Ein Auslandssemester würde ich wirklich jedem ans Herz legen

Justine Quast | Studentin der TU Braunschweig


Was
Umweltnaturwissenschaften

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

30.06.2018

Also, worauf wartest du?

Ein Auslandssemester in Sydney wollte ich unbedingt machen und es war eine einmalige Erfahrung. Für die UNSW habe ich mich aus mehreren Gründen entschieden. Zum einen liegt sie gleichzeitig nah am Strand, dem Stadtzentrum und Sehenswürdigkeiten. Außerdem ist sie als Gründungsmitglied der Group of Eight sehr renommiert, auch im Umwelt Bereich mit Platz 14 weltweit und die Studiengebühren können größtenteils durch BAföG gedeckt werden.

Organisation

Da meine Uni für meinen Studiengang keine Partner-Universität in Australien hat, bin ich als
Free Mover an die UNSW gegangen, was sich trotz des Aufwands lohnt! Umso glücklicher war ich über das Förderprogramm des Ranke-Heinemann Instituts, die Übernahme der Bewerbung an sich
und sogar einer Studienbeihilfe in Höhe von 5 %!
Da sich die australischen und deutschen Semester überschneiden, also man entweder die Klausuren- oder Vorlesungs-Phase verpasst, bin ich gleich fast ein Jahr in Australien geblieben und habe es von Oktober bis Januar mit einem Work & Holiday Aufenthalt kombiniert, was ich sehr empfehlen kann. Dadurch konnte ich während dieser Zeit auf einer Farm Geld ansparen und Australiens vielseitige Natur und einzigartiges Wildlife entdecken. Meine Highlights waren der Regenwald in Cairns, tauchen im Great Barrier Reef und die Abgeschiedenheit des Outbacks zu erleben. Während des Bewerbungsprozesses war ich demnach schon in Australien, was kein Problem darstellte.

Mein erster organisatorischer Schritt, ca. ein Jahr vorher, war die Suche nach einer passenden Universität über deren Kursangebote. Meiner Erfahrung nach werden Kurse meistens angerechnet, solange die CP Anzahl stimmt und der Stoff einigermaßen der gleiche ist. Zu der Zeit habe ich auch einen Vorabentscheid beim BAföG Amt gestellt, was auch Nicht-BAföG Empfänger tun sollten,
da die Grenzen anders sind und der Bezug von BAföG für die Wahl der Uni maßgeblich sein könnte. Man erhält etwas mehr Geld als in Deutschland; eine 1000€ Reisekostenpauschale, Krankenkassenpauschale und Bezahlung der Studiengebühren bis 4600€. Der BAföG Antrag sollte so früh wie möglich vor Studienbeginn fertig sein, da die Bearbeitung gut mehrere Monate dauern kann! Danach habe ich nur Learning Agreements bei meiner Heimatuni eingereicht und später ein englisches Uni-Zeugnis sowie Sprachnachweis beim Institut Ranke-Heinemann. Um die gesamte Bewerbung hat sich meine Betreuerin gekümmert, die immer sofort erreichbar war und all meine Fragen geduldig beantwortet hat. Ich habe mich vorsichtshalber noch bei der University of Sydney und der Macquarie beworben, mich aber aus oben genannten Gründen für die UNSW entschieden. Die Zulassungsbenachrichtigungen dauerten nur 2-3 Wochen und mit dem Certificate of Enrolment konnte ich das Visum online beantragen. Dieses wurde schon innerhalb eines Tages bestätigt.
Eine Krankenversicherung bei Medibank für den Studienzeitraum bekommt man automatisch über die UNSW. Die Studiengebühren mussten bei Studienplatzannahme nur angezahlt und bei mir bis Anfang März vollständig bezahlt werden. Da alle Kurse Teilnehmergrenzen haben und es enrolment deadlines gibt, schreibt man sich am besten schnellstmöglich via Student Central Büro in seine Kurse ein. Die O-Woche ist auch super, da man hier schon z.B. beim International Student Welcome erste Kontakte knüpft oder gute Angebote wie für Surfkurse und das Fitnessstudio bekommt und die Societies sich vorstellen. Sobald man in Australien ist, braucht man nur eine Opal Card für Sydneys Öffis, ein Bankkonto und eine SIM-Karte (Aldi hat ein gutes Netz und bietet Freiminuten nach Deutschland). Geld kann z.B. mit transferwise günstig überwiesen werden.
Am besten sucht man für die ersten Wochen eine airbnb Unterkunft und geht von dort aus auf Wohnungssuche. Flatmates ist hier das meistgenutzte Portal und der Wohnungsmarkt ist sehr flexibel, man kann also relativ schnell ein- und wieder ausziehen.

