Four seasons in one day

Sylvia Anthamatten | LL.M Studentin


Wo
The University of Melbourne

Zeitraum
27.07.2015 - 01.06.2016

Was
Rechtswissenschaften

Studienprogramm
LL.M

Förderung
IRH Förderprogramm

31.07.2017

LL.M an der University of Melbourne

Die Entscheidung, einem Masterstudium in Melbourne nachzugehen, hat sich für mich persönlich in mehrfacher Hinsicht als goldrichtig erwiesen. So möchte ich es Euch gerne empfehlen, diese Erfahrung ebenfalls zu machen. Neben einer fachlichen Herausforderung ist es eine grosse Chance, einen traumhaft schönen Kontinenten und die rundum liegenden Regionen zu bereisen, die aufgrund ihrer Distanz zum Heimatland häufig als unerreichbar erscheinen.

Angefangen hat alles mit dem Bedürfnis, in einer ausländischen Stadt zumindest für eine Weile sesshaft zu werden, um Menschen, Kultur und Alltag aus einer anderen Perspektive als der touristischen kennenzulernen. Angesichts der enormen Gewichtung der englischen Sprache im beruflichen Alltag war mir klar, dass das Ziel ein englischsprachiges Land sein soll. Sowohl aus kulturellen als auch geographischen und klimatischen Gründen hat mein Herz für Australien geschlagen. Letztlich waren es die sehr gute Rangierung der rechtlichen Fakultät der University of Melbourne und deren umfassendes Angebot an Kursen, die mich für diese Universität und somit Melbourne entschieden liessen.

Leben in Melbourne/Lifestyle

Das Leben in Melbourne ist in vielerlei Hinsicht sehr angenehm. In den verschiedenen Stadtteilen gibt es unzählige Bars und Restaurants, die sich gegenseitig durch ein kreativeres Angebot toppen. Kaffee ist eines der grössten Heiligtümer der Melburnians. Der häufig gesehene Slogan „best coffee in town“ will verdient sein. Ausserdem wird in Melbourne „Brunch“ gross geschrieben und – sehr zu meiner Freude – auch unter der Woche von morgens bis abends serviert. Die verschiedenen Märkte runden das kulinarische Angebot der Stadt wunderbar ab.

Mit den unzähligen Festivals und Sport Events kann man seinen Kalender füllen. Das Angebot ist wahnsinnig abwechslungsreich und die Australier lieben es, bei Musik oder kulturellen Darbietungen ihre Zeit zu vertreiben. Im Winter ist die Stadt Footy- (Australian Rules Football) verrückt. Jedes Wochenende wird massenweise zu den Spielen gepilgert und die friedlichen Fans tummeln sich in den Bars um die Stadien in der Innenstadt. Aber auch Sportarten wie Rugby, Pferderennen, Cricket und viele mehr interessieren die Melburnians – selbstverständlich auch wegen der weitverbreiteten Spiel- und Wettkultur.

Die Australier

Grundsätzlich erlebe ich die Australier als sehr freundlich, offen und hilfsbereit. Es ist äusserst einfach, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen – insbesondere wenn man Fragen hat oder sonst auf Hilfe angewiesen ist. Das gilt umso mehr für die Regionen rundum die Millionenmetropole. Meine Erfahrungen zeigen jedoch, dass man häufiger gute Freundschaften mit anderen internationalen Studenten schliesst, da die Einheimischen (logischerweise) bereits in einem sozialen Netzwerk eingebunden sind. Der Anschluss an „Locals“ in einer Wohngemeinschaft ist empfehlenswert.

Für mich hat sich die Teilnahme an Sportevents oder Turnieren als ein guter Weg erwiesen, um mit Melburnians in den Kontakt zu treten. Das öffentliche Sportangebot ist riesig – es gibt unzählige Fun-Ligen für jegliche Sportarten, bei denen man unverbindlich teilnehmen kann (vgl. zum Beispiel das Angebot auf www.meetup.com/cities/au/melbourne/). Überdies ist Fitness und Joggen im Park, Rudern auf dem Yarra, Golfen und Fahrrad fahren in der Innenstadt sehr angesagt. Gerne sitzen die Melburnians aber auch einfach – am liebsten in Sportsklamotten – in angesagten Kaffees und essen glutenfreie Frühstücksvariationen.

