Das Wichtigste ist, dass man offen auf alle Situationen, Personen und Dinge zugeht
Student mit Python

Alexander Keutmann | FH Aachen


Was
International Industry and Trade Management

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.12.2015

Auslandssemester an der University of Southern Queensland

Cable Beach in Broome

Mein Name ist Alexander Keutmann und ich bin 21 Jahre alt. Ich studiere „International Industry and Trade Management“ an der Rheinischen Fachhochschule Neuss. Meine Gastuniversität in Australien war die University of Southern Queensland (USQ) in Toowoomba. Viele denken jetzt vermutlich erstmal: „Toowoomba? Nie gehört. Wo liegt das denn?“ Toowoomba, auch genannt die „Gartenstadt Australiens“, liegt ca. 125 km westlich von Brisbane im schönen Queensland. 

Nach Canberra ist Toowoomba die zweitgrößte australische Stadt, die nicht an der Küste, sondern im Inland liegt. Mit rund 100.000 Einwohnern ist sie deutlich kleiner als Sydney, Melbourne oder Brisbane. Einige werden nun sagen, dass sich Toowoomba langweilig anhört, da die Stadt kleiner ist und nicht an der Küste liegt. Deshalb möchte ich direkt vorweg sagen: Wer nach einer großen Stadt, nächtelangen Partys und regelmäßigen Strandaufenthalten sucht ist hier falsch. Toowoomba zeichnet sich durch andere Dinge aus. Ich fand die Distanz zur Küste äußerst positiv, da dadurch viel weniger Touristen in der Stadt sind. Diese können nämlich in den großen Städten und an der Küste wirklich nervig sein. Darüber hinaus ist das Klima sehr gut, da Toowoomba in etwa 700 Metern Höhe liegt. Dadurch ist es gerade im Sommer deutlich angenehmer, da auch immer eine frische Brise weht.

Toowoomba wird aufgrund der vielen sehr schönen Parks und Gärten auch die „Gartenstadt Australiens“ genannt. Die Parks bieten viele Möglichkeiten zum Entspannen, für Sport und Fitness, aber auch für Familien und Kinder. Ich habe dort zum Beispiel Radtouren gemacht, war Joggen und habe mich mit Freunden für ein Picknick getroffen. Die schöne Innenstadt besteht aus vielen kleinen Läden und netten Cafes. Dort kann man gemütlich zu Mittag essen und abends ausgehen. Im großen Einkaufszentrum „Grand Central“, das momentan sogar noch erweitert wird, sind alle Läden und Kaufhäuser die man auch in den großen Städten vorfindet. Wem das dennoch nicht reicht, der kann für wenig Geld mit dem Bus oder Auto ins eineinhalb Stunden entfernte Brisbane fahren. Generell ist Toowoomba als Standort für Ausflüge und Reisen optimal. Die Busverbindungen über Greyhound und andere Unternehmen sind gut. Zweimal bin ich mit dem Bus nach Sydney gefahren. Man sitzt zwar 14 Std. im Bus, fährt aber über Nacht und hat mehrere Pausen. Dadurch kann man verhältnismäßig günstig viele Wochenendreisen unternehmen. Toowoomba hat außerdem einen eigenen Flughafen.

Aber auch im nahen Umfeld der Stadt gibt es viel zu sehen. Ein Besuch von Picnic Point ist ebenso Pflicht wie eine Wanderung auf den Berg „Tabletop“. Davon abgesehen gibt es in der näheren Umgebung schöne Nationalparks mit Regenwald und vielen Tieren. Auch ein Besuch der „Bunya-Mountains“ sowie der Städte Dalby und Warwick ist lohnenswert. Auch wenn Toowoomba nicht direkt an der Küste liegt, kann man problemlos Ausflüge zur Gold Coast, Sunshine Coast, nach Brisbane, Noosa und zum Rainbow Beach unternehmen. 

