Zeit für ein LL.M Studium in Australien

Andreas Inderbitzin | Anwaltsexamen / Arbeit in diversen Kanzleien


Wo
The University of New South Wales

Zeitraum
2015 - 2016

Was
Master in Rechtswissenschaften

Studienprogramm
Master of Laws (LL.M.)

Förderung
IRH-Studienbeihilfe

09.06.2016

Master of Laws (LL.M.) an der University of New South Wales

Ayers Rock, Australien

Ein LL.M. Studium als Ziel 

Schon während meines Rechtsstudiums an einer Schweizer Universität wusste ich, dass ich nach den ersten praktischen Erfahrungen im Berufsleben, einen LL.M. Studiengang an einer Universität im englischen Sprachraum absolvieren möchte. Nach bestandenem Anwaltsexamen und der entsprechenden praktischen Tätigkeit war mir klar, dass die Zeit für ein LL.M Studium gekommen war. Somit musste ich mich also zunächst entscheiden, wo ich mein Auslandsstudium absolvieren wollte. Während meiner Studienzeit rechnete ich fest damit, dass ich meinen LL.M. an einer der zahlreichen renommierten amerikanischen Universitäten absolvieren würde. Je mehr ich jedoch mit verschiedenen Leuten sprach die ihren LL.M. in den USA, Südafrika, England oder eben auch in Australien absolviert hatten, umso mehr wurde eine australische Universität für mich zur echten Alternative und schlussendlich zur Wunschdestination. Als Ziele hatte ich eine der beiden Universitäten in Sydney auserkoren, die University of New South Wales (UNSW) oder die University of Sydney. Alternativ kam auch noch die University of Melbourne in Frage. Zu Beginn des Jahres 2015 (Deadline für die Application war Ende April) habe ich dann den definitiven Entschluss gefasst, mich bei diesen Universitäten für einen LL.M. Studiengang mit Start Ende Juli zu bewerben.

Wie komme ich dahin?

Nun hiess es also möglichst bald die benötigten Unterlagen (Zeugnisse, Englischnachweis etc.), welche auf den entsprechenden Internetseiten der jeweiligen Universitäten aufgelistet sind, zusammenzustellen und an Ranke Heinemann weiterzuleiten.

Nachdem ich von allen drei Universitäten eine Zusage erhalten hatte, hatte ich sodann die Qual der Wahl. Da Sydney im Vergleich zu Melbourne mein klarer Favorit war, schränkte dies meine Auswahl auf zwei Universitäten ein. Nach diversen Internetrecherchen und zahlreichen Gesprächen mit Alumni, entschied ich mich schlussendlich für die UNSW. Bis heute (Stand Halbzeit) bin ich mit meiner Wahl sehr zufrieden. Besonders hervorgehoben werde muss ebenfalls, dass mir das Ranke-Heinemann Institut während des Bewerbungsprozesses stets schnell und kompetent meine Fragen beantworten konnte und eine grosse Hilfe war.

Das Abenteuer kommt näher

Der Bewerbungsprozess für das Visum verlief sehr schnell (gesamter Prozess online) und innert dreier Tage kam bereits das definitive Visum (ebenfalls online). Hier gilt noch zu erwähnen, dass darauf geachtet werden sollte, dass der Reisepass eine genügend lange Gültigkeit besitzt. Ansonsten sollte man möglichst frühzeitig einen Neuen beantragen.
Wo soll ich wohnen?

Nachdem das Visum erteilt und der Flug gebucht war (unbedingt abklären wieviel Freigepäck erlaubt ist, bei der Thai Airways und der Singapore Airlines waren jeweils 30 kg Freigepäck erlaubt, bei andern Airlines teilweise nur 20 kg), ging es darum, eine Wohnung zu finden. Falls irgendwie möglich, wollte ich in der Nähe des Meeres wohnen. Demnach kamen vor allem Bondi Beach oder aufgrund der Nähe zur Universität Coogee in Frage. Ich hatte sodann das Glück, eine Wohnung in Coogee von UNSW LL.M Studenten übernehmen zu können, welche ihr Studium unmittelbar vor dem Beginn meines ersten Semesters abschlossen. Die Korrespondenz mit dem Agenten des Vermieters betreffend die Mietvertragsübernahme war zwar nicht immer ganz einfach (manchmal hörte man bis zu einer Woche nichts, was jedoch nichts Aussergewöhnliches zu sein scheint), aber schlussendlich hat alles geklappt.

Ich würde allen empfehlen ihre Kontakte zu durchforsten, ob nicht jemand jemanden kennt, der gerade in Sydney ist und die Wohnung zum Start des neuen Semesters nicht mehr benötig. Alternativ fanden zahlreiche Studenten ihre Wohnungen oder ihre WG-Zimmer via Gumtree (www.gumtree.com.au). Jedoch brauchte dies meist Zeit und auch ein wenig Geduld. Für Studenten, die gerne auf dem Campus leben möchten, bietet die Universität ebenfalls WG-Zimmer an, welche jedoch nicht ganz günstig sind, dafür aber bereits möbliert.

