Eine tolle Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte

Carolin Binder | LL.M. Studentin


Wo
The University of Melbourne

Zeitraum
2018 - 2019

Was
Master of Laws

Studienprogramm
Masterstudium

Förderung
IRH Förderprogramm

30.07.2019

No worries!

Damit alles reibungslos abläuft und keine wichtigen Fristen verpasst werden, sollte man frühzeitig mit der Planung des LLM Studiums beginnen. Im Rahmen der Planung sollte man insbesondere beachten, dass die meisten Universitäten einen IELTS/ TOEFL Test und auch Empfehlungsschreiben von Professoren voraussetzen, so dass man sich frühzeitig hierum kümmern sollte. Ich habe mich bereits knapp ein Jahr vor Studienbeginn telefonisch mit dem Ranke-Heinemann Institut in Verbindung gesetzt, um nähere Informationen zu erhalten. Nachdem ich dem Institut mitgeteilt hatte, dass ich gerne in ihr Förderprogramm aufgenommen werden würde, haben sie mir eine E-Mail geschickt mit ausführlichen Informationen zu allen Dokumenten, die für die Bewerbung für das LLM Studium an der University of Melbourne eingereicht werden müssen. Die Bewerbung mithilfe des Ranke-Heinemann Instituts erleichtert den ganzen Bewerbungsprozess extrem. Sobald man alle erforderlichen Unterlagen eingereicht hat, übernimmt das Institut alles weitere. In Fall der Bewerbung für einen LLM an der University of Melbourne hat das Institut sogar meine Dokumente kostenfrei in die englische Sprache übersetzt.

Wahl der Universität

Während dem Vorbereitungsprozess steht man unweigerlich vor der Qual der Wahl des richtigen Studienlandes und der Universität. Für mich war von vornherein klar, dass es nach Australien gehen sollte. Einmal in Australien zu leben war schon immer mein persönlicher Traum. Die Wahl der Universität innerhalb Australiens fiel mir dann allerdings nicht mehr ganz so einfach. Australien bietet ein umfangreiches Studienangebot in vielen attraktiven Städten. Für mich kamen insbesondere Melbourne, Sydney und Brisbane in Betracht. Wenn man sich für mehrere Unis bewerben möchte, um sich später zu entscheiden, sollte man beachten, dass in den meisten Fällen eine Bewerbungsgebühr in Höhe von 100 AUD anfällt.
Nach gründlicher Recherche hinsichtlich der Städte und Universitäten habe ich mich dann schlussendlich für die University of Melbourne entschieden. Maßgebliche Entscheidungsfaktoren waren hier insbesondere die Tatsache, dass die University of Melbourne laut dem Ranking der Times Higher Education zu den Top 10 Law Schools weltweit gehört und auch die Tatsache, dass Melbourne mehrere Jahre in Folge zu der „weltweit lebenswertesten Stadt der Welt“ gekürt wurde.

Finanzierung des Studiums

Der Traum einen LLM Studium in Australien zu absolvieren sollte nicht an der Finanzierung scheitern. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die einem die Finanzierung erleichtern. Zunächst einmal hilft einem auch hier wieder das Ranke-Heinemann Institut. Mit Aufnahme in das Förderungsprogramm erhält jeder Bewerber die Möglichkeit einen 10%igen Studiengebührennachlass . Daneben kann man sich auch für das Vollstipendium bewerben, welches das Institut anbietet. In diesem Fall muss man zusätzlich noch ein Motivationsschreiben hinzufügen.
Eine weitere Möglichkeit sind die verschiedenen Stipendienangebote des DAAD und der deutschen Studienstiftung.
Aber selbst wenn es mit einem Stipendium nicht klappen sollte, sollte man die Hoffnung nicht aufgeben. Mittlerweile bieten viele Plattformen sog. Bildungsfonds an, die einem die Finanzierung erleichtern.
Letzte Vorbereitungen in Deutschland
Nachdem man eine Studienplatzzusage bekommen hat, kann die Vorfreude losgehen. Meistens muss man im Rahmen der Annahme des Studienplatzes bereits einen Teil der Studiengebühren als Anzahlung überweisen. Der Rest der Studiengebühren wird dann erst vor Ort nach Immatrikulation in die einzelnen Fächer fällig.
Darüber hinaus sollte man sich so schnell wie möglich um Flug und Visum kümmern. Das Visum wird online beantragt und wird in der Regel auch innerhalb weniger Tage genehmigt. Nichtsdestotrotz sollte man sich aber sicherheitshalber so früh wie möglich darum kümmern. Auch sollte man zumindest für die erste Woche vor Ort ein Hostel oder Hotel (bspw. Melbourne Central YHA oder Space Hotel) buchen, um sich von dort aus auf Wohnungssuche zu machen. Dieses sollte möglichst zentral liegen, damit sowohl der Weg zur Uni für die Willkommenswoche als auch der Weg zu den verschiedenen Suburbs für die Wohnungsbesichtigungen nicht zu weit ist.

