Einfach in das Abenteuer stürzen

Constanze Massing | Studentin der FH Aachen


Wo
Curtin University

Zeitraum
2018

Was
Architektur

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.12.2018

Man bekommt Lebenserfahrungen, die einem keiner nehmen kann

Im August 2017 bin ich nach 1 1/2 Jahren Praktikum und Work & Travel aus Australien nach Deutschland zurückgekommen, um den Master in Architektur zu beginnen. Im Oktober 2017 habe ich die Entscheidung getroffen, zurück in dieses unglaublich schöne Land zu gehen. Dieses Mal für ein Auslandssemester. Man kann sagen, dass ich schon eine gewisse Verbindung zu Australien entwickelt habe. Aus gutem Grund.
Die Natur (ob Outback oder Küste), Menschen und das Wetter sind kaum zu übertreffen.
Zudem ist es für die Architekturbranche, wie auch für viele weitere Studiengänge, sehr von Vorteil, wenn man internationale Studienerfahrungen vorweisen kann.

Die Bewerbung

Die Geduld wurde belohnt

Meine erste Anlaufstelle war das Akademische Auslandsamt meiner Universität. Leider war für den Fachbereich Architektur kein Exchange Semester möglich, deshalb wurde mir direkt das Ranke-Heinemann Institut empfohlen, da diese viel mehr Erfahrungen und Kontakte mit den Australischen Universitäten haben ich hier zudem auch noch mit dem RHI Förderprogramm Studiengebühren sparen konnte.
Mein Ziel war es, zurück nach Perth zu gehen, da ich die Stadt, Umgebung und Menschen dort bei meinem Aufenthalt zuvor sehr zu schätzen gelernt habe. Ich habe mich für die Curtin University entschieden, da ich mir online Rankings für meinen Studiengang angeschaut habe und außerdem Curtin dafür bekannt ist viele internationale Studenten zu haben. Als kleine Absicherung habe ich mich zudem noch bei der University of Newcastle beworben, welche auch im Ranking sehr weit oben stand.
Nachdem alle nötigen Unterlagen (Sprachtest, Bewerbungsschreiben, englischer Notenspiegel etc..) vom RHI an die Unis geschickt wurden, musste ich Geduld haben. Viel Geduld. Zum Glück wurde mir vom RHI geholfen, welche kontinuierlich bei den Universitäten den Stand meiner Bewerbung nachgefragt und mich auf dem Laufenden gehalten haben. Nach drei Monaten hatte ich dann endlich die erhofften Zusagen.
Es stand fest, ich ging zurück nach Perth.

Vor der Abreise

Das liebe Geld und “Semesterferien“

Schon bevor ich die Zusagen hatte, hatte ich meine Stipendien- und Auslands Bafög Unterlagen soweit vorbereitet, damit ich anschließend alles so schnell wie möglich verschicken konnte. Glücklicherweise habe ich das PROMOS Stipendium vom DAAD und das Gerald-Frank Brown Memorial Stipendium der Curtin University bekommen.
Warum? Ich denke, dass der Notenschnitt und besonders auch das Motivationsschreiben ausschlaggebend waren. Da ich schon ein Semester vorher wusste, dass ich mich auf Stipendien bewerben wollte, war das eine gute Motivation sehr gute Leistungen in der Uni zu bringen. Was nicht unterschätzt werden sollte, ist wann das australische Semester beginnt und wann das deutsche Semester aufhört. In meinem Fall musste ich drei von vier Fächern bis zu zehn Wochen vorziehen. Da alle Prüfungen mündliche Präsentationen waren, durfte ich diese nach Absprache mit den Professoren vorziehen, was natürlich mit ein wenig (viel) Stress verbunden war. Der Gedanke kurze Zeit später in Australien zu sein machte aber alles halb so schlimm. Außerdem hat man so im Anschluss an das Auslandssemester viel längere Semesterferien, welche man gut zum Reisen nutzen kann.

