Keine falsche Scheu - Ihr werdet nicht enttäuscht sein

Jakob Wahl | Student


Wo
Griffith University

Zeitraum
2016

Was
Business Administration

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.07.2016

Ein Semester an der Griffith University in Australien

Einleitung

Nach meinem Auslandssemester an der Boston University in den Vereinigten Staaten im 2. Halbjahr 2013, habe ich von Januar bis Juni 2016 mein bereits zweites Auslandssemester an der Griffith Universtiy in Gold Coast, Australien, absolviert. Zugegebener Maßen habe ich deshalb dem fünf monatigen Aufenthalt im Ausland – noch dazu am anderen Ende der Welt – etwas entspannter entgegengeblickt, als es noch 2013 der Fall war. Es klingt vielleicht auf den ersten Blick etwas wenig, aber sicherlich hat das auch mit den zusätzlichen zwei Jahren Lebenserfahrung zu tun. Nichtsdestotrotz muss ich allerdings rückblickend festhalten: Ein Auslandssemester birgt immer wieder neue organisatorische und persönliche Herausforderungen. Selbst wenn man sich noch so gut vorbereitet, gilt meist der altbekannte Spruch „erstens kommt es anderes und zweitens als man denkt!“. Getreu diesem Motto gibt es aus meiner Sicht ein paar hilfreiche Infos, die mir in der ein oder anderen Situation geholfen hätten. Ich hoffe deshalb meine Erfahrungen mit Studenten teilen zu können, die aktuell noch vor der Entscheidung stehen, ein Auslandssemester absolvieren zu wollen, oder bereits mit der Vorbereitung ihres Aufenthalts beschäftigt sind. Ich versuche in meinem Bericht gezielt auch allgemein anwendbare Erfahrungen für Euch zugänglich zu machen und diese mit meinen speziellen Erfahrungen in Australien zu bereichern. Nehmt es mir bitte nicht übel, aber aufgrund der überragenden Zeit in Australien ist mein Bericht trotz dieser Zielsetzung sicherlich nicht objektiv. Ich werde in meinem Bericht vor allem diejenigen Punkte aufgreifen, zu denen ich selbst gerne weitere Informationen gehabt hätte und die ich für wichtig halte, um das Beste (in allen Belangen) aus dem Auslandssemester zu machen. Für mich sind dies:

  • die Auswahl der Auslandsuniversität und meine Beweggründe an die Griffith University zu gehen sowie Leben und Aktivitäten an der Gold Coast

  • Tipps zur Wohnungssuche,

  • Reiseziele

Auswahl der Auslandsuniversität – warum gerade die Griffith University?

Bevor ihr Euch für Eure Ziel-Universität entscheidet solltet Ihr vor allem abwiegen was Euch wichtig ist und ob die Uni das auch bietet. Natürlich sind die Reputation der Uni und das Kursangebot ein entscheidender Faktor, allerdings gibt es global eine sehr große Dichte an geeigneten Kandidaten, sodass Ihr bestimmt auf jedem Kontinent eine Uni findet, die Eure Ansprüche hinsichtlich dieser Kriterien erfüllt. Deshalb war für mich eines der wichtigsten Kriterien die Auswahl des Ortes bzw. des Kontinents. Ihr solltet Euch dessen bewusst sein, dass das Auslandssemester eine einmalige, vielleicht auch zweimalige Chance ist, unabhängig und auf Euch selbst gestellt zu sein. Dabei wisst Ihr aber gleichzeitig, dass Ihr wieder in die bestehenden Strukturen zu Hause zurückkehren könnt. Das Risiko ist deshalb, verglichen mit beispielsweise einer Auswanderung, vernachlässigbar. Ihr habt also die Möglichkeit ein halbes Jahr lang an einem beliebigen Ort der Welt zu leben und alles was es drumherum gibt, zu erkunden. Für mich war deshalb klar, ich will in ein Land, das weit weg ist, in das ich so schnell nicht mehr für längere Zeit komme. Außerdem sollte es neben dem Leben an der Uni viele attraktive Reiseziele und Entdeckungsmöglichkeiten bieten. Wer sich in der Nähe seiner Familie wohler fühlt, sollte eher ein Ziel in Europa wählen. Ich kann Euch aber garantieren, dass die Zeit im Ausland sowieso wie im Flug vergeht und Ihr schneller wieder zu Hause seid, als es Euch lieb ist. Also meine Empfehlung an Euch: Selbst wenn Ihr denkt das andere Ende der Welt ist vielleicht ein bisschen viel fürs Erste, keine falsche Scheu, Ihr werdet nicht enttäuscht sein.

