Australien hat mich verändert
Erfahrungsbericht Vordermeier Stradbrooke Island

Kevin Vordermeier | Masterstudent


Wo
Queensland University of Technology

Zeitraum
2017 - 2018

Was
Master of Business

Studienprogramm
Master

Förderung
IRH Förderrogramm

01.01.2018

Das ist Australien

Erfahrungsbericht Vordermeier Kangaroo Cape Hillsborough

Juli, 22 Grad, Sonnenschein und ich sitze hier und schreibe an meinen Erfahrungsbericht über mein erstes Semester an der QUT in Brisbane. Kalt ist es geworden. Ich hätte nie gedacht, dass man bei solchen Temperaturen frieren kann aber jetzt brauche ich doch meine Jacke. Australien hat mich verändert. Nicht nur mein Gefühl für Kälte, sondern auch menschlich. Eine interessante, aufregende aber auch anstrengende Zeit liegt hinter mir. Vor mehr als fünf Monaten habe ich mein Masterstudium in Brisbane aufgenommen und bin hier mittlerweile heimisch geworden. Vieles durfte ich erleben und das schöne: Noch viel mehr liegt vor mir. Sehr vieles an Australien und insbesondere in Brisbane hat mich positiv überrascht aber auch einiges negativ. Viele neue Freunde habe ich gefunden, tolle Ausflüge unternommen, meine Englischkenntnisse erheblich verbessert aber auch sehr stressige Prüfungsphasen durchlebt. Aber alles der Reihe nach:

Idee

Die Idee ein Auslandsstudium zu absolvieren hatte ich bereits während meines Bachelorstudiums. Ich habe ein Duales Studium absolviert und mich daher bereits frühzeitig auf einen Bereich fixiert. Zu früh wie ich während meinem Studium feststellen musste. Dafür konnte ich wertvolle Berufserfahrung sammeln, was auch der QUT sehr gefallen hat. Die QUT versteht sich als „University for the real world“ und nach meinem ersten Semester weiß ich auch warum. Viele Professoren arbeiteten oder arbeiten immer noch in relevanten Bereichen für ihr Fachgebiet. So hat mein Professor in Entrepreneurship ein kleines Unternehmen gegründet und ist an weiteren Startups beteiligt. Dies garantiert hervorragendes Lernen, Einblicke in persönlich gemachte Erfahrungen und ist sicherlich besonders.

Während den Arbeitsphasen meines Bachelorstudiums bemerkte ich wie unentbehrlich Auslandserfahrung und sichere Fremdsprachenkenntnisse sind. Ich wurde beinahe täglich mit fremdsprachigen Texten, Kollegen oder Kunden konfrontiert. Auch die Einblicke in die Personalprozesse meines Ausbildungsbetriebs zeigten mir wie viel Wert Unternehmen heutzutage auf Auslandserfahrung und vor allem sicheren Umgang mit Kollegen aus fremden Kulturen legen.

Doch was hat das mit Australien zu tun? Pause. Australier mögen es entspannt. Jetzt muss ich erstmal meinen Rote Beete Burger aufessen bevor einer der auf dem Campus zahlreich vertretenen Ibisse wieder versucht ihn mir wegzunehmen. Ich sehe mich am Campus um und finde die Antwort. Eine ganze Menge. Australien ist wunderschön. Als isolierte Insel im Pazifik formte sich hier eine beeindruckende Natur- und Pflanzenwelt mit entspannten Aussies und noch entspannteren Lifestyle. Über 50% der rund 24 Millionen Einwohner Australiens wurden nicht in Australien geboren. Australien versteht sich als multikulturelles Land. Alle Menschen, egal welcher Herkunft, werden respektiert und das Beste aus den jeweils stark vertreten Kulturen haben sich die Australier ihr eigen gemacht. So gibt es Orte die aussehen wie der Wilde Westen, riesige Burger wie in den USA, chinesische Zeremonien, deutsches Oktoberfest, Indische Bräuche, Irische Straßenfeste und englischen Linksverkehr (scheint so als haben sich die Australier wohl doch nicht nur das Beste rausgesucht).

