Unglaublich viel Eigenständigkeit, Unabhängigkeit und Verantwortung erlangt

Claudia Elbracht | Schnupperstudentin


Wo
La Trobe University

Zeitraum
2016

Was
u.a. Geologie

Studienprogramm
Schnupperstudium

Förderung
IRH Förderprogramm

30.06.2016

Schnupperstudium an der La Trobe University

Strandhäuschen Australien

Hi, ich heiße Claudia, bin 19 Jahre alt, komme aus Hamburg und habe gerade ein Semester an der La Trobe University in Melbourne, Victoria, Australien verbracht. Nachdem ich mein Abitur im Sommer letzten Jahres hinter mich gebracht habe stand für mich eigentlich fest, dass ich auf jeden Fall nochmal nach Australien wollte, da ich vor vier Jahren schon mal ein halbes Jahr in Adelaide zur High School gegangen bin und dort das Land einfach lieben gelernt habe. Die Frage war nur: was tun in Australien? Es gibt so viele Möglichkeiten, von work and travel, über einfach nur Urlaub bis halt zum Studium. Hier bin ich besonders auf die Möglichkeit eines Schnupperstudiums bei Ranke-Heinemann gestoßen, was eigentlich alles abgedeckte, wonach ich gesucht habe: nochmal verschiedene Bereiche ausprobieren, bevor man sich für einen Studiengang entscheidet, die australische Kultur und Leute noch mehr kennenlernen und nochmal in einer anderen Stadt wirklich zuhause sein, anders als bei Work and Travel, wo man dann ja doch eher nur in Hostels wohnt und viel am Reisen ist. So kam es, dass ich mich nach einem halben Jahr FSJ in Deutschland bei Ranke-Heinemann zu einem Schnupperstudium an der La Trobe University beworben habe.

Warum La Trobe?

Meine erste Recherche hatte sich eigentlich auf Adelaide fokussiert, aber an den Universitäten dort habe ich dann doch irgendwie nicht so richtig das gefunden, was mich wirklich interessierte. Dies änderte sich, als mich einer meiner Freunde aus High School Zeiten auf die La Trobe Uni in Melbourne aufmerksam gemacht hat. Dank der übersichtlichen Profile der verschiedenen Unis von Ranke-Heinemann bin ich schnell auf das riesige Angebot, das insbesondere auch für internationale Studenten verfügbar ist, aufmerksam geworden und konnte so die Kurse rauspicken, die mich wirklich interessierten. Das waren zunächst Neuroscience, Introduction to Aboriginal Australia und Professional Writing. Ratz fatz in die Bewerbung bei Ranke-Heinemann eingetragen und innerhalb weniger Wochen kam dann auch schon der Offerletter und wenig später dann die Confirmation of Enrolment. Es stand fest, ich würde im Februar nach Australien fliegen! Nachdem dann die letzten Fragen, wie z.B. die Öffnung eines Bankkontos, Versicherungen etc. pp. mit Frau Paul im Hamburger Büro geklärt waren, das Visum beantragt und Flüge gebucht waren, konnte es dann auch losgehen!

Ich habe mich entschieden, mich für On-Campus Accomodation, sprich das Studentenwohnheim auf dem Campus zu bewerben. Auf dem La Trobe Campus gibt es drei Wohnheime, Glenn College, Menzies College und Chisholm College, die alle verschiedene Schwerpunkte und Mottos haben. Ich habe mich hier für das Chisholm College beworben, zum einen da es das preiswerteste der drei ist, und zum anderen, da Chisholm auch das „international College“ ist, also das Wohnheim, in dem die meisten international students untergebracht sind. Der Vorteil bei allen on-campus accomodations: internationalen Studenten ist ein Platz garantiert, wenn sie sich vor einer bestimmten Deadline bewerben! Auch wenn die Studentenwohnheime in Australien bei weitem nicht so preiswert sind, wie manch andere in Deutschland, schien mir dies doch als die beste Möglichkeit, basierend auf verschiedenen Gründen: 1) die Nähe zum Campus. Ein Pro, das ich besonders bei 9am Vorlesungen und Kursen zu schätzen gelernt habe, aber auch die Bequemlichkeit, in der Pause einfach nach Hause gehen zu können und was kochen und essen zu können, oder nicht all seine Schulmaterialien die ganze Zeit mit sich rumschleppen zu müssen. 2) die Gemeinschaft.

