Tut es oder ihr werdet es früher oder später bereuen!!!
Ziemlich beste Freunde

Michael Eisele | Masterstudent der Uni Ulm


Was
Financial Markets and Institutions; Financial Risk Management; Programming Fundamentals

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.12.2017

Alles in allem war dies die beste Zeit in meinem Leben

12 Apostel

Zuallererst einmal für alle die noch unschlüssig sind, ob sie ein Auslandssemester in Angriff nehmen sollen: tut es oder ihr werdet es früher oder später bereuen!!!

Zum Ende meines Masterstudiums habe ich mich, auch auf Drängen meiner Schwester, dazu entschlossen, nochmal meine Komfortzone zu verlassen und ein Auslandssemester zu organisieren.

Als erstes möchte ich deshalb ein paar organisatorische Tips bzw. Erfahrungen mit euch teilen.

Wo will ich denn überhaupt studieren?:

Hierbei hatte ich gewisse Kriterien wie z.B.

  • Englischsprachiges, sicheres Land

  • westlich geprägte Kultur

  • gutes Bildungssystem

  • gutes Wetter (in Sydney, Melbourne kann es im Winter sehr sehr kalt werden!!!)

  • Studiengebühren durch Auslands-Bafög zum Großteil abgedeckt (90% der Studiengebühren)

  • Gute Erfahrungsberichte von Bekannten

Daher fiel meine Wahl relativ schnell auf Brisbane und die QUT, ein guter Kompromiss aus Stadtleben und Nähe zur Küste, wobei Brisbane keinen direkten Zugang zum Meer besitzt.

Über das Institut Ranke-Heinemann war die Organisation des Auslandssemesters wirklich sehr einfach gestaltet, man musste nur die geforderten Formulare an das Institut weiterleiten, alles andere regeln sie für dich. Sie begleiten dich durch den ganzen Bewerbungsprozess und bei Fragen jeglicher Art stehen sie dir zur Verfügung.

Ein paar weitere Dinge musste man jedoch natürlich auch noch selber in die Hand nehmen wie z.B. die Finanzen, das Visum, die Auslandskrankenversicherung (nur im Falle eines Work&Holiday Visums) und die Wohnungssuche.

Wie regelte ich meine Finanzen?

Die Kosten für den Aufenthalt hängen sehr stark vom individuellen Lebensstil und auch vom Wechselkurs ab, daher ist es schwierig eine allgemeingültige Aussage zu treffen, die Lebenshaltungskosten sind jedoch schon deutlich höher als in Deutschland. So grob kann man sich jedoch daran ausrichten: https://www.ranke-heinemann.de/australien/lebenshaltung-australien/

Finanziell wurde ich neben dem Auslands-Bafög vom Ranke-Heinemann Institut durch die Studienbehilfe unterstützt, wodurch 5% meiner Studiengebühren übernommen wurden. Nebenbei wurde ich in das Förderprogramm des IRH aufgenommen.

Um im Ausland zu bezahlen bzw. Geld abzuheben, habe ich mich für die DKB Student Card entschlossen, da diese für mich relativ gute Bedingungen vorzuweisen hatte. Bei der Abhebung im Ausland sollte man jedoch auf die Gebühren der jeweiligen Automaten achten, die unter Umständen sehr teuer sein können, auch bei Kartenzahlung kann der Wechselkurs teils sehr schlecht sein. Ich habe deshalb ein australisches Bankkonto bei der ANZ eröffnet (alle 4 großen Banken wie z.B. Commonwealth bieten ähnliche Bedingungen für Studenten, keine Kontoführungsgebühren). Meine zwei Varianten des Geldtransfers waren bei gutem Wechselkurs zum einen eine größere Menge Bargeld bei kostenlosen Bankautomaten (rediATM) abzuheben und auf das australische Konto einzahlen oder über transferwise.com/de/ gegen eine Gebühr, jedoch relativ gutem Wechselkurs eine größere Summe zu transferieren. Ein australisches Bankkonto wird auch benötigt, wenn man in Australien arbeiten möchte, zudem sollte man dann auch eine Steuernummer TFN bzw. für Freiberufler wie ubereats Jobs ABN beantragen. Zudem ist das australische Bankkonto eine Erleichterung bei der Mietüberweisung.