Australien bietet genau das was ich suchte: Englische Sprache, Einblicke in fremde Kulturen, wunderschöne Landschaften sowie eine weltweit angesehene akademische Ausbildung. All dies und noch vieles mehr bietet mir die Queensland University of Technology (QUT) mit ihrer hervorragenden Business School.

Informationsphase und Vorbereitung in Deutschland

Von klein auf hatte ich bereits den Wunsch eine längere Zeit im Ausland zu leben. Über das Ranke-Heinemann Institut (RHI) sowie über Ranglisten (z.B. THE) informierte ich mich über das hervorragende australische Bildungssystem. Jedoch war ich mir unsicher welche Universität und vor allem welche Region in Australien die richtige ist. Das RHI gab mir hierbei sehr gute Hilfestellung und die Berater halfen mir Dinge zu berücksichtigen an die ich vorher nicht gedacht hatte wie z.B. die Lebenshaltungskosten in verschiedenen Städten (die in Australien teilweise drastisch auseinanderliegen können), die Akkreditierungen verschiedener Universitäten und das australische Noten- und Bewertungssystem. Die Beratung durch das RHI war dabei mehr als hilfreich und nahm mir die Nervosität und Angst etwas falsch zu machen. Auch das ausgezeichnete RHI Förderprogramm, dass eine Förderung von 10% für australische Studierende garantiert beeindruckte mich. Nach langer Suche und guter Beratung, fasste ich den Entschluss, dass die QUT in Brisbane aufgrund ihrer Businessschool, den in Brisbane im Vergleich zu anderen Großstädten in Australien noch verhältnismäßig geringen Lebenshaltungskosten und der tollen Lage im Sunshine State Queensland die perfekte Wahl für mich darstellt. So entschied ich, mich an der QUT für ein Master Degree in Wirtschaftswissenschaften zu bewerben. Die Bewerbung verlief dank dem RHI Bewerbungsformular und den Mitarbeitern viel einfacher und unkomplizierter als erwartet. Meine Bewerbungsunterlagen wurde bereits nach gut einer Woche Richtung Australien versandt und nach ca. sechs bis acht Wochen hatte ich die Zusage der QUT vorliegen.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung für ein Masterstudium an der QUT waren bei mir:

  • Erfolgreicher TOEFL Test mit einer Mindestpunktzahl von 92 oder IELTS 6,0

  • Ein Notendurchschnitt in meinem Undergraduate Studium von mind. 5 von 7. Hierzu muss man verstehen, dass im australische Notensystem eine 7 als Bestnote gilt. Weitere Abstufungen erfolgen dann wie in Deutschland: AUS 6 = DE 2,0 usw.

  • Beglaubigte Unterlagen über meine Noten und Kursinhalte sowie mindestens 12 Monate Berufserfahrung

Tipp: An australischen Universitäten erhält man oftmals das sog. Advanced Standing, wenn man ein konsekutives Masterstudium absolvieren möchte. Das Advanced Standing ermöglicht es ein vollständiges Masterstudium anstelle der geforderten vier in nur drei Semester zu absolvieren. Dies hilft euch Zeit und vor allem Studiengebühren zu sparen! Daher kann ich euch nur Raten die persönliche oder telefonische Beratung des RHI in Anspruch zu nehmen und euch gezielt danach an der Uni zu erkundigen

