Melbourne ist nicht ohne Grund eine der lebenswertesten Städte der Welt

Frederik Keller | L.LM. Student


Wo
La Trobe University

Zeitraum
2018 - 2019

Was
Master of Laws

Studienprogramm
Masterstudium

Förderung
IRH Förderprogramm

31.07.2019

Der Weg zu La Trobe

Nachdem ich im Oktober 2017 in Münster mein Jura-Studium mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen hatte, kam bei mir die Überlegung auf, noch nicht direkt ins Referendariat zu starten oder mit einer Promotion zu beginnen. Da ich während des Studiums selbst kein Auslandssemester gemacht habe, war nun der perfekte Zeitpunkt hierfür gekommen. Bis zu meinem gewünschten Start im Juli 2018 habe ich dann noch in einer Kanzlei gearbeitet, um mir das Leben hier finanzieren zu können.

Doch als so langsam die Idee gereift ist, trat schnell eine Art Überforderung und damit auch Ernüchterung ein: Es gibt schlichtweg zu viel Auswahl an Universitäten auf nahezu jedem Kontinent, in denen man einen Master machen kann. Deswegen war ich auch sehr froh, als ich Anfang Dezember gesehen habe, dass das Karrierenetzwerk „efellows“ in Frankfurt eine eigene LLM-Messe veranstaltete, wo sich eine ganze Reihe von Universitäten aus jeder Himmelsrichtung vorstellte. Auf dieser Messe habe ich mich dann nach vielen informativen Gesprächen mit den jeweiligen Vertretern der Universitäten auch entschieden, jedenfalls meine Suche auf Australien/Ozeanien zu beschränken. Doch das war tatsächlich noch nicht das Beste, was ich an diesem Tag in Erfahrung bringen konnte: Nahezu jeder Alumnus der präsenten Hochschulen hat mir geraten, mir bei meiner Bewerbung durch das Ranke-Heinemann-Institut helfen zu lassen.

Das habe ich dann auch direkt am nächsten Tag in die Tat umgesetzt. Ganz unkompliziert und schnell kam ich in Kontakt mit dem Essener Standort des Ranke-Heinemann-Instituts, das mir im Laufe des ganzen Bewerbungsverfahrens mit Rat und Tat zur Seite stand. Dies fing mit persönlichen Gesprächen an, in denen wir noch einmal über die jeweiligen Universitäten sprachen. Darüber hinaus half man mir bei der kompletten Bewerbung (gefühlt täglich kam eine neue E-Mail von mir mit Rückfragen, die stets freundlich, schnell und präzise beantwortet wurden!) und der Bewerbungsvermittlung, die praktischerweise auch direkt über das Institut erfolgte. Auch dank der weiteren vielen hilfreichen Tipps auf der Webseite (z.B. allgemeine Tipps in Australien, Flüge, Finanzierung, Stipendien, Infos über Unis etc.) bin ich sehr froh, dass ich vom Ranke-Heinemann-Institut erfahren habe.

Insbesondere möchte ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen, dass das Ranke-Heinemann-Institut jedes Auslandsstudium in Down Under mit einer Studienbeihilfe von 10% der Studiengebühren für ein Semester unterstützt – vielen Dank dafür noch einmal! Das hat mir in finanzieller Hinsicht die Entscheidung für ein Auslandsstudium doch gewaltig erleichtert.

Nach der schwierigen Abwägung, für welche Universität ich mich nun entscheiden sollte, habe ich dann aufgrund des hervorragenden Gesamtpakets schlussendlich das Angebot der La Trobe University in Melbourne angenommen.

Ankunft und Einleben in Melbourne

Eine der ersten Sachen, die man in Melbourne lernt, ist, dass man dem Wetterbericht NICHT trauen sollte – „Four seasons in a day“ ist da das passende Motto. Ich kam in Melbourne Mitte Juli an, und wurde schlagartig aus dem wohl heißesten Sommer der letzten Jahrzehnte in Deutschland ins kalte, fast schon ungemütliche Melbourne gerissen.