Ankunft in Melbourne

Nachdem man nach 24 Stunden endlich am Melbourne Flughafen angekommen ist, kann entweder den kostenfreien Pickup-Service der Universität in Anspruch genommen werden oder man nimmt den Skybus, der einen ins Zentrum der Stadt bringt (19 AUD). Hilfreich ist es, sich dann sofort eine australische Simcard zuzulegen. Hier gibt es verschiedene Anbieter: Telstra, Optus und Vodafone. Telstra bietet wohl den flächendeckendsten Empfang in Australien an, ist allerdings auch vergleichsweise ein wenig teurer. Ich habe mich für einen Prepaid-Vertrag bei Optus entschieden. Für 40 AUD monatlich habe ich 20 GB und kann grenzenlos ins australische als auch ins deutsche Netz telefonieren.
Nützlich ist es darüber hinaus auch, ein australisches Konto zu eröffnen. Dies kann man mithilfe des Ranke-Heinemann Instituts bereits in Deutschland beantragen und holt dann einfach nach Ankunft bei der nächsten ANZ Filiale die Kreditkarte ab.

Wohnungssuche

Auch wenn der Gedanke daran, in ein fremdes Land zu fliegen, ohne bereits eine langfristige Unterkunft vor Ort zu haben, beängstigend ist, würde ich jedem empfehlen, sich erst vor Ort ein Zimmer zu suchen. Auf diese Weise kann man sich von dem Haus oder Wohnung einen persönlichen Eindruck machen und auch ein bisschen mehr über seine potentiellen zukünftigen Mitbewohner erfahren.
Meiner Meinung nach ist die beste Plattform für die Wohnungssuche die Facebookgruppe „Fairy Floss Real Estate“. Darüber hinaus gibt es auch noch Seiten wie Flatemates.com oder Gumtree, wobei die Versuche darüber ein Zimmer zu finden, zumindest bei mir erfolglos geblieben sind.
Wer Wert darauf legt, während seines Australienaufenthaltes auch mit Australiern in Kontakt zu treten, dem würde ich raten sich am besten eine WG mit Australiern zu suchen. Zwar lernt man auch in der Uni den ein oder anderen Australier kennen, die Mehrheit der Kommilitonen besteht allerdings aus internationalen Studierenden.
Was die Lage betrifft, gibt es hier viele Möglichkeiten, je nachdem, was für persönliche Vorlieben man hat.
Wer gerne nah an der Uni leben möchte, um sich Kosten für die Tram zu sparen, der sucht sich am besten ein Zimmer in Carlton, North Melbourne oder Fitzroy. Mit diesen Stadtvierteln kann man auf jeden Fall nichts falsch machen, denn Carlton ist bekannt als „little Italy“ und hat viele nette italienische Restaurants und Eisdielen und Fitzroy ist das „Hipster-Viertel“ mit vielen ausgefallen Bars (oft auch Rooftopbars) und coolen Läden. Wer gerne im Norden der Stadt leben möchte und es ein bisschen günstiger haben möchte, der sollte auf jeden Fall auch Brunswick in Erwägung ziehen. Wie auch Fitzroy, ist Brunswick ein ziemlich alternatives und ausgefallenes Stadtviertel mit vielen Bars und Secondhandläden.
Wer die Nähe zum Yarra River und Botanischen Garten bevorzugt, dem würde ich die Stadtviertel Southbank, South Yarra, Cremorne oder Richmond ans Herz legen. Diese Viertel liegen im Süden der Stadt und befinden sich damit näher an Fluss und Meer. Ich persönlich mag den Süden der Stadt lieber, da man hier viel Grün und auch Wasser finden kann, was ich sehr wichtig finde im unmittelbaren Wohnumfeld. Auch in diesen Vierteln kann man jede Menge Bars und Restaurants finden. Insbesondere South Yarra kann mit der sog. „Chapel Street“ punkten, in der man viele coole Klamottenläden und auch Bars finden kann.
Wer direkt man Strand leben möchte, der sollte sich St. Kilda näher anschauen. Dies ist ein hippes Strandviertel ca. 5 km entfernt von der Stadtzentrum. Hier kann man auch insbesondere abends gut ausgehen. Allerdings sollte man beachten, dass man aufgrund des langsamen Tramnetzes schon gerne mal eine Stunde bis zur Uni braucht.
Leider  ist Wohnen in Melbourne sehr teuer. Durchschnittlich muss man mit einer Miete in Höhe von 200 bis 270 AUD PRO WOCHE rechnen. Die Mieten hier sind daher um ein mehrfaches höher als die in Deutschland. Man kann auch günstigere Zimmer finden, wobei dann oftmals auch der Standard nachlässt oder man in Kauf nehmen muss weiter weg vom Zentrum zu leben und dann wiederum auch viel Geld für Transportkosten ausgeben muss.
Insgesamt sollte man sich aber keine zu großen Sorgen um die Wohnungssuche machen. Die meisten finden tatsächlich innerhalb weniger Tage eine Bleibe mit der sie auch zufrieden sind.