Die ersten Wochen

Es kann nicht alles immer nach Plan gehen

Nachdem ich ein paar Tage bei Freunden untergekommen war, hatte ich eine schöne WG in Manning, nicht weit entfernt vom Campus gefunden. Ich hatte mich gegen ein Studentenwohnheim entschieden, da die Zimmer zum einen etwas teurer waren und weil ich schon zuvor die Erfahrung gemacht hatte, dass man viel lernen kann, wenn man mit Australiern zusammenwohnt. Nicht nur die Sprache, sondern auch weil diese meistens einem gerne Ihr Land, Stadt und Kultur zeigen wollen und man so echte australische Erfahrungen machen kann. Mein Start in das Semester wurde von einem Skateboard-Unfall während der Einführungswoche erschwert, da ich mir mehrere Bänder im Knie gerissen und die Kniescheibe angebrochen hatte. Damit hatte sich die Auslandskrankenversicherung schon in der ersten Woche mit Arzt besuchen und MRT Aufnahmen bezahlt gemacht. Es sah nicht gut für meinen Aufenthalt in Australien aus. Mir wurde mitgeteilt, dass ich operiert werden müsse, aber ohne “Medicare“ würde einen solchen Eingriff kein Chirurg in Australien vornehmen. Sollte das wirklich schon bedeuten ich muss in den Flieger zurück? Glücklicherweise konnte ich nach einigen Gesprächen mit Chirurgen aus der Heimat ausmachen, dass die OP bis nach meinem Auslandssemester warten kann und ich mein Aufenthalt in Australien fortsetzen kann. Es war definitiv nicht der glücklichste Start, aber ich wusste es konnte nur noch besser werden und zudem waren sowohl in meine Mitbewohner, als auch die Leute in der Uni alle unglaublich hilfsbereit. Nach zwei Monaten konnte ich dann auch wieder normal laufen und mit dem Fahrrad zur Uni fahren.

Der Campus

Wenn die Uni zu einer Wohlfühloase wird

Der Campus ist sehr groß und unglaublich gepflegt und schön. Hier gibt alles was man sich so denken kann, wie zum Beispiel Hammock Hotels (Hängematten), jede meine Sitzsäcke für die Grünbereiche, Food Trucks, Mensen und eine Bar, in welcher nach jeder Zwischenpräsentation angestoßen wurde.
Was aber besonders den Charme ausmacht, sind die vielen Pflanzen und Grünbereiche mit riesigen Bäumen. Hier kann man noch was über die australische Flora lernen.
Die Uni ist generell mit neuer Technik ausgestattet und die Bibliothek ist schön groß. Es gibt viele Aktionen und Veranstaltungen auf dem Universitätsgelände, welche sehr interessant, lecker oder spaßig sein können. Das Angebot an Hochschulsportarten ist vielfältig und klingt verlockend, aber das konnte ich leider wegen meiner Verletzung nicht ausprobieren.

Das Studium

Echt australische Projekte

Das Semester bestand, wie auch in Deutschland, aus vier Kursen. Es gab ein großes Projekt, indem wir ein neues „Aboriginal Culture and Art Center“ entworfen haben. Was könnte australischer sein als sich mit aboriginischer Kunst und Kultur zu beschäftigen?
Das Projekt umfasste zwei Kurse und beanspruchte daher 50% der Zeit. Die anderen Kurse waren mehr Forschungsbasierend, wobei ich zum einen die Methodiken von berühmten Architekten analysiert, modifiziert und angewendet habe und zum anderen den Einfluss von Kunstlicht auf die Monumentalität von Architektur auf öffentlichen Plätzen erforscht habe.
Der Semesterverlauf war ein wenig anders, als ich es aus meiner deutschen Universität gewohnt war. Alle vier Wochen gab es eine vorlesungsfreie Woche, in der man kleine Roadtrips machen konnte oder die Zwischenpräsentationen und -abgaben vorbereiten konnte. Die Zwischenpräsentationen wurden benotet und zählten zwischen 30-50% zu der Gesamtnote. Wir hatten wöchentliche Präsentationen und die Professoren waren unglaublich motiviert und haben sich viel Zeit für Besprechungen genommen. Bei jeder Zwischenpräsentation gab es immer Getränke, Pizza, Chips oder vietnamesisches Essen, was ich so noch nie vorher von meiner Universität kannte, aber ich werde es definitiv zu Hause mal vorschlagen. Das Wetter, die Strände und anstehende Roadtrips waren ebenfalls eine gute Motivation effizient zu arbeiten, um dann die australische Work-Life Balance zu genießen. Es kann sich allerdings lohnen ein wenig Arbeit in das Studium zu stecken. Aufgrund eines meiner Forschungsprojekte wurde mir zum Ende des Semesters hin eine Stelle mit Sponsorship von einem Bauunternehmer angeboten, welcher ebenfalls den Kurs betreut hatte.

