Überzeugt euch selbst, in eurem persönlichen ‘Straya Abenteuer...

Lina Obitz | FH Kiel


Wo
Victoria University

Zeitraum
2016

Was
BWL

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

30.04.2016

Auslandssemester an der Victoria University

Great Barrier Reef

“Dann bleib doch einfach hier…“ – an diese Worte meiner Schwester kann ich mich noch ganz genau erinnern, denn sie waren der Anfang eines sehr ereignisreichen Jahres in Australien und der Anfang meines Auslandssemesters an der Victoria University Melbourne. Aber jetzt noch einmal von vorne...

Meine Schwester lebt nun schon seit 5,5 Jahren in Melbourne, also war ich Anfang des Jahres quasi gezwungen, sie wieder einmal zu besuchen. Wir schmiedeten große Pläne und im Januar sollte es nun endlich losgehen: wir trafen uns in Costa Rica, reisten nach Panama, dann nach New York, trafen unsere Mutter auf Hawaii und landeten schlussendlich in Melbourne, wo dann auch unser Vater und unsere Oma für 3 Wochen zu Besuch kamen. Alles war also perfekt und ich freute mich sehr auf das gemeinsame Reisen und die Zeit mit der Familie. Da ich zuvor ein Auslandssemester in Glasgow gemacht hatte und dieses schon im Dezember abgeschlossen hatte (an meiner Heimathochschule endet es immer erst Ende Februar), wollte ich die verbleibenden 4 Monate bis zum erneuten Semesterstart optimal nutzen. Doch dann kam alles ganz anders. Nachdem die 3 Monate Reisen durch Amerika und der 1 Monat mit unserer Familie in Australien wie im Flug vergangen war, war es nun eigentlich Zeit um wieder nach Hause zu fliegen. Doch irgendwie fühlte sich das nicht richtig an und meine Schwester ermutigte mich immer wieder, doch noch ein bisschen zu bleiben. Anfangs entgegnete ich immer, dass das alles nicht ginge und ich mein letztes Semester zu Ende studieren müsse und ich doch auch noch meine Wohnung und einen guten Nebenjob zuhause hätte und all meine tollen Freunde usw usw. Ich muss sagen zu dem Zeitpunkt ist es mir wirklich nicht leichtgefallen, all das aufzugeben und ich war lange Zeit unentschlossen, ob ich diesen Schritt wirklich wagen soll und in Australien bleiben sollte, aber im Nachhinein kann ich sagen, dass es einer der besten Entscheidungen meines Lebens war!

Meine Familie flog also wieder nach Deutschland und ich blieb mit meiner Schwester in Melbourne und hatte nun die große Aufgabe, mir ein neues Leben auf der anderen Seite der Welt aufzubauen. Da ich mich dazu entschlossen hatte, ein ganzes Jahr in Australien bleiben zu wollen, hieß es für mich erst einmal das passende Visum zu beantragen – das Work and Holiday Visa, mit dem man 1 Semester lang studieren darf und sich ansonsten 1 Jahr lang in Australien aufhalten darf inklusive einer uneingeschränkten Arbeitserlaubnis. Falls ihr allerdings nur plant, für die Zeit des Auslandssemesters zu bleiben, könnt ihr auch das Studentenvisum wählen. Nun ging es also los mit der Planung und praktischen Umsetzung meines Vorhabens, welches bisher nur in der Theorie bestand. Da bei mir alles etwas spontan ablief und ich mich ja bereits in Melbourne befand, nahm ich also per E-Mail Kontakt zu meinen Dozenten an der Heimathochschule auf, um vorab eine Leistungsanrechnung meiner Kurse sicherzustellen.

Kurz zur Info, ich studiere BWL im Bachelor an der Fachhochschule Kiel und hatte nur noch 3 Kurse übrig, was sich perfekt anbot, diese in Australien zu studieren, da hier sowieso pro Semester immer nur 3 oder 4 Kurse studiert werden. Bei der Wahl meiner Kurse hatte ich also nicht besonders viel Spielraum, da es sich um Pflichtkurse von meiner Heimatuniversität handelte und diese also inhaltsgleich mit denen in Australien sein mussten, damit meine Dozenten am Ende auch meine erbrachten Leistungspunkte anerkennen. Ich schickte ihnen also das Modulhandbuch der Uni in Melbourne per E-Mail zu und hatte dann glücklicherweise auch von allen drei Dozenten die Zusage bekommen, sodass meinem Abenteuer Studieren in Melbourne nichts mehr im Wege stand. Ich bewarb mich also an der Victoria University für das Study Abroad Programm.

