Australien - Here I go Again

Laura Adjan | Jura-Studentin


Was
Master of Laws

Studienprogramm
LL.M.

Förderung
IHR Förderprogramm

31.07.2017

Für den Master of Laws zurück nach Australien

Als ich das erste Mal im Jahre 2014 durch Australien und Neuseeland gereist war, wusste ich, dass ich nach Sydney zurückkehren würde, um hier zu leben. Während des Jura Studiums in Deutschland hatte sich diese Möglichkeit für mich nicht angeboten. Ich fasste daher den Entschluss, nach meinem ersten Examen einen Master of Laws (LL.M.) in Sydney zu absolvieren. Etwas blauäugig in die Vorbereitungen gestartet, waren die Mitarbeiter des Instituts Ranke-Heinemann eine sehr große Hilfe während des gesamten Planungsprozesses, angefangen bei der Übersetzung der Zeugnisse, bis hin zur Übernahme der Kommunikation mit den Universitäten. Wenn man nach dem ersten Examen einen LL.M. absolvieren möchte, sollte man mit den Planungen schon ein Jahr vor dem Examen beginnen. Ich habe mir erstmals im März 2015 Informationen unter anderem auf den Internetseiten des Instituts Ranke-Heinemann und von e-fellows.net zusammengesucht. Im Februar 2017 schließlich konnte ich dank der Hilfe des Instituts Ranke-Heinemann meinen Traum wahrmachen und mich tatsächlich auf den Weg nach Sydney begeben.

University of Technology Sydney

Die University of Technology Sydney (UTS) ist nahe am Central Business District gelegen und daher sehr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus/ Zug) zu erreichen. Die Universität ist sehr groß und die Gebäude sind über eine weitläufige Fläche verteilt.

Das System hier unterscheidet sich zu den deutschen Universitäten in vieler Hinsicht. Die Universität legt sehr viel wert darauf, das Zugehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl zu stärken, insbesondere auch für internationale Studenten. Verschiedene Einrichtungen der UTS, beispielsweise das international office oder das HELPS office, sind stets darum bemüht, den Studenten bei unterschiedlichen Problemen zu helfen. Neben den Vorlesungen bietet das HELPS office auch Grammatikkurse, Präsentationskurse und vieles mehr an. Während der Prüfungsphase werden den Studenten Kaffee und Süßigkeiten als Nervennahrung umsonst zur Verfügung gestellt. Das kann einen langen Lern-Tag schon mal im wahrsten Sinne des Wortes versüßen. Besonders gut gefällt mir, dass internationale Studenten unter der Veranstaltung „Network Cafe“ jede Woche in einem Kaffee der Uni zusammenkommen und bei einem kostenlose Kaffee neue Bekanntschaften knüpfen können. Hier habe ich einige nette Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt.

Dieses Fördern des Gemeinschaftsgefühls findet auch innerhalb der zahlreichen Clubs und Societies statt, denen man als Student beitreten kann. Dass Sport für viele Australier eine wichtige Rolle spielt, lässt sich an der großen Anzahl unterschiedlicher Sportclubs an den Universitäten erkennen. Ich habe mich für Taekwondo entschieden, da ich dies schon in Deutschland betrieben habe. Die Tätigkeiten der Clubs reduzieren sich aber nicht nur auf sportliche Aktivitäten, sondern erstrecken sich vielmehr auch auf andere soziale Events, wie zum Beispiel gemeinsames BBQ. Es gibt neben Sportclubs auch andere Societies, wie etwa die Biersociety, den Debattierclub oder den Surfclub. Erwähnenswert ist jedoch, dass man je nach Club auch etwas für die Mitgliedschaft zahlen muss.

Auch innerhalb der Vorlesungen ist die Atmosphäre viel persönlicher als in Deutschland. Man spricht den Dozenten mit Vornamen an, kann jederzeit nach den Vorlesungen um Hilfe bitten, ohne dabei ein unangenehmes Gefühl zu haben, und erhält sehr schnelle Antworten auf Emails. Ich persönlich bin positiv überrascht von dieser etwas anderen Art der Vorlesung. Ermöglicht wird dies durch kleine Klassen, das Erfordernis von Mitarbeit und die generelle Offenheit von Australiern. Insgesamt unterscheidet sich die Prüfungskultur von der Deutschen. Die Endnote in einem Fach setzt sich aus mehreren, in Jura meistens drei Teilleistungen zusammen. Man sammelt während des Semesters sozusagen Punkte. Meine final exams machen immer höchstens 60 Prozent der Gesamtnote aus, sodass sich die Anstrengungen für die anderen Teilleistungen während des Semesters auf jeden Fall lohnen. Die Dozenten sind jederzeit darum bemüht, dass die Studenten aus den Vorlesungen etwas mitnehmen und Fragen sowie Diskussionen sind mehr als erwünscht.