Klima

Der Slogan „four seasons in one day“ ist ernst zu nehmen! Temperaturunterschiede von fast 20 Grad innert Stunden sind nichts Aussergewöhnliches und lassen sich durch wechselnde Windrichtungen erklären. Ein täglicher Blick auf die Wetter-App ist somit unerlässlich. Ein Mittagessen im T-Shirt in der Sonne im Winter ist ebenso häufig wie ausgehen abends mit Jacke im Sommer...

Der Winter kann ziemlich kühl sein, vor allem wegen des fast ständig wehenden Winds. Man muss sich aber etwas daran gewöhnen, dass die Melburnians ihren Winter quasi negieren, indem sie Türen und Fenster das ganze Jahr offen lassen und die Gebäude sehr schlecht isolieren. Sie sitzen auch im Winter lieber draussen und trinken einen Kaffee oder ein Bier unter den allgegenwärtigen Wärmelampen. Und im Sommer – packt bei 40 Grad lieber doch noch einen Pullover ein. Die Klimaanlagen sind effektiv! Naja, nicht umsonst lässt die Klimabilanz des Landes zu wünschen übrig...

Studieren vor Ort / Akademisches Angebot

Das akademische Angebot der rechtlichen Fakultät der University of Melbourne ist überwältigend. Man muss jedoch beachten, dass nicht jeder Kurs jedes Jahr angeboten wird. Dennoch, vergleichsweise scheint es in Australien kein besseres Angebot zu geben.

Für einen LLM muss man vier Kurse pro Semester belegen, deren Aufwand nicht zu unterschätzen ist. Vorab wird man aufgefordert, die umfassenden Kursunterlagen zu studieren und danach schreibt man – in den meisten Fällen – jeweils ein Take Home Exam (ca. vier Tage) oder eine grössere Arbeit (ca. 10'000 Wörter). Die Anzahl Studenten in den Kursen beläuft sich in der Regel auf 15 bis 25 und somit ist der Rahmen relativ familiär. Die Qualität der Kurse ist sehr unterschiedlich und es empfiehlt sich, mit Studenten des letzten Semesters über ihre Erfahrungen zu sprechen. Man kann Kurse nach der Einschreibung relativ spontan noch wechseln, sofern genügend Platz vorhanden ist.

Campusleben / Ausstattung und Lage der Universität

Das Gebäude der rechtlichen Fakultät ist am südlichen Ende des Campus in Carlton und somit etwas distanziert zu den Haupteinrichtungen wie dem Sportzentrum oder dem Union House. Dafür ist es nicht weit zum grossen Queen Victoria Market (besucht insbesondere den Night Market Mittwoch abends!) und anderen Lunch Möglichkeiten. Nichts desto trotz, der Campus ist ziemlich überwältigend und das Sportangebot gross (jedoch kostenpflichtig).

Für die Masterstudenten gibt es in der Law School einen separaten Stock, auf dem man in den Lounge Sesseln etwas verweilen und sich Kaffee und Tee umsonst zubereiten kann. Diverse Bibliotheken würden einem fast rund um die Uhr zur Verfügung stehen...

Im Übrigen ist die persönliche Betreuung der Uni gut. Den Studenten steht es zum Beispiel frei, Arbeitsentwürfe einem „Legal Skills Center“ zum Korrekturlesen zuzustellen – vor Einreichung des Papers, versteht sich. Auch das Angebot an online Datenbanken und Büchern/Zeitschriften ist enorm.

Wohnungssuche und empfehlenswerte Wohngegenden

Das Wohnangebot in der Stadt scheint nicht allzu knapp zu sein. Viele Studenten kommen hier an, ohne bereits eine Wohnung zu haben. Eine grosse Anzahl an Airbnb Wohnungen bietet sich für die ersten Nächte an, um dann die etlichen Wohnungsangebote abzuchecken. Student Housing scheint, so weit ich weiss, ganz in Ordnung zu sein, zahlt sich meines Erachtens aber nicht aus, da sich schönere Wohnungen (häufig ebenfalls möbliert) auch sonst zu ähnlichen Preisen finden lassen. Nützliche Webseiten für die Wohnungssuche sind z.B. www.realestate.com.au und www.domain.com.au. Meine Erfahrungen zeigen, dass alles relative kurzfristig ausgeschrieben und vermietet wird.