Leider hatte meine Heimathochschule keine Kooperation mit einer Hochschule in Melbourne, weswegen ich mich für das Programm ‘Study Abroad‘ gezwungenermaßen entscheiden musste. Gezwungenermaßen deswegen, weil ich dort die gesamten Studiengebühren selbst zahlen muss und die mit AUD 8.600 nicht gerade günstig sind. Falls eure Hochschule eine Partnerhochschule in Australien hat, versucht über das „Exchange Student“ Programm einen Platz zu bekommen, denn dann müsst ihr die Gebühren nicht selbst übernehmen.

Trotzdem entschied ich mich, dass es mir diese Erfahrung wert ist und stieß im Zuge dessen auf das Ranke-Heinemann Institut, welches mit seinem Förderungsprogramm Studenten in Australien und Neuseeland unterstützt. Die Stiftung beschreibt auf https://www.ranke-heinemann.de ausführlich und informativ alle Optionen für eine Förderung und hilft einem vor allem bei der kompletten Bewerbung an der ausländischen Hochschule, was wirklich sehr hilfreich ist. Per E-Mail bekommt man zügig Antworten auf alle Fragen und wird auch sonst mit allem versorgt, was man benötigt. Zudem sind auch Telefonate möglich, was ich allerdings nicht in Anspruch genommen habe, da dies aus Australien ja doch etwas komplizierter ist. Ich kann euch wirklich nur empfehlen, euren Auslandsaufenthalt in Australien oder Neuseeland von dem Ranke-Heinemann Institut unterstützen zu lassen – ihr solltet nur darauf achten, dass ihr den Bewerbungsprozess direkt über das Institut laufen lasst, sprich alle Unterlagen direkt zum Institut schicken, welche dann von denen an die jeweilige Hochschule weitergeleitet werden. Somit habt ihr nämlich eine garantierte Förderung von 10% der Studiengebühren, sofern ihr alle Unterlagen (inkl. Erfahrungsbericht nach Abschluss des Semesters) fristgerecht einreicht. Klingt easy oder? Ist es auch!

Apropos easy... den Australiern sagt man ja nach, sie seien immer so locker und entspannt und nach mittlerweile fast 10 Monaten down under kann ich das auch bestätigen, nur als kleine Information am Rande. 

Nachdem dann die Zusage der Uni in meinen Postkasten geflattert war, war die Freude groß, allerdings hatte ich immer noch 3 Monate Zeit bis das eigentliche Studium anfangen würde. Ich teilte derzeit mit meiner Schwester ein Zimmer, kannte sonst eigentlich niemand in ganz Australien und hatte auch sonst wenig Plan von der Großstadt Melbourne und all ihren Facetten. Ich entschied mich also die 3 Monate sinnvoll zu nutzen und eigenständig in meinem neuen ‘Aussie Life‘ zu werden – und was gibt es da passenderes, als mit einer australischen Familie zusammen zu leben? Dieser Gedankengang brachte mich kurzfristig dazu, meine 3 verbleibenden Monate vor Studienbeginn als Au Pair in einer Familie zu leben und zu arbeiten. Über die Facebook Gruppe „AU PAIR in Melbourne“ fand ich also kurzerhand eine Familie, die genau für meinen Zeitraum bis zum Studienbeginn ein short-term Au Pair suchte. Nach einem Skype Gespräch und einem persönlichen Kennenlernen war die Sache auch schon geritzt: ich würde in 2 Wochen zu einer bisher fast fremden australischen Familie ziehen und auf deren 1-jährigen Sohn und 5-jährige Tochter aufpassen. 

Falls ihr nicht genau wisst, was die Aufgaben eines Au Pairs sind, erläutere ich es euch kurz: in Australien ist es relativ häufig, dass Familien, in denen beide Elternteile Vollzeit arbeiten, ein Au Pair anstellen, welches in deren Haus lebt und den Alltag mit den Kindern bewältigt, quasi wie eine Art Tagesmutter. Im Gegenzug zu der verrichteten Arbeit bekommt man ein „Taschengeld“ gezahlt (welches sich meiner Erfahrung nach in Melbourne zwischen AUD 200-250 pro Woche befindet) und kann umsonst wohnen und essen. Für mich also der perfekte Einstieg in mein Abenteuer Australien, da mit einem Mal alles so leicht war: Ich hatte einen Job, ich hatte mein eigenes Zimmer und ich hatte Verpflegung. Die 3 Monate als Au Pair vergingen wie im Flug und ich habe diese Zeit wirklich geliebt! Die Familie, mit der ich zusammenlebte war großartig! Auch wenn der Alltag zwischen kochen, Windeln wechseln, zur Schule bringen und abholen und Wäsche waschen manchmal wirklich anstrengend sein konnte, habe ich enorm viel gelernt und einfach eine tolle Zeit mit tollen Menschen verbracht und so den Aussie Lifestyle einmal so richtig hautnah miterlebt.  

