waren, sind wir auf das IRH aufmerksam geworden, welches Studenten im deutschsprachigen Raum an australische und neuseeländische Universitäten vermittelt und dabei quasi die Bewerbung übernimmt. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass es auch ein kleines Büro in Wien (unseren damaligen Wohnort) gibt und so machten wir uns ziemlich schnell einen Termin aus. Der Beratungstermin war sehr hilfreich, da ich damals noch nicht so richtig wusste für welche Universitäten ich mich bewerben soll und kann.

Gemeinsam haben wir all unsere offenstehenden Möglichkeiten besprochen und wir bekamen sehr viele nützliche Tipps und Tricks für das Leben in Down-Under. Bei der Suche nach der Stadt in die wir gehen werden ist unsere Wahl übrigens zuvor schon sehr schnell auf Brisbane gefallen. Anfänglich eher aus Kostengründen (die Lebenserhaltungskosten in Sydney und Melbourne sind ja fast schon utopisch), später aber hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass Brisbane in Sachen Lebensqualität sowieso der bessere Ort ist. Die eigentliche Bewerbung an den Universitäten ist sehr simpel und problemlos abgelaufen. Wir schickten einfach alle benötigten Unterlagen an das IRH und alles Weitere übernahm dann das Institut. So kann man sichergehen, dass auch tatsächlich alle Unterlagen bei der Universität ankommen und einem kein Fehler unterläuft, der später vielleicht noch zum Verlust des Studienplatzes führt.

Als dann nach und nach die Studienplatzzusagen reingeflattert kamen (ich hatte mich an zwei Unis beworben), entschieden wir uns beide den Platz an der renommierten Queensland University of Technology (QUT) zu akzeptieren. Die QUT ist sehr praxisorientiert und außerdem dachten wir, dass es für die Wohnungssuche sicherlich hilfreich wäre, wenn wir beide dieselbe Universität besuchen. Nach nervenaufreibenden acht Monaten (Bachelor-Prüfungen, Geld sparen, Wohnung kündigen, Hausrat verkaufen etc.) kam dann der Abschied von Freunden und Familie und wir sind Anfang Februar mit Sack und Pack nach Australien ausgewandert.

Nach knapp 17,000 Kilometern und einer 24-stündigen Reise sind wir am 4. Februar 2016 am Flughafen in Brisbane gelandet. Von dort hat uns dann ein Fahrdienst der Universität abgeholt. In langen Hosen und Pullovern gingen wir Richtung Ausgang und haben von weitem schon die Palmen im Wind wehen sehen. Als wir durch die Schiebetür gingen und endlich australischen Boden betraten, traf uns erst mal der Schlag. Es war, als wären wir gegen eine unsichtbare Mauer gelaufen. Es hatte zwar etwas über 30 Grad, aber die Hitze war nicht das Problem. Es war die bei knapp 90% liegende Luftfeuchtigkeit die einem das Atmen schwermachte und uns förmlich erdrückte. Es dauerte einige Tage bis wir uns endlich daran gewöhnten.

Die ersten Wochen konnten wir glücklicherweise bei Bekannten von ehemaligen Arbeitskollegen meines Freundes unterkommen. Diese Familie hatte uns noch nie zuvor gesehen und trotzdem haben sie sofort angeboten, uns so lange Unterschlupf zu bieten bis wir eine eigene Wohnung gefunden haben. Ein Studentenwohnheim kam für uns als Paar nicht in Frage, vor allem da wir ja nicht nur für ein Semester hier sind. Es musste also eine richtige Wohnung her. Als Studenten und ohne festen Arbeitsplatz hat es sich als schwierig gestaltet, schnell eine passende Wohnung zu finden. Bei 35 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit von einer Wohnungsbesichtigung zur nächsten zu hetzen war dabei auch nicht wirklich förderlich. Eine zusätzliche Warnung an alle künftigen Studenten in Brisbane: Hier ist es sehr hügelig! Wenn man zu Fuß in der Stadt unterwegs ist sollte man sich also auf sehr viele steile Straßen einstellen und das auch unbedingt bei der Wohnungssuche beachten!

