Ein Semester auf den Kopf gestellt

Marvin Raasch | Student


Was
Biomedical Engineering and Design; Genetics and Society; Concepts of Biotechnology

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH_Förderprogramm

31.12.2015

Auslandssemester an der Swinburne University of Technology

Im Rahmen des Praxissemesters der Hochschule Hamm Lippstadt (HSHL) entschloss ich mich ein Semester in Australien zu absolvieren. Jedoch war mir klar, dass ich viele Hürden überwinden müsste. Aber mit Hilfe des Ranke Heinemann Instituts, der HSHL und meiner Familie stand meinem Abflug nichts mehr im Wege. Ich stieg in den Flieger mit großen Erwartungen von sonnigem Wetter, schöner Natur und freundlichen Einheimischen. Hingegen hatte ich auch einige Befürchtungen, wie zum Beispiel, dass ich mit meinen Englischkenntnissen nicht mithalten kann, Heimweh habe oder keine Freunde finde.

Als ich dann endlich, nach 24 Stunden Flugzeit, in Melbourne gelandet war, wurde ich sehr überrascht. Warum ist es hier kalt? Da die Jahreszeiten verdreht sind kam ich, obwohl es Juli 2015 war, im Winter an. Zwar schwanken die Temperaturen in Melbourne im Winter nur zwischen 10 -15°C, jedoch kam es doch als eine Überraschung für mich. Da ich erst gegen Abend ankam war ich sehr müde von der Reise und der Zeitverschiebung und suchte daher direkt meine neue Wohngemeinschaft, in einem Studentenwohnheim der Swinburne University of Technology, auf. Hier lernte ich meine neuen Mitbewohner kennen. Zum einen Niels, ein Student aus Dänemark der auch ein Auslandssemester zur selben Zeit absolvierte, und Jonah, ein einheimischer Student, der mir und Niels den Einstieg an der neuen Universität erleichterte.

Nach ein paar Tagen Eingewöhnungszeit begann schon die Orientierungswoche. Hier baten sich unzählige Möglichkeiten Leute kennenzulernen, Clubs beitreten und ein besseres Bild der Universität zu bekommen. Die Aktionen in der „O-Week“ beinhalteten Führungen über den Campus, Stände von Clubs und Firmes aus der Umgebung und Partys. So kam es dazu, dass ich mit der Universität vertraut war und einige Freunde gefunden hatte.

Als dann die Vorlesungen starteten verflüchtigten sich meine Befürchtungen über meine Sprachkenntnisse schnell. Mit grundlegenden Englisch Kenntnissen ließ sich sowohl der Alltag, als auch die Vorlesungen, gut meistern. Zudem war ich aber bei Fachbegriffen auf ein Wörterbuch angewiesen, aber viele Wörter ließen sich auch umschreiben. Kleine Probleme gab es zunächst nur bei einigen Akzenten, wie bei indisch sprachigen Professoren. Dieses Problem löste sich aber nach einer kurzen Eingewöhnungszeit von selbst.

Während den ersten Wochen fing ich an die nähere Umgebung von Melbourne zu erkunden. Dazu gehörte natürlich die Innenstadt von Melbourne, welche nicht nur eine gute Möglichkeit zum shoppen bot, sondern auch coole Bars und atemberaubende Architektur. Zudem sind einige kleine Nationalparks um Melbourne gelegen welche einen genialen Einblick in die Fauna und Flora von Süd-Australien bieten. Außerdem gab es Angebote der Swinburne University of Technology für verschiedene Ausflüge. So konnte ich einige Weintouren machen, einen Zoo besuchen und mehr über die Kultur Australiens erfahren, wie Bumerangs, den Volkssport Footy (Australien Football) und die Pferderennen.

Somit ging die erste Hälfte des Semesters schnell um und die Mid-Semester Break brach an. Dies ist eine vorlesungsfreie Woche, in der Mitte des Semesters, welche die Möglichkeit bietet Projekte aufzuholen oder auch zu reisen. Ich entschied mich mit drei Freunden ein Auto zu mieten und die sogenannte „Great Ocean Road“ Tour zu machen. Diese Tour bezeichnet eine Reise mit Melbourne und dann entlang der Küste. An dieser Küste lassen sich Strände, Nationalparks, die zwölf Apostel, Klippen und andere Sehenswürdigkeiten entdecken. Diese Reise zeigte mir zum ersten Mal die Schönheit und Variabilität der australischen Natur. Von dichten Regenwäldern über wüstenähnliche Steppen und von Großstädten bis zu Städten mit gerade mal 50 Einwohnern.