Nun war aber plötzlich schon Juli, meine Zeit als Au Pair ging zu Ende und der neue Abschnitt als Studentin an der VU (Victoria University) begann. Wer sich entscheiden sollte auch an der VU zu studieren, wird auf jeden Fall mit Damian Tyson in Kontakt kommen, dem Auslandskoordinator der Uni in Melbourne. Er hilft bei allen Anliegen und ist meiner Erfahrung nach ein kompetenter Ansprechpartner. Es gibt eine Einführungsveranstaltung, bei der alle ausländischen Studenten Willkommen geheißen werden und mit all den notwendigen Informationen versorgt werden. Zudem gibt es anschließend auch noch ein kleines Zusammenkommen in der hauseigenen Bar des Unicampus, um sich gegenseitig kennenzulernen. Schon an diesem Tag habe ich erste Freundschaften geknüpft und auf weiteren Veranstaltungen wie z.B. den Welcome Drinks vertieft. Für genügend Rahmenprogramm ist also gesorgt und wenn ihr am Quiz teilnehmt, könnt ihr coole Preise gewinnen und lernt nebenbei auch noch, was Tim Tam’s, Lemington und Pot & Parma’s sind und wie man sich standesgemäß im Aussie Slang begrüßt: ich sag nur G’day mate. 

Im Gesamten hat mir das Lehrsystem in Melbourne sehr gut gefallen und meine Erwartungen deutlich übertroffen. Jedes bestandene Modul wird mit 12 Credit Points belohnt, was umgerechnet 7,5 ECTS sind, sodass 3 oder 4 Module für eine Pauschalanrechnung für ein gesamtes Semester ausreichend sind. Ich habe die Module Macroeconomic Principles, Business Law und Management & Organisation Behaviour studiert. Alle meine Module wurden am City Flinders Campus angeboten, was mich sehr gefreut hat, da ich dort in 20 min mit meinem Fahrrad hinfahren konnte und dieser Campus direkt in der Innenstadt gegenüber der Flinders Street Station - dem Hauptbahnhof in Melbourne – liegt und somit sehr zentral ist. Also falls ihr die Wahl habt, würde ich euch empfehlen, eure Module am City Flinders Campus zu absolvieren, auch wenn der Campus in Footscray glaube ich der Hauptcampus ist (dort fand jedenfalls auch die Einführungsveranstaltung statt). Footscray ist ein eher ärmeres Suburb (Stadtteil), ca 20min westlich vom CBD (Zentrum) und hat mir persönlich nicht besonders gefallen. Da ich als Au Pair im Westen gewohnt habe (Yarraville) und als Studentin dann im Osten (South Yarra), habe ich einen guten Vergleich und würde persönlich die östlichen Suburbs bevorzugen.

Generell habt ihr die Möglichkeit in einem Studentenwohnheim zu leben oder euch selbst eine Unterkunft zu suchen. Ich kann euch generell für eure Suche nach einer passenden Unterkunft die Seite www.gumtree.com.au empfehlen (vergleichbar mit eBay Kleinanzeigen - dort wird auch alles weitere zu kleinen Preisen angeboten wie z.B. Fahrräder, Möbel etc), als auch über Facebook die Gruppe „Fairy Floss Real Estate“, wo täglich mehrere WG Zimmer etc. inseriert werden. South Yarra ist für mich der perfekte Wohnort gewesen, denn er liegt sehr zentral, wie gesagt nur 15-20min zur Flinders Street mit dem Fahrrad oder 2 Stationen (6min) mit der Bahn oder ca. 15min mit der Tram. Außerdem konnte ich die beliebte und belebte Chapel Street von meinem Zuhause in nur 10min Fußweg erreichen, wo es von Cafes, Restaurants, Geschäften und Clubs nur so wimmelt. Das Essen in Melbourne ist sowieso grandios und muss unbedingt probiert werden. Hervorheben möchte ich hier das leckere Brunch Angebot in einer der unzähligen Cafes. Mein persönliches Highlight sind die Chocolate Milkshakes und Smashed Avocado Toast with Poached Eggs – unbedingt probieren!

Nun aber zurück zum Ernst des Lebens: Jedes Modul besteht aus einer Vorlesung sowie einem Seminar pro Woche, in welchem die Theorie durch Fallbeispiele vertieft wird. Diese Art des Lernens kannte ich von meiner Heimathochschule nicht und war daher sehr angenehm überrascht, da ich persönlich das Gefühl hatte, mich nicht nur durch Vorlesungen „berieseln“ zu lassen, sondern schon während der Präsenzzeit prägnante Lehrinhalte zu verinnerlichen. Zwar wurde von den Studierenden während des Semesters mehr Eigeninitiative in Form von Literaturrecherchen oder dem Lösen von Aufgaben verlangt - die dann wöchentlich in den Seminaren besprochen wurden - dafür gab es aber auch nur insgesamt knapp 10 Stunden Unterrichtszeit pro Woche für alle 3 Module. 

