Wenn nicht jetzt, wann dann?!

Ronja Naudorf | Masterstudentin


Wo
Deakin University

Zeitraum
2016 - 2017

Was
Master of Business Administration (International)

Studienprogramm
MBA

Förderung
IRH-Förderprogramm

31.07.2016

MBA an der Deakin University in Melbourne

Mittwoch, 10. Februar 2016, 20.30 Uhr. Da saß ich nun einsam, alleine und leise vor mich hin weinend am Gate des Düsseldorfer Flughafens. Zuvor hatte ich entgegen der strikten Anordnung den Brief eines meiner Lieblingsmenschen bereits am Gate gelesen und wusste nun schlichtweg nicht, wohin mit mir. „Erst im Flugzeug lesen, okay Liebes?“ „Selbstverständlich!“.

Naja, um ehrlich zu sein, hätte es im Endeffekt vermutlich keinen Unterschied gemacht, ob ich erst an Board oder bereits am Gate die Nerven verliere.

Dabei hatte ich vorher alles so gut im Griff: zunächst noch ein gemütliches Kaffeepäuschen mit meinen Eltern und Freunden und anschließend ein relativ schneller Abschied an der Sicherheitsschleuse. Natürlich, das ein oder andere Tränchen floss, aber ich hätte meinen Puls zu dem Zeitpunkt noch im Normalbereich eingeordnet. Nicht so am Gate! Nicht, nachdem mir im Brief auf zwei Din A4 Seiten die schönsten Erinnerungen der letzten Jahre aufgezählt wurden. Da war‘s dann um mich geschehen. Aber, ich wollte es ja so. Ich hatte in Deutschland hart für das erste juristische Staatsexamen gearbeitet und mich bewusst dafür entschieden, im Anschluss einen MBA zu machen und nicht erst bis nach dem zweiten Examen und ggf. einiger Arbeitserfahrung zu warten. Mir war völlig klar, dass es ein Wagnis sein würde und dass zwei Jahre so weit weg von daheim auch ganz schön ans Herz gehen könnten. Dennoch hat es mich schon immer in die Ferne gezogen und ich wollte einen „was-wäre-wenn“-Moment mit 40 auf jeden Fall vermeiden.

Und während mir ein freundlicher Herr ein Taschentuch reichte, ich mir die Tränen abwischte und Richtung Boarding schlich, schaute ich aus dem Fenster, sah ein Flugzeug starten und dachte mir: „Okay, auf geht’s Ronja – wenn nicht jetzt, wann dann?!“.

Mein erstes Trimester in Australien. Ein Rückblick.

Mein Weg zur Deakin University

LL.M oder MBA

Zunächst galt es für mich zu klären, ob ich einem Master of Laws (LL.M) oder einen Master of Business Administration (MBA) anstreben wollte. Da ich in Deutschland Jura studiert und gerade mein erstes Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen hatte, lag zunächst der LL.M näher. Auf der anderen Seite stand schon bei der Frage meines Erststudiums BWL mit zur Auswahl. Da ich es liebe, Dinge zu organisieren sowie Abläufe zu strukturieren und zu ordnen, bot sich mir nun die perfekte Gelegenheit, durch mein Masterstudium Jura und BWL zu kombinieren und u.a. in Management- und Führungsaufgaben ausgebildet zu werden.

Was den Zeitpunkt angeht, so hat jeder, den man fragt, andere Ansichten und gut gemeinte Ratschläge parat. Diesbezüglich sollte man sich in jedem Fall ausgiebig Gedanken machen und die Optionen abwägen. Für mich persönlich stand von Anfang an fest, dass ich nach meinem ersten Staatsexamen ein Masterstudium einschieben würde: zum einen brauchte ich dringend eine Jurapause, zum anderen wollte ich altersmäßig nicht noch mehr aus dem Rahmen fallen. Da Jura kein dreijähriger Bachelorstudiengang ist, ist man verglichen mit anderen internationalen Studenten sowieso schon älter.