Es ist unglaublich einfach, viele neue Leute, so wohl aus Australien als auch aus anderen Ländern kennenzulernen, da man schlichtweg einfach mit ihnen zusammen wohnt. Und da alle in der gleichen Situation sind und die Australier eh eine sehr offene und herzliche Natur haben, fühlt man sich hier schnell zuhause. Außerdem kann man so auch ein bisschen Geld sparen, wenn man z.B. Töpfe und Pfannen teilt. 3) Organisation. Die Accomodation Services sind rund um die Uhr für einen da. Sei es nun Security, die einen dann auch mal von der Bushaltestelle abholen, wenn es doch mal etwas später geworden ist oder die social events, die insbesondere auch nochmal die Gemeinschaft stärken, man fühlt sich in den Wohnheimen immer sicher und gut aufgehoben.  

Erste Wochen

Ein großer Vorteil der La Trobe Uni und der Studentenwohnheime ist auf jeden Fall der Airport-Pickup, d.h., dass die Uni einen vom Flughafen abholt und zum Wohnheim fährt. Das ist natürlich besonders praktisch, wenn man gerade einen Langzeitflug hinter sich hat, was bei mir allerdings nicht der Fall war, da ich vor meinem Aufenthalt in Melbourne eine Woche bei meiner ehemaliger Gastfamilie in Adelaide verbracht habe. Trotzdem ist es natürlich schön zu wissen, dass man sich nicht um den Transport seines ganzen Gepäcks bei Ankunft kümmern muss.

An der La Trobe Uni gibt es außerdem schon vor dem Abflug Angebote, die internationalen Schülern den Übergang erleichtern. Z.B. die Pre Departure Briefings online, oder die „Transition to La Trobe“-Facebook Gruppe. Außerdem gibt es vor Ort auch eine spezielle Orientierungswoche für internationale Studenten vor der normalen O-Week, in der zum einen das Enrolment vervollständigt wird und zum anderen aber auch viele events zum Kennenlernen der Umgebung, Leute und der Uni und ihren Regeln und zur Orientierung stattfinden. Hier lernt man dann auch den „Exchange Club“ mit seinen „Buddy Groups“ kennen. Dieser Club hat sich den kulturellen Austausch zur Aufgabe gemacht und organisiert über das Jahr immer wieder Veranstaltungen, die Leute zusammenbringt. Die einzelnen Wohnheime haben an der La Trobe auch sogenannte „international ambassadors“, also Mitbewohner, die schon ein paar Jahre hier zur Uni gegangen sind und in den Wohnheimen gelebt haben, die sich speziell um die internationalen Studenten kümmern und vor allem in dieser Zeit viele Veranstaltungen organisieren, die es einem erleichtern sollen, in die australische Kultur einzutauchen. In meiner Orientierungswoche waren das zum Beispiel eine Reptile-Show und ein Besuch der Victoria Night Markets in der Stadt, aber auch alltägliche Dinge, wie der Weg zum Supermarkt oder wo man denn nun eine Handykarte herkriegt stehen auf dem Programm. Dieses ist natürlich trotzdem noch komplett freiwillig, aber ich kann allen empfehlen, die Gelegenheit zu nutzen, um sich schnellstmöglich einzuleben.   

La Trobe

Der La Trobe Campus liegt in Bundoora, ca. eine Stunde mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der Innenstadt entfernt und ist an sich recht groß, aber auch grün und schön her gemacht. Mitten auf dem Campus liegt z.B. der berüchtigte Tümpel „The Moat“ und im Sommer kann man hier dann die kleinen Entenbabys und die Kakadus und Papageien beobachten. Während des Semesters fährt der „Glider“ über den ganzen Campus, ein Bus, der für Studenten umsonst ist. Dieser fährt sogar bis nach Polaris, das kleine Shoppingcenter, in dem auch der Supermarkt enthalten ist (welcher sich sonst aber auch bequem in 15min zu Fuß erreiche lässt). Den Glider kann man außerdem auch nachts telefonisch erreichen und sich an einem der Stops abholen lassen. Herz des Campus ist die „Agora“, der Innenhof in der Mitte des Campus, der diverse kleine Cafes, Restaurants, Services und die große und übersichtliche Bibliothek beherbergt.

