Ein wahnsinnig spannendes Land

Katja Sinning | FH Aachen


Wo
The University of Technology Sydney

Zeitraum
2016 - 2017

Was
Master of Project Management

Studienprogramm
Master

Förderung
IRH Föderprogramm

31.07.2016

Masterstudium an der University of Technology Sydney

Ankunft in Down Under, es ist Februar und 39 Grad, so lässt es sich leben. Mein Master Studiengang an der University of Technology Sydney (UTS) beginnt erst in ca. zwei Wochen. Genug Zeit sich zu akklimatisieren, die Umgebung und neue Leute kennen zu lernen. Ich wohne in einem von 4 UTS eigenen Studentenwohnheimen „Geegal“, das ist das kleinste und mit ca. 15 geh Minuten am „weitesten“ von der Uni entfernt. Mit ca. 60 Bewohnern hat es eine familiäre Atmosphäre. Um sicher zu stellen dass sich alle kennenlernen und sich niemand langweilt werden von den „Residential Networker“ (Studenten die im jeweiligen Wohnheim wohnen) Partys, Ausflüge und andere Aktivitäten organisiert. Eine fahrt in die Blue Mountains, ein Spaziergang vom berühmten Bondi Beach zum schönen Coogee Beach, eine Stadttour zum Opera House, eine Tour in einen Wildpark mit Koalas und Kängurus und vieles mehr. Sie helfen auch gerne wo sie können bei fragen von Simkarten bis zu Einkaufsmöglichkeiten.

Schließlich startet die Orientierungs Woche und verglichen mit dem, was ich damals in Deutschland hatte ist das von einer ganz adern Größenordnung. Man muss sich vorher für verschiedene Events anmelden, manche davon obligatorisch. Diverse Willkommens-Reden, Einweisungen, und Informationsveranstaltungen, die zahlreichen Clubs stellen sich vor und egal wo man hinkommt wird man begraben unter kostenlosem essen oder anderen Präsenten von Kulis, über Kaffeebecher bis hin zu Kalender und Umhängetaschen. Auch der Campus ist etwas ist deutlich größer als das was ich von meinem kleinen Campus in Wiesbaden kenne. Der Hauptcampus an sich zählt 11 riesige Gebäude mit einer eigenen Fußgängerbrücke über die Straße. Im „Tower Buliding 1“ gibt es einen Concierge der auch den tausendsten überwältigten Student freundlich mit Wegbeschreibungen versorgt, es gibt zur Orientierungshilfe sogar eine App! Im gleichen Gebäude gibt es einen Arzt, ein Career Center, das International Office, diverse Angebote wie HELPS die einen unteranderem bei Aufsätzen unterstützen und Kurse anbietet für Leute, die ihr englisch verbessern wollen, und noch viel mehr. Eine Mensa wie wir sie kennen gibt es nicht, dafür aber ein Foodcourt im Keller sowie zwei Uni eigene Bars, und in eigentlich jedem Gebäude ein oder mehrere Cafés. 

Bevor die Uni startet, nehmen nehme ich mit meinen neuen Freunden noch schnell an einem Surf-School Wochenende teil. Die UTS eigene Sportorganisation „UTS Activate“ sorgt für diverse aportliche Beschäftigungen und hat für seine Studenten einem 100$ Rabatt für das Surfwochenende herausgeschlagen. Ein großer Spaß, denn alle schaffen es am ersten Tag sich ein paar Sekunden auf dem Board zu halten, auch wenn bei manchen die Lehrer etwas Stabilisierungshilfe geben müssen.  

Schließlich wird es ernst. Mein Studiengang ist in Workshops ausgelegt, was bedeutet das ich nicht wöchentlich meine vier Kurse besuche sondern vier Workshops belege. Davor muss man jeweils obligatorische Texte zur Vorbereitung lesen und einen online Test belegen oder eine Hausarbeit einreichen. Die Workshops an sich sind super spannend und verlangen viel von einem. Offiziell gehen die Workshops von 9 bis 17 Uhr aber jeden Tag bekommt man eine Gruppenaufgabe, die bis zum nächsten Morgen vor Kursstart abgegeben sein muss, was schon mal bedeutet, dass man bis 21 Uhr in der Uni sitzt. Die Workshops sind anstrengend aber effektiv und man lernt gleichzeitig viel über Gruppendynamik und Teamwork, was für Projekt Management essentiell ist. Die Professoren sind mit dir auf Du und Du, super hilfsbereit und bemüht. Meine Kurse bestanden meist aus ca. 50 Studenten, und waren sehr international. Überraschenderweise war ich die einzige Deutsche, obwohl man sonst so viele von uns antrifft in Australien. Ein großes Plus an der Workshop Struktur ist natürlich auch, dass man mit gutem Zeitmanagement seiner Uni-Aufgaben, zwischendrin auch Zeit hat zu arbeiten oder die Umgebung zu erkunden. 