Unisuche

Nachdem mein Wunschland Amerika preislich schnell aus dem Rennen war und Kanada zeitlich nicht mehr zu realisieren gewesen wäre, schrumpfte der Kreis relativ schnell auf Australien und Neuseeland. Fest stand nämlich, dass es sich um ein Land mit Englisch als Muttersprache handeln sollte und mir England nicht weit genug entfernt war. Nach langem Hin und Her entschied ich mich dann für Australien, verbunden mit der Option, immer mal wieder ins kleinere Nachbarland
Neuseeland reisen zu können.

Weiter ging es also mit der Suche nach dem optimalen MBA-Programm in Australien.
Problematisch war hier insbesondere, dass ich noch keinerlei Berufserfahrung aufweisen konnte, die meisten Unis jedoch drei bis fünf Jahre Berufserfahrung für einen MBA fordern.
Umso erfreulicher war es, dass die Federation University Australia, die James Cook University und die Deakin University Studenten auch ohne Berufserfahrung die Chance für eine derartige Ausbildung geben. In diesem Zusammenhang ist es bei der Entscheidung für eine Universität besonders wichtig, dass auf eine Akkreditierung geachtet wird, d.h. dass ein Qualitätssiegel für den Studiengang vorliegt. Dabei zählt die AACSB (The Association to Advance Collegiate Schools of Business) bei internationalen Programmen zu einer der wichtigsten Akkreditierungsstellen.1 Sie zertifiziert ganze Business Schools, was dazu führt, dass jedes MBA-Programm einer AACSB-akkreditierten Hochschule als hochwertig gilt.

Eine vollständige Liste der akkreditierten Hochschulen findet man unter:

http://www.aacsb.edu/accreditation/accredited-members.

Parallel zur Unisuche habe ich dann bereits den TOEFL Test abgelegt und mich zeitnah mit einer Mitarbeiterin des Ranke Heinemann Instituts getroffen, um die Bewerbungen durchzugehen. Alles in allem vergingen vom ersten persönlichen Kontakt bis zur Zusage etwa 1,5 Monate. Letztendlich habe ich mich mit Blick auf die internationalen Rankings für die Deakin University (Campus Burwood) entschieden. Diese Universität hält mit dem MBA (International) ein ansprechendes Programm für Studenten ohne Berufserfahrung bereit.

Checkliste

Nach erfolgreicher Bewerbung ging das Chaos vor Reiseantritt erst richtig los. Es waren gefühlt 1.000 Sachen parallel zu erledigen und zu bedenken. Hilfreiche Tipps und Tricks insbesondere bezüglich Visum und Flug findet man auf der Homepage des Ranke-Heinemann Instituts:

https://www.ranke-heinemann.de/australien/ratgeber/.

Macht euch ’ne Checkliste. Ernsthaft – es hilft, um den Überblick zu behalten. Abgesehen davon, macht Sachen abhaken/durchstreichen irre glücklich!

Visum / Flug nach Australien

Das Visum war online schnell und unkompliziert beantragt und auch die Buchung des Fluges ging mit Hilfe von STA Travel zügig und ohne Probleme – herrlich. Da konnte man glatt schon mal zwei Dinge von der Liste streichen und hatte dazu noch den definitiven Abflugtermin. Es wurde ernst!

Krankenversicherung

Für ein Auslandsstudium in Australien ist zwingend der Abschluss einer australischen Krankenversicherung vorgeschrieben - sog. Overseas Student Health Cover (OSHC). Ich hatte diese gleich über die Deakin University mit abgeschlossen, da es so am einfachsten war und sie bereits in der Einschreibebestätigung enthalten war. Darüber hinaus habe ich aber noch eine zusätzliche deutsche Auslandskrankenversicherung abgeschlossen, um für alle Fälle gewappnet zu sein.

Unterkunft

Was meinen zukünftigen Wohnort anging, wollte ich für die ersten Trimester gerne im Wohnheim leben, um die Wohnungssuche zu Beginn nicht unnötig zu verkomplizieren und nah am Geschehen zu sein. Die Deakin bietet für den Campus in Burwood diesbezüglich drei Unterkunftsvarianten an: Einzelstudios und 5er-WGs im Wohnheim oder 10er-WGs im Village. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von kleinen Häusern für jeweils 10 Personen in der Nähe des Wohnheims.

