Das letzte halbe Jahr war jeden Cent wert

Alexandra Müller | Universität Mannheim


Wo
Queensland University of Technology

Zeitraum
20.07.2015 - 30.11.2015

Was
Lean Six Sigma, Advanced Enterprise Architecture und Project Management

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.07.2017

Auslandssemester an der Queensland University of Technology

Vorbereitung

Obwohl ich bereits während meines Bachelorstudiums ein Auslandssemester absolviert hatte, stand für mich zu Beginn meines Masters fest, dass ich diese Erfahrung wiederholen wollte. Anstatt den USA wollte ich dieses Mal Australien erkunden. Da die Universität Mannheim zu diesem Zeitpunkt für meinen Studiengang und Abschluss lediglich eine einzige Partneruniversität in Australien anbot, beschloss ich nach einer Messe an meiner Universität, mein Auslandssemester über Ranke-Heinemann zu organisieren. Mit Hilfe der Kurzbeschreibungen der Universitäten (bezüglich fachlicher Eignung, Studiengebühren, etc.), sowie den Erfahrungsberichten auf der Website und unter Berücksichtigung von Lebenshaltungskosten und Klima, entschied ich mich für die Queensland University of Technology (QUT). Nach Zusammenstellen und Versenden der Unterlagen an Ranke-Heinemann, hatte ich wenige Wochen später meine Zusage und konnte mich um Sachen wie das Visum und den Flug kümmern. Anstatt eines Studentenvisums ist es auch möglich mit dem Working Holiday Visa ein Semester lang zu studieren. Dieses ist günstiger und bietet den Vorteil, dass man nicht die australische Krankenversicherung (OHSC) abschließen muss, sondern sich eine deutsche Auslandskrankenversicherung aussuchen kann. Man muss allerdings bedenken, dass diese Art von Visum nur einmal im Leben (von Leuten unter 30) beantragt werden kann. Wer also mit dem Gedanken spielt nach dem Studium ein Jahr Working Holiday zu machen, sollte sich für das Studentenvisum entscheiden.   

Ankunft und Unterkunft

Die Reise zum anderen Ende der Welt braucht seine Zeit. In meinem Fall kam ich mitten in der Nacht nach insgesamt 36 Stunden endlich in Brisbane an. Der zuvor gebuchte Shuttle Service der QUT brachte mich und ein paar andere Studenten zu unseren Hostels. Die QUT bietet außerdem für internationale Studenten bereits vor Semesterstart eine Orientation an. Hier bekommt man erste wichtige Informationen zum Leben und Studieren in Australien. Des Weiteren hilft einem der Accomodation Service der QUT bei der Wohnungssuche. Die Mitarbeiter beraten einen hinsichtlich Wohngegenden und vereinbaren auf Wunsch sogar Besichtigungstermine. Die Mietkosten in Brisbane sind stark abhängig davon, für welche Art von Unterkunft man sich entscheidet (privat über Gumtree, Flatmates, etc. oder in einem, meist von einer Agentur verwalteten, shared house).

Obwohl das Semester in Mannheim vergleichsweise früh endet, konnte ich erst eine Woche vor Start der Orientation Week in Brisbane sein. Viele andere Studenten kamen sogar ein paar Tage später. Die Makler und Vermieter nutzen dies leider aus und versuchen die Studenten zu schnellen Entscheidungen zu drängen indem sie erzählen, wie schnell man sich doch für ein Zimmer entscheiden müsste, da alle innerhalb weniger Tage vergeben wären. Die Zustände der Wohnungen und Häuser ist ebenfalls extrem unterschiedlich und schwankt von abgewohnten 30 Bett- zu netten 6 Personen-Häusern. Ich entschied mich relativ schnell für ein Haus mit 10 weiteren Zimmern in East Brisbane. Zu Fuß war ich ca. 30 Minuten von der Universität und 45 Minuten von der Innenstadt entfernt. Mit dem Bus war man etwas schneller und die Preise waren dank Studentenermäßigung (GoCard) vollkommen in Ordnung.

Obwohl das Haus wirklich schön und gepflegt war, waren die Zimmer mit Preisen zwischen $210 bis $250 pro Woche wie alle anderen überteuert. Außerdem mussten meine Mitbewohner und ich leider feststellen, dass die Agentur (Brisbane Students) fast jedem von uns unterschiedliche Informationen gegeben hatte, unflexibel und in vielen Aspekten schlecht organisiert war. Allgemein würde ich nicht wieder in ein von dieser Agentur vermietetes Haus einziehen. Im Vergleich zu Freunden, welche über Gumtree eine Unterkunft in einem australischen Haushalt gefunden hatten, muss allerdings gesagt werden, dass man in so einem Studentenhaus in der Regel fast ausschließlich internationale Mitbewohner hat. Während man in einem privat vermieteten Zimmer Geld spart und (je nach Mitbewohnern…) integriert wird, ist in einem shared house in der Regel immer etwas los und da alle so viel wie möglich von der Gegend sehen wollen, finden sich immer Leute für Ausflüge. Beides hat also seine Vor- und Nachteile welche man sich vorher klar machen sollte. Ich persönlich habe meine Entscheidung dank meiner liebenswerten Mitbewohner nie bereut :)

