Jeden Tag lernt man neue Leute von neuen Plätzen auf der ganzen Welt kennen

Amelie Salameh | Studentin der Hochschule Hannover


Was
Project Management, Collaborative Business Processes, Interface Design und E-Commerce

Studienprogramm
Auslandssemester

Förderung
IRH Förderprogramm

31.07.2015

Menschen in Sydney sind einfach sehr offen und sehr multikulti.

Weites Land in Australien

Hey, my name is Bhavya, from India. Where are you from? 

Salut, I´m Céline from Paris. Where are you from? 

Hola, Miguel, Spain. What about you? 

Halo, I am Vegar from Norway. What is your home country? 

Hello, my name is Rasmus and this is Jenny. We are both from Stockholm. Where are you from? 

Hi there, Paulina. From Tonga but you could call me a Sydneysider. You are from Germany, right? 

Yes. Germany. 

In den ersten Tagen der Orientierungsphase wird man nur so mit neuen Informationen überladen – Stadtbezirke, Haltestellen, Essensbezeichnungen, Fakultätsfachbegriffe und vor allem Namen und die dazugehörige Herkunft. Ich dachte mir „das ist aber ganz schön rassistisch – das macht doch keine Persönlichkeit aus“. Wie wir es meist in der Schule gelernt haben, dass wir jeden gleich behandeln sollen. 

Meine neuen internationalen Freunde haben mich dafür nur ausgelacht. Natürlich ist es wichtig zu wissen, wo die Leute herkommen. Das ist doch interessant! Meist hat man von anderen Reisen Freunde in der Gegend und will Netzwerke aufbauen und möglichst viel über neue Leute herausfinden. Menschen in Sydney sind einfach sehr offen und sehr multikulti. Die oben genannten Menschen sind mir alle sehr ans Herz gewachsen und auch diejenigen gewesen mit denen ich am meisten meiner Zeit verbracht habe. Aber auch mit vielen mehr! Jeden Tag lernt man neue Leute von neuen Plätzen auf der ganzen Welt kennen. In Sydney ist dies einfach Normalität. Es gibt verschiedene Möglichkeiten Leute kennen zu lernen, meist in der Uni bzw. durch die Orientierungsphase und später über Freunde oder neue Wohnungen, etc. 

Man kann in den angebotenen Student Housings (Studentenwohnheimen) sich niederlassen oder in eine WG ziehen. Alles andere ist unbezahlbar. WGs haben halt ihren eigenen Flair und ich hatte die Chance mit 3 gebürtigen Australiern zusammen zu wohnen, was meine Sprachkenntnisse um einiges gefördert hat im Gegensatz dazu nur mit Internationalen meine Zeit zu verbringen. Die Wohnheime sind extrem zentral und sehr modern, aber bringen auch haufenweise Regeln und Security mit sich. Man erspart sich den Stress nach Wohnungen zu suchen, wobei man dadurch auch sehr schnell die Stadt kennenlernt. Ich habe meine Wahl in einem der berühmten kleinen Terrace Houses zu wohnen nicht bereut. Eine sehr persönliche und gemütliche Atmosphäre erwartet einen meist und man kann sehr viel Geld sparen. Auf Gumtree.com.au findet man eigentlich alles das man braucht, ob eine Wohnung, Möbel, Jobs oder ein Surfboard (EIN MUSS WENN MAN IN SYDNEY LEBT!). Ich hatte das Surfen am Anfang überhaupt nicht gemocht, aber nach dem angebotenen Surfcamp der UTS war ich schon um einiges Selbstbewusster und hatte mir dann auch ein Board zugelegt und meine Freizeit mit Leuten im Wasser verbracht. Bis April waren es ja noch echt sommerliche Temperaturen. Man darf sich aber nicht täuschen lassen, der Winter in Australien ist auch kalt! Warme Pullis und Winterjacken nicht vergessen. Das Wetter ist extrem wechselhaft und viele kalte Winde sowie Platzregen mit inbegriffen. Lustiger weise regnet es meist nur nachts und wenn, dann nur für maximal 30 Minuten. Alles halb so schlimm. 

Naja genug vom Wetter. Es gibt auf jeden Fall haufenweise zu erleben in Sydney, aber vor allem im Rest des Landes. 

