Eine große Bereicherung
Brüning mit Surfbrett

Jasper Brüning | Student der Uni Bremen


Wo
Southern Cross University

Zeitraum
2017 - 2018

Was
Organisational Behaviour, Project Management und Strategy and Case Analysis

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH-Förderprogramm

01.01.2018

Ein Auslandssemester erhöht die Karrierechancen

Ausblick aus dem Gebäude B der Southern Cross University

Bewerbungsverlauf und Ankunft in Australien

Die Vorbereitungszeit meines Auslandsaufenthalts betrug in etwa ein Jahr. Zu Beginn gilt es sich über die verschiedenen Bewerbungsfristen zu informieren, um einen Zeitplan für die Organisation des Auslandsaufenthaltes zu erstellen. Beispielsweise musste ich für mein Auslandsstudium, welches Ende Oktober begann, bereits bis Ende März den Antrag für ein PROMOS-Stipendium gestellt haben. Hierfür war es wiederum notwendig bereits zu wissen, in welchem Land das Auslandsstudium durchgeführt werden soll.

Da ich mein Auslandssemester als Free-Mover durchgeführt habe, habe ich mir die Universitäten, die in Frage kommen ganz einfach über die Internetsuche herausgesucht und mir die verschiedenen Semesterbeiträge notiert. Außerdem ist es hilfreich sich über die Internetseiten der Universitäten ein Bild dieser zu machen. Auch können auf diesen in der Regel die Kursangebote eingesehen werden, welche mit denen verglichen werden sollten, die in der Heimatuniversität angeboten werden. An dieser Stelle ist es wichtig, frühzeitig (ein halbes Jahr vorher) den Antrag für das Auslandsbafög zu stellen, da dieses die Studiengebühren für ein Semester (Vorsicht, ein Semester benötigt eine gewissen Mindestanzahl an Wochen) bis zu einer Summe von 4600€ übernimmt. Wenn die Entscheidung für eine gewisse Universität gefallen ist, sollte man sich so früh wie möglich bewerben, da das Auslandsbafög erst bei Vorlage der ausländischen Immatrikulationsbescheinigung fördert.

Die Bewerbung an der australischen Universität erfolgte über die Ranke-Heinemann Stiftung, welche die Schnittstelle zwischen mir und der australischen Universität war. Deren Kontakte zur australischen Universität waren von Vorteil und darüber hinaus wird man unterstützt, indem Ranke-Heinemann 5% der Studiengebühren im Nachhinein erstattet. Dies hat die Bewerbung sehr erleichtert, zumal ich mich gleichzeitig um diverse andere Formalitäten (wie z.B. das Learning Agreement) kümmern musste.

Folgende Unterlagen wurden für die Bewerbung an der Southern Cross University benötigt:

  • Fotokopie des Reisepasses
  • Transcript of Records des aktuellen Studiums
  • Ggf. Bachelorurkunde oder Abiturzeugnis
  • Nachweis für die benötigten Englischkenntnisse (in meinem Fall war B2 ausreichend)
  • Ggf. Motivationsschreiben für die ausländische Universität
  • Das jeweilige Bewerbungsformular für die ausländische Universität
  • Das Bewerbungsformular für die Ranke-Heinemann Stiftung

Wurden diese Unterlagen fristgerecht eingereicht, wird auf die Rückmeldung der australischen Universität gewartet, was in der Regel wenige Wochen dauert. Generell kann die Wahrscheinlichkeit angenommen zu werden als extrem hoch eingeschätzt werden. Nach dem Studienplatzangebot der Southern Cross University musste der Semesterbeitrag überwiesen werden. Wenige Wochen später kommt die finale Zusage der Gastuniversität. Daraufhin sollte das Visum beantragt werden. In meinem Fall hat es von der Bewerbung bis zum Erhalt des Visums 1 Tag gedauert, was aber variiert und vor allem von der Staatsangehörigkeit des Bewerbers abhängig ist.


Am wichtigsten ist es, keine Fristen verstreichen zu lassen, sei es Stipendien, Visum, BAföG oder die Einschreibung an der Uni. Da der gesamte Prozess sehr lange andauert, kann ich empfehlen, eine Liste mit den gesamten Deadlines zu erstellen oder sie in den Terminkalender zu schreiben. Außerdem sollten wichtige Dokumente wie der Reisepass so früh wie möglich bestellt werden, da die Ausstellung mehrere Wochen in Anspruch nimmt. Außerdem sollte der Stress, der mit dem Auslandsstudium einhergeht, nicht unterschätzt werden. Zwar ist es zum einen eine wichtige Erfahrung für das Leben, andererseits kommen im Ausland eine neue Kultur, neue Regeln (wie z.B. Linksverkehr) usw. auf einen zu. Daher sollte man auch auf keinen Fall zu spät anreisen. Ich empfehle eine Woche vor Beginn der O-Woche an der Gold Coast anzukommen um sich schon mal an alles zu gewöhnen, denn es wäre ärgerlich, wenn das Studium unnötigerweise unter der schlechten Planung leidet.