Nach dieser fantastischen Reise traf mich der fordernde Start der Uni hart, da die australischen Universitäten nicht alles an einer Klausur am Ende des Semesters messen, wie in Deutschland üblich, sondern viele Tests, Berichte und Essays über das Semester verteilen. Jedoch gewöhnte ich mich schnell an das alternative Lernschema und schaffte es alle Projekte rechtzeitig fertig zu stellen. Es bedurfte viel Gewöhnung wissenschaftliche Berichte oder lange Essays auf Englisch zu verfassen, aber mit etwas Hilfe der Universität und einem Wörterbuch schaffte ich es diese Projekte auf normalem Niveau zu bestehen. So ging auch die zweite Hälfte des Semesters schnell um und die Klausuren standen bevor. Doch nach einigen langen Nächten in der Bibliothek waren auch diese bewältigt. Nun freute ich mich nur noch darauf so viel von Australien, in 30 Tagen, zu erkunden, wie ich kann, bevor ich zurück flog. Ich startete damit eine Woche durch ganz Tasmanien mit dem Auto zu fahren. Tasmanien bot mir einige Sehenswürdigkeiten, und Unmengen an unberührter Natur. So ließ sich hier eine Herde von ca. 100 wilden Kängurus beobachten, was für mich persönlich ein besonderes Erlebnis war. Trotzdem hielt es mich nicht ab, das ein oder andere Mal die nationale Spezialität, Känguru, zu essen, welches jeder, der Australien besucht, mal probieren sollte.

Nach dieser ereignisreichen Woche ging es für mich ein letztes Mal zurück nach Melbourne, denn meine letzte große Reise durch Australien stand bevor. Hier regelte ich letzte Angelegenheiten, wie meine Wohnung zu kündigen und letzte Sachen mit der Uni zu klären. Dann nach ein paar Tagen ging mein Flieger nach Cairns, im Norden von Australien. Von hier wollte ich die gesamte Ostküste von Australien erkunden. Mein erstes Ziel war das berühmte Great Barrier Reef, welches mich schon seitdem ich ein Kind war faszinierte. Nachdem ich Cairns ausgiebig erkundet hatte, mietete ich mir ein Auto und begab mich Richtung Süden. Da ich nun mehr in Norden war, waren hier die Temperaturen deutlich höher und zudem wurde es langsam Dezember, also Sommer. Somit konnte ich viele Stops an Badeplätzen oder ähnlichen machen. Nach einigen Tagen war ich dann an einem meiner Hauptziele angekommen, der „Gold Coast“. Diese Gegend ist bekannt für seine atemberaubende Strände und Partyszene. Nur einige Kilometer weiter kam ich dann in Brisbane an, einer der größten Städte der Ostküste. Hier verbrachte ich einige Tage um auszuruhen, da ich vorher jeden Tag lange Strecken fahren musste. Zuletzt war mein Ziel, die Stadt wofür Australien bekannt ist. Die Stadt mit der berühmten Oper, Sydney. Hier verbrachte ich eine ganze Woche. Es war ein passender Abschluss meiner Reise, da ich hier Stadttouren machen konnte, feiern gehen konnte, Strände besuchen konnte und, vor allem, über das vergangene halbe Jahr reflektieren konnte.

Am 22.12.2015 war es dann soweit und mein Flieger Richtung Deutschland wartete. Ich verließ Australien mit gemischten Gefühlen, wie ich auch vor 6 Monaten Deutschland verließ. Zum einen freute ich mich Familie und Freunde wiederzusehen und mit ihnen Weihnachten zu feiern und endlich wieder deutsche Spezialitäten, wie Currywurst, essen zu können. Zum anderen hätte ich gerne mehr von Australien erkundet und mehr Zeit mit meinen neu gefundenen Freunden verbracht.

Zum Abschluss kann ich nur sagen, dass Australien ein definitiv positives Erlebnis für mich war, welches ich nur allen die ein Auslandssemester in Erwägung ziehen, ans Herz legen kann.

Mehr Eindrücke?

Lesen Sie auch unsere anderen Erfahrungsberichte.