Ich habe nicht eine Sekunde an meiner Entscheidung gezweifelt
Studentin Erfahrungsbericht Australien

Corinna Mazurek | Jura Studentin


Was
Master of Laws

Studienprogramm
Master

Förderung
IRH Fördeprogramm

31.07.2017

Wartet nicht mit Eurer Bewerbung!

Bondi Beach

'I've been around the world a couple of times or maybe more, I've seen the sights, I've had delights on every foreign shore. But when my mates all ask me the place that I adore I tell them right away give me a home among the gumtrees…'

Auch wenn John Williamson, ein bekannter australischer Country-Sänger, vermutlich nicht die Metropole Sydney mit diesem Lied gemeint hat, beschreibt er doch das Gefühl, das ich nach der Absolvierung eines Freiwilligen Sozialen Jahres in Australien (im Anschluss an mein Abitur) hatte und mich letztendlich dazu bewogen hat, in das Land meiner Träume zurückzukehren. Falls Ihr Zweifel haben sollte, ob sich ein Master of Laws in Australien lohnt – finanziell, zeitlich oder beruflich -, solltet Ihr diese verwerfen und Euch mit Hilfe des Ranke Heinemann schnellstmöglich an einer Institution in Down Under bewerben. Bereits nach dem ersten Semester kann ich Euch sagen: Ihr werdet es nicht eine Sekunde lang bereuen!

Der Bewerbungsprozess

Mir war relativ schnell klar, dass ich gerne einen Master of Laws in Australien absolvieren würde - die Frage war nur wo. Obwohl ich durch mein FSJ 2009/2010 eine günstige Wohnmöglichkeit und einen festen Freundeskreis in Armidale, einer 20.000 Einwohnerstadt in NSW, gehabt hätte, habe ich mich gegen die University of New England, und für die University of New South Wales (UNSW) aus den folgenden drei Gründen entschieden:

  • Spezialisierungen im Rahmen des LL.M

Die UNSW bietet im Rahmen des LL.M. mehrere Spezialisierungen an, so dass nahezu jedes juristische Interessengebiet abgedeckt wird. Nach dem generellen Jurastudium in Deutschland konnte ich es kaum erwarten mich endlich auf 'Human Rights and Social Justice' zu fokussieren. Außerdem sind sogenannte Clinics an die juristische Fakultät angebunden, in denen ihr Euer theoretisch erlerntes Wissen anwenden könnt und von erfahrenen Praktikern begleitet werdet.

  • Sydney

Ich bin ein Stadtmensch. So sehr ich das australische Countryleben auch genossen habe, ich wollte nicht zurück in eine 'rural area'. Aus Berlin kommend, konnte ich mir nicht vorstellen wieder auf Cafes, Bars, Restaurants, Festivals, etc. für ein Jahr zu verzichten. Nach einem halben Jahr in Sydney kann ich Euch sagen, dass ich nicht enttäuscht worden bin und diese Stadt einiges zu bieten hat.

  • Sonne, Strand und Meer

Natürlich möchten wir alle unser akademisches Wissen vertiefen, unser Englisch verbessern und einen internationalen Abschluss am Ende des Jahres erhalten, aber ganz ehrlich: Es gibt einen guten Grund dafür, warum wir unser Studium ausgerechnet in Down Under absolvieren wollen und das sind nicht nur die ausgezeichneten Universitäten. Sydney hat neben vielseitigen kulturellen Angeboten wunderschöne Strände für die Ihr gerade im Sommer dankbar sein werdet – ein weiterer Pluspunkt für die Stadt.