In Sydney: Das Opera House, die Harbour Bridge und den Botanical Garden natürlich. Glebe und Newtown sind angesagt Distrikts, in denen es gute Wochenendmärkte gibt sowie gute Cafés, interessante Läden und Graffitis. Sehr individuell und alternativ und trotzdem mitten in der Stadt. Man sollte nicht verpassen mal mit der Fähre nach Manly zu fahren. Es gibt haufenweise Strände – meist hatten sich die kleineren mehr gelohnt als die großen Angesagten. Ich habe Bondi verabscheut, aber dafür gern in Bronte, Little Bay oder Freshwater abgehangen. Man trifft im Winter höchsten 20 Menschen an – also sehr entspannt. Außerhalb von Sydney so in jeweils ca. 1-2 Stunden Fahrtzeit mit den Zug entfernt liegen die Blue Mountains und der Royal National Park. Sonntags kosten die öffentlichen Verkehrsmittel nur $2.50 den ganzen Tag und somit muss man dies jeden Sonntag ausnutzen. 

Nur noch einen kurzen Einschub zu öffentlichen Verkehrsmitteln – grausam. Busse sind immer zu spät und alles ist extrem unübersichtlich und nirgends stehen die Haltestellen. Nur Google Maps oder der Busfahrer selbst kann Abhilfe schaffen. Das Personal ist sehr hilfsbereit und nett – typisch australisch eben. 

Wir sind oft mit haufenweisen internationalen Studenten zum Wandern gegangen, jeweils neue Routen zu Aussichtsplattformen oder Wasserfällen - sehr empfehlenswert. Man sollte immer in Facebook mit Events up-to-date bleiben. In Sydney ist so viel los – da verliert man gerne mal den Überblick. Zum Feiern ist es jedoch überhaupt nicht geeignet. Wenn man jetzt an Metropole denkt und sowas wie Berlin – vergiss es. Nach 1.30 kommt man in keinen Club rein. Die Mainstream Clubs spielen Musik von vor 10 Jahren oder sind so überfüllt dass man sich nicht bewegen kann. Jedoch gibt es ab und zu echt gute kleine Events in coolen Bars. Jedoch nicht jede Woche, aber wenn dann heißen diese meist „Berlin Warehouse Party“. 

Rest von Australien: Australien ist ein atemberaubend schönes Land. Die schönsten Naturphänomene findet man hier. Andere Städte wie Melbourne, Cairns und auch Brisbane haben ihren ganz eigenen Flair. Es sind jedoch nur Städte. Was sich hinter all diesen Plätzen verbirgt ist um einiges interessanter. An Ostern bin ich mit meiner australischen Mitbewohnerin in ihre Heimatstadt gefahren – Mallacoota. Ungefähr 9 Stunden südlich von Sydney, also exakt zwischen Sydney und Melbourne versteckt sich direkt am Meer gelegen eine kleine typische australische Stadt. Volle Künstler, Musiker, Selbstversorger, australischer Urlauber und Surfer. Dort sah ich meinen ersten Koala, welcher einfach im Garten auf einem Eukalyptusbaum saß und hunderte von Kängurus – soweit das Auge reicht. Ich habe noch nie so viel Spaß gehabt in nur 3 Tagen. Die Menschen die dort leben sind extrem gut drauf und haben einfach keine Sorgen – nach dem australischen Sprichwort „No worries!“. Was man übrigens zu jeder Gelegenheit andauernd hört und einen sehr schnell beruhigt. 

In den Semesterferien von ca. 2 Wochen war ich erst ein paar Tage in Melbourne, welche einfach nur klasse waren. Melbourne ist eine super kunstvolle Stadt – alte Gebäude, individuell eingerichtete Shops und Graffitis soweit das Auge reicht. Aber keine hässlichen Berlin-Tags, sondern extrem große und zeitraubende Kunstarbeiten. Ein Besuch der Hall of Fame lohnt sich. Und in Melbourne kann man auch sehr gut feiern – viele von uns waren überzeugt, dass ein Auslandssemester in Melbourne auch echt keine schlechte Wahl gewesen wäre. 

Von dort aus begannen wir eine 4-tägige Tour an der Great Ocean Road entlang bis nach Adelaide. Die Autofahrt entlang der Küste ist sehr schön und die Twelve Apostles auch. Mehr wie 4 Tage würde ich nicht einplanen. 

