Dringend Tapentenwechsel nach Bachelor Abschluss gebraucht

Manuel Kretlow | Bauingenieur, RWTH Aachen


Wo
The University of Technology Sydney

Zeitraum
2015 - 2016

Was
Postgraduate: Auslandssemester - Bauingenieur

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH - Studienbeihilfe

30.06.2016

Auf nach Sydney!

Planungsphase - warum Sydney und das Institut Ranke-Heinemann?

Mein Abenteuer Australien begann im Juli 2015 nach einer langen Planungsphase. Als Bauingenieursstudent im Master an der RWTH Aachen brauchte ich nach meinem abgeschlossenen Bachelor dringend einen Tapetenwechsel. Im Bachelor hatte ich mit dem Thema Auslandsaufenthalt zwar stark geliebäugelt, aber am Ende blieb es beim Liebäugeln - zugegeben, das lag an mir, weil ich das Planen schlichtweg immer vor mir hergeschoben habe. Nun also im Master! Für mich stand von vorne herein fest, dass ich in ein englischsprachiges Land gehen würde, da meine Französisch- und Spanischkenntnisse schlichtweg nicht ausreichend sind. Auch stand für mich recht bald fest, dass ich außerhalb Europas studieren wollte. Ich wollte mich komplett auf das Land einlassen, ohne die Möglichkeit, jederzeit zurückzufliegen für ein Wochenende.

Durch eine Infoveranstaltung an der RWTH wurde ich auf das Thema Australien aufmerksam. Dort habe ich auch das erste Mal vom Institut Ranke-Heinemann gehört. Die Entscheidung fiel recht schnell, denn Australien ist erst einmal so weit weg von zuhause, wie nur irgendwie möglich, und in Sachen Natur, Kultur und Mentalität von Deutschland grundsätzlich verschieden. Da die Fakultät für Bauingenieurwesen leider keine Partnerhochschulen in Australien hat, die für mich in Frage kämen, blieb für mich nur die Möglichkeit, als sogenannter Free Mover zu gehen. Das heißt, einiges an Planungsaufwand. Aber dafür gibt es ja das Institut Ranke-Heinemann. Die gesamte Kommunikation zwischen der Uni in Sydney und mir lief über das IRH, und ich kann nur jedem empfehlen, der vor der Hürde Auslandssemester selbstgemacht steht, die kostenlose (!) Unterstützung zu nutzen. Neben der kompetenten Hilfe im gesamten Planungsprozess - Ich habe bestimmt zwei Mal die Woche dort angerufen, und jedes Mal wurden meine Fragen mit Geduld und Freundlichkeit beantwortet! - bietet das IRH auch finanzielle Vorteile, wie Sonderkonditionen für Flüge und australische Bankkonten, und auch Stipendien. Also: mehr Planungsaufwand als über die Uni? Definitiv, das kann man nicht leugnen. Aber mit der Unterstützung des IRH viel weniger als erwartet. Und würde ich es wieder tun? Jeder Zeit, denn mein halbes Jahr in Sydney war das beste Jahr meines Lebens.

Ursprünglich standen für mich drei Universitäten zur Auswahl: die Queensland University of Technology in Brisbane, die Swinburne University of Technology in Melbourne und die University of Technology Sydney. Entscheidungsfaktoren waren vor allem natürlich Studienbereich und Fächerangebot, die Studiengebühren und die Lage der Uni. Am Ende habe ich mich für die University of Technology Sydney entschieden, mit einem breiten Fächerangebot im Bereich Nachhaltiges Bauen, und zwei interessanten Ingenieursdisziplinen (Bridge Design und Structural Dynamics & Earthquake Engineering). Ganz abgesehen davon bot mir die UTS mit Sydney den interessantesten Universitätsstandort. Über das IRH habe ich für die Uni zudem einen Rabatt von $1000 auf die Studiengebühren bekommen und im Nachhinein darüber hinaus eine Studienbeihilfe von 10% der Studiengebühren (aus $7200 werden $6200 und aus $6200 werden $5580 - das ist nicht zu verachten!). Meine Bewerbung war erfolgreich und dann stand es fest. Für mich geht es nach Sydney für ein Semester an der UTS.