(http://www.deakin.edu.au/life-at-deakin/accommodation/residences/burwood)

Ich entschied mich letztendlich für die 5er WG, um schnell in Kontakt mit anderen Leuten zu kommen, aber dennoch nicht dem kompletten „Chaos“ einer 10er WG ausgesetzt zu sein. Dabei muss man wissen, dass sich Wohnheim und Village schon in Sachen Zutritt grundlegend unterscheiden. Während im Wohnheim die eigene Keycard der Schlüssel zu allem ist (Fahrstuhl, Wohnungstür, Zimmertür, Waschraum und nachts auch die Eingangstür des kompletten Wohnheims), herrscht im Village nahezu immer „Tag der offenen Tür“. Der einzig wirklich private Raum ist das eigene Zimmer. Ab Trimester 1/2017 soll es noch die Möglichkeit von 2er und 4er Apartments in einem neuen Gebäudekomplex geben, an dem derzeit noch unüberhörbar gebaut wird.

Bei eurer Bewerbung um einen Wohnheimplatz könnt ihr die Mietdauer wählen. Da das dritte Trimester der Uni nicht verpflichtend ist, nutzen die meisten Studenten den australischen Sommer zum Reisen und das Wohnheim ist dementsprechend leer. Ich empfehle deshalb, sich nur für die ersten zwei Trimester zu bewerben und dann im Anschluss etwas Eigenes zu suchen. Das hat zudem den Vorteil, dass Kosten gespart werden können: das Wohnheim ist nämlich vergleichsweise teuer und man kann sich etwas mehr zur City hin orientieren.

Konto

Nicht ganz einfach oder kostengünstig sind auch Überweisungen nach Australien. Diesbezüglich sollte man sich ausreichend Zeit nehmen, um für sich die beste Lösung zu finden.

Ich hatte bereits vor Reiseantritt ein Konto bei der ANZ Bank eröffnet, auf das dann bereits aus Deutschland Geld überwiesen werden konnte. Die Kontokarte selbst bekam ich allerdings erst nach meiner Ankunft in Melbourne gegen Vorlage eines Nachweises über einen Wohnsitz in Australien sowie meines Reisepasses ausgehändigt.
Bedenken sollte man, dass die Bank für Einzahlungen aus dem Ausland immer eine Transaktionsgebühr in Höhe von AUD $15 berechnet.
Da zudem die deutschen Banken sehr hohe Überweisungsgebühren verlangen, sollte man sich rechtzeitig auf die Suche nach kostengünstigeren Alternativen begeben. Ich bin bei TransferWise fündig geworden. Es handelt sich um ein alternatives Überweisungskonzept bei dem keine doppelten Kosten anfallen. Im Vergleich zu den sonst üblichen Auslandsüberweisungsgebühren wird lediglich eine geringe Transfergebühr in Abhängigkeit zum Überweisungsbetrag erhoben.

Ankunft in Melbourne

Ich hatte mich bewusst dazu entschieden, vor dem eigentlichen Semesterstart ein paar Tage in Melbourne zu verbringen, um mich zunächst etwas mit der Stadt vertraut zu machen. Über Airbnb hatte ich schon aus Deutschland ein kleines Zimmer gebucht, welches ungefähr 20 Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt lag. Ich konnte so die ersten Tage ganz entspannt angehen und die Stadt erkunden. Insgesamt ist Airbnb für all eure Trips in Australien zu empfehlen – oftmals nicht viel teurer als ein Hostel, dafür aber wesentlich komfortabler und ungestörter, da man auch ganze Apartments zu günstigen Preisen buchen kann.

(https://www.airbnb.de/)

Wichtig im Bundesstaat Victoria ist zunächst die „Myki Card“ – ohne die geht hier im Nahverkehr gar nichts. Verglichen mit anderen australischen Städten hat Melbourne ein relativ gut verzweigtes Straßenverkehrsnetz. Bezahlt wird mit eben dieser Myki Card, die man entweder individuell aufladen kann oder aber gleich als Monatspass freischalten kann. Sofern man aber nicht täglich mehrmals fährt, rentiert sich die Monatskarte nicht. Ich lade lieber alle paar Wochen einige Dollar auf.

