Mit dem Grasshopper durch Melbourne

Tamara Greim | LL.M. Studentin


Wo
The University of Melbourne

Zeitraum
22.02.2016 - 21.02.2017

Was
Rechtswissenschaften

Studienprogramm
Master of Laws

Förderung
IRH Förderprogramm

31.07.2017

LL.M. an der University of Melbourne

Dies ist der Erfahrungsbericht für das Institut Ranke Heinemann, das mir – wie so vielen anderen Studenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, bei der Vorbereitung meines Auslandsstudiums mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Ich konnte bis jetzt immer mit allen Fragen zu meiner Ansprechpartnerin des RH-Teams kommen und war es auch noch so kurzfristig oder vermeidbar, die Antwortszeit war ausnahmslos rekordzeitverdächtig kurz. Insgesamt hätte ich mir keine bessere Betreuung wünschen können, vielen Dank!

Im Folgenden ein paar „Schnipsel“ aus dem letzten halben Jahr.



Februar 2016: Grasshopper

Ich bin ja zunächst in dem wunderschönen Strandort Mt. Eliza bei meinem Großonkel untergekommen. Wenn ich von dort aus in die Stadt fahre (das sind ca. 60 km), nehme ich den Zug von Frankston aus. Bisher war mein Onkel immer so großzügig, mich zum Bahnhof zu bringen und von dort auch wieder abzuholen. Die Busse von Mt. Eliza nach Frankston brauchen ewig (ca. 30 Minuten), während es mit dem Auto nur 15 Minuten dauert. Mit dem Fahrrad muss ich auch mindestens eine dreiviertel Stunde rechnen – da gibt es ehrfurchtseinflößende Hügel!

Also habe ich beschlossen, mir meinen ersten motorisierten fahrbaren Untersatz zu kaufen. Aufregende Angelegenheit! Er hat mich 500 Eier gekostet, ca. 400 kommen für einen Tankdeckel, Roadworthy (TÜV) und die Registrierung noch drauf, in Euro insgesamt also ca. 580. Er ist eine VMoto Montego 125 und ich nenne in Grasshopper. Ich rechne damit, ihn in zwei Wochen in Betrieb nehmen zu können.

Dadurch bin ich jetzt bei der Wohnungssuche (die sich als relativ schwierig erweist) in der Lage meinen Radius etwas zu erweitern.

März 2016: MCG

Gute Neuigkeiten! Seit dem 01.03. bin ich offiziell Angestellte des Cateringunternehmens am MCG. MCG steht für Melbourne Cricket Ground. Für die Melbourner, die generell sehr sportbegeistert sind, ist das MCG das Stadion in der Stadt. Die Heimmannschaft ist der Melbourne Cricket Club, MCC. Wenn ein Baby in Melbourne geboren wird, gibt es mit einiger Wahrscheinlichkeit jemanden in der Familie, der es innerhalb der ersten 24 Stunden seines Lebens als MCC Mietglied anmeldet. Leute warten angeblich ca. 17 Jahre auf einen Mitgliedsausweis.

Mitte März beginnt nun die Footy-Saison und ein Haufen neuer Leute wurde angestellt, um die Massen im Stadion an Spieltagen zu füttern. Ich werde im Members Dining Room zum Einsatz kommen – ein Restaurant, das ca. 50 Leute pro Schicht (ohne Küche) beschäftigt und 400 Gäste fasst. Mein erster Job in der “schicken” Gastro also – mit Uniform und allem drum und dran. Erster Arbeitstag ist voraussichtlich in zwei Wochen.

3 Stunden später bin ich fertig und auf dem Rückweg. Es ist immer noch warm – das Handy sagt 26 Grad.

Zum Schluss noch ein, wie ich finde sehr guter Erklärungsversuch der Australian Football League: http://www.afl.com.au/afl-hq/the-afl-explained

 

April 2016: Grasshopper Nachtrag, oder der verflixte dritte Monat

Für alle, die schon einmal länger im Ausland gelebt haben, ist das nichts Neues: Der dritte Monat ist angeblich der schwerste. Die Aufregung und Neugierde, die Faszination und Entdeckungslust, die die ersten paar Monate prägen, all das legt sich und man beginnt auch die negativen Dinge wahrzunehmen. Man fängt an, den neuen Ort mit dem Zuhause zu vergleichen, das man verlassen hat und innerlich an allem möglichen rumzumeckern. Ich habe mich in der Vergangenheit immer gegen den verflixten dritten Monat gewehrt und behauptet, er sein ein Vorurteil – zumal ich persönlich (hoffentlich) nie aufhöre neugierig zu sein und Dinge entdecken zu wollen – aber diesmal muss ich mir eingestehen: Vielleicht ist doch was Wahres dran.