Ich hatte das Glück bei Verwandten in unmittelbarer Nähe wohnen zu können. Wer eine Unterkunft benötigt kann in eins der Wohnheime, die im direkten Umfeld der Uni liegen einziehen. Dort gibt es tolle Gemeinschaften mit anderen Studenten und man findet viele Freunde. Die Universität hat rund 19000 Studenten. Das klingt zuerst einmal nach sehr vielen Studenten. Man muss jedoch berücksichtigen, dass sich die Studenten auf die verschiedenen Standorte verteilen und außerdem viele externe Onlinestudenten eingeschrieben sind. Mit ungefähr 6000 ausländischen Studenten ist der internationale Anteil relativ groß. Das macht es sehr spannend, weil man Menschen von überall aus der Welt trifft. Ich habe zum Beispiel Freunde aus Australien, Argentinien, Schweden, China, Korea, USA, England und Kanada gefunden. Ich war in meinem Semester der einzige deutsche Student, was ich hinsichtlich des Englischsprechens eigentlich relativ gut fand.

Die University of Southern Queensland (USQ) hat einen schönen weitläufigen Campus mit vielen Sportplätzen, Wiesen und Parks. Es gibt ausreichend Parkplätze, eine gute Kantine, zwei Cafés, Subway und eine Bank. Die Universität hat eine der besten Unibibliotheken des Landes. Mit vielen guten bzw. bequemen Sitz- und Lernmöglichkeiten, Computerplätzen sowie einer großen Auswahl an Literatur ist sie der perfekte Ort zum Recherchieren und Lernen. Die Vorlesungsräume sind alle gut ausgestattet und bieten je nach Größe verschiedene Sitzmöglichkeiten. Die Kurse können unterschiedlich groß sein. Je nach dem kommen zwischen 2 und 100 Studenten zu den Vorlesungen. Meine Kurse waren alle relativ klein und es waren nie mehr als 16 Studenten da. Das war hervorragend, da die Vorlesung und der Kontakt zum Dozenten viel persönlicher und der Lerneffekt deutlich höher ist. In den Kursen wird ausreichend Material zur Verfügung gestellt, sodass man zum Teil sogar auf die Bücher verzichten kann. Die Uni besitzt ein hervorragendes internes Netzwerk über welches man auf alle seine Kurse sowie entsprechende Materialien und Informationen zugreifen kann. Die Dozenten besitzen hervorragende Fachkenntnisse und haben größten Teils auch praktische und internationale Erfahrung. Dadurch werden die Inhalte verständlich und anschaulich vermittelt.

Die Universität bietet allen Studenten tolle Serviceleistungen an. Die Betreuung der internationalen Studenten ist sehr gut organisiert. Es gibt viele weitere Abteilungen und Büros, die bei Problemen und Fragen aller Art behilflich sind. Egal ob es sich dabei um fachliche Probleme, organisatorische Probleme, Sprachprobleme oder Schwierigkeiten außerhalb der Universität handelt. Ein Team bietet fast täglich Angebote und Aktionen an. Zum Beispiel kostenloses Mittagessen, Sportangebote in der Mittagspause, musikalische Unterhaltung oder Thementage. Während meines Semesters gab es zum Beispiel einen Harry Potter Tag mit passendem Essen, einem großen Harry Potter Quiz mit tollen Preisen und ein Quidditch-Spiel. Darüber hinaus gibt es in der Universität viele verschiedene Clubs in allen möglichen Bereichen. Ob Sport, Musik, Kultur, Gaming, Religion, Wissenschaften oder Kunst, es ist für Jeden etwas dabei. Dadurch ergeben sich auch Möglichkeiten an Wettbewerben teilzunehmen und für die Uni bei Wettkämpfen anzutreten. Ich habe für das Fußballteam der Universität gespielt und war Mitglied im Club „Student Life“. Dort haben wir über verschiedene Themen gesprochen, Spiele gespielt und Events organisiert. Weiterhin veranstaltet die Universität Ausflüge und Themenabende. So kann man zum Beispiel an die Küste oder in Freizeitparks fahren, gemeinsam ins Kino gehen oder zusammen feiern. 