University of Melbourne

Die Uni empfängt einen mit einer fünftägigen ‚Orientationweek‘, in der man die Möglichkeit hat seine zukünftigen Kommilitonen (und Freunde) kennenzulernen und in der einem die wichtigsten Informationen bzgl. der Uni und der Fächer mitgeteilt werden.
Mit mir haben ca. 70 andere den Master of Laws begonnen und wir stammen alle aus 29 unterschiedlichen Ländern, was ich als sehr bereichernd empfinde. Der Großteil meiner Kommilitonen kommt aus Asien und Südamerika. Erstaunlicherweise sind wir nur 5 Europäer in unserem Semester. Dies hat zur Folge, dass ich in manchen Fächern tatsächlich die einzige Europäerin war, was ich sehr interessant fand und auch meine Sichtweise und Perspektive auf manche juristische Aspekte geändert hat.
Was die Fächerwahl angeht hat die Uni Melbourne einiges zu bieten. Man kann aus über 100 verschiedenen Fächern auswählen und sich auf die verschiedensten Rechtsgebiete spezialisieren. Die Besonderheit an dem LLM Studium an der Uni Melbourne ist, dass die meisten Kurse als sog. Intensivkurse angeboten werden. Das heißt, dass sie man sie nicht wöchentlich besucht, sondern es sich um Blockveranstaltungen handelt, die insgesamt über 5 Tage von 9 Uhr bis 17 Uhr stattfinden. Insgesamt muss man acht solcher Kurse belegen, wobei das Fach „Fundamentals of Common Law“ verpflichtend ist. Ich persönlich habe mich bisher auf Fächer aus dem Bereich „International Economic Law“ konzentriert und habe unter anderem Fächer wie „International Investment Law and Abritration“ und „International Business Transactions“ belegt. Ich war insgesamt positiv überrascht von der entspannten Arbeitsatmosphäre in den Kursen und auch von dem hohen Leistungsniveau. Das Notensystem unterscheidet sich von dem, welches wir aus Schule oder Studium in Deutschland kennen. Man kann bis zu 100 % erreichen, wobei man schon mit einer Note über 70% sehr zufrieden sein kann. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, dass man aufgrund des Systems der Intensivkurse viel Freizeit hat, sollte man das Arbeitspensum nicht unterschätzen. Auch wenn es nicht mit dem Arbeitsaufwand vergleichbar ist, welches man für die Vorbereitung auf das Staatsexamen aufbringen musste, ist man zeitlich doch schon recht ausgelastet. Vor jedem Kurs erhält man einen Ordner mit den Kursmaterialien, der meistens ca. 500-700 Seiten enthält und bestenfalls vor Kursbeginn durchgearbeitet wird. Nach dem Intensivkurs hat man dann meistens die Wahl entweder ein sog. Take-Home-Exam über drei Tage zu schreiben (5.000 bis 6.000 Wörter) oder eine Hausarbeit (meistens bis zu 10.000 Wörter). Nichtsdestotrotz wird man aber dennoch genug Zeit finden sich das schöne Land anzuschauen und ein bisschen rumzureisen ☺