Falls einen die Größe des Campus dann zunächst doch etwas überfordert gibt es auch Hilfe! Es empfiehlt sich hier die App „Lost on Campus“, die eine komplette Karte des Campus beinhaltet, einem aber auch sagt, wo man selbst denn nun eigentlich ist.

An der La Trobe Uni gibt es außerdem diverse Clubs und Assoziationen, sowie die La Trobe Student Union, die u.a. Reisen, aber auch andere Veranstaltungen und diverse andere Dinge organisiert und für die man während der Orientierungswoche, aber auch danach noch, Mitgliedschaften erwerben kann. Das große Angebot an Clubs findet man auf der Website der Uni. Hier reicht das Angebot von den üblichen Dingen wie Fußball, Hockey, Musikgruppe über Frisbee und Mountaineering bis zu Quidditch und Dumbledore’s Army. Außerdem haben die einzelnen Fakultäten auch noch ihre eigenen Clubs.  

Ich kann jedem, der ein Interesse für Campen und Abenteuer hat und der für kleines Geld ein bisschen in der Umgebung und in der australischen Natur rumkommen will, den Mountaineering Club nur ermpfehlen. Der Club organisiert Ausflüge, auch über mehrere Tage, in die umliegenden Nationalparks oder sogar in den Schnee, wo man dann Kajaken und Klettern geht und an steilen Felswänden hochkraxelt. Aber auch Höhlentouren oder Wandertouren stehen auf dem Programm. Die erste Tour, die über ein ganzes Wochenende ging, ging bei mir in die Cathedral Ranges und war eine Erfahrung, die ich auf gar keinen Fall missen möchte! Sie hat auf jeden Fall die Abenteuerlust in mir geweckt, als wir durchs Wildwasser Kajak gefahren sind oder die steilen Felswände hochgeklettert sind. Der Club stellt hier einen Großteil der Ausrüstung und Einweisung und man ist für sehr wenig Geld dabei. Außerdem gibt es unter der Woche Kajak-Poolsessions, in denen man die Eskimorolle und andere Tricks lernen kann oder Kajakpolo spielt und Klettersessions an der Kletterwand des Sportcentres.

Der Unterricht und die Kurse an der La Trobe sind im Prinzip recht ähnlich aufgebaut: Es gibt Vorlesungen, Tutorien und in den naturwissenschaftlichen Fächern Laborstunden. Wenn einem ein Fach nicht gefällt, kann man dieses innerhalb der ersten drei Wochen kostenlos und problemlos wechseln oder abwählen. So habe ich auch mein Fach „Introduction to Aboriginal Australia“ mit Geologie ausgetauscht, da es dann doch nicht ganz das war, was ich mir darunter vorgestellt habe. Seinen Stundenplan kann man hier zum Teil sogar selbst über das Portal AllocatePlus erstellen, d.h. man kann sich z.B. eine der vielen Tutoriumszeiten aussuchen, wie es einem denn nun am besten in den Kram passt. Über das Semester verteilt gibt es verschiedene benotete Assignments, wie z.B. Essays, Folios oder Lab Reports und in einigen Fächern am Ende des Semesters dann Prüfungen, die je nach Fach unterschiedlich viel zählen. In der Regel gibt es aber auch in jedem Fach spezifische Hilfe, wenn man Probleme mit verschiedenen Aufgaben hat, oder auch den allgemeinen support, wie die Peer Learning Advisors, die gerne mal Probe lesen usw. Und die Professoren und Übungsgruppenleiter sind auch immer aufgeschlossen und hilfsbereit. Das Englisch war hier für mich eigentlich nie ein Problem, aber auch hier gab es Angebote zur Unterstützung für internationale Studenten, wenn man es braucht.  

 

Melbourne

Melbourne hat nicht umsonst mehrere Jahre in Folge den Titel „Most Liveable City“ bekommen. Dazu zählt nicht nur die niedrige Kriminalitätsrate oder der hohe Lebensstandard, aber auch die Zufriedenheit der Einwohner. Und die kann man spüren! Die meisten Menschen in Melbourne sind aufgeschlossen, freundlich, interessiert und super hilfsbereit! Man braucht nur verwirrt aussehen und einem wird Hilfe angeboten. Dies sind nun Eigenschaften, die man den meisten Australiern schon zusprechen kann, aber in Melbourne wird das Ganze dann doch nochmal auf den Höhepunkt getrieben. Die Bevölkerung ist hier generell sehr multikulturell und lebt das auch aus! Immer wieder gibt es Straßenfeste und Veranstaltungen mit verschiedenen Themen und Schwerpunkten. Melbourne ist nie gleich und langweilig wird hier einem sicher nicht!