Wenn man erstmal in Australien ist, ist eigentlich alles recht simpel. Besondere Unterlagen, Genehmigungen etc. waren nicht nötig. Der deutsche Führerschein ist in Australien für eine gewisse Zeit gültig (ich meine 6 Monate), ansonsten ist es natürlich wichtig stets seinen Reisepass parat zu haben und eine Kreditkarte zu besitzen. In meinem Fall war es die DKB Studentcard mit welcher ich im Nachhinein sehr zufrieden bin. Falls man vor hat in Australien neben oder nach dem Studium zu arbeiten sollte ein australisches Konto eröffnet werden. Ich habe ein Konto bei der ANZ eröffnet, welches für Studenten kostenfrei ist und recht simpel zu eröffnen ist (der Reisepass reicht fast schon aus). Des Weiteren sollte man sich online für eine Taxfile-Number registrieren, welche für die Abrechnung der Steuern verwendet wird. Diese ist kostenlos und erspart einiges an Steuern und darüber hinaus kann man Steuern im Nachhinein bis zu einem gewissen Betrag zurückfordern.

Die Southern Cross University

Die Southern Cross University (SCU) hat ihren Hauptsitz in Lismore, hat aber auch Niederlassungen in Gold Coast, Sydney und Melbourne. Ich habe mein Studium am Campus in der Gold Coast verbracht. Genauer gesagt ist die  SCU in dem Vorort Coolangatta gelegen. Die Gebäude der Uni waren sehr neu und daher auch äußerst modern.

Die Lage ist Traumhaft, die Entfernung zum Strand beträgt nur wenige hundert Meter und vom zehnten Stockwerk des B Trakts hat man einen herrlichen Ausblick über den Pazifik und den Strand. Da die Universität in einem Vorort der Gold Coast liegt ist alles eher ruhiger.

Die Universität hat eine Orientierungswoche angeboten, die sehr gut dazu geeignet ist Informationen über die Universität, die Wohnungssuche und vieles mehr zu erlangen und natürlich um andere Studenten kennenzulernen, mit denen man zusammen lernen kann und natürlich Zeit abseits des Studierens verbringen kann. Mehrere Wochen vor Beginn des Studiums habe ich ein Infoblatt zugeschickt bekommen mit den Treffpunkten- und Zeiten der einzelnen Veranstaltungen. Die SCU hat mehrere Freizeitaktivitäten angeboten, wie beispielsweise eine Wochenendreise nach Fraser Island oder ein kostenloser Tagestrip in einen nahegelegenen Nationalpark. Der Nationalpark war atemberaubend schön, neben Wasserfällen konnte man einen Einblick in die Natur Australiens gewinnen und sich vom alltäglichen Städteleben erholen.

Kurswahl und Prüfungsleistungen

Ich habe die Kurse Organisational Behaviour, Project Management und Strategy and Case Analysis belegt. Die Anrechnung der Kurse muss im Vorhinein mit dem Zuständigen des Fachbereichs durch ein Learning Agreement abgeklärt werden. Informationen über die Angebote der verschiedenen Kurse findet man auf der Internetseite der SCU. Die Prüfungen waren natürlich alle auf Englisch. In der Regel hat man in einem Fach mehrere Hausarbeiten und manchmal eine Klausur am Ende des Semesters. Alle Prüfungen zusammen werden dann zu einer Gesamtnote zusammengerechnet. Insgesamt würde ich das Niveau der Kurse als etwas leichter als in Deutschland beschreiben, allerdings muss mehr Zeit z.B. für die Übersetzung bei Hausarbeiten investiert werden. Die Kurse waren alle nach dem gleichen Schema aufgebaut. Wöchentlich gab es zum einen Online Vorlesungen, die man auf der für Studenten eingerichteten Internetseite (ähnlich StudIP) abrufen konnte. Zusätzlich hatte man wöchentlich ein Tutorium, in dem das Wissen vertieft wurde. Dieses hatte offiziell eine Anwesenheitspflicht aus Visums-Gründen. Bei der Einschreibung konnte man zwischen drei und vier Kursen, die man belegen möchte, wählen. Ich kann jedem raten nur drei Kurse zu wählen, da das Arbeitspensum recht hoch ist und auch Klausuren und Hausarbeiten oft in einem engen Zeitraum durchgeführt werden müssen.