Aus den eben beschriebenen Gründen stand für mich also fest, dass ich entweder nach Südamerika oder nach Australien gehen wollte. Hier kamen dann die weiteren Entscheidungskriterien zum Tragen. Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass die Einfachheit des Bewerbungsprozesses und die attraktiven Stipendienangebote des Ranke-Heinemann Instituts ein nicht unerheblicher Faktor waren. Zusätzlich wollte ich an einen Ort, der zwar von der Mentalität der Menschen im Vergleich zu Deutschland verschieden ist, an dem der Lebensstandard und die grundsätzlichen Strukturen aber vergleichbar sind. Das erleichtert Dir die Integration in den ersten Tagen und sorgt dafür, dass Du Dich schneller zu recht findest. Ein weiteres Entscheidungskriterium sollte die Lebensweise an Deinem Unistandort sein. Im Vergleich zu Südamerika hat man in Australien die Möglichkeit auf Universitäten zurückzugreifen, die zwar in einer Großstadt liegen, aber keinen metropolenartigen Lifestyle verlangen. Für mich hat sich dadurch sofort die Griffith University als Ziel-Uni herauskristallisiert. Die Gold Coast bietet Dir die Möglichkeit direkt am Strand, aber dennoch in einer Großstadt zu wohnen. Zudem ist die Infrastruktur an der Gold Coast vorzüglich: Mit dem G-Link, der Straßenbahn, kommt man überall hin und es gibt alle möglichen Einkaufsmöglichkeiten in fußläufiger Distanz. Kurzum, Du brauchst kein Auto und bist trotzdem mobil.

Für mich hat sich im Nachhinein die Griffith University als die perfekte Auslandsuni herausgestellt. Ich wusste vorher schon, dass es dort sehr viele International Studenten gibt – die können sich ja nicht alle irren – und die Uni sehr gut auf Studenten, die ein Auslandssemester absolvieren, vorbereitet ist. Als ich dann am ersten Tag am Campus ankam, hat sich dieser Eindruck mehr als bestätigt. Die Atmosphäre an der Uni ist einfach grandios. Sowohl die Studenten, als auch die Dozenten und die Mitarbeiter sind entsprechend dem australischen Lifestyle „easy-going“ aber auch sehr konstruktiv. Beispielsweise hatte ich direkt am ersten Tag einen Emailkontakt zu einer Betreuerin, die Euch bei Fragen zu den Kursen hilft: Muss ich drei oder vier Kurse für mein Visum machen? Was ist, wenn ich für das Visum mehr brauche als ich zu Hause an der Uni anerkannt bekomme? – und so weiter. Hier habe ich mich wirklich sehr gut aufgehoben gefühlt und das gilt eigentlich für alle Bereiche, in denen ich Fragen hatte. Dazu kommt, dass die Griffith Uni was die Integration von neuen Studenten angeht perfekt organisiert ist. Am Anfang des Semesters gibt es eine Orientation Week, also eine ganze Woche in der Ihr alle möglichen Fragen beantwortet bekommt und Euch auf dem Campus umsehen könnt. Am ersten Tag der O-Week seid Ihr mit allen anderen Gaststudenten zusammen und bekommt, von offizieller Seite, eine Einweisung in das Studieren an der Griffith. Die besteht jedoch hauptsächlich aus wirklich spaßigen Videos von bisherigen Absolventen und einer Vorstellung eines Reiseanbieters für einen Trip nach Cairns während der Mid-Semester-Break. Ihr wisst also schon relativ bald, dass den Mitarbeitern der Griffith Uni Eure Zielsetzungen sehr bekannt sind. Absolutes Highlight war dann der Vegemite-Wettbewerb. Wer Vegemite nicht kennt, und damals kannten das viele (noch) nicht (sonst gäb’s keine Freiwilligen), der musste schon vorher lachen (so wie ich). Also jedenfalls ist das ein ziemlich intensiver Brotaufstrich, der wohl für deutsche Geschmäcker am besten mit Maggi-Konzentrat zu vergleichen ist. Damit das Amerikanische Mädchen, das gewonnen hat, nicht Ihr ganzes Leben lang unglücklich ist, lade ich hier kein Bild von Ihrem Gesichtsausdruck hoch, nachdem sie das Vegemite in einem Zug aufgegessen hatte.