Natürlich erhöht sich auch hier stetig der Berg an Arbeitsaufwand je weiter das Semester voranschreitet und je näher die Abgabetermine rücken, aber dennoch empfand ich den Prüfungsstress als angenehmer als gewohnt. Dies kam glaube ich vor allem dadurch, dass ich mit verschiedenen Leistungsnachweisen herausgefordert wurde und nicht wie sonst für 6-7 Klausuren am Semesterende zu lernen hatte. Das Schreiben eines Essays (und dann auch noch auf Englisch) war für mich persönlich zum Beispiel etwas komplett ungewohntes, hat mir im Nachhinein aber einen höheren Lernerfolg gebracht als mein gewohntes „Bulimie Lernen“ für die Klausuren.

Eine sehr gut ausgestattete Bibliothek auf dem Unigelände hat mich den ein oder anderen Tag gefangen gehalten, aber durch das viele Lesen von Literatur als Grundlage zum Schreiben meiner Essays, hatte ich das Gefühl ein „Experte“ in meinem Thema zu werden und nicht nur für unvorhersehbare Klausurfragen hunderte von Seiten auswendig lernen zu müssen. Denn auch in den Klausuren war Vielfalt geboten, denn diese waren mit „Essay Style Questions“, „Short Answer Questions“ und „Multiple Choice Questions“ bunt gemischt. Vergleichend würde ich das Lernen wie ich es an der VU erfahren habe, dem Lernen an der FH Kiel bevorzugen, da meiner Meinung nach eine geringere Anzahl an Modulen, die dadurch aber intensiver unterrichtet und durch Seminare unterstützt werden, zu einem größeren Lernerfolg führen, vor allem wenn die Leistungsnachweise sich über das gesamte Semester strecken und nicht nur alle Prüfungen am Ende abgehalten werden - aber dazu hat ja auch jeder seine eigene Vorliebe und Meinung.

Insgesamt empfehle ich jedem, das Abenteuer Auslandssemester anzutreten, da es einen meiner Meinung nach sprachlich, menschlich als auch kulturell weiterbringt. Ich habe bisher noch keine vergleichbaren Erfahrungen machen dürfen und neben dem Kennenlernen einer neuen Lernstruktur an einer ausländischen Universität, bin ich vor allem an spannenden Herausforderungen mit internationalen Menschen gewachsen, die mein Auslandssemester an der Victoria University Melbourne zu einer der besten Monate meines Lebens gemacht haben! Abschließend kann ich euch nur noch mit auf den Weg geben, dass es an den Wochenenden und auch so zwischendurch, sowieso vor und nach dem Semester genügend Zeit gibt, um das schöne Australien zu erkunden. 

Meine persönlichen Highlights sind schwer zusammenzufassen, da ich in meinem Australienjahr wirklich extrem viel gesehen habe und unendlich dankbar dafür bin. Angefangen hat es aber definitiv mit einer tollen Reise mit meiner Familie an der Ostküste. Mit dem Auto sind wir von Melbourne nach Cairns gefahren und haben unglaublich tolle Dinge gesehen. Die Route ist mittlerweile ziemlich populär und sehr easy zu bereisen – also nichts wie los! Lasst auf keinen Fall Sydney, Byron Bay, Fraser Island (dort könnt ihr die Dingos besuchen) und das Great Barrier Reef aus.

Ein sportliches Highlight war definitiv der Formula 1 Australian Grand Prix, also der große Preis von Melbourne in der Formel 1. Falls ihr im November noch in Melbourne sein solltet, solltet ihr euch ebenfalls nicht die sogenannten Races entgehen lassen, ein jährliches Pferderennen, was an ein Festival erinnert mit garantiert viel Spaß, vielen Drinks, schicken Kleidern und Kopfschmuck. Aber auch ein Football Spiel solltet ihr euch keinesfalls entgehen lassen. Ihr merkt schon, es gibt einfach zu viel, um alles zu nennen, denn Australien steckt auf jeden Fall voller Möglichkeiten und mir wurde wirklich nie langweilig in Melbourne. Mein letztes Highlight, welches ich euch allerdings nicht vorenthalten möchte, ist Tasmanien. Nach den Klausuren bin ich dort für eine Woche mit zwei Freundinnen hingeflogen und war wirklich geflasht. So ein schönes Stückchen Erde, was viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Aber überzeugt euch selbst, in eurem persönlichen ‘Straya Abenteuer… Cheers!

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