Ankunft

„Hey Mate, how’s your day going? Einer meiner Professoren ist nach Ende des Semesters auch noch auf dem Campus und hat mich aus der Entfernung erblickt. „Did you watch the footy last night”? Ja selbstverständlich habe ich gestern Nacht das Football Spiel gesehen (Australier bezeichnen Rugby als Football), sonst könnte ich ja heute mit keinem Australier reden. Gestern war Origin Night. Das wohl beste footy äh Rugbyspiel der Welt und das größte Sportereignis Australiens. Tage danach haben die Australier kein anderes Gesprächsthema mehr, insbesondere wenn wie gestern Queensland erneut gewinnt. Australier sind sportverrückt und insbesondere wenn Australier beteiligt sind. Die Bezeichnungen verwirren mich immer noch so wird Rugby hier als Football bezeichnet (aber nur Rugby Union nicht Rugby League), der Fußball als Soccer und der American Football als Gridiron. Eine der vielen Dinge die in Australien anders sind. Aber wie bei allem in Australien gilt: Dazusetzen, lachen, mitfiebern, Spaß haben und schon bist du einer von ihnen. Mein Professor guckt mich an. „Yeah, of course I did, buddy“. Habe ich gerade meinen Prof. buddy genannt? Ja klar, wieso nicht? Hier entwickelt sich zwischen Studenten und Professoren ein durchaus freundschaftliches Verhältnis. Man kennt sich, respektiert sich und hat oft Gespräche über den Alltag. Noch eine Sache die ich nicht aus Deutschland kannte. Australien eben.

Australien ist anders. Die Menschen sind freundlich und sehr offen. Oftmals wird man auf der Straße oder in einem Laden angesprochen. Ich bin Anfang Februar gelandet (zwei Wochen bevor die Orientation Week startete) um genügend Zeit für die Wohnungssuche zu haben. Dies würde ich auch allen angehenden Studenten empfehlen, da insbesondere in der Woche vor der O-Week sehr viele Studenten ankommen und der Wohnungsmarkt sehr umkämpft ist. Gelandet bin ich im australischen Sommer bei ca. 40 Grad und hab zum ersten Mal erfahren, was wirklich schwitzen bedeutet.

Die ersten Tage in Brisbane habe ich in einer AirBnB Unterkunft verbracht. Leider habe ich den Fehler gemacht eine Unterkunft außerhalb des Stadtzentrums zu buchen, was meine Wohnungssuche deutlich erschwert hat. Hier würde ich euch empfehlen nahe am Brisbane River zu wohnen, da sich hier die meisten Wohnungsangebote oder auch Studentenwohnheime finden lassen. Was ich vorher nicht wusste ist, dass es in Brisbane leider nur ein Bus-Nahverkehrssystem gibt das zu Beginn ziemlich verwirrend ist. Ich würde euch empfehlen nach der Ankunft erst einmal an die Universität zu gehen. Die QUT bietet hier nützliche „New-to-Brisbane“ Informationsveranstaltungen an. Darüber hinaus gibt es einen Accommodation Service der euch die Wohnungssuche deutlich vereinfachen wird. Ich persönlich habe einige schlechte Erfahrungen mit Agenturen und Maklern gemacht, die oftmals den hart umkämpften Wohnungsmarkt und teilweise missliche Lage der Studenten nutzen, um schlechtere und/oder kleinere Zimmer für mehr Geld zu vermieten. Ich selbst habe, drei bis vier Agenturen getestet und durchweg negative Erfahrungen gemacht. Daher ist es hilfreich, wenn ihr euch zuerst an die Uni wendet oder privat über Seiten wie Flatmates oder Gumtree Wohnungen/Zimmer sucht. Ich würde euch generell raten zu Beginn in einem Hostel zu wohnen, da ihr hier sehr viele ankommenden Studenten treffen werdet und sich womöglich schon erste Freundschaften ergeben.

Erste Schritte an der QUT

Es ist ratsam sich direkt nach der Ankunft an die QUT und das International Office zu wenden. Die Uni wird euch viele nützliche Informationen geben um euch den Start in der neuen Umgebung zu vereinfachen. Im Rahmen der O-Week bietet die Uni zudem viele Veranstaltungen, Events, Workshops und Partys an, die es euch ermöglichen viele neue Freunde zu finden. Die QUT verfügt über sehr gute online Angebote die euch den Alltag erleichtern. So habe ich mein komplettes erstes Semester online geplant und teilweise auch Prüfungen online geschrieben. Auch die Organisation in Gruppen, das Ausarbeiten von Hausarbeiten oder auch die Anmeldung zu Events erfolgte stets online. Dies hat mir den Start an der Uni unheimlich erleichtert. Auch werden alle Vorlesungen online aufgezeichnet und gespeichert, sodass ihr sie euch jederzeit ansehen könnt. Direkt nach den ersten Tagen habe ich gemerkt, dass die QUT hervorragend ausgestattet ist und modernes studieren auf hohem Niveau ermöglicht.