Unterkunft

In meiner ersten Woche habe ich in einer AirBNB Wohnung gelebt, da es einem die Sicherheit gibt zum Anfang sicher eine Wohnung zu haben und keinen Stress mit der Wohnungssuche zu haben, da man zeitgleich auch viele andere Dinge zu erledigen hat. Etwas kostengünstigere Variante wäre ein Hostel. Während dieser ersten Woche sollte man sich nach einer dauerhaften Wohnung umgucken. Dazu eignet sich die UniStays-Website der SCU, Gumtree (eine viel genutzte App in Australien, so eine Art Ebay für alles), flatmates.com oder ähnliche Webseiten. Eine dauerhafte Wohnung bereits vor dem Eintreffen in Australien zu buchen ist eher ungünstig, da die Wohnung auf jeden Fall zunächst besichtigt werden sollte, um zu erfahren, dass sie tatsächlich den eigenen Vorstellungen entspricht. Ich persönlich habe meine Wohnung über einen Mitbewohner in meiner AirBnB Unterkunft ausfindig gemacht. Diese war wenige Kilometer vom Campus entfernt und war mit 180 AUD pro Woche eher günstig. Der durchschnittliche Preis für eine Wohnung liegt bei 200 AUD pro Woche.

Mobilität und Arbeiten in Australien

Es gibt an der Gold Coast ein öffentliches Nahverkehrssystem, welches jedoch fast ausschließlich aus Bussen besteht und auch nur die wichtigsten Gebiete anfahren. Ich kann jedem empfehlen sich ein Auto zuzulegen, da Australien deutlich weitläufiger als Deutschland ist und sich ein Auto auch nach dem Studium noch eignet, um durch das Land zu reisen. Viele Autos werden auf Gumtree angeboten. Beim Autokauf sollte darauf geachtet werden, dass es mit einem Road Worthy Certificate (ähnlich dem TÜV) und einer Registration für die Zeit des Aufenthalts angeboten wird, da ansonsten hohe Kosten anfallen könnten. Während des Studiums hatte ich keine Arbeit, allerdings habe ich nach dem Studium die restlichen 4 Wochen meines Studentenvisums gearbeitet. Außerhalb der Semesterzeiten ist es einem erlaubt, mit dem Studentenvisum Vollzeit zu arbeiten. Für das Arbeiten ist es wichtig sich eine Taxfilenumber zu besorgen. Um einen Job zu finden bin ich in größere Industriegebiete gefahren, z.B. den Port of Brisbane und bin initiativ in zahlreiche Unternehmen gegangen und habe dort mein Anliegen erklärt und meinen Lebenslauf eingereicht. Die meisten haben sich nie zurückgemeldet, fragt man jedoch bei genug Unternehmen an findet sich meistens jemand der spontan eine Arbeitskraft für einfache Aufgaben benötigt. Frauen haben hohe Chancen in der Gastronomie einen Job zu finden. Die Bezahlung ist besser als in Deutschland, wodurch sich das ganze lohnt, gerade weil man dadurch auch das anschließende Reisen durch Australien finanzieren kann.

Fazit

Mein Auslandsaufenthalt ist eine wichtige Erfahrung für mein Leben. Ich habe gelernt selbstständiger zu sein und abseits von Freunden und Familie auf eigenen Füßen zu stehen. Zum anderen habe ich mein Englisch deutlich verbessern können, was auch von Beginn an eines meiner Hauptziele war. Ich habe gelernt mehr auf andere Menschen zuzugehen und entschlossener zu handeln, was auch für mein zukünftiges Berufsleben von entscheidender Bedeutung ist, da Kommunikation eine, wenn nicht die wichtigste Eigenschaft im Berufsleben ist. In Kombination mit meinen verbesserten Englischkenntnissen erhöht dies meine Chancen in Unternehmen, die in einem globalisiertem Markt operieren, erfolgreich zu sein und einen höheren Wert für Unternehmen, bei denen ich mich bewerben werde, zu haben. Ich kann jedem empfehlen ein Auslandsstudium durchzuführen und gerade für Menschen, die sich dies eher nicht zutrauen, wird das Auslandsstudium eine umso größere Bereicherung sein.

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