Nachdem ich den Entschluss gefasst habe, an der UNSW in Sydney zu studieren, habe ich mich aufgrund eines Aushangs in meiner Universität an das Ranke-Heinemann Institut (RHI) gewandt. Natürlich hätte ich mich auch direkt an der UNSW bewerben können, aber neben meinem Vollzeitjob und der bevorstehenden finanziellen Belastung erwies sich der Service des RHI mehr als hilfreich: Nicht nur, dass das Institut alle erforderlichen Bewerbungsunterlagen übersetzt, zertifiziert und auf meinem Bewerbungsportal hochgeladen hat, die Mitarbeiter beantworteten all meine Fragen innerhalb kürzester Zeit und berieten mich ausführlich über Alternativprogramme und andere Universitäten. Der Bewerbungsprozess wurde nach Abgabe meiner Dokumente an das Institut vollständig von mir abgenommen, so dass ich mich binnen weniger Tage über einen Studienplatz an der UNSW freuen konnte. Aus meiner Perspektive könnt Ihr von dem kostenlosen Service des RHI nur profitieren, nicht zuletzt wegen der garantieren Studienbeihilfe in Höhe von 5 – 10 % Eurer Studiengebühren für ein Semester.

Unterkunft

Wie in jeder Großstadt, ist es nicht einfach eine günstige Wohnung oder ein günstiges Zimmer zu finden, gerade wenn Ihr Euch aus dem Ausland aus umschauen müsst. Die bekanntesten Websites in Australien sind wohl flatmates.com.au und gumtree.com.au. Persönlich würde ich von den Studentenwohnheimen auf dem Campus abraten, da diese zum einen relativ teuer sind, und zum anderen mit einer Mindestvertragslaufzeit verbunden sind. Ich hatte das Glück, dass ich bereits in Berlin über einen Freund ein Zimmer in Woollahra gefunden habe und mich nicht erst in Sydney um eine Unterkunft kümmern musste. Woollahra, sowie andere Eastern Suburbs, kann ich nur empfehlen, da sich diese Stadtteile nicht nur in Strandnähe (Bondi Beach in meinem Fall) befinden, sondern die UNSW sowohl mit dem Bus als auch mit dem Fahrrad innerhalb von 20 Minuten zu erreichen ist. Falls Ihr in unmittelbarer Uninähe wohnen wollt, solltet Ihr Euch in Randwick, Kingsford oder Kensington umschauen.

O-Week

Die UNSW bietet eine Woche vor Studienbeginn die sogenannte O-Week (Orientation Week) an, an der Ihr definitiv teilnehmen solltet. Während der O-Week werden nicht nur Campustouren, Einführungsveranstaltungen oder auch Partys angeboten, sondern auch die einzelnen Clubs und Societies vorgestellt, denen Ihr beitreten könnt. Die FilmSociety, zum Beispiel, bietet für einen Mitgliedsbeitrag von nur $5 pro Semester einmal pro Woche Filme und Pizza in Räumlichkeiten der Universität an. Als Jurastudent/in würde ich der Law Society beitreten, auch wenn diese Gruppe zunächst ziemlich versnobt klingt. Ich kann Euch aber aus persönlicher Erfahrung garantieren, dass diese Leute ziemlich gut wissen wie man feiert, aber gleichzeitig auch großartige Veranstaltungen mit Politikern, Juristen, NGOs oder Kanzleien veranstalten. Darüber hinaus könnt Ihr während der O-Week alles Organisatorische erledigen, wie Euren Studentenausweis beantragen oder ein australisches Konto eröffnen. Generell gleicht der Campus einem kleinen Dorf und verfügt über eine Poststelle, ein Fitnessstudio, ein Ärztehaus, Banken, Restaurants, Pubs, Medibank und noch vieles mehr.

Studium

Die Vorlesungen im ersten Semester entsprachen ganz meinen Vorstellungen: Kleine Kurse, gute Gruppendiskussionen, interessante Kommilitonen und ausgezeichnete Professoren, die nicht nur alle erfahrene Praktiker waren, sondern auch jederzeit persönlich oder elektronisch kontaktiert werden konnten. Meine Gesamtnoten setzten sich aus mündlichen Vorträgen und Essays zusammen, die im Durchschnitt jeweils 4000-6000 Wörter umfassten. Wenn Ihr die bereitgestellten Materialen lest, in den Vorlesungen mehr oder weniger aktiv mitarbeitet und Eure Essaythemen einigermaßen gut bearbeitet, werdet Ihr keine Probleme haben. Ich habe bisher von einer Person gehört, die durchgefallen ist und das lag aber daran, dass sie kaum Englisch sprechen konnte.