Leben in Melbourne bzw Australien

Das Leben in Australien geht insgesamt entspannter zu als in Deutschland. Die Worte, die einem hier wohl am meisten begegnen sind „No worries“. Egal, was ist, man sollte sich erstmal keine Sorgen machen ☺. Die Australier sind sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. Mich hat die australische Art von Anfang an positiv überrascht. Insbesondere am Anfang habe ich oft um Rat gefragt, wenn ich mal wieder die falsche Tram aufgrund des Linksverkehrs genommen habe oder einfach nach dem Weg gefragt habe und bin immer auf hilfsbereite und interessierte Menschen gestoßen.
Melbourne als Stadt hat eine Menge zu bieten. Jeden Tag kann man etwas anderes erleben. Was sehr angenehm ist, ist das der Central Business District (CBD) sehr überschaubar ist und man von einem zum anderen Ende zu Fuß nur etwa 20 Minuten braucht. Ansonsten kann man sich innerhalb des CBD auch kostenfrei mit der Tram bewegen. Außerhalb der „Free Tram Zone“ kann es allerdings recht teuer werden. Eine Monatskarte für das öffentliche Verkehrsnetz kostet beispielsweise ca. 150 AUD.
Ansonsten hat Melbourne das ganze Jahr über mehrere Festivals und Events, so dass es nie langweilig wird. Im Winter kann sich mittwochs beispielsweise die Zeit auf dem Queen Victoria Night Market vertreiben und viele der dort angebotenen Köstlichkeiten probieren. Im November sorgt dann der Melbourne Cup für Aufregung und im Januar die Australian Open. In Melbourne vergeht eigentlich kein Wochenende, wo nicht in irgendeinem Stadtteil irgendein Event oder kleines Festival ist. Oder man lässt sich von den Australiern anstecken und geht zu einem von den AFL (Lieblingssport der Australier in Victoria) im MCG (Stadion). Ansonsten kann man sich seine Zeit auch immer gut in einer der Rooftopbars, in St. Kilda oder bei ein paar Dumplings in Chinatown vertreiben ☺.
Was viele an Melbourne bemängeln ist das Wetter. Sicherlich kann man an anderen Orten in Australien konstanteres und wärmeres Wetter finden als in Melbourne. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass das Wetter in Melbourne immer noch um einiges angenehmer ist als in Deutschland. Selbst im Winter hat man noch reichlich Sonnenstunden und kann an dem einem oder anderen Tag sogar mittags draußen essen. Wechselhaft ist das Wetter insofern als das mal ein Tag tolles Wettet bei 30 Grad sein kann und der nächste Tag dann schon wieder 15 mit Regen. Aber insgesamt kann man sich denke ich nicht beschweren ☺ Das einzige, was man beachten sollte ist, dass es im Winter in den Häusern und Wohnungen extrem kalt werden kann, da diese schlecht bis gar nicht isoliert sind und nachts im Winter die Temperaturen auch mal bis zum Gefrierpunkt gehen. Viele Häuser haben keine Heizungen oder es wird vermieden diese einzuschalten, da die Heizungen meist über Strom laufen und dieser teuer ist in Australien. Warme Wintersachen und am besten eine Wärmflasche sind also empfehlenswert.

Fazit

Insgesamt ist das Jahr in Australien eine tolle Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte. Das Schönste an dem Jahr ist, dass es mir die Möglichkeit gegeben hat Menschen aus den verschiedensten Ländern der Welt kennenzulernen, die ich heute meine Freunde nennen darf.
Ich kann daher nur jeden ermutigen, die Chance zu ergreifen ins Ausland zu gehen und sich auf das Abenteuer einzulassen! – Also: No worries ;)!
Schlussendlich möchte ich mich auch noch einmal herzlich bei dem Ranke-Heinemann Institut für die Hilfe und Unterstützung bedanken.

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