Die Stadt an sich ist mit ihrem schachbrettartigen Straßennetz sehr übersichtlich und trotzdem gibt es noch kleine heimelige Gassen, Innenhöfe etc. en masse. Besonders bekannt ist hier wahrscheinlich die Hosier Lane, die von oben bis unten mit Grafitti besprüht ist und mitten in der Stadt liegt. Außerdem erwähnenswert sind die botanischen Garten, in die viel Liebe und Aufwand gesteckt wird und die selbst im Winter noch blühen. Die Stadtteile Fitzroy und Brunswick sind für ihre Bars und Tanzclubs bekannt und auf der Southbank kann man gemütlich entlang des Yarra essen und spazieren gehen. Jeder Austauschstudent sollte außerdem einmal ein Footyspiel im MCG Stadium besuchen! Und natürlich gibt es auch noch die wunderschönen Strände, wie in St. Kilda oder Brighton, in denen vor allem im Sommer immer viel los ist!

Bei den Wohnheimstudenten ist vor allem das Stolberg Cafe, welches ca. 15min mit der Straßenbahn entfernt liegt, beliebt, das jeden Dienstag Studentenspecials auf Lager hat und in dem die legendären „Stollies Tuesdays“ begangen werden.

Im Allgemeinen ist es sehr einfach in Melbourne von A nach B zu kommen. Hier hat man drei verschiedene Möglichkeiten: Der Zug, der Bus oder die Straßenbahn. Hier braucht man nur ein einziges Ticket und zwar seine „myki card“, die man fast überall kaufen kann und auch an jedem 7/11 oder Kiosk, aber auch an den Stationen selbst wieder aufladen kann.

Sonstiges

Jeder der nach Australien kommt sollte auf jeden Fall so viel reisen wie es nur geht! Australien ist ein riesiges und vielfältiges Land und jede Ecke hat ihre eigenen Besonderheiten und Charme. Zu erwähnen ist hier natürlich die Great Ocean Road zwischen Melbourne und Adelaide, zu der man auch ganz einfach durch seine Connections im Wohnheim oder durch den Exchange Club seine eigene preiswerte Reise organisieren kann. Die Student Union organisiert hier aber auch was oder vielleicht organisiert der Mountaineering Club sogar noch eine Wanderung entlang der Küste. Dann gibt es natürlich noch das Postkartenmotiv Outback und die Ostküste und Sydney, die auf dem klassischen Touristenprogram stehen. Wem das Ganze zu weit ist kann ich aber auch die umliegenden Gegenden wie Wilsons Prom oder die Grampians nur wärmstens empfehlen! Im Allgemeinen ist die Landschaft und Natur in Australien unglaublich!

 

Wer sein Budget ein wenig aufbessern will, kann hier bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten. Studentenjobs sind hier generell sehr einfach zu finden. La Trobe besitzt auch eine Website mit dem Namen Career Hub, der es einem hier sehr erleichtert. Leute mit Barista-Erfahrung wird es nicht schwer fallen einen Job zu finden, aber auch Studenten ohne Erfahrung werden nicht verzweifeln. Ich habe über den Career Hub einen sehr guten Job auf dem Campus mit flexiblen Arbeitszeiten gefunden, der mein Reisebudget um einiges erhöht hat!

Was hat mir das Studium gebracht?

Zum einen lernt man bei einem Schnupperstudium natürlich mehr über seine akademischen Interessen und was man denn nun eigentlich machen will und verbessert sein Englisch, aber für mich hat das „Alleineleben“ in einem anderen Land einen viel größeren Effekt gehabt. Zum einen habe ich unglaublich viel Eigenständigkeit, Unabhängigkeit und Verantwortung erlangt, aber durch den Kontakt mit so vielen verschiedenen unterschiedlichen Menschen und Kulturen erweitert sich auch der Horizont generell. Ich habe nun Verbindungen zu Menschen, die auf dem ganzen Planeten verstreut sind und habe Freundschaften geschlossen, die hoffentlich noch lange anhalten.

 

Ich danke allen, die mir dieses Semester ermöglicht haben, insbesondere auch dem Institut Ranke-Heinemann für die Beratung und super gute Organisation. Auf dass ich bald zurückkehren kann!  

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