Finanzierung

Sydney hat viel zu bieten, ist aber leider auch die zweitteuerste Stadt in der Welt. Um das Leben hier zu genießen, solltet Ihr Euch vorab überlegen, wie Ihr Euren Lebensunterhalt finanzieren werdet. Wenn Ihr Euch neben einem Dach über dem Kopf und der notwendigen Nahrungszufuhr, ab und an einen Kaffee oder ein Abendessen mit Freunden gönnen wollt, das Nachtleben in Sydney nicht missen möchtet und vielleicht das Opera House oder andere Kulturhäuser von Zeit zu Zeit besuchen wollt, solltet Ihr mit Gesamtkosten von mindestens $1700/Monat rechnen, wobei Ihr ein Zimmer, je nach Größe und Lage, zwischen $200-400/Woche bekommen könnt. Mit Eurem Studentenvisum dürft Ihr während des Semesters maximal 20h/Woche arbeiten, wobei der Mindestlohn inzwischen bei knapp €20/h liegt. Das Gute ist, dass diese zeitliche Limitierung nicht für die Semesterferien gilt, so dass Ihr in der Zeit theoretisch Vollzeit arbeiten könntet. Zudem bietet die UNSW diverse Scholarships an, für die Ihr Euch definitiv bewerben solltet. Hinsichtlich der Finanzierung der Studiengebühren solltet Ihr Euch für ein Stipendium beim DAAD bewerben oder Euch über die verschiedenen Bildungsfonds informieren.

Nach meinem ersten Eingewöhnungsmonat in Sydney habe ich mich auf Jobsuche begeben und bin relativ schnell fündig geworden. Sydney ist zwar voll mit internationalen Backpackern, vor allem deutschen, aber gerade in der Gastronomie gibt es zahlreiche Jobmöglichkeiten. Falls Ihr keine Lust auf Gastro haben solltet, bietet, unter anderem, die UNSW ihre eigene 'Career‘ Website an, auf der Ihr speziell auf Studenten zugeschnitten Stellenausschreibungen in allen möglichen Bereichen finden könnt. Nach zwei Monaten in einem Cafe habe ich als studentische Hilfskraft im Zulassungsbüro der UNSW angefangen, wo ich während des Semesters zwei- bis dreimal pro Woche gearbeitet habe und in den Semesterferien sogar Vollzeit. Natürlich werdet Ihr allein mit Eurem Studium gut beschäftigt sein, aber Ihr werdet trotzdem genug Zeit haben, um Geld dazu verdienen zu können und das Leben in Down Under zu genießen.

Freizeit

Der letzte und wichtigste Punkt: Reist soviel wie möglich, genießt aber auch Eure Zeit in Sydney.

Erkundet die verschiedenen Stadtteile Sydneys, wie Newtown oder Surry Hills für ausgefallene Restaurants/Bars und geht ins Opera House – vor allem wenn indigenous Tanzgruppen, wie das Bangarra Dance Theatre oder Djuki Mala in der Stadt sind. Geht ins Ritz-Kino für einen Filmklassiker, in die O Bar für einen grandiosen Ausblick, in die Play Bar oder in die Sappho Books Wine Bar für Livemusik, besucht Carriageworks, den Marrickville Market an Sonntagen und das Vivid Festival im Juni. Macht den Bondi to Coogee Coastal Walk, schnappt Euch ein Surfboard und versucht die ersten Wellen zu reiten, geht aus und tanzt bis der Club schließt – was in Sydney leider seit den lockout laws in der Regel 2-3 Uhr morgens bedeutet. Nichtsdestotrotz, Ihr werdet Euch in der Stadt nicht langweilen und immer wieder neues entdecken, zum Beispiel eine Oper in der Damentoilette des Queen Victoria Buildings.

Zusammengefasst:

Trotz der hohen Studiengebühren habe ich nicht eine Sekunde an meiner Entscheidung gezweifelt und würde sie jederzeit wieder genauso treffen. Das RHI übernimmt für Euch den ersten Schritt, also wartet nicht mit Eurer Bewerbung!

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