Bevor mein Semester anfing hatte ich ca. 5 Wochen zum Reisen. Im Gegensatz zu vielen anderen Reisenden hatte ich meine Reiseroute und alle Touren genau geplant. Meine erste Station war Cairns. Dort machte ich einen 5-tägigen Tauchkurs und den Open Water Tauchschein bei der Tauchschule „ProDive“, die sehr zu empfehlen ist. Es war ein tolles Erlebnis, dass sehr viel Spaß gemacht. Die ersten beiden Tage hatte ich Theoriestunden und Poolübungen. Die anderen 3 Tage fuhren wir raus zum Great Barrier Reef und machten dort insgesamt 9 Tauchgänge. Es war ein unglaubliches Erlebnis und man konnte die Vielfalt des Riffs bewundern. Unter anderem sah ich mehrere Haie, Schildkröten, viele schöne Fische und Nemo. Meinen letzten Tag in Cairns verbrachte ich in den Tablelands in den Bergen nahe Cairns. Dort gibt es Regenwald, tolle Buschlandschaft und viele Tiere.

Von Cairns flog ich nach Darwin, von wo aus ich auf meine schönste Tour startete: 9 Tage von Darwin nach Broome durch die wunderschönen Kimberleys, vorbei an Lake Argyle, bis zu den Bungle Bungles. Diese Tour bot alles was man sich wünschen kann. Ich hatte einen tolle Gruppe und einen hervorragenden Tourguide. Jeden Tag machten wir tolle Wanderungen und Ausflüge. Und jeden Tag gab es zum Teil mehrere Möglichkeiten in wunderschönen Bächen, Flüssen, Wasserfällen und Seen schwimmen zu gehen. Dazu dann das tolle Landschaftsbild fernab von jeder Stadt. Jeden Tag sah ich wunderschöne Sonnenauf- und untergänge, viele Tiere und tolle Felsformationen. Am Ende kamen wir dann in Broome an der Westküste an. Am bekannten Cable Beach hab ich dort den wohl schönsten Sonnenuntergang in meinem Leben gesehen. Diese 9-tägige Tour war die Beste, die ich in Australien gemacht habe. Gerade weil die Kimberleys noch nicht so überlaufen sind wie die Küstenregionen, ist ein die Tour lohnenswert und ein echter Geheimtipp, von dem auch viele Australier schwärmen.

Von Broome aus flog ich zurück nach Darwin. Dort besuchte ich den Litchfield National Park und machte eine Bootstour dem Fluss, um die „Jumping Crocodiles“ zu sehen. Mein Tipp in Darwin: Man sollte unbedingt einmal zu den Mindl Beach Markets gehen, die jeden Donnerstag am Mindl Beach sind. Dort gibt es neben hübschen Souvenirs und einem beeindruckenden, vielfältigen kulinarischen Angebot auch tolle Musik von Aborigines mit Didgeridoos. Von Darwin reiste ich anschließend nach Alice Springs. Dort begann meine dreitägige Tour zum Kings Canyon, den Olgas und natürlich zum Ayers Rock. Mein Tipp hier: Man sollte unbedingt alle drei Felsformationen sehen, da neben Uluru auch die Olgas und vor allem Kings Canyon wunderschön sind. Nach Alice Springs ging es für mich weiter nach Adelaide und dann über die Great Ocean Road nach Melbourne. Von dort aus fuhr ich nach Sydney und dann später über Brisbane nach Toowoomba. Die Städte haben mir alle sehr gut gefallen. Die Reisezeit war wunderschön und eine tolle Erfahrung. Ich kann nur jedem empfehlen möglichst viel Zeit mitzubringen, denn es gibt sehr viel zu sehen.

Als letztes möchte ich jedem, egal wo es dann am Ende hingeht, mit auf den Weg geben:
Das Wichtigste ist, dass man offen auf alle Situationen, Personen und Dinge zugeht, die einem während einer Reise bzw. einem Auslandsaufenthalt begegnen. Dadurch wird man sich immer wohl fühlen, Probleme lösen und viele Freunde finden. Viel Erfolg und gute Reise!

Euer Alexander

Mehr Eindrücke?

Lesen Sie auch unsere anderen Erfahrungsberichte.