Studium

Während meines Semesters an der QUT belegte ich drei Kurse: Lean Six Sigma, Advanced Enterprise Architecture und Project Management. Die meisten Kurse bestehen aus einer Vorlesung sowie einem Workshop/Tutorial von jeweils 2 Stunden pro Woche. Die Qualität von Kursen an der QUT war allgemein sehr gut, hängt aber genau wie in anderen Ländern unter anderem stark von den Dozenten und Teaching Assistants ab. Außerdem kam es leider in manchen Kursen hin und wieder zu widersprüchlichen Aussagen bezüglich Inhalten oder Abgaben, welche die eine oder andere Nachfrage nötig machten. Die Gesamtnote der Kurse ergibt sich aus mindestens zwei, in der Regel drei Teilen. Neben dem Final Exam sind das Mid Terms oder kleinere Tests, Präsentationen, Gruppenarbeiten oder Reports. Dieses System garantiert eine konstantere Mitarbeit der Studenten während des Semesters, führt aber manchmal tatsächlich dazu, dass ein Kurs schon vor der eigentlichen Klausur am Ende des Semesters bestanden ist. Alle meine finalen Klausuren bestanden zum Großteil aus Multiple Choice und nur zwei zu einem kleinen Anteil aus offenen Fragen. Der Schwierigkeitsgrad kam mir persönlich etwas einfacher vor als in Deutschland, allerdings habe ich von anderen Studenten genau das Gegenteil gehört. Auch hier hängt es wohl wie immer stark von den jeweiligen Kursen ab. Die Noten in Australien reichen von 1 bis 7, wobei eine 4 einem Bestanden und eine 7 einer 1,0 entspricht. Die genaue Anrechnung bestimmt die Heimatuniversität.

Alltag, Freizeit und Reisen

Brisbane ist eine wunderschöne Stadt und auch wenn sie hinsichtlich Sehenswürdigkeiten und Bekanntheit nicht mit Sydney oder Melbourne mithalten kann, ist die Lebensqualität sehr hoch. Besonders die South Bank am Brisbane River bietet unglaubliche viele Möglichkeiten für Unternehmungen. Neben Restaurants, Cafés, einem Kino, verschiedenen Läden und wechselnden Märkten gibt es hier auch einen City Beach an dem sich Jung und Alt zum Sonnen und Baden trifft. Generell gibt es viele, schön angelegte Parks, wovon die meisten sogar mit kostenlose Gas-Grills ausgestattet sind und zu einem BBQ mit Freunden und Bekannten einladen. Die Lebenshaltungskosten in Brisbane sind im Vergleich zu Sydney oder Melbourne relativ niedrig und obwohl sie allgemein um einiges höher sind als in Deutschland, gibt es Ausnahmen. So sind zum Beispiel Sushi und Kinobesuche inklusive Snacks bedeutend preiswerter.

Auch zum Reisen ist Brisbane ein idealer Ausgangspunkt. Neben Tagesausflügen zum Lone Pine Koala Sanctuary oder dem Australia Zoo um die einheimischen und für uns exotischen Tiere zu sehen, bieten sich Wochenendausflüge zum Beispiel nach Byron Bay, Noosa, an die Sunshine oder Gold Coast an. Wenn man zwei, drei Wochen am Stück Zeit hat, kann man einen längeren Trip machen. Ich flog beispielsweise während der Ferien (mid semester break) mit einigen meiner Freunde und Mitbewohnern nach Cairns um nach ein paar Tagen inklusive Schnorcheln am Great Barrier Reef mit dem Auto die Küste zurück bis nach Brisbane zu fahren. Auf dieser Strecke sind Stopps in Townsville / auf Magnetic Island, den Whitsunday Islands (2-3 Tage segeln) und Fraser Island definitiv empfehlenswert! Natürlich sollte man auch Sydney und Melbourne bei einem Australien Besuch nicht vernachlässigen und ich nutzte, wie die meisten anderen Studenten, die Gelegenheit um noch einen Neuseeland-Urlaub nach dem Semester anzuschließen.  

Fazit

Neben all den positiven Erfahrungen muss natürlich auch der einzige aber leider bedeutende Nachteil erwähnt werden: die Kosten. Mit Studien- gebühren von alleine fast $8,000, einem empfohlenen Budget von $400 pro Woche für Miete, Lebensmittel und öffentliche Verkehrsmittel sowie den zusätzlich benötigten finanziellen Mitteln für Freizeit, Ausgehen und Reisen darf man die Kosten eines Auslandssemesters in Australien nicht unterschätzen.

Tendenziell unterschätzt man leider trotzdem zum einem meist wie viel Geld all dies tatsächlich kostet und zum anderen die Tatsache, dass fast alles zusätzlich noch etwas teurer ist als in Deutschland. Einen ausreichend großen Puffer einzukalkulieren ist empfehlenswert. Alles in allem möchte ich jedoch keinen Moment dieses Auslandsaufenthalts missen und bin der Meinung, dass das letzte halbe Jahr jeden Cent wert war.

 

 

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