Wir hatten jedoch Glück und bekamen rasch eine Zusage für ein kleines 1-Zimmer Apartment in einem angesagten Viertel namens New Farm, 10 Fahrminuten von der Innenstadt entfernt und direkt neben einem großen Park. Hier reiht sich ein Café ans nächste und auf der bekannten James Street finden sich zahlreiche hippe Läden und Restaurants. Im Park gibt es wöchentlich einen großen Markt mit Spezialitäten aus aller Welt und am Wochenende tummeln sich hier zahlreiche Familien um gemeinsam zu grillen und das Leben zu genießen. Und das wichtigste: Von hier können wir die Uni mit dem Fahrrad erreichen indem wir einfach den Fluss entlangfahren. Die Universität befindet sich direkt neben den frei zugänglichen botanischen Gärten und wirkt wie eine kleine Oase inmitten des hektischen Stadtlebens. Die Innenstadt an sich ist gar nicht so groß und man kann alles sehr gut zu Fuß erreichen. Direkt gegenüber von der Uni, auf der anderen Seite des Flusses, befindet sich Southbank. Eine ebenfalls grüne Oase mit vielen Cafés, Restaurants, Bars, Kinos und auch Museen. Fast jede Woche finden hier Festivals, Märkte und andere Events statt. Abends kann man hier am Fluss entlangspazieren und die Skyline von Brisbane bewundern, vor allem das groß beleuchtete Casino und die Story Bridge.

Was mir von Anfang hier gefallen hat ist die Lebenseinstellung der Australier. Die Menschen hier sind locker und genießen ihr Leben in vollen Zügen. Sie sind sehr naturverbunden, betreiben viel Sport und verbringen generell so viel Zeit an der frischen Luft wie es ihr Alltag zulässt. Jeden Abend füllt sich die Stadt mit Menschen die in Bars und Restaurants ihr „after-work“ Bier mit Freunden und Kollegen genießen. Australier sind sehr stolz auf ihr Land und zeigen das auch so oft es geht. Am Australia Day, dem Nationalfeiertag, gibt es wohl keine Familie die nicht im Garten oder im Park sitzt und ein typisches australisches BBQ veranstaltet. Bei jeder noch so kleinen Gelegenheit gibt es Paraden, Festivals und groß angelegte Partys für die ganze Stadt beziehungsweise das ganze Land. Auch Hilfsbereitschaft wird hier noch großgeschrieben. Es läuft so nach dem Motto: Einer für alle und alle für einen. Hier halten die Menschen zusammen, der Sinn für Gemeinschaft ist mit keinem anderen Land in dem ich jemals war vergleichbar (außer natürlich mit Kanada).

Mithilfe der Familie bei der wir bisher gewohnt hatten, konnten wir schnell alle Möbel für unser Apartment beschaffen und uns einrichten. Gerade als alles aufgebaut und wir endlich richtig angekommen waren, ging das Uni-Leben schon los. In der Orientierungswoche haben wir ein Event nach dem anderen besucht und waren begeistert von der Vielzahl an Angeboten und Hilfestellungen für Studierende. Als dann die ersten Vorlesungen losgingen schlich sich bei mir die erste Panik an. Werde ich mit der Sprache zurechtkommen? Finde ich schnell Anschluss? Ich konnte mich jedoch schnell einleben und einige Bekanntschaften schließen, von welchen sich manche später sogar noch als echte Freundschaften erwiesen. Auch die Sprache war kein Problem. Generell gibt es hier in den Master-Studiengängen hauptsächlich internationale Studenten, worauf die Lektoren sehr viel Rücksicht nehmen. Die Lektoren und auch Studenten helfen wo es nur geht und auch von der Uni selbst bekommt man jede Menge Hilfe geboten. Man hat hier nicht das Gefühl nur eine Nummer in einem Hörsaal mit hunderten von Studenten zu sein während sich der Lektor gelangweilt durch seine Foliensätze klickt, sondern man wird als Person wahrgenommen und erhält jede Unterstützung die man benötigt. So ist studieren nicht einfach nur stures Lernen, es macht auch noch Spaß.