Vom Flughafen aus kann man entweder den Shuttleservice der Uni wählen, sich mit dem öffentlichen SkyBus in die Innenstadt fahren lassen oder aber ein Uber/Taxi bestellen.Die ersten Wochen habe ich noch in einem Hotel / AirBnB verbracht, doch die Wohnungssuche vor Ort gestaltete sich äußerst schnell. Über die Webseite „flatmates“ zum Beispiel findet man wirklich relativ zügig eine Unterkunft. Beachte bei deiner Suche, dass die Miete generell hier im Zwei-Wochen-Rhythmus angegeben wird (every fortnight). Nach einigen Wohnungsbesichtigungen in vielen verschiedenen Vierteln habe ich mich für eine WG im sehr modernen Viertel Southbank entschieden. Ansonsten sind noch Viertel wie – nur um einige zu nennen – Richmond, St. Kilda, Collingwood, Northcote oder Fitzroy zu empfehlen, wobei letztere vermutlich die „hippeste“ Gegend ist mit vielen netten kleinen Boutiquen und Bars. Allgemein kann man aber sogar einigermaßen preiswert in nahezu jedem Vorort gut leben, einzig von einer Unterkunft im zu teuren und wuseligen CBD würde ich abraten.

Ein Leben auf dem Uni-Campus in Bundoora (ca. eine Stunde entfernt vom CBD) kam für mich dagegen nicht in Betracht, da die La Trobe mitten im CBD einen eigenen „Campus“ hat, der speziell für Jura und BWL (und ähnliches) vorgesehen ist. Der Begriff Campus ist hier aber vielleicht etwas zu übertrieben, da es sich um 3 Stockwerke eines Hochhauses handelt. Nichtsdestotrotz sind diese Stockwerke hochmodern eingerichtet und präsentieren sich in vorzüglicher Lage. All meine Kurse bis auf eine Ausnahme hatte ich deshalb auch mitten in der Innenstadt, sodass ich den Hauptcampus in Bundoora maximal ein paar Mal gesehen habe und dementsprechend auf die vielen verschiedenen sozialen Aktivitäten und Clubs dort nicht zurückgegriffen habe.

Schon von Deutschland aus kann man bereits ein eigenes Bankkonto in Australien errichten, zum Beispiel bei der Commonwealth-Bank oder der ANZ-Bank. Diese bieten auch Studentenkonten an, sodass keine Kontogebühren anfallen. Überweisungen von Deutschland nach Australien macht man am besten nicht mit Auslandsüberweisungen, da hier die Banken teilweise horrende Gebühren erheben. Empfehlen kann ich an dieser Stelle Online-Geldtransfer-Services wie „Transferwise“, die nur eine ganz geringe Bearbeitungsgebühr erheben.

Vergesst nicht, eure Steuer-ID mitzunehmen, wenn ihr hier in Australien arbeiten wollt (der Mindestlohn beträgt knapp 20$, sodass sich das schon lohnen würde). Diese kann man dann bei der Bank angeben und es ist dann am Ende leichter, etwas Geld von den Sozialabgaben zurückzuerhalten.

Für mich war, wie oben schon angedeutet, der Uni-Campus in Bundoora zu weit entfernt, sodass ich die vielen verschiedenen sportlichen und sozialen Möglichkeiten weniger wahrgenommen habe. Ohne Probleme findet man aber auch, abseits des riesigen Campus, schnell Anschluss in der Millionenmetropole – sei es mit Kommilitonen an der Uni, beim Sport, mit den Mitbewohnern oder einfach beim Erkunden der Stadt mit einem Kaffee in der Hand (ja, der Kaffee ist hier wirklich so gut!).

Darüber hinaus bietet Melbourne eine unglaublich große Auswahl an sportlichen, sozialen und kulturellen Angeboten. Nahezu jede Woche ist hier in der Stadt irgendwas los – angefangen mit Live-Konzerten im botanischen Garten, Bierfestivals und Night-Markets über sportliche Ereignisse wie Footy, Fußball, Basketball, Rugby, Cricket etc., Pferderennen, Australian Open oder Formel 1 bis hin zu einer schier unerschöpflichen Auswahl an interessanten Museen. Hier ist definitiv für jeden was dabei, man kann so viel unternehmen und es wird einem definitiv nie (!) langweilig. Alle Möglichkeiten hier aufzuzählen, würde den Rahmen definitiv sprengen. Wenn man aber mal hier ist, bekommt man schnell einen Überblick von allem.