Insgesamt kann ich die UTS guten Gewissens weiterempfehlen. Die Bibliothek ist sehr groß und ich konnte mir die meisten Lehrbücher ausleihen, im Allgemeinen sind die universitären Einrichtungen sehr modern. Für anstehende Gruppenarbeiten kann man etliche Räume mieten. Die Uni bietet mit ihren zahlreichen Kaffees auch Entspannungsmöglichkeiten und wenn man einmal wirklich müde ist, kann man sich in der Schlafecke in der Bibliothek einen Schönheitsschlaf gönnen.

Ich fühle mich nach meinem ersten Semester in jedem Fall zugehörig und angenommen in der Universität und habe sehr viel gelernt in diesem halben Jahr, sowohl in, als auch außerhalb der Vorlesungen.

A house in the middle of the street... mitten in der Stadt oder doch am Strand?!

Als Student stehen einem mehrere Wohnmöglichkeiten zur Verfügung. Man kann on oder off campus leben, was auch die Überlegungen einbezieht, ob man in Strandnähe oder lieber in der Stadt leben möchte. Egal für was man sich entscheidet, die Mieten in Sydney sind sehr teuer und man sollte mit 200 bis 300 AUD pro Person und Woche rechnen. Das gilt sowohl für on campus, als auch off campus Unterkünfte. Generell zahlt man hier die Miete pro Woche oder pro fortnight, also alle zwei Wochen. Eine monatliche Abrechnung wie in Deutschland ist unüblich.

Ich habe mich für ein Leben am Strand in Manly entschieden und ein wunderschönes Zimmer über www.gumtree.com gefunden, das Australische Pendant für Ebay in Deutschland mit mindestens ebenso vielen Produktkategorien. Schon als ich 2014 in Sydney war, faszinierte mich, dass eine so große internationale Stadt direkt am Meer gelegen ist. Für mich ist diese Tatsache neben der Internationalität das, was den Flair der Stadt ausmacht.

Manly ist einer der Strände der Northern Beaches, die man auf jeden Fall besuchen sollte, auch wenn man nicht hier wohnt. Manly ist wie ein kleines Dorf, beschaulich und ruhig. Mit seinem wunderschönen Strand und den vielen Kaffees fühle ich mich auch noch ein halbes Jahr nach meiner Ankunft jeden Morgen als wäre ich in meinem Traumurlaub gelandet. Eine Inschrift am Hafen von Manly - „Seven miles from Sydney, a thousand miles from care ...“ – nur 7 Meilen von Sydney aber 1000 Meilen von allen Sorgen entfernt - beschreibt das Lebensgefühl hier perfekt. Von Manly aus kann man mit der Fähre durch den Sydney Harbour in die Stadt bzw. zur Uni fahren, was mich jedes Mal erfreut. Wer fährt schon mit einer Fähre in die Uni?! Leider gibt es für internationale Studenten der UTS keine Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr.

Viel mehr Studenten als in Manly wohnen jedoch in den quirligen Vierteln der Stadt, wie Bondi Beach oder Surry Hills.

If I had a little money..

Das Leben in Sydney ist insgesamt sehr teuer. Das gilt nicht nur für Studiengebühren, Miete und die öffentlichen Verkehrsmittel, sondern auch für die Nahrungsmittel, auch wenn es hier mittlerweile Aldi gibt. Deshalb sollte man sich schon im Vorhinein Gedanken über die Finanzierung machen. Ich habe schon in Deutschland sehr viel gearbeitet, um mir ein Leben in Sydney finanzieren zu können. Das Studentenvisum erlaubt es auch, während des Semesters 20 Stunden pro Woche und in den Semesterferien sogar Vollzeit zu arbeiten. Man sollte allerdings bedenken, dass das Studium aufgrund der vielen Teilleistungen sehr zeitintensiv ist, insbesondere wenn man vier Kurse pro Semester belegen muss und kein native speaker ist.

Die Studienbeihilfe des Instituts Ranke-Heinemann in Höhe von 10% der Studiengebühren des ersten Semesters ist unter anderem deshalb eine sehr große Hilfe bei der Finanzierung des Studiums in Sydney, wofür ich sehr dankbar bin.

