Roter Boden, weißer Sand, grüner Regenwald, blaues Meer

Josefine Hebisch | Studentin der Uni Osnabrück


Was
Psychologie

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

30.12.2018

Für mich war die UNSW die richtige Entscheidung

Roter Boden, weißer Sand, grüner Regenwald, blaues Meer: Das alles gehört zu Australien. Dieser Bericht, allerdings, soll weniger ein Reiseführer sein, als vielmehr ein kleiner Einblick in mein Auslandssemester an der University of New South Wales (UNSW), welches zu schnell zu Ende ging. Die Uni liegt in Sydney und konnte mir für meinen Studiengang Psychologie im zweiten Semester 2018 diese besondere Erfahrung ermöglichen.

Vorbereitungen

Am Anfang stand das Fragezeichen. Und dieses sollte mit harten Fakten und einigen persönlichen Präferenzen beantwortet werden. Ich suchte mir Australien als Destination aus, da es englischsprachig ist, anspruchsvolle Universitäten beheimatet, eine mir damals unbekannte Kultur, Natur und Geschichte bot, und Reisen in asiatische Länder leicht macht. Für die Wahl der Universität wandte ich mich an meinen Studiengangsmanager, welcher mir das Institut Ranke-Heinemann für mehr Infos und Unterstützung ans Herz legte. Deren Website bot mir Informationen, die mich zusammen mit anderer Recherche davon überzeugten, dass die University of New South Wales die richtige Wahl für mich sei. Sie hat einen sehr guten Ruf für Psychologie und ein Blick in ihr Online-Handbuch bestätigte mir, dass es so einige Kurse gab, die mich sehr reizten. Ich hatte schon einen TOEFL-Test gemacht und so war die Bewerbung relativ unkompliziert. Auf der Website des IRH fand ich alle notwendigen Unterlagen, die ich dann nur noch ausgefüllt zurück an das Institut schicken musste. Einige Wochen später hatte ich die Zusage. Die Mitarbeiter des IRH waren durchgängig freundlich, kompetent und schnell per E-Mail erreichbar.
Einige andere Vorbereitungen mussten nun noch getroffen werden. Erstmal bewarb ich mich an meiner Uni in Deutschland für ein PROMOS-Stipendium und einen Mobilitätszuschuss. Auch die Studienbeihilfe des IRH konnte ich in Anspruch nehmen, was einige finanzielle Last von meinen Schultern nahm. So ergaben sich mithilfe einiger persönlicher Ersparnisse meine finanziellen Mittel. Weiterhin musste ich dann den Flug organisieren, was ich über STA Travel machte, und mich für ein Studentenvisum bewerben. Letzteres bekam ich innerhalb von Minuten per E-Mail und war bis einen Monat nach Semesterende gültig. Die Universität in Sydney stellte mir eine Krankenversicherung, welche ich daher nicht weiter organisieren musste und auch in Beziehung auf Impfungen braucht man, trotz der vielen gefährlichen Tiere in Australien, nur eine gültige Auffrischimpung, nicht jedoch spezielle Impfungen.
Meine letzten Vorbereitungen galten der Wohnungssuche. Ich hatte mich gegen eine Unterkunft auf dem Campus entschieden. Darüber war ich auch im Nachhinein noch sehr glücklich, da diese deutlich teurer ausfallen kann und keinerlei Bettwäsche und nur wenig Küchenutensilien zur Verfügung stellt. Ich hatte auf Flatmates.com.au ein Profil erstellt und einige Besichtigungstermine vereinbart. Alles andere sollte vor Ort geklärt werden.

