Living the Australian Dream!

Dinah Möller | Studentin der Ostfalia Hochschule


Wo
Murdoch University

Zeitraum
2018

Was
Communication Management

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

30.06.2018

Dinah in Down Under

Powerful oceans, Easy-going people, Remote from any other civilization, Tasty food experiences and Helpful Aussies – Kurzform: PERTH! All dies sind Erfahrungen, die ich während meines Auslandssemesters in der Hauptstadt und mit Abstand größten Stadt des Bundesstaates Western Australia erleben konnte. Doch zunächst alles auf Anfang…
Als ich mich im September letzten Jahres dafür entschied, mein zweites Semester meines Masters in Australien zu absolvieren, habe ich mich zunächst an die Auslandsbeauftragte meiner Heimatuniversität gewandt. Dort wurde mir das Ranke-Heinemann Institut zur Planung und Durchführung meines Vorhabens empfohlen. Unter anderem wegen der Möglichkeit durch die Studienbeihilfe einen Teil der australischen Semestergebühren zurückerstattet zu bekommen. Für ein Semester an einer australischen oder neuseeländischen Universität übernimmt das Ranke-Heinemann Institut 5% der Studiengebühren, bei zwei Semestern sind es 10%. Einige Emails später war ich auch schon drin im Bewerbungsverfahren für zwei Universitäten in Perth.

Vorbereitet hatte ich mich auf einen langwierigen Bewerbungsprozess von bis zu vier Wochen. Um so erstaunter war ich, als ich nach drei Tagen meinen conditional offer im Postfach fand. 1 zu 0 für die Aussies, mit einer derart schnellen Zusage hatte ich definitiv nicht gerechnet. Genauso problemlos ging es dann auch weiter. Über das Ranke-Heinemann Institut erfuhr ich von der Murdoch University Village direkt am Campus. Positiv überrascht war ich auch von den Preisen. Umgerechnet ca. 260 Euro im Monat für ein Zimmer in einer 6er-WG war günstiger als was ich durchschnittlich in Deutschland bezahlt habe. Meine Freude hielt solange an bis ich herausfand, dass hier fortnightly gerechnet wird. Sprich der Betrag wird zweiwöchentlich fällig, macht 520 Euro im Monat. Trotz der Kosten habe ich mich für die University Village entschieden und es nie bereut!

Unterkunft

Mit einer Schwedin, einer Finnin, einer Dänin und zwei Amerikanerinnen war meine Wohngemeinschaft skandinavisch angehaucht. Und das war Gold wert! Es stellte sich nämlich heraus das aufgrund der Partnerhochschule in Stockholm noch einige Schweden mehr an der Murdoch Uni ihr Auslandssemester antraten. Eine lustige Truppe war schnell gefunden und nicht selten fand ich mich bei gemeinsamen Aktivitäten umrundet von Skandinaviern wieder. Und ja ich gebe zu, beim Spiel Schweden gegen Südkorea habe ich voller Inbrunst für Schweden gejubelt.
Die Murdoch Uni Village ist aufgebaut wie ein Dorf aus zweistöckigen Häusern im Gegensatz zu Massenbauten mit zahlreichen Stockwerken wie man sie aus Deutschland kennt. Wirklich liebevoll gestaltet finden fast jeden Tag Events statt, von Kochabenden, über Yoga-Lessons, bis hin zu temporären Streichelzoos auf dem Gelände. Ermöglicht wird ein reibungsloser Start über zahlreiche Infoveranstaltungen und vor allem die beste Möglichkeit bei Events neue Leute kennen zu lernen und Freundschaften zu knüpfen.