Selbst wohne ich in Docklands, eine von Einheimischen nicht als die „hippste“ Wohngegend bezeichnete Location (da eher neu und modern). Die wunderbare Lage am Victoria Harbour, die vielen Wohnungen mit schöner Aussicht und die Nähe sowohl zu CBD als auch zur Uni und zu anderen Vierteln sprechen für mich jedoch nach wie vor für ein Wohnen an dieser Lage. Beliebte Quartiere bei den Studenten sind insbesondere Fitzroy (sehr hip, unzählige Bars) und Carlton (Nähe zur Uni). Im Übrigen sei noch auf St. Kilda verwiesen – ein lebendiges Viertel, aufgrund seiner Nähe zum Strand insbesondere bei Backpackern beliebt. Leider ist die Entfernung zur Uni etwas grösser, was aber nicht unbedingt ein Hinderungsgrund sein muss, da die Präsenzzeit an der Uni ziemlich gering ist.

Es lohnt sich meines Erachtens sehr, sich ein Fahrrad anzuschaffen, da die Trams nicht immer ganz zuverlässig und teils überfüllt sind. Aber Achtung – Helmpflicht! Dennoch ist erwähnenswert, dass das Tramfahren in der Innenstadt umsonst ist und man so (bis auf einen 5-minütigen Fussmarsch) ohne Fahrschein zur Uni fahren darf.

Must Sees/Does vor Ort

 

Strände, Naturpärke, Weinberge, Hochland, Wüste, Dschungel, alles gilt es zu bereisen! Nebst der wundervollen und abwechslungsreichen Natur ist eines der vielen Highlights Australiens die faszinierende Tierwelt. Melbourne ist für abwechslungsreiche Wochenendtrips an die Küste oder ins Landesinnere perfekt gelegen – sei es mit einem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Was mir der Aufenthalt gebracht hat

Der Aufenthalt in Melbourne hat mich unzweifelhaft sprachlich und fachlich weitergebracht. Die gewonnenen Eindrücke bereichern mich insbesondere auch auf persönlicher Ebene und erweitern den Horizont. Nie wird es wieder so einfach sein, wunderbare Menschen aus der ganzen Welt kennenzulernen und gute Kontakte zu knüpfen. Es ist des Weiteren interessant, ein anderes Bildungssystem kennenzulernen, um die unterschiedlichen Ansätze zu erfahren. Kommunikative Fähigkeiten scheinen in Australien besondere Aufmerksamkeit zu erhalten, was einem als eher introvertierte Lernerin schon mal fordert, dafür aber auch weiterbringt.

Im Übrigen fördert ein Aufenthalt auf der Südhalbkugel die persönliche Flexibilität in jeder Hinsicht.

Aktivitäten vor Ort

Meines Erachtens findet man auf der folgenden Webseite die absolut coolsten Tipps und aktuellsten Informationen zu kulinarischen und kulturellen Highlights in der City. Am besten abonniert Ihr Euch schon heute den Newsletter: www.broadsheet.com.au/melbourne. Um in Erinnerungen zu schwelgen, werde ich ihn auf jeden Fall nicht so schnell wieder abbestellen!

Woran ich mich besonders gerne erinnern werde

 

Spontane BBQ’s mit Freunden in den Parks von Melbourne oder am Strand werden besonders gut in Erinnerung bleiben. Dabei ist insbesondere auf das öffentliche Angebot an unzähligen Gasgrills in ganz Victoria hinzuweisen. Ausserdem gehören wohl Surfstunden in Torquay (ca. eine Stunde von Melbourne entfernt) oder Kitesurfing in St. Kilda zu den Highlights, die ich in der Schweiz besonders vermissen werde. Letztlich werden es aber wohl die lieb gewonnenen Freunde aus aller Welt sein, welche ich am meisten vermissen werde.

 


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