Jedoch legt die QUT auch sehr viel Wert auf gemeinsame Veranstaltungen die ein tolles Studentenleben ermöglichen, sodass ihr euch oftmals gar nicht entscheiden könnt, welchem von den über 70 Clubs oder an welchen der zahlreichen Veranstaltungen an Wochenenden oder auch unter der Woche ihr teilnehmen sollt. Von diversen Sportvereinen, über Gaming Clubs, Tanzabende, Kulturkreise, International Clubs oder Events wie die beliebte Dragonboat Regatta auf dem Brisbane River oder Surf- und Wanderausflüge bietet die Uni ein riesiges Freizeitangebot an, damit es euch nicht langweilig wird.

Verlauf des Semesters, Inhalte, Uni, Professoren

Die Sonne blendet mich. Ich krame in meinem Rucksack und suche meine Sonnenbrille. Sie ist für mich zu einem Alltagsgegenstand geworden. Genauso wie meine Flip-Flops. Jeder trägt sie hier. Sogar wenn es regnet. Regnen tut es hier äußerst selten aber wenn dann so stark, dass gleich die Straßen überflutet werden. Ich erinnere mich, als ich einmal mit Freunden aus war. Es war eigentlich ein schöner Tag doch plötzlich begann es zu regnen. So stark wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Es war das erste Mal, das ich Regen in Australien gesehen habe und Minuten später standen die Straßen unter Wasser. Kleinere Autos konnten nicht mehr fahren. Überall riesige Pfützen. Um sicher und vor allem trocken nach Hause zu kommen fuhren die Busse und Fähren den restlichen Tag gratis. Australien eben.

Hier in Australien habe ich viele neue Leute kennengelernt und viele neue Erfahrungen machen dürfen. Allein meine Facebook Freundesliste hat sich um über 100 Personen erhöht. Neben unterschiedlichen Herkunftsländern, verschiedenen Sprachen und Ansichten und vielen tollen gemeinsamen Stunden auf Veranstaltungen, Ausflügen und Events hatten wir eins gemeinsam: Ein teilweise stressiges Studentenleben. Der Arbeitsaufwand an einer australischen Universität unterscheidet sich deutlich von dem an deutschen Universitäten und ist vor allem während dem Semester viel umfangreicher. Durch andere Erfahrungsberichte habe ich bereits damit gerechnet, jedoch hat mich der Aufwand dann doch sehr überrascht.

In Australien ist es oftmals üblich ein Bachelorstudium zu absolvieren und dann in etwa zehn bis 15 Jahre zu arbeiten. Um Führungsaufgaben übernehmen zu können absolvieren viele Australier dann ein Masterstudium oder Graduate Certificate. Daher ist es häufig so, dass die Mastervorlesungen abends (zwischen 5pm-9pm) stattfinden, da die meisten Kommilitonen voll berufstätig sind. So hatte ich an drei Tagen die Woche Vorlesungen von 6pm-9pm sowie einmal von 5pm-8pm. Darüber hinaus kam das ein oder andere Tutorial (gemeinsames Nacharbeiten von Vorlesungen) hinzu. Ihr braucht euch jedoch nicht allzu viele Sorgen zu machen. Alle Vorlesungen werden aufgezeichnet und sind zu jederzeit online abrufbar. Wenn ihr also andere Dinge an einem Abend vorhabt, könnt ihr euch jederzeit die Vorlesung ansehen oder euch auch Live von einem beliebigen Ort einloggen und Fragen stellen. Die meisten Bachelorstudenten die ich kennengelernt habe, hatte jedoch morgens und/oder mittags ihre Vorlesungen und auch oftmals nur zwischen zwei und drei Stunden.