Studium

Die Murdoch Uni ist bekannt für ihre tiermedizinische Abteilung und innovative Kurse zum Thema Sustainability. Diese Chance habe ich genutzt um mich neben meinen Kommunikationsmanagement-Kursen in dem Fach Nachhaltigkeit fortzubilden. Interessanterweise war dieser Kurs Bestandteil des Communication Masters an der Hochschule, sodass auch bei eingeschriebenem Management Postgrad, sowohl Kurse aus beispielsweise Umwelt- und Kulturwissenschaften oder Entwicklungshilfe wählbar waren.
Zugegebenermaßen das Studieren von drei units war dann doch etwas stressiger als gedacht. Vom ersten Tag an wurde vollstes Engagement und Mitarbeit erwartet. Während des Semesters fielen allerlei assignments à Essays, Literaturkritiken, Präsentationen, Gruppenarbeiten, case studys und und und an. Am Ende stand meistens eine Klausur im jeweiligen Fach die jedoch verhältnismäßig wenig zur Gesamtnote beiträgt. Bei mir lag die Klausurwertung zwischen 20 und 35%, bei Kommilitonen waren es bis zu 60%. Dies nimmt natürlich die Angst vor dem final exam, erfordert im Gegenzug aber auch konstantes Arbeiten während des Semesters. Ein „Larifari“-Semester wie es mir von Kommilitonen beschrieben worden ist, die in anderen Ländern ihr Auslandsjahr absolviert haben, kann ich definitiv nicht bestätigen. Bei guter Planung ist während der study breaks Urlaub und Reisen möglich, jedoch erfordert es einiges an Selbstdisziplin. Am besten die Unit Learning Guides vorher ausführlich studieren und wenn möglich schon mal in der Literatur ein bisschen vorarbeiten wann immer Zeit ist.

Leben in Perth

Bezüglich Lebenshaltungskosten ist Australien kostspieliger als Deutschland, aber machbar. Freizeitaktivitäten wie Kino- oder Restaurantbesuche aber auch Bier- und Longdrinkpreise in Bars und Clubs sprengen schnell das studentische Budget. Auch bei Lebensmittelkäufen sollte man immer mit einem Auge auf den Preis schielen und wenn möglich Eigenmarken kaufen. Sehr zu Freuden der deutschen (aber auch anderen) Austauschstudenten hat dieses Jahr ein ALDI-Supermarkt in unmittelbarer Nähe zum Unicampus eröffnet, was den Gelbeutel etwas schont. Auch kann man den Kosten entgegenwirken indem man öfters mit mehreren Leuten kocht, da größere Mengen heruntergebrochen auf den Einzelnen oftmals günstiger sind. Schließlich wie zu Beginn angekündigt noch ein paar persönlich-australische Anekdoten:

Powerful Oceans

Wunderschön gelegen befindet sich Perth direkt am indischen Ozean. Über hunderte Kilometer können sich bei der üblichen Swellrichtung Südwest die Wellen konstant aufbauen. Nicht umsonst wird Western Australien als Surferparadies angepriesen. Glücklich war ich als ich mein Surfboard dank der australischen Airline Qantas kostenlos in meine neue Heimat bringen konnte. Die Surferkultur ist hier allgegenwärtig und schnell konnte ich eine Reihe neuer Spots von meiner To-Surf-Liste abhaken. Gemäß australischer Tradition jedes noch so kurze Wort weiter abzukürzen und auf ein O enden zu lassen, surfte ich Margo, Cotto, Leighto, Scarbro, Lanco und weitere Spots in und um Perth. Ich habe mir sagen lassen der australische Akzent käme dadurch zustande, dass die Australier ihren Mund beim Sprechen so wenig wie möglich öffnen damit keine mosquitos oder flys hereinfliegen können. Ob das stimmt sei jetzt mal dahingestellt.

Easy-going People

Ganz wichtig zum Überleben in Down Under: Zeit mitbringen! Man sollte nicht verzweifeln, wenn Busse erheblich später kommen oder der Mietwagenhändler sich trotz vereinbarter Übergabezeit in der Mittagspause befindet. Außerdem bitte nicht zu ernst nehmen, wenn bei Veranstaltungsbeschreibungen der University Village 6.30 PM sharp vermerkt ist. Gemeint ist nicht gepflegt deutscher Gewohnheit auf den Punkt oder überpünktlich zu erscheinen, sondern irgendwann gemäß australischer Gemütlichkeit innerhalb der nächsten 20 Minuten einzutrudeln. Würde man auf das kleine Wörtchen sharp verzichten käme der erste Aussie vermutlich um 7.15 Uhr.