Ankunft

Für die ersten Tage habe ich in einem Hostel in Coogee gewohnt. Die meisten Austauschstudenten der UNSW möchten in Coogee, Maroubra, Randwick oder Kingsford wohnen. Daher war das Hostel eine gute Basis und ich lernte direkt am ersten Morgen zwei andere Mädchen kennen, die gute Freundinnen von mir wurden. Vor allem am Anfang war es hilfreich, mich mit ihnen zusammen zurechtzufinden und die Umgebung kennenzulernen. Nach den ersten Anschaffungen (einer SIM Karte und einer OPAL-Karte für den Bus) ging es daran, ein Zimmer zu finden. Für ein Zimmer kann man zwischen 130 und 500 Dollar pro Woche ausgeben, je nach Lage, Anspruch und Anzahl von Zimmergenossen. Meine Wohnungssuche war relativ schnell erfolgreich und ich zog in ein Share House nahe dem Campus, in dem ich mir ein Zimmer mit einem anderen Mädchen teilte und 160$ pro Woche zahlte. Ich hatte Glück und meine Zimmer-Mitbewohnerin und ich sind sehr gute Freundinnen geworden.
Die Uni hatte für den Einstieg eine „Orientation“-Veranstaltung angekündigt, die einen ersten Einblick in die Organisation der Universität bot. Nach den ersten zwei Wochen, in denen ich die Räume meiner Veranstaltungen und den nächsten Supermarkt finden musste, hatte ich mich auch schon ganz gut eingelebt. Die australischen Studenten kamen mir deutlich offener vor als die an meiner Heimatuniversität und so hatte ich bald auch schon ein paar Freunde/Sitznachbarn für meine Module.

Die University of New South Wales

Die UNSW ist eine der besten Universitäten Australiens und hat besonders für Psychologie einen sehr guten Ruf. Meine Erfahrungen konnten denselben Eindruck erzeugen. Die Ausstattung ist eines der besonderen Merkmale der Universität. Sogenannte Laboratories finden häufig in speziellen Räumen statt, um die besten Ressourcen zu stellen. Ich war begeistert von der Auswahl an Kursen und vor allem auch von solchen, die nicht direkt aus meinem Themenfeld stammen. Es gibt eine Menge Kurse für General Education, die man belegen kann. Die Professoren und Tutoren kamen mir kompetent vor und waren durchweg sehr studentennah. Man hatte immer die Möglichkeit, sich mit Problemen oder Fragen an sie zu wenden. Es gibt auch ein Lerncenter, in dem man Kurse belegen kann oder private Termine vereinbaren kann, um Tipps für das Schreiben der Hausarbeiten zu bekommen. Hausarbeiten oder „Assignments“ spielen eine sehr große Rolle. Einige Kurse haben gar keine Klausur am Ende, in den meisten Kursen zählt sie nur circa 50 Prozent. Alle anderen Leistungen bestehen zum Beispiel aus Essays und Kritiken. Auch Gruppenarbeit wird großgeschrieben, was zusätzlich dazu beiträgt, dass man seine KommilitonInnen besser kennenlernt. Meine Kurse waren größtenteils (wie erwartet) sehr interessant, weshalb ich die Uni nur weiterempfehlen kann. Für die Kursanrechnung ist vor dem Auslandsaufenthalt ein Formular auszufüllen, welches nötig ist, damit das Transkript an die Heimatuniversität geschickt werden kann. Welche Kurse angerechnet werden, ist abhängig von Professoren der Heimatuni. Grundsätzlich muss der Kurs dann bestanden werden, was üblicherweise ab 50% Leistung der Fall ist.

Der Campus der UNSW liegt in Kensington, was ein eher ruhiger Stadtteil ist, von dem aus die Innenstadt, aber auch die Strände in Coogee und Bondi leicht zu erreichen sind. Auf dem Gelände ist alles zu finden, was man für den Studienalltag braucht: Die meisten Gebäude der Uni, Bistros aller Art für das Mittagessen, Rasenflächen zum Entspannen oder Sport treiben, Cafés, eine Bankfiliale und eine Postfiliale. Sogar einen kleinen Supermarkt gibt es. Dadurch bleiben einem lange Wege erspart und man kann den Tag zum Lernen mit seinen KommilitonInnen verbringen. Da ich das zweite Semester des Jahres gewählt hatte, konnte ich den Winter nutzen, um mich einzuleben, und dann nach und nach mehr Outdoor-Aktivitäten anfangen, als es auf den Sommer zuging. Die Uni hat aber nun auf Trimester umgestellt, weshalb sich die Semesterzeiten jetzt leicht verschieben werden. Viele Studenten hatten der Umstellung sehr skeptisch entgegengeblickt aber für Austauschstudenten scheint es momentan noch recht angenehm geregelt zu sein, mit einer Pausenzeit über Dezember.