Wohnen und Studieren in Sydney

Am 11.Juli ging mein Flieger von Frankfurt aus und nach etwa 24 Stunden Flug bin ich total zerstört in Sydney angekommen, am anderen Ende der Welt, mit Koffer und Backpack und wurde direkt mit einem freundlichen "Hey mate! How ya doin'?" am Flughafen begrüßt. Nach der ersten Nacht im Hostel, welches ich von Deutschland aus schon gebucht hatte, ging es mir etwas besser. Ich hatte eine Woche in Sydney, um die Stadt kennenzulernen und mir eine Wohnung zu suchen, bevor das Semester mit der Orientierungswoche am 27. startete. Hatte ich im Vorhinein noch gedacht, dass die Wohnungssuche eine Sache von zwei/drei Tagen werden würde, war es am Ende doch gut, dass ich eine ganze Woche dafür Zeit hatte. Ich empfehle euch deshalb echt, plant ein bisschen Zeit ein. Wenn ihr schnell etwas findet, dann habt ihr noch ein bisschen mehr Zeit, um die Stadt kennenzulernen.

Der Wohnungsmarkt

Zum Thema Wohnungsmarkt in Sydney: Man hört oft, dass Sydney super teuer sei. Das ist absolut nicht gelogen und spiegelt sich vor allem im Bereich Wohnungen wider. In Aachen bezahle ich für eine recht geräumige Ein-Zimmer-Wohnung mit Küche, Diele, Bad 300€ im Monat. In Sydney braucht man nach etwas derartigem gar nicht erst zu suchen. In Sydney ist es normal, in Shared Rooms zu wohnen. Wohngemeinschaften sowieso, aber sogar die Schlafzimmer werden geteilt. 4er oder 6er Schlafzimmer in großen WGs sind nicht die Ausnahme und die Wohnverhältnisse sind teils katastrophal. Ich habe Wohnungen gesehen, in denen ein winziges 4-Personen-Zimmer nur mittels eines Vorhangs vom Rest des Wohnzimmers abgetrennt wurde. Ich habe mich bei meiner Wohnungssuche auf Einzelzimmer und 2-Shared-Rooms konzentriert und am Ende ein recht geräumiges Zimmer in einem Shared House mit vier Australiern und einem Schweden gefunden.

Unterkunft

Für dieses Zimmer habe ich pro Woche $260 bezahlt - nein, nicht verhört, tatsächlich pro Woche! Und das ist schon günstig für ein Einzelzimmer. Es gibt einige Studentenwohnheime, bei denen internationale Studenten auch gute Chancen haben, reinzukommen. Das Problem ist, dass diese Zimmer pro Semester gemietet werden müssen und nicht nur bis Ende der Examen, sondern noch zwei Monate länger. Da ich nach den Klausuren reisen wollte, kam das für mich nicht in Frage, zwei Monate Miete aus dem Fenster zu schmeißen.

Das Shared House, in dem ich gewohnt habe, war vielleicht 20 Minuten Fußweg von der Uni entfernt, im kleinen Stadtteil Forest Lodge (auch liebevoll "Flodge" genannt), nahe Glebe. Ich habe Flodge und auch Glebe wirklich zu lieben gelernt, denn der Stadtteil ist ein kleines, beschauliches Fleckchen in Mitten der Großstadt, mit netten kleinen Bars und Pubs. Die Anbindung ist ziemlich gut, und mit dem Bus ist man in fünf bis zehn Minuten an der Central Station und im CBD (Central Business District).

Nahverkehr

Der öffentliche Nahverkehr in Sydney basiert auf einem ganz ausgeklügelten System aus Bussen, Zügen und Fähren. Um dieses System zu nutzen wird eine Opal Card benötigt. Auf diese kann man Geld einzahlen, in Shops und Kiosks überall in der City, und beim Nutzen der Verkehrsmittel muss man lediglich die Opal Card an den Sensor halten und auf den Piepton warten. Ein ziemlich gutes System, wie ich finde. Es spart nervige Wartezeiten fürs Bezahlen der Bustickets, etc.. Busfahren ist jedoch, wenn man nach Zeitplänen fährt, des Öfteren mehr Glücks- als Planungssache, denn manche Busse kommen viel zu spät, manche viel zu früh, und manche schlichtweg gar nicht.