Neben den Pflichtveranstaltungen an der Uni könnt Ihr Euch während der OWeek noch mit anderen Studenten zu einem von der Griffith Uni veranstalteten Barbecue verabreden. Daneben gibt es noch weiter Events die ganze Woche lang. Der absolute Höhepunkt ist aber der dreitägige Trip nach Byron Bay. Für diesen müsst Ihr zwar extra bezahlen, aber der lohnt sich aus meiner Sicht auf jeden Fall. Erstens ist Byron Bay ein ziemlich kultiger Ort an der australischen Ostküste und zweitens sind mit Euch rund 120 andere Studenten da. Hier könnt ihr bei gemeinsamen, organisierten Aktivitäten (Kanufahren mit Delphinen und Eure erste Surfstunde) perfekt erste Kontakte knüpfen. Danach kennt wirklich fast jeder jeden, zumindest „vom Sehen“. Entsprechend finde ich das Byron Bay Angebot der Griffith Uni einfach nur gelungen, da können sich viele Unis eine Scheibe abschneiden.

Nach der Oweek geht dann das Semester mit den Kursen so richtig los. Ihr habt dann noch zwei Wochen Zeit, Eure Kurse nochmals zu ändern. Wichtig ist dabei, dass Ihr neue Kurse ggf. erst von Eurer Universität zu Hause anerkennen lassen müsst (sofern nicht schon vorab geschehen). Das kann immer mal ein paar Tage dauern, also wartet nicht bis zum Ablauf der Frist. Die Kurse im Postgraduate Programm sind meist sehr einfach strukturiert und bestehen aus einer Vorlesung, zu der es keine Anwesenheitspflicht gibt. Wer aus einer öffentlichen Uni aus Deutschland kommt, würde die Vorlesung wohl eher mit einem Seminar oder Workshop vergleichen, weil Ihr meist nur rund 20 Studenten seid und alles sehr interaktiv gestaltet ist. Ich finde es selbst auch gut, dass keine Anwesenheitspflicht besteht, weil man bei Postgraduate Studenten sowieso davon ausgeht, dass erstens die Motivation gegeben ist und zweitens der Großteil der Arbeit zu Hause erledigt wird. Ob Ihr also in die Vorlesung geht oder nicht ist Euch überlassen. Aus meiner Erfahrung ist es nicht gut zu viele Vorlesungen zu verpassen, da diese sehr informativ sind und alles was ihr dort mitnehmt, müsst Ihr für die Klausur oder Eure Hausarbeiten nicht nacharbeiten. Offen gesagt lag meine Anwesenheitsquote aber bei rund 50% und ich hatte keine Probleme mit den Klausuren/Hausarbeiten. Hier will ich auch nochmal kurz auf die Notenvergabe eingehen. Die Griffith Uni hat ein Notensystem von 1 bis 7, wobei 7 die höchste Note, eine „High Distinction“, ist. Es wird aber eigentlich während des Semesters alles in Prozent angegeben und nur auf Eurem Transkript erscheint die Note in dieser Form. Aus meiner Sicht ist es relativ schwierig einen Kurs nicht zu bestehen, sofern man sich bemüht. Allerdings ist es aber auch relativ schwierig wirklich gute Noten zu bekommen. Eine 7 gibt es ab mindesten 85% und die ist eher die Seltenheit. Am Ende bekommt nach meiner Erfahrung eine/r bis gar niemand eine 7 im Kurs. Das wurde mir auch so von anderen Studenten, die Degree Programme absolvieren so bestätigt.

