Don’t lean back, lean in
Poeppl an der Great Ocean Road

Stefan Poeppl | Masterstudent


Wo
The University of Melbourne

Zeitraum
2017 - 2018

Was
Master of International Business

Studienprogramm
Master

Förderung
IRH Förderprogramm

01.01.2018

Challenge „Master im Ausland“

Sunset St. Kilda

Wieso genau Australien?

Schon während meines berufsbegleitenden Bachelor-Studiums entflammte in mir das Verlangen, meinen akademischen Werdegang außerhalb Deutschlands fortzusetzen. Zum einen getrieben von der Vorstellung mich Vollzeit auf ein Studium konzentrieren zu können und zum anderen davon, Englisch aktiver zu sprechen, zu schreiben und zu leben. Nach meinem Bachelorabschluss 2014 habe ich mir viel Zeit genommen, mich auf die Challenge „Master im Ausland“ vorzubereiten. Ich bereiste mögliche Zielländer, verglich verschiedene Studiengänge und Universitäten, absolvierte nötige Tests (wie GMAT und TOEFL) und machte mir intensiv Gedanken um die Finanzierung meines Vorhabens. Während dieser Zeit kristallisierte sich heraus, dass ich auf jeden Fall in ein englischsprachiges Land wollte. Zuerst fokussierte ich die USA und England. Doch nach einer Reise durch Australien Ende 2016 setzte ich mich auch näher mit dem Bildungsangebot am anderen Ende der Welt auseinander. Da ein Vollzeit-Studium im Ausland immer mit einer nicht unerheblichen Investition verbunden ist, suchte ich gezielt nach einer in meinem Fachbereich top gerankten Uni. Der Vergleich verschiedener Institute und Programme mündete schließlich in der Erkenntnis, dass Australien für mich (monetär und zeitlich) das beste Gesamtpaket bieten würde. Programme und Unis verglich ich überwiegend anhand bekannter Rankings durch Agenturen wie QS, The Times Higher Education, ARWU, usw. Nachdem das Zielland also feststand und ich mich nach Beratung durch das Institut Ranke-Heinemann für drei australische Universitäten entschieden hatte, lies ich entsprechende Taten folgen. Ich kündigte nach fast neun Jahren meinen Job im Finanzwesen und begann mit der Planung und Bewerbung. Das Institut Ranke-Heinemann, auf das ich bei meinen Online-Recherchen gestoßen bin, war im ganzen Bewerbungsprozess eine effiziente Unterstützung. Durch die Aufnahme in das Förderprogramm sparte ich sogar noch 10 % meiner Studiengebühren für das erste Semester. Schließlich bekam ich im Mai 2017 auch eine Zusage für den „Master of International Business“ an meiner favorisierten Universität „The University of Melbourne“ (Melbourne Business School). Das Abenteuer konnte beginnen.

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Neben den zu organisierenden Bewerbungsunterlagen für das Institut Ranke-Heinemann, läutete ich zeitgleich sämtliche Vorbereitungen für meinen neuen Lebensabschnitt im Down Under ein. Ich kündigte meine Wohnung, laufende Verträge (Mobiltelefon, Gym, etc.) und legte Versicherungen still. Je nach individueller Lebenssituation ist jede Menge zu erledigen, deswegen empfehle ich neben einer frühzeitigen Planung z.B. die Anfertigung einer To-Do Liste, die sich fortlaufend erweitern lässt. Dabei erhält man einen guten Überblick davon, was noch zu tun und was schon erledigt ist. Eine gute Organisation und Vorbereitung ist die halbe Miete.
Nach dem „unconditional offer“ der University of Melbourne, kümmerte ich mich auch sofort um die Beantragung des Visums, Eröffnung eines Kontos in Melbourne (ANZ Konto) und Flüge. Nützliche Informationen hierzu findet ihr auf dieser Homepage zu Genüge.
Mit 14-tägigem Erholungs-Zwischenstopp auf Bali, bin ich circa drei Wochen vor Semesterbeginn in Melbourne angekommen. Für die ersten Tage buchte ich ein Zimmer (über AirBnB) in Uni-Nähe, um von dort eine feste Unterkunft für die kommenden 1.5 Jahre zu suchen und um mir erste Eindrücke vom Campus und der Umgebung zu verschaffen. Wer den angespannten Wohnungsmarkt mancher deutschen Städte kennt, der wird über die Angebotsvielfalt in Melbourne erfreut sein. Als Master-Student hat man jedoch keinen Anspruch auf Ermäßigungen für die öffentlichen Verkehrsmittel (Zug, Tram, Bus), so dass ich empfehle, in einen Stadtteil zu ziehen, von dem aus der Campus gut zu Fuß oder per Fahrrad erreichbar ist.