Studium an der UTS

Die Uni an sich befindet sich im südlichen Teil des CBDs, mitten im Herzen Sydneys. Verglichen mit dem Campus der University of Sydney, der sich über ein gewaltiges Areal erstreckt mit riesigem Parkgelände, etc., ist der Campus der UTS geradezu winzig. Das liegt wohl auch daran, dass die Uni um einiges weniger Studenten hat, aber auch an der Lage mitten im CBD. Alles ist wesentlich enger, die Entfernungen sind recht klein zwischen den Unigebäuden, aber nichtsdestotrotz ist der Campus der relativ jungen Hochschule kein Schandfleck. Der UTS Tower ist zwar so ziemlich der hässlichste Wolkenkratzer der Skyline, aber man erkennt ihn von überall, mit seinem dicken UTS Schriftzug. Heißt, man findet immer wieder zurück, gerade in den ersten Wochen recht hilfreich zur Orientierung.

Aber der Campus hat einige schöne Flecken zu bieten, wie zum Beispiel das nette Parkgelände hinter dem Hauptgebäude, das Alumni Green. Ein wunderbarer Ort zum Entspannen zwischen den Vorlesungen, oder zum Lunch Genießen in der Sonne. Die Neubauten der UTS sind darüber hinaus teils architektonisch richtige Hingucker. Allen voran die neue Business-Fakultät, die ungelogen wie eine zerknautschte Papiertüte ausschaut. Auch die Engineering-Fakultät ist ein Neubau, mit umfassenden Nachhaltigkeitsfeatures für einen umweltbewussten Campus.

Die Ausstattung der Universität ist sehr gut, nicht vergleichbar mit den teils geringen Standards in Deutschland. Überall findet man Lernbereiche mit PCs, Druckerstationen und Stromanschlüssen. Auch draußen kann man gut studieren, was mich sehr gefreut hat, da Gelegenheiten hierzu in Aachen eher rar gesät sind (ganz abgesehen davon, dass es dort sowieso meist regnet...). Man erhält eine Student ID Card, die man auf dem Campus stets bei sich tragen sollte, denn nachts wird man von der Security schon mal kontrolliert. Die Karte dient auch als Zugangskarte für die Unigebäude und als Druckkontokarte (einfach Geld auf die Karte laden bei einer der Druckstationen und dann kann das Drucken losgehen!).

Orientierungswoche

Die Orientierung kann in den ersten Tagen vielleicht noch etwas schwer fallen, aber dafür ist sie ja da, die Orientierungswoche! Ich würde jedem empfehlen, an dieser Woche teilzunehmen und so viel wie möglich davon mitzunehmen. Teils sind die Veranstaltungen nicht unbedingt notwendig (Lernen, wie studieren richtig geht, sollte im Masterstudium nicht mehr von Nöten sein...), aber es geht ja vor allem darum, neue Leute kennenzulernen. Das geht super schnell, denn so gut wie jeder hier ist in derselben Situation, allein in einem fremden Land, an einer fremden Hochschule. In der ersten Woche habe ich einen Großteil der Kommilitonen kennengelernt, mit denen ich das Semester über viel zu tun hatte. Die ersten Gruppen bilden sich, und gerade daher ist es wichtig, die Orientierungswoche nicht zu überspringen. In der ersten Veranstaltung wurde gegen Ende übrigens erstmal ein kleiner Vortrag zum Thema Sicherheit beim Surfen gehalten und später gab es das erste von vielen, vielen BBQs. Spätestens hier wird klar, man ist in Australien angekommen!

Das Studium

Was das Studium an sich angeht, möchte ich in diesen Bericht recht allgemein halten, damit er nicht nur für Bauingenieure interessant ist. Nur kurz zu meiner Fächerwahl: Ich habe drei Fächer an der UTS belegt. Bridge Design, Sustainable Urban Development und Academic English. Letzteres war nicht wirklich notwendig, aber ich dachte mir, ein Englischkurs könne nicht schaden und würde mir mehr Sicherheit geben mit meinen eingerosteten Englischkenntnissen. Sustainable Urban Development beschäftigt sich mit nachhaltiger Stadtentwicklung und Bauwesen. Ein sehr interessantes Fach mit der Besonderheit, dass es im Block Mode gelehrt wird. Das heißt, es finden nicht kontinuierlich über das Semester hinweg Vorlesungen und Seminare statt. Stattdessen gibt es zweimal im Semester einen Block, der aus je dreieinhalb Tagen Vorlesungen, Gastvorträgen, Seminaren und Gruppenarbeit besteht. Ein interessanter Ansatz und meiner Meinung nach ziemlich sinnvoll, wenn auch ziemlich anstrengend. Zwischen den Blocks gibt es, wie auch in den normalen Fächern, viel Lektüre zum Lesen und Vorbereiten. Eine Klausur gab es in diesem Fach nicht, stattdessen zwei dicke Assignments, bestehend aus Einzel- und Gruppenprojekten, Vorträgen innerhalb der Blocks und jeder Menge Literaturrecherche. Da wäre eine Klausur am Ende auch echt zu viel gewesen, denn die beiden Assignments waren echt zeitaufwändig. Assignments gibt es generell so gut wie in jedem Fach, und nicht zu knapp.