Im Allgemeinen ist die Vorlesung eher mit dem Unterricht an deutschen Schulen zu vergleichen. Ich hatte meine Vorlesungen ausnahmslos in einem Raum in dem die Studenten sich gegenübersitzen und der Professor in der Mitte die Vorlesung hält. Fragen konnte man zu jederzeit stellen und auch gerne Diskussionen oder aktuelle Themen einbringen. Die Vorlesung wurde sehr partizipativ gestaltet und es kann auch mal vorkommen, dass der Professor direkt einen Studenten etwas frägt oder Gruppenarbeiten ausruft. Ich fand die Art der Vorlesung deutlich besser wie in Deutschland, da man stets aufmerksam war und merkte, dass der Professor versucht die Studenten einzubeziehen. Ich hatte meistens nicht das Gefühl, dass der Professor die gleiche Vorlesung nun zum hundertsten Mal hält, sondern vielmehr, dass die Inhalte stetig angepasst werden. Dies fand ich um einiges besser als in Deutschland. Auf was ihr euch jedoch einstellen müsst sind teilweise deutliche Niveauunterschiede. Dies ist teilweise der Uni und den Inhalten aber vor allem schlechten Englischkenntnissen eurer Kommilitonen geschuldet. So habe ich einmal mit Studenten gesprochen, die im fünften Semester Wirtschaftswissenschaften in einer Vorlesung Prozentrechnen gelernt haben. Das weitaus größere Problem sind jedoch die teilweise miserablen Englischkenntnisse vieler Asiatischer Kommilitonen. Dazu müsst ihr wissen, dass Bildung mittlerweile Australiens wichtigstes Exportgut geworden ist. Dementsprechend wird so ziemlich jeder Student angenommen, der die Gebühren bezahlen kann. Das muss euch zunächst nicht weiter stören. Kommt es jedoch zu Gruppenarbeiten oder Hausarbeiten, bei denen ihr als Team ein Problem, Thema o.ä. ausarbeiten müsst gibt es schon größere Probleme. So hatte ich einmal das Problem, dass ich eine Hausarbeit die für vier Studenten konzipiert war komplett alleine schreiben musste, da drei meiner Kommilitonen einen Wortschatz besaßen der außer „yes“, „no“ und „I agree“ nicht mehr viel beinhaltete. Leider gibt es für solche Arbeiten i.d.R. für alle Gruppenmitglieder die gleiche Note und da ihr mit Sicherheit noch für andere Fächer einiges zu tun haben werdet, kann man schnell unter Zeitdruck geraten.

Generell könnt ihr euch darauf einstellen, dass ihr pro Fach drei Prüfungen (unter dem Semester sind dies Hausarbeiten in Form von Essays und Gruppenarbeiten oder Zwischenprüfungen, die entweder als Multiple Choice Quiz oder Online Prüfung angeboten werden, haben werdet. Diese sind (bei einem 13 Wochen Semester) meistens auf Woche fünf/sechs, neun und dreizehn verteilt, sodass es schon mal vorkommen kann, dass ihr über sechs bis sieben Wochen durchweg Prüfungen haben werdet. Davor müsst ihr jedoch keine Angst haben. Da man im jedem Fach 100% erreichen kann und diese 100% auf drei Prüfungen verteilt werden ist der Arbeitsaufwand nicht so hoch, wie man das vielleicht aus einer Prüfungsphase an deutschen Unis kennt.