Solltet ihr noch Undergraduate Studenten sein, dann gestaltet sich das Kursangebot etwas anders und Ihr habt meistens zu einer Vorlesung mit deutlich mehr Studenten noch Seminare oder Labor-unterricht. Diese sind immer mit Anwesenheitspflicht und sorgen für einen etwas volleren Terminkalender, je nach Kurswahl. Ich habe meinen Stundenplan hinsichtlich Interesses und Zeitmanagement optimiert. Soll heißen ich habe versucht lieber an zwei Tagen alle Vorlesungen zu haben und dafür die restlichen Tage der Woche frei. So könnt Ihr Eure Freizeitgestaltung am besten wahrnehmen. Dazu haben mich alle Kurse, die ich gewählt habe von vorneherein angesprochen. Meine Kurse waren Quality and Performance Management, Corporate Communications und Management Consulting. Letzteren kann ich auf jeden Fall uneingeschränkt weiterempfehlen. Er behandelt ein prinzipielles Rahmenwerk zur Bearbeitung von Consultingaufträgen und hilft Euch aus meiner Sicht auch Projektarbeiten besser zu strukturieren. Die Kurse an der Griffith Uni sind bunt gemischt und Ihr kommt mit Traditionen und Wertevorstellungen unterschiedlicher Kulturen in Kontakt. In all meinen Kursen war eigentlich immer mindestens eine Person von jedem der Kontinente. Abschließend sind die großen Pluspunkte der Griffith Uni aus meiner Sicht:

  • Perfekte Organisation und Integration von Gaststudenten

  • Direkte und schnelle Kommunikationswege zu Studienbetreuern

  • Ein vielseitiges Kursangebot mit teilweise sehr guten Dozenten

  • Ein gemeinschaftliches Campusleben

  • Gute Infrastruktur und Wege zur Uni

Ein Wehrmutstropfen ist, dass der Campus kein kostenloses Fitnessstudio anbietet und es kein Schwimmbad gibt. Angesichts der vielen Möglichkeiten im Umkreis und dem Ozean vor der Tür ist das aber denke ich für jeden zu verkraften.

Tipps zur Wohnungssuche

Nachdem ich jetzt das prinzipielle Uni-Leben beschrieben habe, möchte ich jetzt noch meine Erfahrungen in Australien mit Euch teilen. Diese sind nach Reisezielen, Wohnungssuche und, relativ plump aber dennoch wichtig, wie finde ich neue Freunde strukturiert.

Die Wohnungssuche will ich recht schnell abhandeln, da es an der Gold Coast eigentlich unzählige Möglichkeiten gibt. Eine Wohnung außerhalb des Studentenwohnheims gibt Euch mehr Freiheiten (auch in der Preisgestaltung) und ich würde es jedem raten. Eigentlich könnt Ihr vom Stadtteil Broadbeach (wo die Endstelle der Tram ist) bis hin zur Uni überall wohnen, ohne lange Wege in Kauf nehmen zu müssen. Mir war klar, dass ich möglichst nah am Strand wohnen will und da, wo immer was los ist. Surfers Paradise ist dafür prädestiniert, wer es etwas ruhiger mag sollte sich einfach von Surfers Paradise in Richtung Broadbeach etwas suchen. Mein Tipp für die Wohnungssuche: Legt Euch eine Liste von Apartmentkomplexen an und klappert diese nacheinander ab. Die Liste könnt ihr über Internetrecherche oder einfach über google maps innerhalb von 1-2 Studenten super leicht erstellen. Ruft dann die entsprechenden Apartmentkomplexe an (es ist immer jemand an der Rezeption) und fragt, ob etwas für Euren Zeitraum frei ist. Meistens werden die Apartments sehr spontan vermietet, sodass Ihr immer was finden solltet. Auf der anderen Seite heißt es aber auch, dass es schwierig ist schon vier Wochen im Voraus etwas zu vereinbaren. Am besten ist es Ihr macht Euch schon von Deutschland eine Liste und geht dann vor Ort zu Besichtigungen, die Ihr auch erst vor Ort ausmacht. Am besten Ihr holt Euch am ersten Tag eine Sim-Karte für Euer Handy. Die gibt es im Convenience Store, den Supermärkten, oder Shops direkt von den Anbietern. Ich kann Vodafone oder Optus empfehlen. Kostet rund 30 AUD pro Monate für 3GB Internet, Telefon und SMS flat.