Das Lehrsystem an der UTS ist von dem der RWTH grundsätzlich verschieden. An der RWTH und wahrscheinlich vielen deutschen Unis fällt die Hauptarbeitsphase auf das Ende des Semesters, die Klausurenphase. Davor gibt es zwar auch einiges zu erledigen, aber nicht ansatzweise so viel wie an der UTS. An der UTS fällt während des Semesters viel Arbeit für Assignments an, sodass ich tatsächlich so einige Tage in der Bib verbracht habe. Dafür ist der Arbeitsaufwand am Ende des Semesters geringer. A) weil man während des Semesters schon so viel getan hat und b) weil die Klausuren in der Regel nicht ganz so schwer sind (nach dem, was ich so mitbekommen habe) und genügend Zeit zur Verfügung steht. Auch wird viel mehr Augenmerk auf das Thema Gruppenprojektarbeiten gelegt. Als Fazit nach einem Semester an der UTS bin ich der Meinung, dass das Niveau im Vergleich mit der RWTH nicht ganz so hoch ist. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass der Academic English Kurs ziemlich einfach war und das Niveau in meinem Fall wohl nach unten gedrückt hat.

Das Campusleben

Wovon ich schwer begeistert war, ist das Thema Campusleben und Freizeitangebot im Rahmen der Uni. In Australien ist es normal, dass die Unis eine Vielzahl von Clubs und Vereinen mit interessanten Inhalten anbieten. Seien es Sport, andere Länder, Camping oder Musik, hier ist für jeden etwas dabei. Ich wollte während meiner Zeit in Australien unbedingt etwas Neues ausprobieren in Sachen Sport, und habe mich im Ruderclub für Rowing Sessions eingeschrieben (for free!). Das hat super Spaß gemacht für mich als absoluten Neuling. Es ist echt ein tolles Gefühl, morgens über das wunderbar blaue Wasser (und ab und an auch mal Heerscharen von Quallen! - Das war ein Schock, glaubt mir! Diese Quallen waren zum Glück nicht giftig, aber wenn man sich in Australien befindet, geht man erstmal vom Gegenteil aus!) im Harbour zu gleiten. Ich habe auch über den Dive Club der UTS einen Tauchschein gemacht. Natürlich muss jeder Mensch in Australien sich auch mal im Surfen versucht haben. Über die Uni gibt es gute Vergünstigungen für ein Surfcamp, das ich nur empfehlen kann. Wenn man nicht so auf Sport steht, kann man auch einfach einmal die Woche zum Networking Cafe gehen. Dort gibt es kostenlosen Kaffee und man kommt super leicht mit Kommilitonen ins Gespräch - das ist der Sinn dieser Treffen. Wenn ich diese Unikultur (ich nenne das jetzt einfach mal so) mit jener an der RWTH in Deutschland vergleiche, ist dort noch so einiges zu machen. Zum Studieren gehört schließlich auch das Leben abseits vom Studienstress!