Studieren an der Deakin University

Lage

Nach meiner ersten Woche in der Stadt ging es dann Richtung Universität. Diese liegt nicht im Zentrum Melbournes, sondern in einem Vorort namens Burwood. Bedingt durch mein vieles Gepäck hatte ich mich für die Strecke von meinem Zimmer zur Uni für ein Taxi entschieden. Das macht man hier in Melbourne allerdings wirklich nur im größten Notfall oder wenn das Geld ziemlich locker sitzt. Taxen sind nämlich horrende teuer. Viele weichen deshalb auf „Uber“ aus oder nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel. Diesbezüglich ist die Uni relativ gut angebunden. Zwei Trams (70, 75) sind fußläufig in ca. 10 Minuten zu erreichen und fahren in ca. 40 – 60 Minuten (je nach Verkehrsaufkommen) in die Stadt. Einkaufmöglichkeiten – insb. der uns Deutschen bekannte Aldi – findet man ca. 10 Minuten mit der Tram von der Uni bzw. dem Wohnheim entfernt. Dazu gibt es diverse Busverbindungen mit Haltestellen direkt am Campus zu anderen Vororten.

http://www.mba-guide.de/dossier/mba-akkreditierung.html

Der Campus selbst ist sehr modern und einladend gestaltet.

Bis auf einen eigenen Supermarkt hat die Uni wohl alles Wichtige vor Ort: Buchladen, Bücherei, Fitnessstudio, Medical Centre, Bankautomat. Nicht immer die günstigste, wohl aber die bequemste Alternative. 

Dabei ist das Fitnessstudio durch seinen Standort insb. für die Studenten interessant, die im Wohnheim leben. Klein, aber mit allen nötigen Geräten, einigen Kursen und professionellem sowie hilfsbereitem Personal.

Förderprogramme und Unterstützung

Zu Beginn des Trimesters gab es eine Orientierungswoche mit diversen Workshops, Einführungs- sowie Informationsveranstaltungen und Events auf dem Campus, um sicherzustellen, dass für die nächsten Wochen wirklich jeder weiß, wie der Hase läuft. Darüber hinaus stand es jedem frei, sich für ein “Mentor-Programm“ anzumelden: ein Programm bei dem jeweils drei Studenten desselben Studienprogramms einen Mentor bekommen, der bei wöchentlichen Treffen über die nächsten sechs Wochen Tipps und Tricks für ein erfolgreiches Studium gibt.

Die Universität bemüht sich wirklich sehr, jedem Studenten die bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. So gibt es z.B. Language Advisors mit denen man einen Termin vereinbaren kann, wenn man sich sprachlich nicht sicher ist und Unterstützung benötigt. Gerade für die erste Hausarbeit auf Englisch eine nicht zu unterschätzende Hilfe. Falls es mehr um den Inhalt statt um die Sprache an sich geht, kann man sich auch von Writing Mentoren helfen lassen. Dabei handelt es sich um Studenten aus höheren Semestern, die dementsprechend schon einige Assignments geschrieben und Tipps und Tricks auf Lager haben. Falls der eine oder andere jetzt schon leuchtende Augen bekommt und denkt, dass die Sache damit geritzt ist, muss ich euch bremsen: weder Language Advisors noch Writing Mentoren schreiben irgendetwas für euch. Es geht dabei einzig um die Durchsicht eurer Arbeiten in sprachlicher und inhaltlicher Hinsicht.

Uninetzwerk

Deakin hat die Abläufe weitestgehend digitalisiert und arbeitet mit dem eigenen Studierendenportal “Deakin Sync“. Jegliche Informationen zu den eigenen Leistungen, der Bücherei und dem Medical Centre sind über dieses Portal abrufbar. Darüber hinaus bietet das Portal viele weitere Tipps und Tricks sowie den Zugriff auf “Cloud Deakin“ und andere Portale. Über Cloud Deakin erhält man die jeweiligen Materialien für seine Kurse sowie Instruktionen für die Assignments.

Masterprogramm

Für den MBA (International) müssen insgesamt 16 Creditpoints erreicht werden. Pro bestandenem Kurs (Unit) gibt es einen Creditpoint: das macht bei max. vier möglichen Units pro

Trimester vier Trimester. Dabei ist es üblich, im Studienjahr die Trimester 1 und 2 zu belegen und das dritte Trimester zum Reisen zu nutzen. Wer möchte, kann sich natürlich auch in Trimester 3 für Kurse einschreiben und die Studienzeit so verkürzen oder aber die Units über mehrere Trimester verteilen, um nicht jedes Trimester vier Units vor der Brust zu haben. Man sollte dabei aber bedenken, dass sich die Uni während des Sommers sozusagen im Ruhemodus befindet und nicht alle Kurse angeboten werden. Hauptstudienzeit ist definitiv während der Trimester 1 + 2.