Wenn ihr euch darüber hinaus schwer tut mit den Anforderungen, den Inhalten oder auch der englischen Sprache könnt ihr jederzeit zu einem „Learning Advisor“ gehen, die die Uni bereitstellt. Diese sind erfahrene Mitarbeiter, die oftmals genau wissen welche Anforderungen welcher Professor hat und was ihr beachten müsst. Diese könnt ihr jederzeit aufsuchen und nützliche Tipps und Hilfestellungen erhalten. Der Service ist vollkommen kostenlos und kann sooft genutzt werden wie nötig. Darüber hinaus bietet sich auch immer die Möglichkeiten mit einem Professor nach der Vorlesung zu reden, ihm eine E-Mail zu schreiben oder auch anzurufen. Ihr müsst zwar einiges an Studiengebühren zahlen aber erhaltet dafür auch einen hervorragenden Service, motivierte Professoren, die sich individuell für euch Zeit nehmen und auf E-Mails oftmals binnen Minuten antworten. Die Mitarbeiter der Uni und selbst die Professoren sagten zu Beginn des Semesters mehrmals zu mir, dass ich alles und jeden Service den ich brauche nutzen soll. Auch motivierten sie mich jederzeit zu ihnen zu kommen. Das war für mich komplett neu und anders als in Deutschland. Daraus entwickelte sich oftmals sogar ein freundschaftliches und kollegiales Verhältnis, denn vor einer Vorlesung von einem Professor mit „G’Day, how was your soccer match last night“ begrüßt zu werden kannte ich bisher nicht.

Leben in Brisbane, Insidertipps, Do’s and Dont’s

Brisbane ist eine tolle Stadt zum Leben. Neben ganzjährig warmen Temperaturen (selbst im tiefsten Winter erreicht das Thermometer hier meistens über 20 Grad) bietet die Stadt über 300 Tage Sonnenschein im Jahr. Die Gold- oder Sunshine Coast ist in gut einer Stunde mit dem Auto zu erreichen oder man kann den Zug oder eine Fähre Richtung Stradbrooke oder Moreton Island nehmen. Doch neben den unzähligen Stränden bietet die Region Brisbane und insbesondere Queensland unglaublich viele Highlights zu denen auch die QUT Ausflüge anbietet. So könnt ihr neben den Surfkursen an der Gold Coast und in Byron Bay auch nach Fraser Island und dort campen am Strand. Weiter bietet die Uni Ausflüge in diverse Nationalparks wie Springbrook oder „versteckte“ Geheimtipps in den Glashouse Mountains an. Neben all diesen Ausflugszielen bietet die Stadt Brisbane beste Bedingungen sich als Student wohlzufühlen. Beinahe wöchentlich finden verschiedenste Events und Feste statt. Brisbane bietet zudem hervorragende Orte um sich mit Freunden zu treffen, auszugehen oder einfach nur zum entspannen wie z.B. am Stadtstrand in Southbank oder den tollen Aussichtspunkten auf Mount Coo-tha oder den Klippen von Kangaroo Point. Brisbane bietet für jeden das richtige und die Bewohner sind unglaublich freundlich und entspannt, sodass sie sogar teilweise mürrische Deutsche anstecken. Mag wohl am guten Wetter liegen, dass hier alles einfacher zu gehen scheint.

Ich selbst bin schon nach Sydney oder Cairns gereist und war froh als ich wieder zurück in Brisbane war. Die Stadt bietet zwar keine Touristenhighlights wie das Opera House oder das Great Barrier Reef aber dafür sind die Wohnungspreise und Lebenshaltungskosten deutlich geringer als in den Touristenhochburgen. Trotz der über zwei Millionen Einwohner fühlt es sich hier nicht so an als ob man in einer Großstadt lebt. Die Stadt ist unglaublich sauber, die Bewohner entspannt, man hat kurze Wege und vor allem ein richtiges Australienerlebnis (was ich z.B. in Sydney teilweise sehr vermisst habe). Wenn euch Freunde oder Familie besuchen kommt, werdet ihr in Brisbane sicherlich nicht die Highlights finden, wie in anderen Großstädten Australiens aber dafür eine unglaublich schöne Stadt mit Wohlfühlatmosphäre und wer den Großstadtrummel dennoch vermisst kann jederzeit Richtung Fortitude Valley und Peer ziehen und findet sich mitten in Wolkenkratzern, Pubs, Restaurants und einem spannenden Nachtleben wider.

Brisbane Do’s:

  • Kauft euer Obst und Gemüse auf den zahlreichen Märkten. Hier sind die Preise oftmals halb so teuer wie im Supermarkt.