Die Stadt Sydney

Kommen wir zur Stadt Sydney. Ich habe das Leben in Sydney wirklich geliebt, denn die Stadt ist ein unglaublicher Ort. Zunächst einmal ist es eine Großstadt, und groß trifft es eigentlich noch gar nicht so richtig. Das Stadtgebiet erstreckt sich über ein riesiges Areal, mit vielen Stadtteilen, und man kann anderthalb Stunden mit dem Zug fahren und hat die Stadt immer noch nicht so richtig hinter sich gelassen. Der Stadtmittelpunkt ist ohne Zweifel Circular Quay mit der Harbour Bridge und dem Opera House. Ich war so einige Male dort und tatsächlich musste ich jedes Mal wieder ein Foto machen, so beeindruckt war ich immer wieder aufs Neue. Von dem Royal Botanic Garden aus hat man einen unglaublichen Blick auf die beiden Wahrzeichen Sydneys und auch auf die Skyline. Ein Beispiel für einen der vielen Parks, die über die ganze Stadt verteilt sind. Die Menschen sind alle super freundlich und hilfsbereit! Eine kleine Anekdote am Rande: Wir stehen im Food Court mitten in China Town und sind von der Fülle an Mahlzeiten, die es hier gibt, absolut überfordert. Das muss man uns wohl ansehen, denn eine Frau kommt an und erklärt uns ohne Umschweife und ohne, dass wir sie gefragt hätten, was sie hier immer isst und uns empfehlen kann, welche Gerichte wir am besten kombinieren sollten und wo das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und wo nicht. Ungefragt, hilfsbereit und einfach nur absolut liebenswert!

Die Menschen hier in Sydney sind ein wild zusammengewürfelter Haufen unterschiedlicher Kulturen und Nationalitäten. Die Hochschule ist voller internationaler Studenten und es ist das leichteste Ding der Welt, mit Menschen aus aller Welt in Kontakt zu kommen. Leider bringt das auch die "Gefahr", viel Zeit mit Deutschen zu verbringen, denn Deutsche gibt es in Sydney viele! Das kann schnell mal darin resultieren, dass man weniger Englisch spricht, als geplant. Ich kann mich glücklich schätzen, mit vier Australiern und einem Schweden in einer WG gewohnt zu haben, denn dadurch wurde ich gezwungen, Englisch zu sprechen. Außerdem ist es schön, Zeit mit Australiern zu verbringen, denn sie haben abgesehen von ihrer lockeren, unbeschwerten Art ("No worries!") auch den positiven Nebeneffekt, dass man die Sorte Geheimtipps in Sachen Sydney und Umgebung erhält, die man nur von Einheimischen bekommen kann.

Das Leben in Sydney ist unglaublich vielseitig und es gibt vieles zu entdecken, abseits der Uni. Die vielen Strände laden bei Sonne zum Schwimmen und Relaxen ein. Nicht nur die städtischen Strände Cogee, Bondi und Konsorten sind ein Muss, sondern auch die etwas weiter entfernteren, etwas abgelegeneren, wie z.B. Cronulla, Palm, Manly und Shelly Beach. Einen Abstecher sind natürlich auch die bekannten Blue Mountains (knapp 2 Stunden mit dem Zug), der Royal National Park und der Kuring-Gai National Park wert. Wir haben auch ein Australian Football Game im Stadion besucht (komplett ohne Regelkenntnisse natürlich... Ganz von selbst erklären sich die Regeln zugegebenermaßen nicht!). Und wenn das alles nichts für einen ist, gibt es so gut wie wöchentlich Märkte oder sogar Street Festivals in den verschiedenen Stadtteilen Sydneys.

In Sachen Weggehen abends gibt es auch reichlich Gelegenheit. Natürlich gibt es haufenweise Clubs. Adressen, die ich empfehlen kann, sind das Ivy am Mittwoch (oder war es Donnerstag? Ich bin mir nicht mehr sicher) - dort gibt es freien Eintritt, der Club ist allerdings oft ziemlich überfüllt -, die Scubar und Sidebar, allesamt im CBD gelegen. Aber es gibt auch gute Gelegenheiten in Newtown, gut mit der Bahn erreichbar, oftmals mit Live Musik. Auch Darling Harbor hat bartechnisch einiges zu bieten - die Aussicht auf den Harbor abends hat schon was! Leider hat diese Art der Abendbeschäftigung (Abend, nicht Nacht, wohlgemerkt! Happy Hour ist in der Regel zwischen 17 und 18 Uhr... Etwas anders als in Deutschland!) auch den Nachteil, dass es schlichtweg super teuer ist. Ein Bier kostet in der Bar normalerweise zwischen $7 und $10. Günstiger ist es oft, sich mit ein oder zwei Freunden einen Jug Bier (1140ml) für in der Regel um die $15 zu holen. In der Regel gibt es irgendwelche Tagesdeals, darauf sollte man achten. Wer es ganz günstig mag, der trinkt einfach Goon (4l Paket Wein - nicht lecker, aber erfüllt seinen Zweck...).