Studieren an der La Trobe

Viele meiner Kurse am City-Campus sind Blockkurse, bei denen man eine Woche intensiv von morgens bis abends Kurs hat. Der Vorteil hiervon ist, dass dann in der Regel keine Klausuren am Ende des Semesters stattfinden, sondern man nach Abschluss des Kurses mehrere Wochen Zeit hat, ein oder mehrere Essays zu schreiben. So kann man die Kurse gut wählen und kann sie dann nach relativ schneller Zeit abarbeiten.

Allgemein gesprochen ist das Studieren an einer australischen Hochschule sehr viel „verschulter“ als in Deutschland. Die Teilnehmerzahlen sind viel kleiner, es besteht ein großer Austausch zwischen Dozenten und Studenten und es wird ein erheblicher Fokus auf social skills durch eine Menge an Gruppenarbeiten gelegt.

Am City-Campus ist alles hochmodern eingerichtet. Eine Präsenzbibliothek gibt es hier nicht, sondern alles Erforderliche findet man online. Braucht man aber ausnahmsweise doch mal ein Buch, kann man sich ganz bequem diese aus der Bibliothek in Bundoora liefern lassen. Auch die Arbeits- und Gruppenräume sind hochwertig ausgestattet.

Reisen und Unternehmungen in Australien

Neben den lokalen Aktivitäten in Melbourne, die ich oben schon angeschnitten habe (Sightseeing, zu Sportevents gehen, Museen erkunden, Festivals und Märkte genießen etc.), gibt es natürlich eine Reihe von Möglichkeiten, die man in Victoria oder Australien erleben kann.
Dank meiner Kursstruktur von hauptsächlich Blockkursen hatte ich zeitlich viele Möglichkeiten, eine ganze Reihe an Unternehmungen zu erleben.

Das fängt erst einmal damit an, die verschiedenen Viertel von Melbourne zu erkunden. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass jedes Viertel seinen eigenen Charme hat. Erst diese Vororte machen Melbourne zu einer der lebenswertesten Städte der Welt. Hier sollte man sich genügend Zeit nehmen, jedes Gebiet mal zu besichtigen.

Dann gibt es in Victoria eine ganze Reihe von Tagestouren, die man auf jeden Fall mal gemacht haben sollte. Absolute Must-Dos – nur um ein paar zu nennen – sind für mich die Great Ocean Road, Wandern in den verschiedenen Nationalparks wie den Grampians, Wilsons Promontory oder Dandedong Ranges, Tagestouren nach Phillip Island, Williamstown oder Gippsland und auch Weintouren durch das Yarra Valley.

Darüber hinaus habe ich die Zeit genutzt, um größere Touren zu machen. Dies fing an mit einem Trip nach Sydney und einem Abstecher in den Blue-Mountains Nationalpark, wo ich später zu Silvester noch einmal sein werde. Danach stand eine 3-wöchige Tour an der Ostküste von Brisbane bis hoch nach Cairns mit einem Campervan auf dem Plan. Die einzelnen Stationen, u.a. in Noosa, Whitsundays, Fraser Island, Magnetic Island und Cape Tribulation waren wirklich unglaublich und deshalb auch ein absolutes Must-Do!

Auch die Westküste habe ich mir nicht entgehen lassen mit einer Tour von Perth nach Broome. Die Ziele hier sind deutlich weniger touristisch, aber definitiv nicht weniger spektakulär!

Schlussendlich ist Tasmanien aufgrund der Nähe von Victoria definitiv auch eine Reise wert!

Fazit

Melbourne ist nicht ohne Grund eine der lebenswertesten Städte der Welt. Man kann hier so viel unternehmen und die Stadt ist wirklich einzigartig. Man findet sich sehr schnell zurecht und auch die Uni ist durchaus machbar. So bleibt genügend Zeit, das gesamte atemberaubende Land zu erkunden.

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