Meine Scooter Odysee zum Beispiel. Gestern fand ich heraus, dass ich um eine saftige Geldbuße von ca. 600 Dollar herumgekommen bin, weil ich nicht erwischt wurde, al ich vergangene Woche glücklich, aber – wie sich jetzt rausstellt – illegal auf meinem Hüpfer durch die Gegend gedüst bin. Wer sollte auch ahnen, dass die Verkehrsbehörde (VicRoads) hier die Registrierungsgebühr einsackt und Nummernschilder austeilt, um dann zwei Wochen später zurückzurudern: “Übrigens, Ihr Fahrzeug ist doch nicht registriert!” Jetzt darf ich noch mal 400 Dollar in die Hand nehmen, um den Scooter identifizieren zu lassen (sog. vehicle identity validation), weil er in der Vergangenheit von irgendeiner zuständigen Versicherung als “repairable write-off” abgeschrieben wurde. Fragt mich nicht, ich greif mir nur zunehmend an den Kopp.

Wie auch immer, ich hoffe, die innere Nölerei legt sich bald wieder. Der April ist ja fast rum. Ich sollte mich auch nicht allzu sehr beschweren: Bei alldem bin ich bislang doch immer ein “arsey bugger” (also, ein gewitzter Glückspilz auf Aussie) geblieben.

Juni 2016: Workworkworkworkwork

Hier ein paar Einblicke in meinen Alltag der letzten, sehr arbeitsintensiven Wochen.

Meine Kurse sind alle als “intensive subjects” strukturiert. Das heißt, ich habe fünf Tage lang Unterricht, meistens von 09:00 Uhr bis 17:00 Uhr. Dieser Seminarwoche geht eine einmonatige Vorbereitungszeit voraus, in der man von den Dozenten zusammengestellte Unterrichts-materialien durcharbeiten soll. Diese Art von Kurs ermöglicht es der Universität Dozenten von überall auf der Welt einzufliegen.

Die Universität stellt großzügiger Weise Kekse, Tee und Instantcafé als Nervenfutter zur Verfügung. Am letzten Tag der Seminarwoche gibt es Wein und die Gelegenheit, sich in ungezwungener Atmosphäre mit den Professoren und Kommilitonen auszutauschen.

Nachdem die Seminarwoche überstanden ist, gilt es Hausarbeiten zu schreiben (ca. 30 Seiten) bzw. je nach Kurs eine Prüfung vorzubereiten. 

Juli 2016: Update aus dem Winter

Die letzten Wochen waren sehr arbeitsintensiv. Nachdem ich mein erstes Examen überstanden, meine zweite Hausarbeit abgegeben und mein viertes Seminar hinter mich gebracht habe, kann ich jetzt etwas durchatmen.

Heute früh um 5:00 Weißwurst-Frühstück zum Halbfinalspiel der EM. Der “Hof” in den Docklands war voll mit Deutschen und Franzosen. Verrückt, um diese Uhrzeit… Das war das einzige EM-Spiel, das ich gesehen habe dieses Jahr. An der Uni in den Mittagspausen bekam man so manches von der Copa América mit. Die EM war hier eher weniger Thema. Die Sitze in den Zügen sind mit den Namen der Stadtteile Melbournes bezogen. Da krieg ich schon mal Heimweh nach Heidelberg. Oder nach Hamburg, wie eines Abends auf einem Boot, bei einem Networking-Event der Universität…

Zu Hause in Preston in meiner WG geht alles seinen Gang. Die Höhepunkte sind unsere gemeinsamen Abendessen. Hier zweimal Känguru, von meinem Mitbewohner Con gekocht. Einmal marokkanisch angehaucht, als Hackbraten mit Kardamom und Zimt gewürzt und einmal vietnamesisch improvisiert, als Suppenfleisch.

Ebenso machen wir einen Ausflug nach Mornington am 22.6. nach einem stressigen Examenswochenende:Wir sind doch erstaunlich oft in einer großen Gruppe unterwegs, was umso beeindruckender ist, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es wegen des „Intensive“-Programms keine einheitlichen vorlesungsfreien Zeiten gibt.Die Crew dieses Mal: Vertretene Nationalitäten: Deutschland, Australien, Canada, Peru, Chile, Dänemark, Ecuador, Brasilien.

Soweit von mir. Ich hoffe, dieser Bericht vermittelt zukünftigen Studenten der Uni Melbourne einen kleinen Eindruck.

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