Remoteness

Mit knapp zwei Millionen Einwohnern ist Perth eine richtige Großstadt, die ihren Kleinstadt-Charme jedoch behalten hat. Mit einigen baulichen Neuerungen am Elizabeth Quay hat die Stadt ein Zentrum am Wasser erhalten was sich sehen lassen kann. Ob zur gemütlichen Promenade, einem Eis bei Gusto Gelato oder der Fähreneinstieg nach Rotto (Rottnest Island, ja genau dort wo die süßen Quokkas leben). Die eigentliche Einkaufsmeile wiederum ist für Großstadtdimensionen, mit der Hay Street und Murray Street, deutlich kleiner als man es von anderen Metropolen kennt. Verlässt man die Stadtgrenzen von Perth wird einem erst so richtig bewusst, wie abgelegen man eigentlich ist. Mit 70.000 Einwohnern ist Bunburry die zweitgrößte Stadt Western Australiens. Das sind gerade mal knapp 4% der Perther Bevölkerung und ist so groß wie die bayerische Stadt Landshut oder Celle in Niedersachsen! Noch viel beeindruckender sind jedoch die unglaublichen Distanzen die zwischen den teilweise aus Supermarkt und Tankstelle bestehenden „Städten“ existieren. Bei meinem Roadtrip Richtung Exmouth stellte ich fest, dass je weiter man sich von Perth entfernt diese Distanzen auch immer größer werden. Nicht selten liegen zwischen zwei Tankstellen auch mal lächerliche 250 Kilometer. Deshalb - immer volltanken!

Tasty Food

Aufgrund der multikulturellen Prägung der Stadt hat Perth auch kulinarischen einiges zu bieten. Jeden März findet das Food-Festival EAT DRINK PERTH statt. Direkt in der Hay Street zwischen MYER, ZARA und City Beach ist jeden Freitag des Monats ein Food-Market aufgebaut mit einer Vielfalt an Spezialitäten aus aller Welt. Sollte man also im Semester 1 anreisen, ist dies definitiv ein Geheimtipp! Außerdem sollte man sich den Fremantle Market am Wochenende nicht entgehen lassen. Sonntags ab 5 PM lässt sich dort zudem bares Geld sparen, wenn die Regale mit Obst und Gemüse für einen Dollar geräumt werden. Das Studenten-Portemonnaie bedankt sich herzlich!

Helpful Fellow Students, Professors and other Aussies

Zu meinem Erstaunen ist es in Australien scheinbar nicht üblich direkt nach seinem Undergraduate Studium (vergleichbar mit Bachelor) seinen Postgraduate (Master) anzuschließen. In meinen Kursen fand ich mich deshalb in einer Gruppe von Kommilitonen des Alters 35+ wieder. Alle waren jedoch durchweg höflich und hilfsbereit und haben mich auch bei mäßigen Leistungen gerne mit Lob überschüttet. Ob dies dem Welpenschutz geschuldet war, oder einfach die australische Art ist, wird sich wohl nie eindeutig klären lassen. Auch die Professoren waren stets aufgeschlossen auch gegenüber persönlichem Feedback, was hier deutlich mehr Gang und Gebe ist als ich es in deutschen Hochschulen erfahren habe. Die Dozenten werden geduzt und persönliche Kontaktdaten werden direkt in der ersten Stunde ausgetauscht.
Für öffentliche Verkehrsmittel in der Stadt ist Transperth zuständig. Wichtiger Unterschied zu Deutschland: ein Semesterticket ist nicht in den Studiengebühren enthalten. Auch gibt es keine Monats- oder Halbjahrestickets sondern nur die sogenannte Smartrider Card. Hiermit lassen sich für Studenten allerdings 40-60% der Kosten sparen. Wichtige Regel: Am Ende der Busfahrt ein beherztes „Thanks!“ zum Driver rufen. Das haben sie sich auch verdient, denn auch australische Busfahrer sind immer höflich, freundlich und hilfsbereit.

Fazit

Alles in allem kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass ich in meinem Auslandssemester meinen persönlichen Australian Dream gelebt habe: wohnen in einer Großstadt am Meer, mit zahlreichen Surfspots direkt vor der Haustür, an der australischen Kultur teilhaben, mit Menschen aus aller Welt gemeinsam leben, feiern, lachen, und einem Studium an einer ausgezeichneten Universität die jeden Wissenshunger stillt. Thanks Ranke-Heinemann, thanks Murdoch Uni, thanks Straya (Australia) and cheers to all my mates!

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