  • Wenn ihr gerne in Flussnähe wohnt versucht eine Wohnung in der Nähe von Southbank, South Brisbane, Kangaroo Point oder East Brisbane zu bekommen. Hier fährt eine Gratisfähre den ganzen Tag um euch entspannt und schnell von einem Flussufer ans andere zu bringen.

  • Beantragt unbedingt die Concession Fare für eure Busfahrkarte (GoCard). Diese gewährt euch 50% auf alle Fahrten mit Zügen, Bussen und Fähren in Brisbane, egal wo hin ihr wollt (sogar an die Gold- und Sunshine Coast).

  • Nehmt unbedingt an der O-Week und einem der Ausflüge die die QUT zu Semesterbeginn anbietet teil. Diese wirken auf den ersten Blick vielleicht etwas teuer (50-100$) aber ihr werdet zahlreiche Leute und neue Freunde kennenlernen.

  • Tretet in Clubs oder sonstige Interessengemeinschaften ein. Insbesondere während und nach den ersten Tagen der O-Week bieten die zahlreichen Vereine „trial sessions“ an. Hier werdet ihr mit Sicherheit viele neue Freunde kennenlernen.

  • Sucht euch eine Unterkunft über Flatmates oder Gumtree und/oder kontaktiert den QUT Accommodation Service. Freie Studentenagenturen scheinen oftmals eine einfache Lösung bieten aber sehr oft schlechten Service (manche Makler hatten nicht einmal die richtigen Schlüssel für die Zimmer dabei und konnten mir nicht sicher sagen, welches Zimmer verfügbar ist).

  • Nutzt die zahlreichen öffentlichen Barbecue Stations, die ihr überall in der Stadt verteilt findet und gratis nutzen könnt.

  • Bei Problemen an der Uni geht direkt zu einer Kontaktperson im International Office, zu eurer Fakultät oder auch der von Studenten angebotene Service „HIQ“. Jede Person wird euch sehr gerne helfen und das kann euch eine Menge Zeit sparen.

Dont’s

  • Kauft nicht in Convenience Stores ein. In Australien haben selbst sonntags die Läden ganztägig geöffnet also meidet diese kleinen Supermärkte, wenn ihr nicht den doppelten Preis bezahlen wollt.

  • Fragt bevor ihr ein Bier oder Cocktail bestellt (insbesondere in den beliebten Clubs und Vierteln) wieviel es kostet, denn die Preise für alkoholische Getränke können schon mal das drei- bis vierfache Kosten als ihr es auch Deutschland gewohnt seid. Oftmals raten euch dann die Barkeeper, zu australischen Marken die nur halb so teuer sind, die ihr aber oft nur auf Nachfrage bekommt.

  • Haltet euch egal ob mit dem Fahrrad, als Fußgänger oder einem Auto an die Verkehrsregeln. Die australische Polizei ist bei vergehen sehr strikt und vergibt teilweise empfindliche Geldstrafen von mehreren hundert Dollar.

  • Egal welche (Alltags)Probleme auf euch zukommen versucht sie nicht alleine zu lösen. Ihr habt mit der Uni und all den verschiedenen Mitarbeitern für jede Gelegenheit, seien es Probleme an der Uni, in der Familie, gesundheitliche Probleme oder einfach nur Ärger mit dem Vermieter den richtigen Ansprechpartner, der euch sehr gerne helfen wird.

  • Verbringt nicht die ganze Zeit zuhause. Brisbane und die QUT sind hervorragende Orte um neue Menschen kennenzulernen. Selbst wenn ihr lernen müsst kann es sein, dass ihr mitten in der Prüfungsphase auf dem Campus ein Free Pancake Frühstück und einen Massageservice vorfindet, die euch das Lernen vereinfachen sollen.

Insidertipps

  • Geht Samstag morgens auf den Markt in East Brisbane um die verschiedensten Obst –und Gemüsesorten, die ihr mit Sicherheit noch nie gesehen habt, zu kaufen.

  • Wenn ihr Burger essen wollt (und das werdet ihr zwangsläufig in Australien) bestellt ihn mit Rote Beete! Australier lieben „Beetroot“ auf ihrem Burger und es schmeckt verdammt lecker!