Meine Top 10 to do in Perth:


1. Rottnest Island
Ich kann nicht genügend von der Insel schwärmen, welche nur 30 min vor dem Festland liegt. Die Insel mit den unglaublich schönen Stränden und den berühmten Quokkas kann man am besten auf dem Fahrrad erkunden. Nicht das Quokka Selfie vergessen!

2. Carnac Island
    Ein Segeltrip von lokalen Anbietern zu der Insel lohnt sich auf alle Fälle.
    Selbst wenn man die Insel nicht betreten darf, kann man hier mit Seelöwen in freier    
    Wildbahn schwimmen (ungefährlich) und auch durch kleine Höhlen schnorcheln.

3. Fremantle
     Auch Freo genannt, ist eine alte Hafenstadt, welche nur 30 min entfernt vom Perth’s CBD   
     liegt und wegen ihres Charmes, der Bierbrauerei und dem Wochenmarkt unbedingt
     besucht werden sollte.

4. Cottesloe Beach
    Ist ein schöner Strandabschnitt mit Cafés, Eisdielen und Bars in der Nähe. Im März gibt es  
    immer die “Sculpture by the Sea“, was eine eindrucksvolle Kunstausstellung am Strand ist.

5. Kings Park
    ist einer der größten innerstädtischen Parks und man hat großartige Aussichten auf den
    Swan River und Perth’s CBD.

6. Elizabeth Quay und Yagan Square
    sind neue, moderne Plätze in Perth’s CBD und bieten allerlei verschiedene Attraktionen.

7. Heirrison Island
    ist eine kleine idyllische Insel auf dem Swan River. Hier gibt es einen abgetrennten Bereich,     
     in welchem Kängurus leben und auch keine Scheu vor Touristen haben.

8. Feiern in Northbridge
    Northbridge ist der Stadtbereich, in welchem sich die meisten Bars und Clubs befinden.
    Am Wochenende ist hier Rambazamba.

9. Southperth Foreshore
    Hier hat man den besten Blick auf Perth. Besonders eindrucksvoll bei Nacht.

10. London Court
   Eine kleine versteckte Fußgängerzone in Perth, wo man sich wie in einen Harry Potter Film
    versetzt fühlt.

Kleine Tipps am Rande

Wie man Geld in Australien sparen kann

- Auf der Website Gumtree.com.au kann man alles was man so braucht finden.
Sei es eine Unterkunft, ein Job, Handy oder auch Roadtrip Partner.
- Australien ist zwar etwas teurer was die Lebenshaltungskosten angeht, dafür kann man hier aber auch in kleinen Nebenjobs viel mehr verdienen. Dafür braucht man zunächst ein australisches Bankkonto und eine Taxfilenumber (Steuernummer).
- Ein Smart Rider für den Bus spart Geld und ist unkompliziert. Einfach mit dem australischen Bankkonto und der Universität online verknüpfen.
- Die Fähre nach Rottnest Island ist dienstags günstiger.
- Mit Uber oder Ola kommt man viel preiswerter als mit dem Taxi z.B. nachts vom Feiern nach Hause.
- Für Roadtrips ist die App Wiki Camps die beste, da sie Campingplätze, ob kostenlos oder kostenpflichtig, mit Bewertungen und allen wichtigen Informationen anzeigt und auch navigiert.
- Augen aufhalten, wenn man am Swan River entlang geht. Hier kann man viele Delfine sehen.
- Wer genügend Zeit hat sollte definitiv die ganze Westküste bereisen.
Schöner geht es kaum.

Was bleibt noch zu sagen?

Einfach in das Abenteuer stürzen

Die letzten fünf Monate haben wieder viele neue Eindrücke, Freunde aber auch Business Kontakte gebracht.
Die Westküste Australiens ist nicht nur unglaublich schön und die Menschen sind offen und sehr hilfsbereit, sondern hat offensichtlich auch gute Universitäten mit sehr guten Professoren. Die Studienkosten sind zunächst erstmal abschreckend, aber dafür bekommt man auch sehr viel geboten und es ist einfach ein einzigartiges Erlebnis. Natürlich kommt es ab und zu kleinen Hürden (das ist Leben), aber man wächst über sich hinaus und bekommt Lebenserfahrungen, die einem keiner nehmen kann.

Mehr Eindrücke?

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