Trotz des großen Arbeitsaufwandes während des Semesters konnten wir es uns nicht nehmen lassen, einige Ausflüge zu machen und die Gegend zu erkunden. Erstes Ziel war natürlich das Meer. Mit dem Zug kann man in nur kurzer Zeit gut die Sunshine Coast im Norden und die Gold Coast im Süden erreichen. Perfekt für einen entspannten Tag am Meer. In den Osterferien sind wir dann für mehrere Tage an die Sunshine Coast gefahren und haben unter anderem einen Tagestrip nach Fraser Island (sehr empfehlenswert!) gemacht, der größten Sandinsel der Welt. Bei der Rückfahrt fuhren wir erst über den Rainbow Beach und dann quer durch den Great Sandy National Park.

Im Nachhinein betrachtet war das größte Problem im ersten Semester also nicht Anschluss zu finden, sondern eher mit dem Arbeitsaufwand auf der Uni fertig zu werden. Die Inhalte sowie die Lektoren sind sehr anspruchsvoll und wenn man nicht jede Woche up-to-date bleibt, hinkt man schnell hinterher. Mit viel Arbeit, einigen Nachtschichten und einem guten Zeitmanagement habe ich aber das erste Semester ganz gut abgeschlossen und wir konnten Mitte Juni in unsere ersten Semesterferien starten. Die bestanden hauptsächlich aus Relaxing, Shopping in der Queen Street und Wandern in angrenzenden Nationalparks. Für die Wanderausflüge haben wir uns ein Auto gemietet und sind erstmals auf der linken Straßenseite gefahren. Nach kleinen Startschwierigkeiten (wir wurden praktisch ins kalte Wasser geschubst und mussten zur Stoßzeit ohne Navi quer durch die Innenstadt) hat aber auch das gut geklappt und nach ein bis zwei Tagen trauten wir uns dann auch auf der Autobahn auf die schnelleren Spuren. Wenn man erstmal selber mit dem Auto unterwegs ist merkt man erst richtig, wie weitläufig Australien ist. Man kann stundenlang, sogar einen ganzen Tag in Richtung Norden fahren und hat dann noch nicht einmal das Bundesland verlassen. Alles was 4-5 Autostunden entfernt ist wird noch als nahegelegen bezeichnet.

Wer gerne auf Wandertouren im steilen Gebirge geht, sollte solche Ausflüge unbedingt im australischen Winter machen (Juni – September), denn im Sommer ist es dafür viel zu heiß. Im Winter sind viel weniger Touristen unterwegs und mit mindestens 20 Grad ist es dabei immer noch angenehm warm. So hatten wir einige Wanderrouten im Lamington National Park die quer durch den Regenwald verlaufen fast für uns alleine und konnten auch einige kleine wildlebende Kängurus zwischen den Bäumen huschen sehen. Am meisten gelohnt hatte sich der Ausflug in die Glasshouse Mountains, genauer gesagt auf den Mount NgunNgun. Wer mit steilen und vor allem steinigen Wegen zurechtkommt kann sich hier auf einen atemberaubenden Ausblick auf Queensland freuen.

Wäre das alles jetzt bloß ein Auslandssemester gewesen, würden wir uns jetzt schon längst wieder im Flieger Richtung Europa befinden. Da wir uns aber für ein komplettes zweijähriges Masterstudium entschieden haben, dürfen wir die Zeit hier aber noch mindestens weitere eineinhalb Jahre genießen. Für uns geht das Abenteuer Australien weiter. Ich freue mich schon darauf wenn das zweite Semester vorüber ist und wir unseren ersten richtigen australischen Sommer erleben dürfen. Den werden wir an so vielen Orten wie nur möglich verbringen, um alle Facetten dieses atemberaubenden Landes kennenzulernen und Familie sowie Freunde weiterhin mit Schnappschüssen wie aus einem Bilderbuch zu begeistern. Allen die also das Abenteuer ihres Lebens suchen kann ich nur empfehlen: Auf nach Down-Under! Von trockener Steppe bis hin zum bunten Korallenriff, vom dicht bewachsenen Regenwald bis hin zum hektischen Großstadtpflaster; Australien vereint all diese Dinge in nur einem einzigen Land.

Auf diesem Wege möchte ich mich noch einmal bei Familie und Freunden bedanken, die mich bei diesem mutigen Schritt unterstützt haben. Auch dem IRH gilt mein Dank, welches es mit seiner tatkräftigen Unterstützung bei der Reiseplanung und vor allem bei der Bewerbung an den Universitäten geschafft hat, uns das Abenteuer Australien erst zu ermöglichen.

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