Beim Abschluss des australischen Bankkontos in der Filiale benötigte ich meine deutsche Steueridentifikationsnummer, dies war jedoch nicht der Regelfall.

Welches Visum sollte ich wählen?

Im Prinzip stehen bei einem einsemestrigen Aufenthalt 2 verschiedene Visa-Arten zur Auswahl: das Studenten-Visum und das Working Holiday Visum. Ich habe mich dabei für das Working Holiday Visum entschlossen, da die Dauer meines Auslandsaufenthaltes noch ungewiss war (Studenten-Visum endet 1 Monat nach Studium, wobei das Ende des Studiums auf Ende Dezember datiert war, obwohl die Vorlesungen Ende Oktober endeten) und keine Einschränkung der Arbeitsstunden besitzt. Reist man mit dem Studenten-Visum kann man die Krankenversicherung der Universität abschließen (bei bestimmten Vorerkrankungen noch zusätzlich abdecken), beim Working Holiday Visum muss man selber eine Auslandskrankenversicherung organisieren (z.B. CareMed,  MawistaHanse-Merkur)

Finde ich eine Wohnung?

Zuerst einmal zur Beruhigung, in Brisbane herrscht keine Wohnungsnot (in unserer Wohnung standen wochenlang Zimmer leer), es sollte also jeder irgendwo unterkommen. Definitiv nicht zu empfehlen ist einen Mietvertrag von zuhause zu unterschreiben, ohne die Wohnung gesehen zu haben. Ich habe mich für die erste Woche in einem Hostel einquartiert und wollte von dort aus auf Wohnungssuche gehen. Wie es der Zufall so will traf ich im Hostel einen Studienkommilitonen, welcher schon Wohnungsbesichtigungen vereinbart hatte, schloss mich diesem an und wir haben dann die erste Wohnung unterschrieben. Daher kann ich zur Wohnungssuche nicht allzu viel sagen, würde aber empfehlen über Internet-Portale (flatmates) oder Facebook Wohnungsbesichtigungen möglichst früh (vielleicht auch schon von zuhause) zu vereinbaren, da zur Orientierungswoche sehr viele Studenten eine Wohnung suchen. Bei den Mietverträgen sollte man vor allem auf eine Mindestmietdauer (oft mindestens 6 Monate) achten. Zudem gibt es auch vertrauenswürdige Standardverträge der RTA und die Universität bietet einen nützlichen Wohnungs-Service, welcher dir bei jeglichen Fragen behilflich ist.

Das Haus teilte ich mit 10 anderen internationalen Studenten und die Miete betrug $210/Woche. Es lag relativ zentral in der Nähe des großen Cricket Stadions Gabba (15, Blackall Terrace East Brisbane; 15 min bis zur Uni mit dem Fahrrad). Die Gegend ist zwar eher ruhiger, jedoch ist man schnell in den belebteren Vierteln wie Fortitude Valley oder Southbank. In East Brisbane wohnten viele Studenten, auch Fortitude Valley, Sotuhbank und West End sind beliebte Viertel. Durch die regelmäßige, kostenlose Busanbindung (alle 15min) kann man sich auch überlegen in die Nähe des Kelvin Grove Campus zu ziehen.

Welchen Flug wähle ich?

Da ich nicht genau wusste wann ich heimkehre, habe ich nur einen Hinflug gebucht. Dies macht durchaus Sinn, wenn man noch keine konkreten Pläne für danach hat, da es nicht wesentlich teurer ist als ein Return-Ticket. Zudem würde ich auf jeden Fall einen Zwischenstopp einplanen. Ich hatte 12h Aufenthalt in Hongkong, in denen ich die Skyline der Stadt genießen konnte.