Studieren an der UNSW

Ausstattung

Die Universität ist so groß, dass man sich an den ersten Tagen noch oft verläuft, aber einen Zentralcampus zu haben ist sehr praktisch. Die Ausstattung ist neu und ziemlich gut. Überall am Campus sind Lernplätze mit Steckdosen, Computer in den Gebäuden, Wasserspender, Wiesen, Cafés und Food Courts. Es gibt sogar eine Schlafecke, ein Microsoft Paket für jeden und in der stress less week Streicheltiere und kostenfreie Massagen und Yoga Kurse. Man sollte in seine Kosten mit einplanen, dass Food Courts keine Mensa Preise haben, eher $8-12 pro Mahlzeit.
Die Zentralbibliothek kann 24h genutzt werden und die meisten Studienbereiche haben gesonderte Lernbereiche für ihre Studierenden in anderen Gebäuden, sodass man immer einen Platz findet. Zusätzlich findet man einen kleinen Supermarkt, Ärzte und den Career Service, der u.a. beim Erstellen von Lebensläufen oder der Vorbereitung für Bewerbungsgespräche hilft.

Feeling

Die UNSW bezeichnet sich selbst als Global University mit Studierenden aus über 120 Ländern. Ich habe neben Australiern viele US-Amerikaner, Asiaten und Skandinavier getroffen und hatte als international keine Probleme Anschluss zu finden und konnte viele internationale Freundschaften schließen. In den über 300, meist kostenlosen, Societies sind wirklich alle Interessen vertreten, wodurch man viele neue Leute trifft und alles mögliche von Französisch bis Windsurfing lernen kann. Es gibt auch ein Uni-Fitnessstudio und Schwimmbad, was ich persönlich jedoch nicht genutzt habe.

Studium

Das Studium in Australien ist anders als man es aus Deutschland kennt. Jede Woche gilt es, benotete Essays, Gruppenarbeiten oder Tests zu absolvieren, die zwar nicht so detailreich sind wie Zuhause, allerdings durch ihre Anzahl zeitintensiver. Super ist hier der Korrekturlese-Service, sowohl von Studierenden als auch Professionellen! Ansonsten gibt es nur in den Übungen Anwesenheitspflicht und praktischerweise werden alle Vorlesungen aufgezeichnet.
Mein Hauptgebäude, das Institut für Environmental, Biological and Earth Sciences ist ebenfalls sehr modern und gut ausgestattet und die Studienrichtung ist recht klein, also kennt man schnell die meisten Gesichter. Ich hatte die 3rd year Kurse Applied Geochemistry, Marine Environment, Environmental Economics und war mit allen Kursen zufrieden. Da ich nur drei Kurse belegt habe, hatte ich mehr Zeit Sydney und die Strände zu genießen, was mir sehr gelegen kam. Im April hatten wir zudem eine Woche mid-semester break, was die meisten zum Reisen genutzt haben.