Studieren und leben in „the most liveable city worldwide“

Mein Abenteuer als „Vollzeitstudent“ startete bereits eine Woche vor Semesterbeginn. In der sog. „Orientation Week“ der Melbourne Business School (MBS) werden alle neuen nationalen und internationalen Studierenden begrüßt und es finden zahlreiche Workshops (u.a. Academical Skills, Research Skills, Communication Skills und English for non-native speaker) statt. Diese sind zwar nicht verpflichtend, meines Erachtens jedoch insbesondere für internationale Studenten sinnvoll, da man vorab schon einige Einblicke erhält, wie an der Uni gelehrt wird und welche Mindestanforderungen sie an Ihre Studentinnen und Studenten stellt. Und natürlich – Stichwort „Networking“ – knüpft man hier die ersten Kontakte mit zukünftigen Kommilitonen, Alumni und Dozenten. Danach startete auch schon das Semester. Pro Semester belegt man vier Kurse, die je nach Angebot teils unter der Woche und teils am Wochenende (intensive classes) abgehalten werden. Durch meinen B.Sc. im Bereich Management und Financial Markets erhielt ich ein sog. „Advanced Standing“, was bedeutet, dass mir ein Semester angerechnet wurde. Insgesamt studiere ich drei Semester (je zwölf Wochen) an der MBS und absolviere insgesamt zwölf Kurse. Die meisten Kurse sind sehr interaktiv gestaltet – don’t lean back, lean in – dementsprechend spiegelt sich das auch in den Leistungserhebungen wider. Viele Kurse haben zwar klassische Prüfungen am Ende des Semesters, doch ich zum Beispiel hatte in meinem ersten Semester bis auf ein „Take-Home-Exam“, das ich innerhalb von 4 Tagen von zu Hause aus bearbeiten musste, keine weiteren Abschlussprüfungen. Stattdessen waren mein Semester vollgepackt mit durchschnittlich mindestens einer Hausarbeit, Gruppenarbeit oder Präsentation pro Vorlesungswoche. Ich denke, das ist ein großer Unterschied zum Unterrichtsstil an vielen deutschen Hochschulen und es hat einige Zeit in Anspruch genommen, bis ich mich organisiert und koordiniert hatte. An der MBS treffen Studenten verschiedenster Kulturen, Nationalitäten und Backgrounds aufeinander, deswegen ist diese Art von Unterricht sicherlich sinnvoll, um durch aktiven Wissens- und Erfahrungsaustausch innerhalb der Vorlesungen und Gruppenarbeiten verschiedene Perspektiven und Ansätze kennenzulernen. Allgemein verspricht die MBS einen hervorragenden internationalen Mix und der Studiengang „Master of International Business“ lebt von dieser Vielfalt.
Der Campus der Universität (Parkville) liegt sehr zentral und erinnert beim Betreten an typische Uni-Szenen, wie man sie aus amerikanischen Filmen kennt. Studenten sitzen im Park auf dem Rasen, von Bäumen gesäumte Alleen und große alte historische Gebäude – ein Bilderbuch-Campus.  