Kosten

Was das Thema Kosten angeht, sollte man sich im Vorhinein wirklich bewusst sein, dass Sydney ein teures Pflaster ist. Die Lebenshaltungskosten sind generell höher als in Deutschland, aber es hängt natürlich immer davon ab, was man kauft. Ich habe häufig beim Aldi eingekauft (Ja, es gibt hier Aldi und es fühlt sich fast an wie zuhause!) und die Preise sind dort meistens niedriger als bei der Konkurrenz (Coles, Woolworth). Dafür ist das Angebot deutlich spärlicher. Gemüse gibt es günstig im Paddy's Market in China Town (montags und dienstags geschlossen!). Die Studiengebühren sind natürlich ein ziemlicher Batzen Geld. Ich habe glücklicherweise sowohl Auslands-BAföG, als auch ein PROMOS Stipendium der RWTH bekommen, was mir eine ziemliche Erleichterung war.

Auslands-BAföG

Bzgl. BAföG kann ich nur wiederholen, was man überall zu lesen bekommt: Kümmert euch rechtzeitig drum! Es dauert echt, bis ein Bescheid eintrudelt. Und wenn ein erster Bescheid kommt, heißt es nicht, dass es dabei bleibt. Mein erster Bescheid nach etlichen eingereichten Formularen und dementsprechenden Aufwand beinhaltete die frohe Botschaft, dass ich ganze 27€ pro Monat darlehensfrei bekommen würde (Yippie-Ya-Yay...). Eine Woche vor Abreise kam dann der endgültige Bescheid, in dem dann auch die gezahlten Studiengebühren berücksichtigt wurden, und ganz plötzlich waren es 900€. Kümmert euch rechtzeitig darum und haltet alle Fristen ein. Denkt immer daran, Auslands-BAföG kann man auch bekommen, wenn man kein Inlands-Bafög bekommt!

Was habe ich mitgenommen?

Jetzt nach all diesem Erzählen fehlt natürlich noch mein Fazit: Was hat mir dieser Auslandsaufenthalt gebracht? Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass meine Studien in Sydney und die gewonnen Englischkenntnisse das Wichtigste sind, was mir dieses halbe Jahr Down Under gebracht hat. Beides sind wichtige Bestandteile des Aufenthalts - ich habe wirklich vieles gelernt und kann mich mittlerweile auch ohne Probleme auf Englisch unterhalten -, aber für mich sind am bedeutsamsten all die Erfahrungen, die ich in den wenigen Monaten gemacht habe. Ich habe so viele neue und gute Freunde kennengelernt, dass es jetzt richtig weh tut, ihnen allen nach und nach Goodbye sagen zu müssen. Ich bin unabhängiger geworden, viel weltoffener und aufgeschlossener, anderen Menschen gegenüber. Und das Institut Ranke-Heinemann war mir dabei eine große Hilfe. Ohne euch wäre meine Planung wohl niemals so glatt verlaufen und ich wäre vielleicht immer noch in Deutschland. Danke dafür!

Ich es nur jedem empfehlen, hierher zu kommen und an der UTS oder einer der vielen anderen Universitäten Australiens ein Auslandssemester zu absolvieren. Die Menschen sind teils etwas verrückt, fahren auf der falschen Seite, es gibt unheimlich viele, unheimlich tödliche Tiere, Kängurus, die in ihrem Übermut vor Autos hüpfen und Koalas, die den langen lieben Tag lang faul an Bäumen hängen. Aber es ist ein traumhaftes Land, mit tollen Landschaften, gastfreundlich wie kaum eine andere Nation und Sydney ist ein perfekter Ort, um zu studieren.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich dem ein oder anderen mit diesem Erfahrungsbericht eine Entscheidungs- oder Planungshilfe geben konnte. Falls es Fragen gibt, freue ich mich über jede Kontaktaufnahme. Ich wünsche euch eine ebenso tolle Zeit, wie ich sie genießen durfte!

Glaubt mir übrigens, von den ganzen giftigen Tieren bekommt man so gut wie überhaupt nichts mit, gerade hier in der City. Und Haie habe ich auch noch nicht gesehen!

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