Leben in Sydney und Australien

Kultur und Freizeit

Die Aussies sind sehr offen und hilfsbereit und man kommt schnell mit Leuten ins Gespräch. Gewöhnen wird man sich an Abkürzungen für alles, z.B. barbie für barbecue. Sydney ist sehr multikulturell und ich kenne kein Viertel, das man generell meiden sollte und habe mich jederzeit sicher gefühlt, auch vor giften Tieren! ;-) Generell sind die meisten Viertel schön und Sydney ist eine sehr grüne Stadt mit wunderschönen Stränden. Der Wohnungsmarkt ist umkämpft und teilweise werden schlechte Unterkünfte vermietet, also sollte man mindestens 2 Wochen für die Wohnungssuche einplanen. Um schnell Freunde zu finden, ist eine WG oder ein Studierenden-Wohnheim perfekt. Studierenden-Wohnheime sind dabei die teuerere Variante, dafür hat man dann jedoch alles, was man zum Leben braucht und müsste den Campus theoretisch nicht mehr verlassen. Für UNSW Studierende eignen sich generell besonders die uninahen Viertel Randwick und Kensington oder die anderen Eastern Suburbs in Strandnähe. Ich habe in Maroubra Junction gewohnt, von wo aus man mit dem Bus in 10 Minuten sowohl an der Uni als auch am weniger vollen Maroubra Beach war und alle Einkaufsmöglichkeiten vor Ort waren. Viele wohnen auch trotz der Entfernung in dem eher alternativen Viertel Newtown, das auch für viele der erste Anlaufpunkt zum Feiern ist. Freizeitangebote gibt es natürlich zuhauf und wenn man Ausschau hält, findet man auch Schnäppchen, z.B. im Randwick Ritz Cinema montags für $6. Ansonsten sind die Strände Bondi und Maroubra perfekt zum Surfen und Coogee zum Schwimmen. Weiterhin kann man sonntags für nur $2,70 den ganzen Tag Öffis nutzen, kann also wandern in den 2h entfernten Blue Mountains, surfen in Manly, zu den Figure 8 Pools, in die Nationalparks oder zu entfernteren Stränden wie Narrabeen, Cronulla oder Palm Beach. Auch in der Nähe gibt es so viel zu entdecken, dass man es nie schaffen würde alles zu sehen. Weitere Tipps sind die kostenlosen Rock Pools neben den Stränden, die versteckte grüne Oase Fred Hollows Reserve in Coogee oder das Vivid Lichter-Festival im Juni. Auch Wale lassen sich von Mai bis November beobachten und mit etwas Glück Delfine sogar vom Strand aus. Es gibt natürlich viele internationale Restaurants, sehr vielfältige Kunstmuseen, z.B. auf Cockatoo Island und häufig Sportereignisse. Für Partygänger gelten in Australien strengere Regeln, denn Clubs schmeißen zu Betrunkene schnell raus und lassen nach 2 Uhr niemanden mehr rein. Falls man einen Nebenjob einplant, sollte man nach meiner Erfahrung auch hier so früh wie möglich suchen, mit einem Mindestlohn von fast $23 lohnt es sich allerdings. Ansonsten gibt es regelmäßig bezahlte Versuche der Mediziner und Psychologen an der UNSW.

Kosten

Man kann mind. $250/Woche für ein WG-Zimmer einplanen und sich ansonsten einen günstigeren shared room nehmen, was weit verbreitet ist. Lebensmittel kosten ungefähr genauso viel wie Zuhause, nur Alkohol ca. doppelt so viel. Ansonsten wird man ca. $90/Mon. für Mobilität ausgeben und mehr wenn man über eine halbe Stunde von der Uni entfernt wohnt. Die Fahrradwege sind nicht weitflächig ausgebaut und Auto fahren ist aufgrund von hohen Versicherungs- und Anmeldungskosten und teuren Parkplatzgebühren nicht günstig, wobei Sprit deutlich weniger kostet. Für die Busse sollte man sich auf jeden Fall eine Echtzeit Verkehrs-App zulegen, da die Busse selten nach Plan fahren. Mit der richtigen Prise australischer Entspanntheit und dem Internet ist das natürlich alles easy.

Klima

Von Frühling bis Herbst ist es sehr sonnig und angenehm warm bis sehr heiß, nur der Winter wird regnerisch und frisch, vor allem, da australische Wohnungen wenig gedämmt und Heizungen nicht überall vorhanden sind. Die Wassertemperatur ist aus deutscher Sicht immer angenehm und Surfer springen sowieso immer rein.

Ein Auslandssemester würde ich wirklich jedem ans Herz legen und die Organisation bekommt man dank Internet und Institut Ranke-Heinemann locker hin. Vielen Dank an dieser Stelle an meine Betreuerin Lisa Draser und jede weitere Person, die mir das Jahr ermöglicht hat! Ich konnte viele tolle Erfahrungen machen, habe weltweit Freunde gefunden und meine Englisch Kenntnisse enorm verbessert. Die UNSW ist eine sehr gute Universität und Sydney eine schöne Stadt.
Also, worauf wartest du?

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