Die Notengebung selbst unterscheidet sich sehr von dem mir bekannten System. Während im Jurastudium in Deutschland ein Punktesystem von 0-18 Anwendung findet, wird hier in fünf Prozentstufen benotet: unter 50% Fail, 50 – 59% Pass, 60 – 69% Credit, 70 – 79% Distinction, 80 – 100% High Distinction.

Ansonsten ist der Zusatz “International“ Programm: die Studenten sind bunt gemischt, zum allergrößten Teil aber aus dem indischen und asiatischen Raum.

Der für mich wohl größte Unterschied verglichen mit dem Studium in Deutschland waren die Assignments. Ich war es gewohnt, Klausuren am Ende des Semesters zu haben und ggf. Hausarbeiten während der Ferien schreiben zu müssen. Hier gibt es nun diverse Assignments während des Trimesters, die gerne auch schon nach zwei Wochen anstehen. Dabei handelt es sich im Grunde meist um kleinere Hausarbeiten oder Projekte, die entweder alleine oder in Gruppen angefertigt werden müssen. Je nach Kurs können dabei Assignments und Abschlussklausur anstehen oder aber „nur“ Assignments und keine Abschlussklausur – das ist wirklich ganz unterschiedlich. Sofern sowohl Assignments als auch eine Abschlussklausur anstehen, ist das Bestehen letzterer oftmals Grundvoraussetzung für das Bestehen des ganzen Kurses (sog. Hurdle). Mein Tipp: lest den Unit Guide, um böse Überraschungen zu vermeiden – gründlich! Man findet ihn entweder auf der Deakin Website oder aber nach Semesterbeginn in der Cloud Deakin.

Fakt ist, dass ein Trimester mit 10 Wochen wirklich sehr kurz ist und sich gerade zum Ende hin so einige Abgabetermine drubbeln. Wenn es sich dabei dann auch noch um mehrere Gruppenarbeiten handelt, ist Stress vorprogrammiert. Hier kann ich euch nur wärmstens einen Trimesterplaner empfehlen, um den Überblick zu behalten. Der wird zu Beginn des Trimesters an unzähligen Orten auf dem Campus verteilt.

Sofern man Abschlussklausuren hat, liegen die alle in den zwei Examenswochen, die von der Uni festgelegt werden. Das Trimester selbst endet eine Woche vorher. Man hat also mindestens noch eine ganze Woche, in der man fokussiert für die Klausuren lernen kann. Und ehe man sich versieht, ist das Trimester vorbei und man sitzt nach den Klausuren seit drei Tagen auf der Couch, guckt Serien in Dauerschleife und freut sich auf zwei Wochen Ferien ohne jeglichen „Unikram“.

Leben in Australien

Lebenshaltungskosten

Keiner spricht gerne darüber und doch merkt man es hier immer recht zügig: das Konto ist schneller leer, als einem lieb ist. Der Lebensunterhalt in Australien ist teuer. Unabhängig von Mietpreisen sind insbesondere die Preise für Drogerieartikel und frische Lebensmittel schwindelerregend hoch. Wer da noch Geld für die Freizeit übrighaben will, wird sich schnell nach einem Job umschauen müssen. Ein Problem in diesem Zusammenhang ist zum Beispiel, dass viele Geschäfte insbesondere in der Gastronomie 24/7 geöffnet haben und viele Studenten gerne zu den ungeliebten Nachtschichten eingesetzt werden. Was die Arbeitszeit anbelangt, so ist vor allem im Hinblick auf das Studentenvisum Vorsicht geboten: es ist nur eine bestimmte Anzahl an Arbeitsstunden erlaubt. Checkt eure Bestimmungen deshalb aufmerksam. Wer mit Rücksicht auf Reisepläne lieber flexible Jobs sucht, ist bei Eventworkforce richtig aufgehoben. Man meldet sich auf dieser Plattform an und muss zunächst ein Volontariat absolvieren. Anschließend kann man sich für eine Reihe von Jobs bewerben ohne eine Langzeitverpflichtung einzugehen.