  • Wenn ihr einmal ein Mietauto fahrt oder mit einem Camper durch Australien reisen wollt, fragt immer nach, ob die Versicherung bereits im Preis enthalten ist. Viele Vermietungsfirmen lassen diese bewusst weg, um mit günstigen Preise zu locken verlangen jedoch dann bei Abschluss des Vertrages einen Mindestversicherungsbeitrag.

  • Handelt! In Australien ist es nicht unüblich in Läden Onlinepreise zu vergleichen. Findet ihr in einem anderen Laden einen günstigeren Preis konfrontiert die Verkäufer damit und sie werden den Preis anpassen und oftmals sogar noch einen weiteren Nachlass geben, um sicherzustellen, dass ihr bei Ihnen im Laden kauft.

  • Am Kangaroo Point unterhalb der Klippen direkt am Flussufer finden wöchentlich gratis Bootcamps, Joga und Running Sessions statt, die von der Stadt angeboten werden und an denen jeder teilnehmen kann.

  • Kennt ihr das auch? Ihr müsst unglaublich viel lernen, braucht dringend einen Computer oder einfach nur Ruhe und genügend Platz für euch? Die Bücherei der QUT ist stets sehr gut besucht, doch es gibt einen siebten Stock von dem kaum jemand etwas weiß und für den man eine Zutrittskarte benötigt. Diese könnt ihr als international student beantragen. In diesem Stockwerk seid ihr immer für euch, es gibt genügend Computer und keinen Lärm.

  • Erkundigt euch an der O-Week über die City Bikes und lasst euch einen Account einrichten. Mit diesen könnt ihr für gerade einmal 3$ im Monat die gratis Fahrräder der Stadt nutzen, die verteilt in der gesamten Stadt stehen und jederzeit verfügbar sind.

Resümee

Australien ist ein teures Land zum studieren mit teilweise hohen Lebenshaltungskosten insbesondere auch wenn ihr auf Reisen gehen wollt. Wenn ihr es jedoch wagt nach Australien zu gehen, wird es ein unvergessliches Erlebnis werden. Australien ist ein unglaublich schönes Land, mit endlosen Stränden und atemberaubender Natur- und Tierwelt. Ich bin immer wieder fasziniert wie riesig dieses Land ist und wie unterschiedlich einzelnen Regionen sein können. Die Uni wird sich bemühen euch die schönen Seiten dieses Landes zu zeigen und darüber hinaus werdet ihr nach dem Semester (oder auch zwischendrin z.B. während dem Mid-Semester Break die Möglichkeit haben auf Reisen zu gehen). Neben diesen Möglichkeiten seid ihr natürlich auch zum Studieren dort. Hier bietet Australien und insbesondere die QUT hervorragende Studienbedingungen. Die Uni ist technisch auf dem allerhöchsten Stand und man kann die hohen Studiengebühren, definitiv am Campus wiederfinden. Dieser ist modern, schön gestaltet und darüber hinaus investiert die QUT in den stetigen Ausbau. Den Service den die Uni anbietet ist hervorragend und garantiert, dass ihr stets einen Ansprechpartner habt egal in welcher Situation ihr euch befindet. Darüber hinaus sind der Uni gemeinschaftliche Aktivitäten sehr wichtig. So wird viel Geld in Gemeinschaftsräume, Studentenclubs und Veranstaltungen investiert, um ein bestmögliches Studentenleben zu garantieren. So wurden im vergangenen Semester viele Ausflüge, gemeinschaftliche Tätigkeiten sowie Workshops mit namhaften Unternehmen wie Google und Facebook angeboten.

Insofern kann ich euch nur raten, dass wenn ihr überlegt ein Auslandssemester oder Studium in Australien zu absolvieren es sich auf jedenfall lohnen wird. Ihr werdet mit Sicherheit vor neue Herausforderung gestellt, erhaltet an der QUT einen sehr guten Service und werdet nach dem Studium mit Sicherheit um einige neue Erfahrungen und Freunde reicher sein.

Das ist Australien eben.

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