Endlich da – die ersten Tage

Circa zwei Wochen vor dem Start des Semesters bin ich in Sydney angekommen. Diese Zeit reichte sehr gut aus, um die ersten Eindrücke der Stadt zu gewinnen und die notwendigen Voraussetzungen für ein beschwerdefreies Studentenleben zu erfüllen. Dazu zählte unter anderem die Eröffnung eines Bankkontos. Hierzu bietet sich beispielsweise die Commonwealth Bank an, welche eine Filiale auf dem Campus der UNSW hat und sich mit studentischen Anliegen auskennt. Australische Banken zahlen im Vergleich zu Schweizer Banken noch relativ hohe Zinsen. Gegenwärtig sind es auf dem Sparkonto 1.75%, welcher monatlich bezahlt wird. Für die ersten drei Monate nach Kontoeröffnung bezahlen die Banken jeweils noch einen zusätzlich Bonuszins von ca. 1.5%. Deshalb kann es sich bis zur Bezahlung der Studiengebühren des zweiten Semesters durchaus lohnen, nach drei Monaten das Geld auf ein neu eröffnetes Bankkonto bei einer anderen Bank zu transferieren, um nochmals von einem Bonuszins profitieren zu können. (Anmerkung der Redaktion Institut Ranke-Heinemann: Unser Förderer, die ANZ Banking Group ermöglicht unseren Studierenden die Eröffnung eines kostenlosen Bankkontos schon vor Studienbeginn im Heimatland. Dazu gehören Sonderkonditionen beim Umtausch und bei den Gebühren der Auslandsüberweisung, beispielsweise für die Studiengebühren.)

Weiter benötigt man natürlich eine australische SIM-Karte. Hier habe ich mich für einen post-paid Plan von Virgin Mobile entschieden, welcher jederzeit kündbar ist und unbenutzte Daten oder Minuten auf den nächsten Monat übertragen werden. Virgin Mobile benutzt das Optus Netzwerk und hat bisher auf zahlreichen Reisen zuverlässig funktioniert. Über die beste Netzabdeckung soll Telstra (der ehemalige Staatsbetrieb) verfügen. Allerdings sind dessen Tarife auch ein bisschen teurer. Zusätzlich kann es sich lohnen abzuklären, bei welchem Anbieter die Kommilitonen sind, da man innerhalb des gleichen Anbieters oft kostenlos oder günstiger telefonieren kann.

Leider ist es nicht so ganz einfach sich in Australien als Student einen Internetanschluss installieren zu lassen, bei welchem man nicht mindestens ein Jahr lang gebunden ist, unbegrenzte Daten zur Verfügung hat und welcher trotzdem noch bezahlbar ist. Nach zahlreichen Recherchen habe ich mich für einen Wireless Hotspot von Virgin Mobile entschieden, womit man monatlich 12 GB zur Verfügung hat. Der Vorteil an dieser Lösung ist, dass der Vertrag jederzeit kündbar ist und man den Hotspot zum Reisen einfach mitnehmen kann und so im ganzen Land (mit Optus Netzabdeckung) über einen schnellen Internetzugang verfügt. Wenn man dazu häufig mit Virgin Australia fliegt, sollte man einen Virgin Velocity Account eröffnen. Damit sammelt man mit allen Virgin Australia Flügen und dem Bezahlen der Virgin Mobile Rechnungen Meilen, welche beispielsweise für einen Inlandflug eingesetzt werden können. Für den Fall, dass die monatlichen 12 GB nicht ausreichen, verfügen die Universität sowie zahlreiche Bars und Restaurants über schnelles und unlimitiertes Internet.