Nun zum spannenderen Teil des Abenteuers, dem Auslandsaufenthalt.

Brisbane ist eine wunderschöne, lebenswerte Stadt und trotz über 2 Mio. Einwohnern fühlt sie sich aufgrund der Windungen des Flusses, welche die Stadt separiert, und des relativ kleinen Stadtzentrums mit schnell abflachenden Gebäuden (unser Haus war ein zweistöckiges Haus 15min vom Stadtzentrum) eher wie eine Kleinstadt an. Die riesigen Dimensionen von Brisbane erkennt man erst ansatzweise auf Mount Coot-tha, dem Hausberg von Brisbane.

Inmitten des Herzens von Brisbane liegt der QUT Gardens Point Campus, an welchem ich alle meine Vorlesungen hatte. Die Lage des Campus könnte man sich nicht schöner vorstellen, direkt neben dem Botanischen Garten eingeschlossen vom Brisbane River ist man in 5 Gehminuten im CBD. Die Gebäude sind alle relativ neu und technologisch super ausgestattet. Leider gibt es keine Mensa mit studentengerechten Preisen, jedoch jede Menge Food Stores und Cafes. In der Orientierungswoche stellen sich dann auch die ganzen studentischen Vereinigungen auf dem Campus vor (u.a. jegliche Sportarten). Die Sporteinrichtungen befinden sich mit Ausnahme eines schönen Fitness-Studios (ca. $17/Woche) auf dem Kelvin Grove Campus, mit einem beeindruckenden Mehrzweck-Stadion. Wie bereits erwähnt besteht eine kostenlose viertelstündliche Verbindung zwischen den beiden Campussen.

Das Studium isst nur sehr schwer mit dem aus meiner Heimatuniversität zu vergleichen. In jedem Fach hatte man unter dem Semester zwischen 3 und 5 Prüfungsleistungen unterschiedlichster Art, von akademischen Artikeln über Opinion Pieces und Reflective Journals hin zu schriftlichen Endsemesterprüfungen. Die Themen waren deutlich angewandter und oberflächlicher als in meiner Heimuniversität, jedoch war der Aufwand durch die vielen Prüfungsleistungen relativ hoch, obwohl ich nur 3 Kurse gewählt habe. Insgesamt waren die Vorlesungen sehr strukturiert und gut organisiert, neben dem Unterrichtsmaterial wurden sowohl die Vorlesungsaufzeichnungen als auch die ganzen Prüfungsabgaben online in „Blackboard“ verwaltet. Zudem standen einem in der Bibliothek (HIQ) rund um die Uhr studentische Aushilfen für jegliche Fragen zur Verfügung. Auch das Verhältnis zu den Professoren war sehr persönlich.

In der Freizeit hat Brisbane natürlich auch sehr viel zu bieten. Durch den Flusslauf, welcher sich quer durch die Stadt schlängelt, gibt es sehr viel schöne Promenaden, allen voran Southbank, wo sich auch viele Restaurants, ein Stadt-Pool und ein günstiges Kino befinden. Des Weiteren sind die Botanic Gardens sehr schön zum Entspannen und Kangaroo Point bietet eine herrliche Kulisse auf die Skyline mit öffentlichen, kostenlosen Grillstellen.

West End ist ein Viertel für Alternative und Hipster, in welchem sich auch sehr schöne kleine Bars und Restaurants befinden. Wer gerne Party machen möchte ist neben dem CBD (Down Under, Stock Exchange, Victory usw.) auf jeden Fall bestens im Partyviertel Fortitude Valley aufgehoben (z.B. Prohibition, The Met, Retro, Royal George usw.). Ihr solltet dabei beachten, dass mittlerweile alle Clubs und Bars Gesichtsscanner verwenden, bei welchem ihr den Reisepass oder eine Art Partypass benötigt (teils funktionieren auch nationale Führerscheine und IDs, wird jedoch sehr ungern gesehen, da sie alle Daten händisch eintragen müssen).