Es gilt der Grundsatz: Nie eine Wohnung mieten, die Ihr nicht vorhergesehen habt! Keine Angst Ihr findet auf jeden Fall etwas. Ihr könnt auch online über gumtree.com.au schauen, ob es Leute gibt, die Mitbewohner suchen. Ein Zimmer kostet Euch rund 180-300 AUD pro Woche, wobei 300 schon eher Luxus ist. Ein geteiltes Zimmer kostet Euch rund 100-150 AUD pro Woche.

Reiseziele

Wie bereits gesagt habe ich mich unter anderem für Australien entschieden, da ich so schnell nicht wieder die Möglichkeit bekomme in einem so großen Land unterwegs zu sein. Für meinen Teil muss ich sagen, dass ich die Zeit auch wirklich sehr effizient für Reisen und Entdecken genutzt habe. Ich lotse Euch einfach mal durch meinen Reiseplan und meine Highlights. Insgesamt war ich vier Wochen von Brisbane nach Cairns, vier Wochen von Brisbane nach Sydney (inklusive Whitsundays und Cairns) und nochmal 15 Tage in Neuseeland unterwegs. Dazu bin ich noch fünf Tage zu Besuch in Singapur gewesen.

Ich bin bereits vier Wochen vor Semesterbeginn angekommen und wollte die ersten Tage nach einer Wohnung in Surfers Paradise schauen und dann gleich einen Road Trip machen. Deshalb weiß ich auch, wie oben beschrieben, das es fast unmöglich ist in Australien jemanden zu finden, der einem vier Wochen im Voraus eine Wohnung zusagt. Den Road Trip habe ich aber doch gemacht und zwar 24 Tage lang von Brisbane nach Cairns in einem Hippie-Camper zusammen mit einem Freund der ebenfalls an der Griffith ein Auslandssemester gemacht hat. Zu den absoluten Highlights des Trips zählen sicherlich die Whitsunday Islands, das Great Barrier Reef von Cairns aus, der Daintree Rainforest und Cape Tribulation sowie viele weitere mehr. Mein Tipp an Euch: Kauft Euch einen Reiseführer für 20-30 Euro. Der zeigt Euch alle Stationen auf dem Weg und ist sein Geld allemal wert. Für mich ging’s von Brisbane aus entlang der Sunshine Coast über Noosa nach Rainbow Beach zw. Hervey Bay. Naja ich weiß nicht genau was man noch sagen soll, wenn ein Landstreifen schon Sunshine Coast heißt. Ich kann nur sagen, dass es Sonne satt, Meer, gutes Essen (vor allem Fisch) und schöne Strände gibt. Alle Campingplätze in Australien sind aus meiner Sicht auch wirklich gut. Ihr habt immer eine Küche und saubere sanitäre Anlagen. Leider kann ich nicht alle Einzelheiten der Reise aufzählen also mache ich einen etwas größeren Sprung in den Norden zu den Whitsunday Islands. Der Whitehaven Beach ist gehört weltweit sicher strandmäßig zum Höchsten der Gefühle. Dort habe ich einen 3-tägigen Segeltörn gemacht, den ich wohl nie mehr vergessen werde. Zunächst mal schlaft Ihr auf einer umgebauten Rennyacht und segelt tagsüber mit dieser entlang der Inseln. Dazu haltet Ihr immer wieder zum Schnorcheln in türkisblauem Wasser an und lasst Euch von der Sonne brutzeln. Allerdings, es regnet auch auf den Whitsundays recht häufig also schaut für Euren Trip nach der Wetterprognose. Neben den Whitsundays war für mich das Rafting auf dem Tully River sicherlich ein Highlight. Ihr bekommt einen ganzen Tag voller Aktion und Adrenalin inklusive Klippenspringen und Kentern. Dazu ist die Landschaft einfach nur beeindruckend. Ihr verbringt den Tag auf einem der klarsten Flüsse überhaupt und fahrt unter Wasserfällen hindurch.