Jüngst wurde Melbourne zum siebten Mal in Folge von The Economist zur weltweit lebenswertesten Stadt gekürt. Zunächst war ich dem Ruf gegenüber etwas skeptisch, da ich im Juli, das heißt im australischen Winter hier ankam und Melbourne mir fast täglich seine berühmten „Four Seasons in a Day“ präsentierte. Mal Sonne, mal Regen, oft windig, mal warm, mal kühl. Generell lässt sich der Winter am besten mit einem durchwachsenen deutschen Herbst vergleichen. Nur mit dem Unterschied, dass deutsche Häuser für die kälteren Tage meist mit einer Zentralheizung ausgestattet sind, wohingegen die Bauherren und „originalen“ Bewohner in Melbourne (Melburnians genannt) den Winter als solchen wohl nicht akzeptieren. Es mangelt deswegen weitestgehend an guter Isolierung und fest installierten Heizungen. Gerade nachts wird es im Winter unangenehm kalt in den eigenen vier Wänden, deshalb muss fast halbstündlich der Heizstrahler zum Einsatz kommen, auch wenn Energie in Australien sehr teuer ist. Hier mein Tipp an all diejenigen, die planen auch nach Melbourne zu kommen und Australien auf 365 Tage Sonne und Hitze im Jahr pauschalisieren: Packt am besten eine Wolldecke, Wollsocken und eine warme Herbstjacke mit ein.
Doch sobald der Frühling beginnt und es Richtung Sommer geht, zeigt sich Melbourne von seiner besseren Seite. Die Stadt selbst ist sehr international. Es gibt jede Woche unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen (Food-Festivals, Night Markets, Sportevents wie Football etc.), der Yarra River mit Promenade lädt zum Flanieren ein, morgens shoppt man am Victorian Market, abends verabredet man sich auf ein paar Drinks in einer der unzähligen, meist gut versteckten Roof-Top Bars im CBD (Central Business District) oder genießt den hippen Flair Fitzroy’s. An den heißen Tagen trifft man sich dann zum Sonnenbaden in St. Kilda oder an einem der umliegenden Strände und lässt den Tag mit Sonnenuntergang in einer der Bars dort ausklingen. Was die Stadt für mich so außergewöhnlich macht, sind ihre zwei Seiten. Lebendiges, oft typisch hektisches Stadtleben zwischen und rund um den Hochhäusern des CBDs und keine 15 Fahrradminuten südlich der Stadt, ein Urlaubsparadies. Leider ist das Leben (Lebensmittel, Miete, Nebenkosten, Ausgehen, etc.) in Australien vergleichsweise teurer als in Deutschland und meist nicht ganz Studenten-Budget-freundlich. Als internationaler Student mit Studentenvisum ist es auch nicht einfach gute Nebenjobs oder Praktikumsstellen zu finden. Wer jedoch Erfahrung in der Gastronomie hat, kann sicherlich schnell ein paar Dollar dazuverdienen. Aus der Sicht von Berufstätigen mit junger Familie kann ich mir sehr gut vorstellen, dass Melbourne seinem Ruf als „the most liveable city worldwide“ gerecht wird, jedoch ist die Stadt trotz vieler Universitäten/Studenten keine klassische Studenten-Stadt. In meinen Augen ist das Leben in Melbourne sehr europäisch oder westlich, weswegen leider oftmals die berühmte australische Gelassenheit und Lebenseinstellung in Vergessenheit gerät.

Fazit

Australien selbst hat nicht nur viele eindrucksvolle Facetten, sondern auch ein hervorragendes Education System. „The University of Melbourne“ gilt als bestes australisches Institut und reiht sich mit ihren unterschiedlichen Fakultäten (Business and Economics, Law, Medical, usw.) zweifelsohne und nachweislich mit in die Liste der besten Universitäten weltweit ein. „International Business“ an dieser modernen Business School und unter derartigem internationalen Umfeld zu studieren macht mir persönlich extrem viel Spaß. Es ist anspruchsvoll und kräftezehrend, doch eine ausgiebige Sommerpause, in der man das Land bereisen oder einfach nur Melbourne und Umgebung in vollen Zügen genießen kann, entschädigt einem von der ersten Minute an. Die gesunde Wirtschaft und der Lebenswert Melbournes sowie der weltweit ausgezeichnete Ruf der University of Melbourne, sind der Verdienst ehrgeiziger, disziplinierter und zielstrebiger Menschen, die hier leben, studieren und arbeiten. Wer, wie ich, das sucht, wird definitiv in Melbourne auf seine Kosten kommen. Wer sich dagegen ganzjährig in Thongs (Flip-Flops), Shorts, Stringer und mit Surfbrett unter dem Arm auf dem Campus sieht, könnte hier enttäuscht werden. Doch es gibt viele exzellente Universitäten in Australien und mit der Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts Ranke-Heinemann kommt sicherlich jeder seinem Traum ein Stückchen näher. Ich wünsche dabei jedem viel Erfolg und eine außergewöhnliche Lebenserfahrung.
An dieser Stelle auch nochmals vielen Dank an das Institut Ranke-Heinemann für die ausgesprochen tolle Betreuung.

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