Leben und Reisen

Sydney ist neben Melbourne wahrscheinlich die bekannteste Stadt Australiens, während nur wenige die Hauptstadt Canberra kennen. Das hat Sydney vor allem seiner Brücke und dem Opera House zu verdanken, welches übrigens deutlich schwieriger zu bauen war als geplant, und welches der Architekt daher niemals zu Gesicht bekommen hat. Neben diesen Touristenattraktionen hat Sydney aber noch vieles mehr zu bieten. Die vielen Strände und Märkte machen den Zeitvertreib leicht und insgesamt hat man eher selten das Gefühl, in einer Großstadt zu sein. Öffentliche Verkehrsmittel sind hauptsächlich Bus und Zug, welche am Sonntag mit 2,70$ für den gesamten Tag sehr günstig sind. Daher wurden sonntägliche Ausflüge in die umliegenden Nationalparks für mich zur Regel.

Doch ansonsten muss ich zugeben, dass Sydney ziemlich teuer ist. Vor allem für Fleisch, Käse oder Alkohol muss man mit hohen Preisen rechnen. Für meine Finanzen legte ich mir, wie die meisten, ein Bankkonto bei der Commonwealth Bank auf dem Campus an. Arbeiten darf man während des Auslandssemesters auch, allerdings ist das in Australien häufig nicht ganz so einfach, da man in der Gastronomie normalerweise ein RSA benötigt. Das ist eine Art Lizenz für Alkoholausschank, welche man mit dem Studentenvisum der Subclass 500 nicht bekommen kann.
Profitieren kann man in Sydney dagegen von dem großen Angebot an Sport. Viele nehmen Teil an Social Sports auf dem Campus, bei dem viele unterschiedliche Sportarten zur Wahl stehen, und bei dem es generell eher um den Spaß geht. Aber auch wer mehr Anspruch hat, wird fündig. Lokale Sportvereine oder Fitness-Studios findet man schnell. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich auch die vielen Läufe in Sydney, wie zum Beispiel der jährliche Halbmarathon.

Neben der Arbeit für das Studium und sportlichen Freizeitaktivitäten habe ich sehr viel Zeit mit anderen Austauschstudenten verbracht. Dadurch konnte ich so einige andere Kulturen kennenlernen, wir konnten zusammen Australien erkunden und uns gegenseitig in allen Dingen unterstützen. Diese Freunde sind Freunde fürs Leben und ich werde sie in ihren Heimatorten besuchen. Wir sind dann auch später noch zusammen auf Reisen gegangen und haben die weite Wildnis Australiens erlebt. Dieses Land ist spektakulär in seiner geologischen Entstehung, seiner vielseitigen und gleichzeitig einzigartigen Flora und Fauna und seiner kulturellen Geschichte. Australier sind uns immer entspannt und hilfreich entgegengekommen. Des Weiteren sind Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten in Hülle und Fülle gegeben. Von Klettern bis Surfen oder Tauchen wird alles angeboten.

Fazit

Insgesamt kann ich jeder/m nur ans Herz legen, ein Auslandssemester zu machen. Diese Erfahrung war jeden Cent wert. Ich möchte an dieser Stelle nicht unterschlagen, dass Australien an sich und auch die UNSW in Relation zu anderen Ländern oder Universitäten teuer ist. Es ist definitiv wichtig, im Vorhinein darauf eingestellt zu sein. Für mich war die UNSW die richtige Entscheidung. Mir hat sehr gefallen, dass an dieser Uni der Anspruch für meine Fächer relativ hoch war. So habe ich inhaltlich viel gelernt, was mir in meiner Zukunft als Psychologin sicher sehr weiter helfen wird. Ich konnte mein fachspezifisches Englisch verbessern und neue Arten von Prüfungsleistungen üben, welche auch für jobspezifische Fähigkeiten später wichtig werden könnten. Aber auch privat konnte ich einiges lernen, wie zum Beispiel, Stress anders zu bewältigen, oder auch, dass mir die meisten Dinge leichter von der Hand gehen, als ich vorher erwarte. Trotzdem hatte ich auch genügend Freizeit, um die Stadt, die Kultur und die Politik kennenzulernen. Wegen Australiens Geschichte, werden zum Beispiel bei jeder Veranstaltung die Kultur und der Boden der indigenen Australier gewürdigt. Und so möchte auch ich zum Abschluss meines Berichts würdigen, dass mir dieses Auslandssemester möglich war, mit Unterstützung anderer, wie der UNSW, meiner Heimatuniversität und dem IRH.

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