Danach ging es 10 Tage in das Northern Territory von Australien. Wir starteten mit einem Campervan (Wohnmobil) in Darwin, 6 Leute, und brachten diesen bis nach Alice Springs und dann noch mit dem Bus weiter bis zum Uluru und dann wieder zurück nach Sydney. Diese Strecke von dem tropischen Darwin durch die Hälfte der Wüste Australiens war einmalig. Ich hatte noch nie so viele verschiedene Dinge auf einmal erlebt. Einfach einmalig schöne Aussichten – über Wetlands und Berge sowie Wüstenlandschaften. Heiße Quellen oder auch eine Krokodilboottour. Aber keine bei der die Krokodile unnatürlicher Weise aus dem Wasser gejagt werden mit der Hilfe anderer toter Tiere welche verfüttert werden. Wie ich diese Angebote hasste, jedoch viele Touristen nicht. Wir hatten eine klasse Bootstour in Cooinda in den Yellow Waters mit einer tollen Frau, welche uns alles über einheimische Vögel, Aboriginis und deren Verbundenheit zu diesem besonderen Ort und natürlich die Krokodile erzählt. Und dadurch sahen wir Krokodile in ihrem natürlichen Lebensraum. Navi-Anzeigen von „Please turn left in 901 km“ waren normal. Städte, in denen zum Teil nur 5 Menschen wohnen, auch. Das Northern Territory ist ein ganz besonderer Teil Australiens und diesen gibt es auch nicht zweimal auf dieser Welt. 

Wir hatten durch unsere Reise das beste Wetter mitgenommen, da es in Sydney 2 Wochen lang regnete und das schlimmste Wetter seit 100 Jahren hatte mit Überschwemmungen und umgefallenen Bäumen. 

Nun mal noch kurz zur Uni: Die University of Technology ist extrem modern und innovativ. Ich studierte IT und nahm folgende Kurse: Project Management, Collaborative Business Processes, Interface Design und E-Commerce. Ich habe es genossen dort zu studieren. Das Geld der Studenten wird hier relativ sinnvoll eingesetzt und man hat einfach alles was man braucht. Es wird hauptsächlich an Projekten gearbeitet in Gruppen – meist nicht alleine und es wird immer versucht neue Ideen hervorzubringen und eben selbst den Unterricht zu gestalten im Gegensatz zu einem Professor, welcher nur vor einem steht und sein Programm runter zieht. Das Bildungssystem ist einfach komplett unterschiedlich. Jedoch auch haufenweise Arbeit – OH JA. Ich hätte niemals gedacht, dass ich all das auf die Reihe bekomme. Man hat pro Fach meist 4-5 Aufgaben bzw. Assignments genannt. Sei es ein Gruppenprojekt, Essay oder Klausur. Meist schreibt man trotz all den zeitaufwändigen Arbeiten noch eine Klausur am Ende des Semesters, welche zwar nur 40% zur Gesamtnote zählt, aber genauso reinhaut wie in Deutschland auch, wo man nur eine Klausur schreibt und nichts anderes. Die Professoren sind jedoch sehr hilfsbereit und extrem cool drauf – alle werden bei ihren Vornamen angesprochen und die Atmosphäre ist sehr kumpelhaft, jedoch mit genug Respekt, dass man auch anspruchsvolle Arbeiten abgibt. Dadurch, dass für mich die Noten keine große Rolle gespielt hatten sondern eher, dass ich alles bestehe, waren meine Ansprüche nicht allzu hoch. Ich war selbst von mir beeindruckt das alles so gut zu meistern. Andere mussten Fächer abwählen, sind durchgefallen oder hatten einfach nie Zeit für ein Bier oder mal in den Park zu gehen – nur Uni, Uni, Uni. Meine Fächer hatten mir sehr gut gefallen und ich habe haufenweise dabei gelernt. Vor allem in Gruppen zu arbeiten, mich zu organisieren und Deadlines einzuhalten. Und Multitasking. Alle Fächer finden ja zur selben Zeit statt und das muss man koordinieren. Das Geld hatte sich gelohnt, jedoch hätte eine kostenlose Partneruniversität auch nicht geschadet. Die Australier hängen sich meist viel mehr rein, da für sie die Noten natürlich mehr zählen und sind sehr bemüht. Trotz allem war ich oft mit meiner Gruppe nach der Uni noch in einer Bar und man hatte diesen amerikanischen Lifestyle ein bisschen miterlebt. Uni bis 9 Uhr abends? Ich hatte es nicht, aber ja das ist möglich. Fast jeder meiner Freunde hatte Freitagabends bis 9 Uhr Uni. Vor allem die Europäer hat das fertig gemacht. 