Bevor ich aus dem Schwärmen nicht mehr rauskomme, gibt es noch ein paar Infos zu Cairns und dem Great Barrier Reef. Dort könnt Ihr nach Möglichkeit einen Tauchschein machen. Das dauert vier Tage und lohnt sich aus meiner Sicht total. Das Great Barrier Reef ist einfach aufgrund seiner Größe beeindruckend. Wenn Ihr vom Tauchboot aus über das Meer blickt, dann seht ihr überall die verschiedenen Türkistöne im funkelnden Meerwasser. Vergewissert Euch aber auf jeden Fall, dass Ihr zum „Outer Reef“ fahrt. Dort sind die Korallen besser erhalten und es gibt eine Vielzahl an Fischen. Neben dem Great Barrier Reef ist sicherlich Cape Tribulation ein besonderes Ausflugsziel. Dort fühlt Ihr Euch weit abgeschottet von der Zivilisation und befindet Euch quasi direkt im ältesten Regenwald der Welt. Gerade für Europäer, die noch nicht so viel Kontakt mit dem Urwald hatten, ist das ein einmaliges Erlebnis. Absolutes Highlight war ein wilder Kasuar. Angst vor Kleintieren wie Spinnen, Ameisen in allen Größen und Schlangen solltet Ihr allerdings nicht haben. Dass Ihr Euch von Wasserlöchern fernhalten solltet, weil Ihr sonst von Krokodilen angegriffen werden könntet (keine Angst nur die Großen „beißen“, für die Kleinen seid Ihr keine Nahrung), ist Euch spätestens bewusst, nachdem Ihr ein vier Meter langes Krokodil im Daintree River, bei der Überfahrt mit der Fähre, gesehen habt.

Neben der Reise von Brisbane nach Norden habe ich zusätzlich während des Semesters noch einen Road Trip mit meiner Freundin von Brisbane über Sydney bis nach Melbourne gemacht. Auch der war einfach nur überwältigend. Alles aufzuzählen würde hier sicherlich den Rahmen sprengen. Ich will Euch nur noch mit auf den Weg geben, dass der Road Trip selbst eine Erfahrung für sich ist. Ihr fahrt teilweise auf Straßen, auf denen Euch Stundenlang kein Auto entgegenkommt. Dazu ist es eigentlich fast ausgeschlossen, dass nicht mal etwas repariert werden muss (auch nur Kleinigkeiten). Versucht mal bei einem 15 Jahre alten Mitsubishi Camper Van das Motoröl nachzufüllen. Also ich kenne mich auch nicht besonders mit Autos aus, aber das man quasi den kompletten Beifahrersitz samt Mittelkonsole umklappen muss, dann feststellt, dass man die ganze Zeit zehn Zentimeter über dem Motor sitzt, und dann noch irgendwie Motoröl da hinein pfriemeln muss ist schon abenteuerlich. Solche Erlebnisse stärken dann aber auch Eure Entschlossenheit, dass Ihr alles meistern könnt. Dazu seid Ihr abends fast immer auf einem Campingplatz und kommt immer mit Australiern oder anderen Touristen in der Campingküche ins Gespräch. Auch hier lernt Ihr neue Lebensphilosophien kennen und könnt Euch über Eure Eindrücke ein Australien austauschen.