(http://www.eventworkforce.com.au/)

Freizeit und Reisen

Neben all der Arbeit sollte aber natürlich auch der Spaß nicht zu kurz kommen. Ein Ausgleich zur Uni ist wichtig und wenn man schon mal am anderen Ende der Welt ist, kann man sich auch ins Abenteuer stürzen. Ich persönlich habe es mit meinen Mitbewohnern mehr als gut getroffen. Wir unternehmen super viel zusammen und lernen jede Menge neuer Leute kennen.

Ein Faktor, der mir dabei immer wieder auffällt: ich bin verhältnismäßig alt. Dadurch, dass das Jurastudium nicht in Windeseile zu beenden ist, gehöre ich hier mit Mitte 20 wirklich schon zum „alten Eisen“ – insbesondere im Wohnheim mit all den 18/19-jährigen „Erstis“. Ob das nun gut oder schlecht ist, ist Ansichtssache, aber man sollte es zumindest im Hinterkopf haben.

Das Schöne an vier Units pro Trimester ist, dass man sich diese im Optimalfall auf zwei Tage die Woche legen kann. Es bleibt also genügend Zeit für den wohl schönsten Part eines Auslandsstudiums: Reisen. Dabei gibt es eine Reihe von Zielen in der Nähe von Melbourne, die sich durchaus auch für Tagesauflüge anbieten, wenn das Budget grade nicht für die ganz langen Trips reicht: u.U. die Great Ocean Road und die jeweiligen Strände entlang der Küste, National Parks (inbs. Grampians und Wilsons Promontory), Philipp Island mit der Pinguinkolonie und Mount Martha – um nur einige der „Must-Sees“ zu nennen.

Für längere Trips bieten sich entweder der einwöchige Intra-Trimester Break oder aber der zweiwöchige Inter-Trimester Break zwischen den Trimestern an. Die Pause kann unter Umständen auch länger sein kann, je nachdem wann man mit seinen Klausuren durch ist. Interessant sind neben Trips innerhalb Australiens (unbedingt die Blue Mountains in Sydney besuchen!) oder nach Neuseeland insbesondere auch Reisen nach Bali oder zu den Fiji Inseln, da die Flüge von Australien verhältnismäßig günstig sind.

Melbourne

Abgesehen davon bietet Melbourne selbst aber auch immer wieder viel Neues zu entdecken wie z.B. Festivals und Night Markets – allzu schnell sollte da keine Langeweile aufkommen. Die Stadt ist nicht umsonst bekannt als die Kulturhauptstadt Australiens und bereits mehrfach als lebenswerteste Stadt der Welt gekürt worden. Es vergeht kaum ein Wochenende an dem nicht ein Festival oder (Sport-)Event ansteht.

Den Sportfreaks sei unbedingt ein Besuch des MCG Stadions ans Herz gelegt, um australischen Football live zu erleben – mit etwas Glück, wird das Spielfeld hinterher sogar zum Betreten freigegeben! Abgesehen davon, sollte man sich natürlich auf keinen Fall den Auftakt der neuen Formel 1 Saison im Albert Park entgehen lassen!

Mögt ihr es entspannter, dann nehmt euch unbedingt die Zeit und schlendert durch die vielen Seitengassen auf der Suche nach dem gemütlichsten Café – nur um gerade wenn man glaubt es gefunden zu haben, ein weiteres schnuckeliges Bistro zu entdecken.

Neu in der Stadt angekommen, empfiehlt sich eine City-Circle-Tour mit einer alten Tram zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt – kostenlos. Oder aber eine Walking-Tour mit netten Guides in quietschgrünen T-Shirts quer durch die City – theoretisch kostenlos, praktisch zahlt man am Ende das, was einem die Tour wert gewesen ist. So verschafft man sich am schnellsten einen ersten Überblick.

Taucht einfach ein in eine pulsierende Mischung aus lässigem und modernem Lifestyle und lasst euch treiben!

Fazit: Ernsthaft, ihr Lieben - wenn nicht jetzt, wann dann?!

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