Über die Osterferien war ich eine Freundin in ihrem Auslandssemester in Neuseeland besuchen. In den zehn Tagen haben wir uns so viele wundervolle Sehenswürdigkeiten wie möglich von der Nordinsel Neuseelands angeschaut. Wir haben die Hobbits besucht, sind mit dem Bodyboard die Sanddünen herunter gesaust, haben am Cape Ringa zugeschaut wie die Tasmansee und der Pazifische Ozean in einander fließen, die vulkanischen Wunder in Rotorua besucht und vieles mehr. Mein absolutes Highlight war unsere Mission als Höhlenforscher auf der Suche nach Glühwürmchen. In Neuseeland (aber auch in Australien) gibt es nämlich diverse Glühwürmchen Höhlen, manche sind Touristisch ausgelegt, mit begehbaren Pfaden und Bootsfahrten wie die Waitomo Caves. Andere jedoch wie die Waipu Caves sind komplett naturbelassen. Sie sind einigermaßen ausgeschildert und mit google Maps auffindbar, den Höhleneingang findet man jedoch nur wenn man vorher Bilder gesehen hat, oder gerade zufällig jemanden antrifft, der aus der Höhle heraus kommt. Man muss ein bisschen klettern und durch knietiefes Wasser stapfen, um in die zweite Höhle zu kommen, ohne Taschenlampe ist es stockfinster. Wenn man aus der Höhle einen plötzlichen Aufschrei hört, wurde wahrscheinlich gerade jemand am Bein von einem Fisch oder Aal begrüßt. Also nichts für Weicheier! Wenn man dann die Taschenlampen ausmacht und ein bisschen ruhig ist, sieht man an der Höhlendecke ganz viele kleine Glühwürmchen leuchten. Das wirkt fast wie ein skurriler Sternenhimmel und ist definitiv einen Besuch wert. 

Zum Semesterende hin wird es nochmals richtig stressig, denn diverse Hausarbeiten wollen und Examen wollen geschrieben werden. Inzwischen ist es Winter was heißt, dass sich die Temperaturen an schlechten Tagen meist so um die 12 Grad bewegen, dann gibt es Regenschauer, die einen innerhalb von Sekunden durchnässen und die Straßen überfluten. Aber zwischen drin gibt es auch tolle Sonnentage an denen man getrost mit dem T-Shirt vor die Tür gehen kann. Der Winter in Sydney ist doch sehr erträglich, verglichen mit Deutschland. Aber das Wetter ist nebensächlich, denn gegen Semesterende verbringe ich die meiste Zeit mit Kommilitonen in der Bibliothek oder einem der Lernbereiche in den anderen Gebäuden. Diese Lernbereiche sind übrigens ziemlich cool, es gibt für Gruppen zum Beispiel Bereiche mit Flachbildschirm auf den man Präsentationen üben, oder Aufgaben zusammen rechen kann. Außerdem gibt es einen Wasserhahn aus dem direkt Kochendes Wasser kommt für Tee oder fertig Suppe und meistens auch eine Mikrowelle. 

Eine tolle Chance wurde mir durch das SOUL Award Programm der Uni ermöglicht. Das Programm gibt einem nicht nur die Möglichkeit Workshops zum Thema soziales Engagement und Führungskraft zu belegen, sondern bringt einem auch verschiedene Möglichkeiten näher wo man sich Ehrenamtlich einbringen kann. Mit meinen Bachelor in Kommunikationsdesign und Begeisterung für Gestaltung, bekam ich so die Chance mich bei dem unbeschreiblichen Lichterfestival „Vivid“ zu engagieren und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Vivd geht drei Wochen lang und verzaubert Sydney in eine fantastische Lichterwelt. Menschen aus aller Welt kommen nach Sydney um sich von den vielen Verschiedenen Installationen begeistern zu lassen. Neben meinem Studium habe ich dort einige Schichten als Volunteer übernommen. Das war eine tolle Erfahrung, und nächstes Jahr bin ich garantiert wieder dabei.

Nachdem ich schließlich alle „final assignments and exams“ hinter mich gebracht habe ist es schließlich Zeit sich noch ein bisschen mehr von Australien anzuschauen. Also fliege ich für ein paar Tage zu einer Freundin nach Brisbane hoch. Eine coole Stadt und gerade übervölkert mit Pokémon Go Spielern, denn das Spiel ist gerade offiziell herausgekommen...Horden rotten sich bei South Bank zusammen um die süßen Tierchen zu schnappen! Wie in Sydney hat man auch in Brisbane freien Eintritt in diverse Kunstmuseen und Galerien, was ich jedem nur empfehlen kann. Gerade Stücke von Aborigines sind interessant denn das ist etwas was man bei uns eher selten zu sehen bekommt. Besonders schön war der Ausflug zu Stradbroke Island, auf der wir neben den wahnsinnig tollen Ausblicken auch ein paar wilde Kängurus gesehen haben. Die saßen in den Büschen und futterten ganz ungestört von unserer Anwesenheit das Gras. 

Ganz in der Näher von Brisbane befinden sich auch Surfers Paradise und Byron Bay, zwei wundervolle Orte die ich nur jedem empfehlen kann. In ein paar Tagen startet schon das nächste Semester. Ich bin froh dass ich die Entscheidung getroffen habe meinen Master in Sydney zu machen und kann nur jedem empfehlen länger als ein Semester zu bleiben. Es ist ein wahnsinnig spannendes Land und so kann man sich aufs Studium konzentrieren und sich Zeit lassen in Ruhe Land und Leute richtig kennen zu lernen.

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