Wer entweder während des Semesters weniger Zeit hat oder nicht so viel Geld zum Reisen ausgeben kann. Für den gibt attraktive Reiseziele und Aktivitäten um die Ecke. Dazu zählen der Tamborine, Springbrook und Lamington National Park in denen Wanderung durch den Urwald, inklusive Blutegeln möglich sind. Das sind Tagestrips zu einen Ihr am besten mit anderen Studenten ein Auto mietet und dann um Wasserfälle herum durch das Dickicht wandert. Dazu solltet Ihr aus meiner Sicht unbedingt zu einem American Football Spiel gehen, einfach um die Atmosphäre mal aufzusaugen und das mal zu sehen. Es wird in einem Kreis, so groß wie mehrere Fußballfelder, gespielt und man kann sowohl mit der Hand als auch mit dem Fuß passen. Die Gold Coast Suns, das Team an der Gold Coast, sind leider aktuell eher Kanonenfutter, aber bis Ihr die Regeln kapiert habt, ist das Spiel sowieso schon zur Hälfte vorbei. Ansonsten gibt es mehrere Freizeitparks und Seaworld direkt in der Nähe. Wer, wie ich, surfen lernen will sollte sich am besten ein Surfboard kaufen und es einfach ausprobieren. Allerdings muss ich Euch enttäuschen, Surfers Paradise ist in keinem Fall ein „Surfparadies“ und für Anfänger eher ungeeignet. Am besten Ihr weicht weiter südlich auf Burleigh Heads oder Currumbin aus. Das Nachtleben in Surfers ist quasi jeden Tag voll aktiv. Ich selbst fand aber die Clubs in Broadbeach besser.

Hier komme ich jetzt zur Letzten aber vielleicht für den ein oder anderen wirklich hilfreichsten Sektion meines Berichts. Ich will nur in kurzen Zügen beschreiben, wie ich mein soziales Netzwerk im Auslandssemester aufgebaut habe. Ich habe dabei keinen bestimmten Plan im Vorhinein verfolgt aber mir sind doch hinterher ein paar wesentliche Aspekte in Erinnerung. Wenn Ihr ankommt kennt Ihr natürlich erstmal niemanden so richtig. Das sollte sich aber schnell ändern. Am besten Ihr geht schon vorher in die offizielle Facebook Gruppe der Griffith Uni, dann wisst Ihr direkt, wer noch alles als Gaststudent kommt. Dazu findet Ihr dort immer wieder Wonungsgesuche und –angebote und vieles mehr zu Aktivitäten und gemeinsamen Treffen. Mein erster Kontakt zu anderen Studenten bestand schon vor der Oweek da ich eine Wohnung angemietet hatte und noch Untermieter suchte. Es ist schon fast lächerlich, dass ich am Anfang dachte, ich könnte niemanden finden. Gerade zu Semesterbeginn sucht eigentlich jeder eine Wohnung und wir haben jeden Tag mehrere Anfragen bekommen. Dadurch sind dann die ersten Kontakte entstanden. Ich habe über das Wohnungsangebot insgesamt zu 15 weiteren Studenten einen ersten Kontakt bekommen. Auch wenn mit der Zeit manche abgesagt haben, haben wir uns trotzdem verabredet, um mal was zusammen trinken zu gehen und schon kennt man mehrere Leute. Beim Ausflug nach Byron Bay waren diese natürlich auch dabei und man kennt sich direkt, wodurch der Einstieg leichter wird. Dazu kommt, dass wir beispielsweise durch die Schweden, die wir kennen gelernt haben wieder deren Freunde getroffen haben. Diese waren dann wieder mit anderen auf einem Zimmer in Byron Bay, sodass sich das Geflecht weiter ausbreitet. Was ich Euch damit sagen will ist: Seid von Beginn an proaktiv. Es gibt keinen Grund zur falschen Scheu, weil alle gerade am Anfang im selben Boot sitzen. Seid Ihr selbst, offen und freundlich. Ihr habt die wahrscheinlich beste Zeit Eures Lebens vor Euch, also wacht jeden Tag mit einem Lächeln auf. Je mehr Leute Ihr bereits vor der Oweek kennt, umso größer ist der Multiplikatoreffekt während der Oweek. Am Anfang bilden sich kleine Kreise von Studenten, die sich zufällig getroffen haben und diese vermischen sich dann immer mehr.

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