Allgemein sollte man hinsichtlich Stipendien bedenken, dass die Bewerbungsfristen für Stipendien bis zu einem Jahr vor den Bewerbungsfristen für Universitäten sein können.

The Aussie lifestyle

Hi mate, how is it goin’? Diese eine Frage verkörpert den Aussie lifestyle perfekt und demonstriert die Offenheit der Australier. Man muss nicht antworten „gut, und bei dir?“. Wenn man es aber tut, kommt man garantiert ins Gespräch und es kann schon mal vorkommen, dass man plötzlich 5 Minuten mit einem völlig fremden Menschen ein schönes Gespräch hatte. Diese Offenheit ist eng verknüpft mit der Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Australier. Man kann jederzeit Personen auf der Straße ansprechen und um Hilfe fragen, ohne dass diese sich einfach wegdrehen oder genervt antworten.

„Morgenstund hat Gold im Mund“ - Die Australier lieben es früh aufzustehen und schon bevor der Tag so richtig beginnt, Sport zu treiben. Wie schon oben erwähnt, spielt Sport im Leben der Australier eine sehr große Rolle. Viele joggen schon um 6 Uhr morgens am Strand entlang oder gehen im Meer schwimmen. Diese Sportliebe wird kombiniert mit einer „healthy food“ Kultur. Abgesehen von Fish and Chips ist es manchmal schon schwer, ein Gericht zu finden, das nicht allzu gesund ist. Daneben wird hier die Barista Kultur bis ins Detail perfektioniert. Interessanterweise kostet der Cappuccino gefühlt in der ganzen Stadt 3,50 AUD und schmeckt immer sehr gut.

Man sollte auf jeden Fall auch mal ausprobieren, zu surfen. Die UTS bietet auch über Ihren Surfclub Kurse an, bei denen man sich kein eigenes Surfbrett zulegen muss. Das Gleiten auf der Welle ist ein sehr schönes Gefühl, auch wenn es sehr schwer ist, Surfen wirklich gut zu beherrschen. Ich hatte das Glück, während der Australian Open of surfing in Manly zu sein. Es war sehr beeindruckend, diesen Surferlifestyle mitzuerleben.

Insgesamt verbringen die Australier Ihr Leben mehr draußen, als drinnen, was auch die zahlreichen Festivals, verteilt in der ganzen Stadt zeigen. Sydney hat immer etwas zu bieten, sei es eine Schlittschuhlaufbahn am Strand (Winterfestival, Bondi Beach) oder die Beleuchtung der Stadt in den schönsten Farben (Vivid Festival, Sydney Harbour).

Zu guter Letzt: Mögliche To-Do-Liste für künftige Studenten in Sydney

  • An warme Kleidung denken: Falls Ihr das Wintersemester in Sydney verbringt, solltet Ihr bedenken, dass es auch mal 10 Grad haben kann. Diese 10 Grad fühlen sich kälter an als in Deutschland, da die Wohnungen in der Regel nicht mit Zentralheizungen ausgestattet sind.

  • Besuch eines footy games im Stadium und in einer Bar. Football, hier footy genannt, ist die Nationalsportart in ‚Straya’ (Australia) und wenn ein „decider“ (Entscheidungsspiel) ansteht, sind die Stadien und Bars gesteckt voll und die Stimmung sehr gut.

  • „Put another shrimp on the barbie“: Die Australier lieben es zu grillen und es gibt zahlreiche Facilities an unterschiedlichen Orten, oft auch an Stränden, die sauber sind und der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Man muss sich also keinen eigenen Grill kaufen. Also, legt ein Paar Shrimps auf den Grill! Ich erinnere mich gerne an zahlreiche Grilltreffen mit Freunden am Shelly Beach.

  • Genuss eines Kaffees im Restaurant Manly wine mit bestem Blick auf das Meer

  • Besuch des Palm Beach: Schönster Strand auf Erden und mit ein bisschen Glück kann man Wale sehen!

Insgesamt habe ich gelernt, die Offenheit der Australier anzunehmen und selbst offener auf fremde Menschen zuzugehen. Man kann dadurch viele schöne Gespräche und Erfahrungen mit anderen Menschen teilen.

Ein besonderes Dankeschön an das Institut Ranke-Heinemann, das wesentlich daran beteiligt war, mir diese wunderschönen Erfahrungen und das Studium in Sydney zu ermöglichen!

See ya,

Eure Laura

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