Auch wenn Sydney sehr viele Vorzüge hat, zählt das öffentliche Nahverkehrssystem leider nicht dazu. Nach ein paar Busfahrten war mir klar, dass ich eine Alternative benötigte. Verspätungen von über 15 Minuten sind normal und wenn man Glück hat, ist der Bus bereits dermassen voll, dass er an der Haltestelle vorbeifährt und man auf den Nächsten warten muss, sofern es nicht gerade der Letzte war. Dies passiert zwar nicht sehr häufig, doch es kann vorkommen. Da ein Auto in der Stadt aufgrund der horrenden Parkgebühren meines Erachtens nicht sinnvoll ist, habe ich mich für einen Motorroller entschieden. Mit diesem kann man sich sehr gut am Verkehr vorbeischlängeln und praktisch überall gratis parkieren. Kaufen kann man sich einen Gebrauchten beispielsweise über Gumtree. Dabei sollte man jedoch unbedingt darauf achten wie lange die Registration noch gültig ist und dass sich nicht noch “Lasten“ des vorherigen Eigentümers darauf befinden, welche auf den neuen Eigentümer übergehen. Alternativ kann man auch zu einem Motorradhändler gehen, welche die Roller “ride away“ verkaufen, was meist eine einjährige Registration und die obligatorische Basisversicherung miteinschliesst. Wenn man jedoch ausschliesslich auf den Bus vertrauen möchte, ist die App Next There überaus hilfreich, denn damit sieht man bei zahlreichen Bussen die Echtzeitangaben, welche man bei den Verspätungen sehr zu schätzen lernt. Zusätzlich sollte man sich während den Busfahrten in unbekannten Gebieten über sein Handy orten können, da die Busse normalerweise weder die Haltestellen ansagen noch über einen Plan verfügen, mit welchem man im Bus verfolgen könnte, wo die Reise hinführt oder wo man sich gerade befindet. Diesbezüglich bietet sich die App Trip View an, womit man sich selber orten kann und die Busrouten aufgezeigt werden.

Das Unileben

An der Uni lernt man schnell die anderen internationalen LL.M Studenten kennen, da der Kurs Australian Legal System für sämtliche Studenten obligatorisch ist. Alle weitern Kurse kann man frei wählen. Da zahlreiche Kurse mit Studenten des JD Programmes und australischen Studenten gemischt sind, kommt man auch mit den Einheimischen sowie mit weiteren internationalen Studenten sehr schnell in Kontakt. Natürlich kommt auch neben den ganzen obligatorischen Kursen das Privatleben nicht zu kurz. Sydney ist ein Traum von einer Stadt, wenn es darum geht, etwas zu unternehmen. Dass es einem hier langweilig werden könnte, ist nur sehr schwer vorstellbar. So kann man beispielsweise zahlreiche Museen, das bekannte Opernhaus oder den Taronga Zoo mit Blick auf Sydney‘s CBD besichtigen, sich durch die zahlreichen Restaurants schlemmen, unzählige coole Bars besuchen, shoppen sowie diverse Sportarten betreiben. Ob Tennis, Fussball, Joggen entlang des Costal Walks von Coogee nach Bondi, Beachvolleyball oder Surfen, es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Natürlich kann man auch ganz einfach die Seele an einem der Strände baumeln lassen. Dabei ist zu beachten, dass der Trubel an den Stränden von Bondi Richtung Flughafen stetig abnimmt. Am Strand von Bondi sind vor allem viele Touristen anzutreffen, ab Marubra nehmen dann eher die Einheimischen wieder Oberhand. Ein weiteres Plus der Stadt ist die Nähe zum Domestic und International Airport. Diese stellen während den Semesterferien ein idealer Ausgangspunkt dar, um weitere Teile des Landes sowie beispielsweise auch das in drei Flugstunden zu erreichende Neuseeland oder das ein bisschen weiter entfernte Fiji zu bereisen. Neben der etwas teureren Quantas Airways bieten auch die billigeren Fluggesellschaften Virgin Australia, Jetstar und Tigerair zahlreiche Direktverbindungen zu den verschiedensten Destinationen an. Bei sämtlichen Airlines lohnt es sich möglichst früh zu buchen, um von einem günstigen Tarif profitieren zu können. Bei den Tarifen sollte berücksichtigt werden, dass bei Virgin Australia ein Gepäckstück pro Person bereits im Preis inbegriffen ist, bei Jetstar und Tigerair dies jedoch meist noch hinzugebucht werden muss.

Vorstellungen erfüllt?

Abschliessend kann ich sagen, dass bisher sämtliche meiner Vorstellungen vom Land und den Leuten erfüllt und sogar übertroffen wurden. Australien ist wunderschön und bietet unzählige traumhafte, einzigartige aber auch paradiesische Orte. Ebenfalls durfte ich die Australier als sehr nette, unkomplizierte und aufgeschlossene Menschen kennenlernen. Dass man beim Aussteigen des Busses sich beim Busfahrer mit einem lauten “thank you“ bedankt oder auch mal einen Schwatz mit einem völlig Fremden hält, ist hier normal. Oft reicht bei einem morgendlichen Smalltalk das Erwähnen des Tagesziels und schon wird man darüber aufgeklärt, welches die schnellste und schönste Route zu diesem Ziel ist sowie mit weiteren Insidertipps zur Destination überhäuft. Ich freue mich nun auf die zweite Hälfte meines LL.M. Jahres und darauf noch möglichst viele Eindrücke dieses einzigartigen Landes gewinnen zu dürfen. Ich kann jedem empfehlen den Sprung nach Down Under zu wagen und sich vom speziellen Groove der Sydneysider und Australiens anstecken zu lassen.

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