Aber trotz allem hatte ich immer Spaß daran zur Uni zu gehen. Vor allem der Kaffee schmeckte dort komischerweise besonders gut. 

Man sagt, dass die Australier sehr ähnlich wie wir sind – alle sehr westlich halt. Mit diesem Gedanken bin ich auch gestartet – völlig falsch. Die Australier haben ihre ganz eigene Kultur, z.B. startet man eine Konversation immer mit „Hi, how are you? – I´m good thanks. How are you? Good, thank you“. 

Naja das findet man relativ schnell alles heraus und wird in den Aussie Lifestyle auch schnell integriert ohne Probleme. Hauptsache immer schön höflich und zuvorkommend. 

Nachdem ich die Uni beendet hatte, habe ich noch eine Tauchlizenz mit PADI gemacht, welche sehr billig war durch die Winterzeit und kaum Tourismus. Mein Freund und ich, welchen ich endlich wieder sehen durfte nach einer langen Zeit, fuhren von Sydney an der kompletten Ostküste hoch nach Cairns. Dort gibt es einfach unendlich viele Sachen zu entdecken – wir orientierten uns am Lonely Planet und was mir Freunde oder was uns Einheimische (Locals) auf dem Weg geraten hatten. Wir besuchten Port Stephens mit den größten Sanddünen in der südlichen Hemisphäre, das Koala Hospital in Port Macquarie, das kleine Hippie-Dorf Nimbin mitten in den Bergen, die Surfstrände entlang der Gold Coast, Noosa mit einen der besten Surfstrände, die schönsten Inseln an der Ostküste mit dem feinsten Vulkansand – die Whitsundays und Magnetic Island zum Schnorcheln und füttern einiger Rock-Wallabys. Cairns war dann nochmal eine Überraschung an sich. Sehr gemütliches kleines Städtchen mit haufenweise Dingen herum. Wir waren im Great Barrier Reef tauchen (EIN MUSS) und sahen einen kleinen „white reef tip“ Hai sowie Schildkröten, Nemos, Rochen und wundervolle Korallen gefüllt mit tausend verschiedenen Fischen. Schnorcheln ist auch schon ziemlich einzigartig. Wir besuchten die Wasserfälle der Crystal Cascades und machten uns auf den Weg in den Regenwald. Wir machten eine erneute Krokodilfahrt auf dem Daintree River mit einem Solarbetriebenen Boot und sahen 4 Erwachsene Krokodile, 3 Babys sowie Schlangen. Zum Abschluss noch einen Besuch einer kleinen organic Farm, wo wir einen klasse Familienvater kennenlernten, welcher uns alles über seine selbstangepflanzten Garten erzählte und wir pflückten alles frisch aus dem Garten und bereiteten danach ein super leckeres Essen zu mit Menschen aus der ganzen Welt – Kanada, Italien, Tasmanien – und teilten alles was wir hatten und spielten zusammen Musik und sangen. Viele Australier sind sehr musikalisch und jammen gerne mit Freunden und Fremden. So eine Jam-Session mitzuerleben bedeutet sehr viel Spaß. 

Um alles abzurunden – ich würde dieses Auslandssemester auf jeden Fall wieder tun, werde immer stets am Reisen bleiben und hoffe alle Freunde mal in ihrer Heimat zu besuchen oder sie an einem anderem Ort wieder zu sehen. Es ist aber dennoch das andere Ende der Welt und alles ist extrem teuer. Man sollte sich nur dessen 2 Faktoren bewusst sein. Wenn man eine Beziehung führt ist das alles nochmal ein bisschen komplizierter, aber auch in Kontakt zu bleiben mit Freunden und Familie. 

Ich kann es trotz allem nur weiterempfehlen! Meldet euch bei mir, falls ihr Fragen habt. 

amelie@salameh.eu

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