Hat man mal wieder zu viel Geld im Club liegen lassen, kann man dies wieder bei Einkäufen in den relativ günstigen Supermärkten Aldi und Coles reinholen, jedoch ist hier auch nicht alles günstig. Vor allem Gemüse und Obst erhält man auf den Wochenmärkten bzw. bei speziellen Obst- und Gemüsehändlern (z.B. Gabba Fruit Vegetable Market) deutlich günstiger.

Brisbane ist auch ein toller Ausgangspunkt für Tages- oder Wochenendreisen. Vor der Haustür befinden sich die Küstenregionen Gold Coast (1 1/2 h südlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln) mit Surfers Paradise bzw. Sunshine Coast (2 ½ h nördlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln) mit Noosa Heads.

Zudem befinden sich zwei Inseln in der Nähe von Brisbane, zum einen North Stradbroke Island, eine relativ ruhige Insel mit wunderschönem Küstenpfad (North Gorge Walk), welche mittels öffentlichen Verkehrsmitteln und Fähre in 2 ½ h erreichbar ist (ca. $25 Return), zum anderen Moreton Island, welches mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht ganz so einfach erreichbar ist und die Fähre relativ teuer ist.

Empfehlenswert ist daher ein Wochenend-Trip mit dem UQ Sailing Team nach Moreton Island ($150 all inclusive).

Die Verkehrsanbindungen in Australien sind teils zwar relativ langsam, jedoch für Studenten durch eine 50%-Ermäßigung, welche man online beantragen muss, ziemlich günstig und verlässlich. Zudem kann das Verkehrsnetz teils sehr unübersichtlich sein, weshalb ich mich immer von Google Maps leiten ließ. Man sollte sich auch überlegen Offline-Karten von Google Maps zur Navigation herunterzuladen. In der einwöchigen Semesterpause habe ich zusammen mit einem Freund dann noch Melbourne und die Great Ocean Road bereist. Dies war auf jeden Fall auch ein Highlight, welches man nicht verpassen sollte.

Insgesamt habe ich die Australier als sehr offenes, hilfsbereites und lockeres Volk kennengelernt. Immer wenn ich mal wieder mit fragendem Blick an einer unbekannten Kreuzung herumstand, boten mir Leute ihre Hilfe an. Manchmal kann die australische Art jedoch ein wenig oberflächlich erscheinen, was wiederum den Aufbau einer echten Freundschaft für Austauschstudenten schwierig gestaltet. Aber keine Sorge, man findet sehr leicht Anschluss an internationale Studenten und auch mit ein bisschen Aufwand lassen sich durchaus australische Freundschaften knüpfen. Ein anderer kritischer Punkt ist ihre Ordnungsbesessenheit. Die Regeln und Gesetze werden relativ strikt gehandhabt, vor allem bei Verstößen der Straßenverkehrsordnung. Ein Freund hätte sich von den Strafen fast ein neues Auto finanzieren können ($450 Abschleppdienst wegen Falschparkens, $150 Strafzettel wegen Falschparkens, $250 für 12km/h Geschwindigkeitsüberschreitung). Auch der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist nicht erlaubt, vor allem in den Städten.

Alles in allem war dies die beste Zeit in meinem Leben. Ich konnte mich persönlich sehr weiterentwickeln, habe viele neue Freundschaften geschlossen, schöne Landschaften erkundet und vor allem gelernt das Leben zu genießen. Mit diesen Erkenntnissen und einem Sack voll toller Erinnerungen reise ich nun wieder zurück nach Deutschland, wo der Arbeitsalltag auf mich wartet. Einen besonderen Dank möchte ich vor allem auch noch an meine Familie und Freunde zuhause richten, die mich sowohl finanziell als auch mit ihrem Rat stetig unterstützt haben und diesen Auslandsaufenthalt erst möglich gemacht haben: Vielen lieben Dank dafür.

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